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Pfaffenhofen, Trabrennbahn Hopfenmeile

Mittwoch, 5. Mai 2010

♣ Brot und Spiele ♣


Die Auferstehung, natürlich nicht die unseres Wolkenchefs, der an diesem Montagabend etwas indisponiert gewesen sein muss, weil es die mitunter arg dunklen Himmelsgebilde nun wirklich nicht gebraucht hätte, es ging vielmehr um die Auferstehung der Hopfenmeile.
Ein paar engagierte Typen, die Stockerbrothers Bernhard und Norbert und Marketingfuchs Markus Käser wälzten den riesigen Stein vom Grab einer einmaligen, wunderschönen Rennbahn, damit letztendlich die Abrißbirnen und Bulldozer gar nicht mehr antreten müssen, weil man Lebendiges ja nicht ungestraft kaputtmachen darf.

Die schnellen Pferdln hat der Max Stadler, der Präse von Daglfing, organisiert, die knackigen Mädles, Radio IN und das Fernsehen der Bürgermeistermacher Käser, der Bernhard die Wurstsemmeln und die Trinkerei und – jetzt wird es sensationell – der Norbert hat ein Hallertauer Gourmetmenü mit irrem Rennbahnblick gezaubert.
Da kannst du die diversen Palazzospielereien beinahe vergessen! Denn was ist schon ein halbnackiges Zirkuspferd  im Glitzertanga gegen eine gewonnene Dreierwette mit ein paar tausend Euro Diridari im Hosensack.
Frei nach Qualtinger: Eine matte Sache.

Angespornt durch acht spannende Rennen, haute die feine Küche im SKY-Restaurant so gewaltig auf den Putz, dass unser Tisch, mit lauter Feinessern hochkarätig besetzt, nur noch sprachlos mampfte und wettete, und wettete …
Die eigenwillige Formulierung soll ein wenig die tolle Stimmung zwischen dampfenden Nüstern und feinsten Gelüsten rüberbringen. Wird wahrscheinlich nicht ganz gelingen.
Deshalb stelle ich jetzt ziemlich ganz lapidar die vier Rennteller vor.

Nach einem Exquisiten Urbanus Kellerweizen mit Sekthefe im hübschen Bonsaiweißbierglasl trumpfte Norbert mit perfektem Spargelsalat mit Sc. Vinaigrette, Salzbutter, Premiumspeck und Bio-Wecken so gewaltig auf, dass das restliche Starterfeld fast keine Chance mehr haben konnte.

Denkste!

Kraftbrühe (wundervoll kräftig, vorbildlich abgeschmeckt) mit Brätstrudel (Spitzenklasse), Gemüsestreifen und Safranfäden (etwas zu wenig, aber die sind sündhaft teuer, liegen für ein paar Gramm im Gewinnbereich einer anständigen Viererwette).
Die leichte Unschärfe im Bild kommt daher, weil ich gerade um meine Siegwette etwas gezittert hatte. Immerhin gab es 17 für 10. Oder so ähnlich. Lernt man alles zwischen den Gängen. Von knackigen Wetthelferinnen. Oder kam das Zittern von …

Langsam näherten sich die Rennen dem Höhepunkt. Die Internationalen rasten um das Oval. 2100 Meter, bergauf und bergab. Gibt es meines Wissens nirgendwo in der Traberwelt. Nur hier, im neuen Hopfennabel edler Rennpferde. Pfaffenhofen an der Ilm! Whow … mehr sog i ned!

Drittes Rennen, Norberts Nabel für Nobelesser auf wuchtigem, weißen Teller:
Filetgulasch in Steinpilz-Bockbiersoße und angebräunter Breznknödel
.
Man merkt, dass die Bahn einer Brauereibesitzerin gehört. Urig, deftig, edel. Perfekt. Beinahe. Das nächste Mahl drei Schwammerl mehr und die fast knusprigen Knödelscheiben separat serviert. Trotzdem: Sieg in neuer Abendbestzeit!

Im vierten Rennen wird sicher nichts mehr anbrennen.

