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Stadtpfarrkirche in Pfaffenhofen

Montag, 12. Januar 2009

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↓ wir sind alle taugenichtse ↓

Am Sonntag hielt Stadtpfarrer Faulhaber die Morgenmesse. Ein Segen gegenüber den Messfeiern mit dem indischen Kaplan (siehe den nachfolgenden Bericht).

Was passt mir nun schon wieder nicht?

Wir sind ein kleines Häuflein Leute an jedem Sonntagmorgen um 7:00 Uhr. Immer die gleichen, immer am selben Platz, immer das gleiche Ritual.

Es war der Gottesdienst zum Paulusjahr. Einmal mehr erfuhren wir in der Einleitung, dass wir eigentlich nichts taugen. Sünder. Ständig böse unterwegs. Darum muss uns der liebe Gott da herausholen. Muss uns verzeihen, sonst haben wir keine Chance in der Zeit nach dem Tod. Dabei wollen wir gar nicht in diese Zeit. Wir haben Angst vor ihr.

Stellen wir uns doch einmal vor, der liebe Gott fände es ganz o.k., wie wir uns durch unser Leben schlagen. Dann könnte der Herr Stadtpfarrer uns glatt loben. Er könnte sich freuen, weil wir so brav immer wieder zu ihm kommen. Allerdings hätte dann Gott auch nichts zu verzeihen. Was würde er denn dann tun? Bräuchten wir dann überhaupt eine so riesige Kirche, wie die katholische?

Wenn unser Papst, ich kenne ihn aus seiner Regensburger Zeit sogar persönlich, wieder etwas veröffentlicht, zu unserem Seelenheil, so wurde das in tagelangen Gesprächen im Vatikan so erarbeitet, dass wir es um Himmels Willen nicht verstehen und vor Ehrfucht erstarren. Dabei merken wir auch, wie dumm wir eigentlich sind.

Als Jesus durch den Nahen Osten zog, sprach er mit der Zunge des Volkes, damit es ihn verstanden hat. Und wenn das nicht reichte, erklärte er es ihm in Gleichnissen.
Er hat schon auch an ihm, dem Volk, herumgemeckert, aber er hat es auch gelobt. Immer wieder.

Ein kluger Neuzeitlicher hat gesagt, dass wir dem Erschöpfer dieser Welt die missratenen Menschen nicht in die Schuhe schieben dürfen. Das sei zu einfach.
Gott ist unfehlbar. Also kann ihm beim Erschaffen von uns auch kein Fehler passiert sein.
Na was nun?

Wer hat uns dann kaputt gemacht? Keiner von uns, denn wir sind ja gottgeschaffen, makellos. Wir hatten das gar nicht drauf, das Kaputtmachen! Wenn ich jetzt als Jünger der Mathemathik, die stammt ja indirekt auch vom lieben Gott, denn nachweislich konnte er bis sieben zählen: Am siebten Tage sollt ihr ruhn, wenn ich also zwei und zwei zusammenzähle, kommt göttliches Versagen dabei heraus. Was erfreulich menschlich wäre.

Allerdings müsste man dann die jahrtausende währende Verteufelung von uns Erdenwürmern glatt als verwerflich an den Pranger stellen. Nur an welchen Pranger?

Da ich die Mutter Gottes sehr gerne mag, sie kam mir von Kindeszeiten an so menschlich vor – meine herzensgute Mutter hieß obendrein auch noch Maria – habe ich mich immer diebisch gefreut, wenn sich die Kirche mit Mariens Schwangerschaft herumschlug.

Die Erfindung des heiligen Geistes, ich weiß allerdings nicht, wer sein geistiger Vater ist, eröffnete den christlichen Interpretatoren Tür und Tor. Genial!

Dann stand ich eines Tages in Würzburg staunend und schmunzelnd vor dem Tympanon einer Marienkircheneingangstüre. In Stein gehauen, wunderschön anzusehen, thront Gottvater, sehr plastisch zu erkennen und bläst mit einem halboffenen Rohr der unter ihm, klar: unter, knienden Maria etwas ins Ohr. Maria gegenüber steht ein Engel, die Verkündigunsbanderole in der Hand.
So und jetzt kommt es, was mein christliches Denken sehr verändert hat: Das »etwas« ist der klitzekleine Jesus, der in dem Rohr ein »Bauchrutscherl« macht, hinein in Marias Ohr.
Problem der Schwangerwerdung gelöst! (Foto kommt noch).

Das wäre es. Eine heitere Kirche. Eine Kirche, die lacht. Einmal eine Predigt erleben, aus der man gestärkt für die ganze Woche herausgeht. Nicht wieder niedergebrettert, wo man doch schon genügend down ist.

Aber nein, wir sind umzingelt von lauter schwarzen Schafen, für die wir voll verantwortlich sind. Wieso eigentlich wir?

Ketzerisch gefragt: In zweitausend Jahren hat es die christliche Kirche nicht geschafft, uns gut, oder wenigstens ein wenig besser zu machen. Da könnte man schlußfolgern: Ziel nicht erreicht.
Wie wäre es denn mit einer anderen Methode? Vielleicht funktioniert die fröhliche besser?

Ja, ja, grau ist alle Theorie. Vor lauter ständigem Verteufeln wissen unsere Priester bestimmt nicht, wie fröhlich missioniern geht. Kaum in Afrika, dann erst recht nicht in aufgeklärten Industrienationen. Fatal. Zum Heulen.

Raus aus der Sackgasse.
Zurück zu Paulus.
2009 ist sein Jahr. Ein Prototyp des Sünders. Er hat die Christen verfolgt. Damals nach Jesus. Dann hat die Göttlichkeit ihn umgedreht. Um einhundertachtzig Grad. Spektakulär, so spektakulär, dass sogar ein ganzes Paulus-Jahr herausgesprungen ist.

Wieso hat das damals so easy funktioniert?

Im Evangelium habe ich es gestern erfahren: Die Göttlichkeit hat ihn nicht verteufelt, sondern aufgehoben, als er gerade wieder ein paar Christen zur Verurteilung schleppte und dabei auf die lästerliche Schnautze gefallen war. Dann sagte sie, die Göttlichkei, bestimmt mit ruhiger Stimme, während er sich den Dreck aus seinen Klamotten klopfte: Da geht’s lang, mein Freund!

Und Paulus ging in die andere Richtung. Ohne Widerrede.

Wie man in den Wald hineinschreit, kommt es wieder heraus …

… hat meine Mutter Maria immer gesagt!

Januar 09