
↓ nix los unterm sombrero ↓
Eine Bowlingfirma hat per Rechtsanwalt verlangt, dass wir den nachfolgenden Artikel wegen des Tatbestands der Schmähkritik aus dem Netz entfernen müssen. Wir haben den Vorwurf prüfen lassen. Wir erwidern den Angriff auf die Pressefreiheit und stellen den Artikel wieder ins Netz:
Die Sonntagsbruncher waren gerade beim Umziehen, nach Nebenan, zu den modernen Bowlingbahnen, als wir einliefen. Um das üppige Mahl wegzukegeln. Heftig war das junge, trendgerecht gepiercte und tatoote Personal dabei, die Tische wieder in eine restaurantgerechte Normalanordnung zu versetzen. Alles verbunden mit viel Radau und junger, lauter Musik der Stilrichtung »hipp-hopp-hauptsache-topp«. Susann brauchte das, swingte die jungen Hüften mit riesigem Ewiggemälde in blau, da wo der Rücken immer spannender wird.
Genau, wie ein Spanner kam ich mir vor. Doch es blieb mir nichts anderes übrig, denn sie bediente uns. »Wegsehn’ nutzt nix«, hätte Wolfgang Ambros gesungen. Der wa aber nicht da. Dafür reichlich Jugend. Und ein Tisch aus Korea.
Behaupte ich mahl.
Mahl ist ein gutes Stichwort. Von der üppigen, sicher ewig gleichen Karte versuchte ich eine Hot Chicken Sopa (4,20 €), die eine beispielhafte, üble Haut zog, aber überraschend gut schmeckte. Süß, von der Kokosnuss und scharf, von mexikanischen Chilis.
Behaupte ich mahl.
Dessen Hauptgerichte waren: einmal Steak, saftig gegrillt mit Pommes frites, Marielitas-Special-Sauce und Salat (14,50 €), Beilage auf Ofenkartoffel mit Sour Cream gewechselt, ohne Aufpreis. Der Beilgensalat mit Hausdressing ist nur für geschmacklose Hühner genießbar, die Kräuterbutter ist für 250g Lende zu wenig, den Marielitasdip im Bonsaiumfang gibt es erst nach Abmahnung. Den hatte der Mann in der Küche vergessen – ich sage Mann, denn Koch kann Walid, ein gebräuchlicher Name in der arabischen Welt, bei der gezeigten Leistung nicht sein. Üppig Sour Cream gab es dagegen, die leider zu den schlechtesten zählte, die ich je vorgesetzt bekam.
Behaupte ich mal.
Mein Teller hieß: Steak on Mushroom, mit gegrillten Champignons, Zwiebeln, Ofenkartoffel. Dazu Sour Cream und Salat (15,50 €). Das auf den Punkt medium gegrillte Fleisch, zäh wie eine Schuhsohle aus Hartgummi. Was das wohl für eine hochinterssante Rinderrasse ist, die Argentinischen »La Morocha« ? Kämpft sicher irgendwo in der Pampas ums Überleben wegen Klimaschmutz. Dabei kommen dann diese Lendenstücke heraus. Mein Rentnergebiss wurde bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit gefordert.
Spass beiseite, Walid herbei, von mürbem Lendensteakfleisch oder gar Abschmecken hat er keine Ahnung.

Das mit Abstand Beste, dort im Bannkreis der donnernden Bowlinkugeln, ist Susann. Egal ob mit oder ohne. Tatoo natürlich. Sie (und die Sopa) verhindert fröhlich agierend, hüftswingend, den Sechser.
Jawoll!
Bewertung
Abschließend ein kluger Satz zur Horizonterweiterung für den Anwalt des Wirts:
DIE PRESSE MUSS DIE FREIHEIT HABEN, ALLES ZU SAGEN, DAMIT GEWISSE LEUTE NICHT DIE FREIHEIT HABEN, ALLES ZU TUN
am besten einfach hinter die Ohren schreiben!
Eines ist sicher, wir gehen dort nicht mehr hin. Auf Wirte, die zum Anwalt rennen, als besser zu kochen, verzichten wir gerne. Es würde uns sehr interessieren, wie Sie, liebe Leser, dazu stehen. eMail an: ateca@gmx.net Vielen Dank!