Logo!

Erdbeertiramisu im Weckglasl

Der Wahnsinn.

Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

Sollte jetzt bei meinen Bloggern eine leichte Traurigkeit aufkeimen, weil Sie nicht dabei sein konnten,  dagegen habe ich einen heißen Tipp:

28.06.2010 18:00 Uhr

Rechtzeitig reservieren, denn an der Fensterfront im 1. Rang finden leider nur ein paar Wett-Genießer Platz. »Wer zuerst kommt, der mahlt zuerst«, wenn es in edlem RömerBayrisch wieder heißt

♣ panem et circenses ♣

Hier die Telefonnummer: 08441-72002

Noch die Bewertung des Hallertauer Gourmetmenüs

panem et circenses = Wahnsinnswetten, Feinfuttern und prächtig amüsieren
wie bei den alten Römern halt!

PS: Noch so ein Renntag, dann empfehle ich Bürgermeister Thomas Herker (lieferte im Privatrace »Rivalen der Rennbahn« mit Weltamazone Lindinger ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen – am 28. kämpft Claudia Jung vielleicht gegen Alfons Schuhbeck) eine naheliegende Städtepartnerschaft zwischen
Rom am Tiber und Pfaffenhofen an der Ilm

Waldspielplatz in Reisgang/Pfaffenhofen

Donnerstag, 15. April 2010

♣ uns geht’s net noß nei ♣

Man nehme einen eiskalten, patschnassen April-Mittwochabend (das Foto stammt aus der Zeit vor Christus) und fahre hinauf zum Waldspielplatz, um blaue Wunder zu erleben.

Wunder 1
massig Autos, aber immer noch Platz genug.

Wunder 2
gerade noch Platz in der eher nüchternen, nirgendwo wolperdingernden Gaststube. Ein Tisch drischt lautstark Schafköpfe auf die blanke Platt’n. Daneben berichten sich fünf Weibsbilder ihre FamilienundMännerabenteuer. Sehr interessant. Dann handgemalte Mannsbilder. Sportler. Auch Exsportler. Keine Haubentaucher. Daheim haben sie sicherlich Weiber. Keine Gänse. Ihre Welten sind in Ordnung. Sie lieben Ihre Waldwirtschaft. Wegen der Kuchenbackwirtin und dem Leiter der MTV-Leichtathletik. Dem Sepp.

Wunder 3
Johanna bedient an sich verboten. Aber nur für einen Senilosexler, wie mich, der haarscharf vor dem Seniloseptler steht. Haarscharf wohlgemerkt! Husky-Maus Steffi hatte beim Freisitz-Schnitzel (siehe unten) kurz vorbeigeschaut. Gott sei Dank nur kurz! Auch eine der verboten feschen Servicerehe im Waldspielplatz. Kommt von der Waldesnähe. Herrschaftseiten, wenn ich bloß noch spielen könnte …

Wunder 4
Sepp sitzt neben mir, ein wahres Wunder, und verdrückt mit sichtbarem Genuß Milzwurst mit Kartoffel-Gurkensalat (5,90 €). Tagessonderangebot.  Sepp ist, wie gesagt, der Wirt. Ein sturer Beitl. Dass er neben mir sitzt, ist eines meiner größten Verdienste. Eines schönen Tages werde ich ihn kassiert haben.  Nach dem Motto »Schlag den Raab«, natürlich nicht, sondern: »Schlag den Kili«!

Wunder 5
Currywurst mit Pommes (4,40 €), die 22 te. Halbzeit. Vielleicht komme ich damit jetzt schon ins Guinessbuch der Rekorde? Ist mir aber Wurscht, weil sie einfach immer schmeckt, auch wegen der Pommes. Beim letzten Cordon Bleu mit Pommes und Salat (9,60 €) hätte ich mich beinahe überfressen. Den Preis haben Sie schon gelesen? Wann hocken denn Sie da droben?

Inzwischen war es stockfinstere Nacht. Da gibt es keine blauen Wunder mehr.
Das nächste Mahl esse ich keine Currywurst, vielleicht Gröstl mit Spiegelei (ist schon passiert) oder Spaghetti mit Speckfedern. Sie wissen nicht, was das ist? Hinfahren und probieren und Sie werden sich wundern. Aber erst im Wonnemonat Mai!


Bewertung

Kornexl in Jochestein an der Donau bei Passau

Montag, 22. März 2010

♥ für pfadfinder mit sattel und flossen ♥

In vielen, vielen Jahren habe ich immer wieder an das Donauwirtshaus in Jochenstein denken müssen, weil die Erlebnisse dort ungewöhnlich nachhaltig gewesen sind. Knapp dreißig Jahre sind es her, dass uns Anneliese und Ludwig bei Fernsehaufnahmen eines handfesten, urigen Fischgasthauses begeistert haben. Faszinierend war ihr Umgang mit den schuppigen Gesellen: Früh am morgen die Kerle aus der graublauen Donau gezogen, dann in riesigen Trögen gewässert, bis sie in die Pfanne oder den Topf kamen. Gewässert, klar, aber wie gewässert. Über eine eigens gebaute, ein paar hundert Meter lange Leitung  holte sich der Wirt ein traumhaftes Nass aus einer Laubwaldquelle. Und so schmeckten seine Fische auch. Besonders draußen im Garten, nur durch einen Radlweg von den Dampfern getrennt. Idyllisch ist harmlos formuliert!

Ein paar Milliarden Liter dürften durch das Jochensteinkraftwerk geplätschert sein, dann kam Bettina. Filius Klaus hatte das Prachtweib von einem Bauernhof im nahen Wald losgeeist. Dafür bekommt er von mir auf Lebzeiten einen Brutzelfreibrief. O.k., o.k., beinahe!
Die Alten haben inzwischen übergeben und die Jungen haben renoviert. Au weh, aus ist es mit der patinierten Wirtschaft!

Von wegen, die Schwiegertochter hat Geschmack und den Architekten vergewaltigt, er musste das machen, was sie wollte. Hervorragend, denn es kam ein Schmuckstück heraus, sogar noch mit Zimmern. Nicht nur für Radlfahrer auf ihrem Weg von Ulm nach Wien. Ich rate jedem Droschkenkutscher unbedingt zu Fisch mit Kopfkissen, weill dann die ewige Freizeithetzerei auf Zeitlupe heruntergefahren wird. Außerdem macht Bettina das Frühstück, weil nebenbei Florian und Laura in die Schule verfrachtet werden müssen.

Und wo bleiben die viel gerühmten Fische?

Heute gab es Donau-Nasen. Ein Karpfenfisch. Das Angebot wechselt quasi täglich, g’rad was Wirt und Koch Klaus im Morgennebel aus dem Wasser zieht. Fangfrischer Donaufisch, gebacken oder blau, mit Petersilienkartoffeln, Remoulade, natürlich hausgemacht, mir etwas zu süß, bzw. Buttersauce (tut mir hier besonders weh) und einen gemischten Salattteller (Beilage bei allen Fischen gleich). Geht los bei 6,50 €, je nach dem was der Schwimmer auf die Waage bringt. Natürlich bringt Ursula, coole Servicefrau,  auch Bassinfische, Wildschweinbraten, Schnitzel Wiener Art und Currywurst mit Pommes frites. Nicht alles aus dem breiten Fluß. Forelle zum Beispiel, gebraten, serviert man im Kornexl ab August aus dem eigenen Teich.

Meine (7,40 €) kam aus Österreich mit Zwischenstation Laubwaldquelle und schmeckte ausgezeichnet, köstliche Haut, ebenso schmackhaft die kräuterigen Erdäpfel. Kräftig gemeckert habe ich über den Salat – und auch nicht gegessen. Hoffentlich nur ein Ausrutscher. Probiert habe ich für alle Nichtgrätenfreaks den Sauerbraten mit Knödel (Semmelknödel, Eigenbau, gut) und Salat (8,50€) (siehe vorher), und einen Bissen vom Wildschweinbraten mit Knödel, Preiselbeerzitrone und Salat (10,20 €). Beides enttäuschte sowohl vom Fleisch, als auch von der Soße.

Ergo: Man sollte beim Kornexl Fisch essen und dann Bettina fressen.
Zwar nicht mit Haut und Haaren, aber ihre Windbeuteltorte (1,90 €). Sie bäckt gerne, und das schmeckt man. Halleluja!

Dann schaut dich dieses g’rade Weib an und alles löst sich auf in Wohlgefallen.

Wenn schon nicht am Stammtisch, spätestens traumhaft auf dem Kopfkissen.

Bewertung

Stifts-Bräustüberl in Reichersberg/Österreich

Montag, 22. März 2010

♣ eisfisch ade ♣

Welch eine Schande, in diesem Winter war es nix mit Kettensäge und Eisblock. Kein wuchtiger, glasklarer Innfisch zierte die Terrasse vor dem Klosterarreal. So blieb dem terenc-hill-äugigen Schnitzkünstler und Küchenchef Sepp Hödl nur ein Austoben bei den Fischwochen, bevor die weißen Luxusstangerl die Küche überschwemmen.

Und ich bin eine Fleischkatze und kein Flossenfreak! Eine ideale Voraussetzung, um nachzusehen, ob meine Huldigungen im Buch auch noch gerechtfertigt sind.

Sind!

Alles blieb. Helene ist noch zehn Zentimeter höher, Filiz noch zehn Grad begehrenswerter und der turmhohe Wirtezahnstocher Robert hat die Wirtschaftswinterpause genutzt, um zehn Prozent lässiger zu wirteln. Anstrengende Weinverkostungen, natürlich nur zum Wohl seiner Gäste, steckt die lange Latte weg, wie nix.

Chorherrn habe ich keinen gesehen, war ja auch Sonntagmittag, dafür aber tausend Gläubige, die allesamt an Hödl glauben. An seine Kunst zu kochen. Proppenvoller Laden, rotbäckige Genießer, überladene Fisch-Reindl und Gambagemäldeplatten nebst Soßenseen. Fehlt nur noch der gemeine Instaustufen-Hummer, der aber nur an eisigen Vollmondnächten um Nulluhrdreißig selten beißt.

Hinter der Türe versteckt, an einem winzigen Katzentischerl gab es gerade noch ein winziges Platzerl für meine läppischen hundertzwanzig Kilo. Selbst im Bayernsaal futterten Heerscharen der Crew um Robert-Leuchtturm die Schuppen vom Kopf.

Nur der Küchensepp konnte nicht strahlen, weil seine unverschämte Schifahrerbräune es überdeckte. Der wird leider jedesmal einen Tick frecher zu mir. Irgendwann hau’ ich den in eine seiner Pfannen. Bin ja schließlich eine Respektsperson.

Von wegen. Warum schreibe ich dann so deppert?

Weil ich einfach etwas von der megapositiven Stimmung am Kloster rüberbringen will!

Gelingt nicht? Dann bleibe ich fastenzeitnüchtern und berichte emotionslos:
… feine klare Fischsuppe »Shanghai« exotisch, würzig, mit Asiagemüse und Hummerchips (3,4 €)
Eine einzige Lüge, denn ich hasse Fischsuppen. Sie war gar nicht klar, weil so viel drin war! Nur kein Hai! Shang-Hai, ich glaub’s nicht: dafür Seelachs und Welsfilet. Perfekt, nicht zu scharf. Julienne von Sellerie, Lauch, Karotten, Zuckerschoten, Bambussprossen, Glasnudeln, Sojabohnen, Chili, Ingwer und Kreuzkümmel. Kreuz wegen der, Sie wissen schon. Köstlich!

feine Matjesfilet »Hausfrauenart« mit Sauerrahm-Apfel-Zwiebelsauce und Dampferdäpfeln, garniert 7,40 € (auf dem Foto eine kleine Portion). Kettensägen-Sepp schnitzte. Aufrecht ragte das Matjesdoppelfilet mit Schwanzl in den Stiftshimmel. Mit dem Kirchturm um die Wette. Hervorragend, auch, weil es Petersilienerdäpfel gab, wegen der Optik und dem Geschmack. Sagt der Sepp. Die Sauce, keine Soße, wegen der vielen Touristen, kann man auch ohne Fisch essen, denn sie grenzt an einen Geschmacksorgasmus. Hoffentlich habe ich mich jetzt nicht versündigt.

… deftiges Surbrad’l mit Semmelknödel, Erdäpfeln, Brad’lsauce und Speckkrautsalat (8,70 €) (auf dem Foto eine kleine Portion). Halleluja wäre es gewesen, wenn der Weinverkosterwirt Robert sich nicht so versündigt hätte: In einem Wort Bradl und Sauce. Er soll sich der Sünden fürchten. Göttliches Kruschperl, saftiger, nussiger, gesurter Schweinerücken, lauwarmer, perfekt zubereiteter Krautsalat. Sepp, bist scho a HödlHund!

… Dessert-Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster (5,9 €)(auf dem Foto eine kleine Portion). Hurrah, endlich kann ich meckern: Röster nicht selber geröstert, Schmarrn zu wenig karamelisiert. Geh zum Breitenlohner in Lehre!

Ätsch! Bagasch.
Ich freue mich schon auf den Terrassenfrühling mit Spargel bei Euch. Dann schreibe ich den Artikel nämlich gleich mit Blick auf den Inn dank W-Lan in den Chorherrenhimmel

Bewertung

Meint Ihr, die haben auch ein Zimmer für mich, die Chorherren. Wegen einer Weinverkostung???????

Brandheiß, ganz ohne Eis, aber deswegen nicht ohne, dann schnitzt HammelHundHödl mit ‘ner Melone:

Solange er den Bedienungen nicht mit seinem stählernen Schnitzmesser an die Wäsche geht, ist ja alles in Ordnung!
Und noch etwas: Von gut unterrichteten Greisen hört man, das HammelHundHödl auch kochen kann! Sogar sehr gut …

essBar in Tandern

Donnerstag, 4. Juni 2009

♥ mit und ohne turnschuh’ ♥

Die Adresse Jahnstraße 10 verrät schon, dass mein brandneuer Geheimtipp etwas mit Turnerei am Hut haben muss…

Doch der Reihe nach.

Tandern, kennt kein Mensch, liegt pampas-abseits. Nicht einfach so dahingesagt, nein wirklich. Selbst neunmalkluge, elektronische »bitte wenden, bitte wenden sie jetzt«-Quasseltanten in unseren Blechkarossen sind unter Umständen überfordert.
Eigentlich ist es aber Tradition, dass man sich, um ins Paradies zu gelangen, gewaltig anstrengen muss. Sonst wird es nichts mit den gebratenen Tauben, die einem in den Mund fliegen! Auf geht’s!
Ich würde Google-Map empfehlen und einen halben Liter Pfadfindergeist. Hat null Promille und läßt den Führerschein unbehelligt.

Geschafft.

Sie stehen vor dem stattlichen Sportheim des FC Tandern. Zwischen zwei Fußballfeldern eingeklemmt. Die Frage: Mein Gott, was soll ich denn hier? und das Zertrümmern des Navigationsgerätes zeigen, dass Sie von nichts eine Ahnung haben.
Leider liegt Tandern nicht in Frankreich, denn dort würden Feinesser locker fünzig Kilometer fahren, um zwischen Fußballtoren Zitronengrassuppe zu löffeln. Geil. Und den Freund und der den Freund und der den usw. Bescheid sagen von einem Restaurant mit Crossover und Tradition am kreidigen Anstoßpunkt.
Im Ludwig-Thoma-Land im Norden Dachaus, einen Steinwurf vom Kirchenkunstwerk in Altomünster entfernt, da ist alles anders. Hier isst die Welt noch in Ordnung. Hier isst die Welt bestenfalls Pizza mit Eimerbelag und Nudeln mit Packerlparmesan. Hier ist niemand böse, wenn er eine halbe Stunde auf sein Trinken warten muss, weil der Stiefelsieder ‘halt eine Schlaftablette ist.

Aber bitte, diese Toleranz giltet nicht für die beiden Michalke-Jungspunde Daniel (am Kochtropf) und Tobi (am SugarShaker und Servierbrettl), die da glauben, der FC T müsse mit einem viereckigen Fußball kicken, nur weil sie das Innere des Sportheimes in eine beispielhaft schicke Bude verwandelt haben.
Tolle Drinks und Zitronengras. Pfui Teufl.
Da nützt es überhaupt nichts, dass die Kerle einheimisch sind. Das auch noch, diese Nestbeschmutzer!
Ein echter Tanderner isst seinen kalten Leberäs’ bei seiner Frau. Daheim. Basta! Den kriegt die auch immer gleich gut hin. Wirklich.
Zum Pfündl in Niederdorf rennen sie in Scharen. O.k. der kocht oft recht anständig, aber es macht doch auch mal Spaß, zwei so einfallsreiche Burschen großzuziehen, und dann damit anzugeben, nach dem Motto: Mir san a wer!
Nein, nicht ums Verrecken. Da kassiert der Verein lieber noch den Löwenanteil an der Sauferei, damit die ja keinen Fuß auf den (schein)heiligen Rasen kriegen. Das grenzt schon fast an ein Ludwig-Thoma-Stück
l mit dem Titel: 

Moritat vom Elend am Elfer

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Natürlich habe ich auch gegessen, schön blöd’ wär ich gewesen, wenn nicht.
Ich saß auf der Terasse in der untergehenden Abendsonne, junge Kornfelder im glitzernden Gegenlicht, am Tisch Rentner und Ex-Maurer Karl, aus dem Ort. Vor mir Tradition in witziger Variante, abgeschmolzene Brez’nscheiben mit Zwiebeln in einer Tafelspitzbrühe (2,90 €). Der Laugengeschmack  liefert den Kick dieser Köstlichkeit. Daniel will nach meinem Gemecker am BreznBrotBrei in Zukunft die Breznstücke härter altern lassen, damit sie nicht mehr widerlich batzig den sonst perfekten Eindruck schmälern. Mustergültig der Beilagensalat zum Sauerbraten mit Butterspätzle und kleinem gemischtem Salat (11,80 €), knackig, different, gute Salatsoße, vielleicht einen Ticker mehr Süße. Das aber ist Geschmacksache.

Salat

Richtig Kritik übe ich am stylischen Besteck. Wertvoll, mit einem stehenden Messer, o.k., und einer urigellergebogenen Gabel, die sich unvermeidbar in die Handfläche bohrt, nicht o.k..  Gag um des Gags willen!

Die Spätzle eidottergelb und knopfig, die Soße bayrisch ohne Rosinen, das Fleisch reichlich, es war der leckere Rest vom Schützenfest, bissig bis mürbe, sauber pariert.
Zum Sauerbraten gibt es bei mir ein Referenzgericht im Schloß Hallburg in Volkach mit der Note 1, ohne Haut, im Freien genossen. Daniel schaffte immerhin 2, trotz dicker Haut. 

Noch eine Vorgabe, dieses Mahl von Helmut Breitenlohner: karamellisierter Kaiserschmarrn Mandeln, Rosinen und Apfelmus  (5,80 €), das Apfelmus mit Preiselbeeren. Gleiche Wertung wie beim Hauptgang.

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Es folgt, gerade hier besonders wichtig, ein  Fazit:
Ihr Feinesser von Pfaffenhofen, Aichach und Dachau vereinigt Euch, zieht keine Turnschuhe an und fresst dem Daniel und Tobi die Haare vom Kopf. Damit die nicht eines unschönen Tages mit wallenden Mähnen auf und davon sind!

Bewertung
note2

Daten
www.essbar-tandern.de
86567 Tandern, tel: 08250-927685, eMail: restaurant@essbar-tander.de
Montag zu, mittags auch, außer am Wochenende

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Kaiser der Turnschuhe