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Marielitas in Pfaffenhofen/Ilm

Sonntag, 8. März 2009

↓ nix los unterm sombrero ↓

Eine Bowlingfirma hat per Rechtsanwalt verlangt, dass wir den nachfolgenden Artikel wegen des Tatbestands der Schmähkritik aus dem Netz entfernen müssen. Wir haben den Vorwurf prüfen lassen. Wir erwidern den Angriff auf die Pressefreiheit und stellen den Artikel wieder ins Netz:

Die Sonntagsbruncher waren gerade beim Umziehen, nach Nebenan, zu den modernen Bowlingbahnen, als wir einliefen. Um das üppige Mahl wegzukegeln. Heftig war das junge, trendgerecht gepiercte und tatoote Personal dabei, die Tische wieder in eine restaurantgerechte Normalanordnung zu versetzen. Alles verbunden mit viel Radau und junger, lauter Musik der Stilrichtung »hipp-hopp-hauptsache-topp«. Susann brauchte das, swingte die jungen Hüften mit riesigem Ewiggemälde in blau, da wo der Rücken immer spannender wird.
Genau, wie ein Spanner kam ich mir vor. Doch es blieb mir nichts anderes übrig, denn sie bediente uns. »Wegsehn’ nutzt nix«, hätte Wolfgang Ambros gesungen. Der wa aber nicht da. Dafür reichlich Jugend. Und ein Tisch aus Korea.
Behaupte ich mahl.

Mahl ist ein gutes Stichwort. Von der üppigen, sicher ewig gleichen Karte versuchte ich eine Hot Chicken Sopa (4,20 €), die eine beispielhafte, üble Haut zog, aber überraschend gut schmeckte. Süß, von der Kokosnuss und scharf, von mexikanischen Chilis.
Behaupte ich mahl.
Dessen Hauptgerichte waren: einmal  Steak, saftig gegrillt mit Pommes frites, Marielitas-Special-Sauce und Salat (14,50 €), Beilage auf Ofenkartoffel mit Sour Cream gewechselt, ohne Aufpreis. Der Beilgensalat mit Hausdressing ist nur für geschmacklose Hühner genießbar, die Kräuterbutter ist für 250g Lende zu wenig, den Marielitasdip im Bonsaiumfang gibt es erst nach Abmahnung. Den hatte der Mann in der Küche vergessen – ich sage Mann, denn Koch kann Walid, ein gebräuchlicher Name in der arabischen Welt, bei der gezeigten Leistung nicht sein. Üppig Sour Cream gab es dagegen, die leider zu den schlechtesten zählte, die ich je vorgesetzt bekam.
Behaupte ich mal.
Mein Teller hieß: Steak on Mushroom, mit gegrillten Champignons, Zwiebeln, Ofenkartoffel. Dazu Sour Cream und Salat (15,50 €). Das auf den Punkt medium gegrillte Fleisch, zäh wie eine Schuhsohle aus Hartgummi. Was das wohl für eine hochinterssante Rinderrasse ist, die Argentinischen »La Morocha« ? Kämpft sicher irgendwo in der Pampas ums Überleben wegen Klimaschmutz. Dabei kommen dann diese Lendenstücke heraus. Mein Rentnergebiss wurde bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit gefordert.

Spass beiseite, Walid herbei, von mürbem Lendensteakfleisch oder gar Abschmecken hat er keine Ahnung.

paf-marielitas-innen1

Das mit Abstand Beste, dort im Bannkreis der donnernden Bowlinkugeln, ist Susann. Egal ob mit oder ohne. Tatoo natürlich. Sie (und die Sopa) verhindert fröhlich agierend, hüftswingend, den Sechser.

Jawoll!

Bewertung

note5

Abschließend ein kluger Satz zur Horizonterweiterung für den Anwalt des Wirts:

DIE PRESSE MUSS DIE FREIHEIT HABEN, ALLES ZU SAGEN, DAMIT GEWISSE LEUTE NICHT DIE FREIHEIT HABEN, ALLES ZU TUN

am besten einfach hinter die Ohren schreiben!

Eines ist sicher, wir gehen dort nicht mehr hin. Auf Wirte, die zum Anwalt rennen, als besser zu kochen, verzichten wir gerne. Es würde uns sehr interessieren, wie Sie, liebe Leser, dazu stehen. eMail an:  ateca@gmx.net Vielen Dank!

Hopfn-Sepp im Hotel Hallertau in Wolnzach

Montag, 10. November 2008

↓ frühling im november ↓

  • Die Sonne. Unvorstellbar. Wir saßen auf der Terrasse und mussten den Sonnenschirm aufspannen. Absolute Spitze.
  • Der Simon. Herzerfrischend ungekünstelt freundlich. Jung und trotzdem Spitze.
  • Die Speisenkarte. Überschaubar. Nicht ungewöhnlich. Zufriedenstellend.
  • Der Küchenchef. Er war da. Obwohl nichts los gewesen ist im Hopfn-Sepp des Hotels Hallertau. Seine Leistung war teilweise miserabel.

↓ Ich finde es generell eine Unverschämtheit für so viel Geld seinen Gästen so lieblos und unprofessionell angerichtete Speisen vorzusetzen! ↓

Der Reihe nach.

Mediterrane Fischplatte von dreierlei Fisch in Kräuterbutter gebraten auf Schwenkgemüse mit Knoblauchbaguette (13,80 €) hieß der erste Gang. Bei der Brotbeilage ist dem Topfrücker nicht gerade Umwerfendes eingefallen. Wenn er dann die geschmacklich akzeptablen Baguettes wenigstens separat in einem kleinen Körbchen geliefert hätte. Nein, nur so gelang ihm ein beispielhaft unappetitlicher »Tellerhaufen«!

Kennt der Mann den Unterschied zwischen Schmor- und Schwenkgemüse? Kennt er nicht! Gerade mal der Lachs hat etwas Geschmack, die beiden anderen Flossentiere und selbst das einsame Krustentierchen fallen schlicht und ergreifend durch. Fad, nur die Kräuterbutter konnt’ es richten!
Nächste Katastrophe Kalbsleber »Berliner Art« mit Apfelscheiben, Röstzwiebeln und Stampfkartoffeln (12,90 €) zählt zu den Spitzengerichten meiner Test-Reinfälle im letzten Jahr! Ganz schnell: Simon, der freundliche Bursche, der uns bediente, bot an, dass die Küche die Schuhsohlen mit dem Kartoffelgips neu zubereiten soll.

»Die Küche hätte die Leber durchgebraten, weil das die meisten Gäste so wollen«, meinte er. Die sollten weniger meinen und dafür handwerklich sauber kochen, meinte ich und lehnte ab, verlustierte mich an den essbaren Fleischteilen und den matschigen Apfelscheiben. Nicht einmal die Zwiebel hatte die Küche »geröstet«, wie in der Karte angekündigt. Dafür gab es eine weitere Frechheit, aus der Fritteuse.

In einem Schälchen bekam ich dann, als ich fertig gegessen hatte, wunschgemäß Bratkartoffel, die wenigstens ihre gestampften Kollegen in den Schatten stellten.

Lieblos oder unbedarft, das scheinen in diesem Haus geflügelte Worte zu sein (Service, noch einmal betont, ausgenommen). Das Pils, ein halber Liter, lobenswert, servierte Simon im Null-acht-fünfzehn-Bierglas. Entsetzlich. Weil man ja im Herzen des hübschen Hopfenlandes keine Ahnung von Bierkultur haben muss!

Doch die herrlich warme Novembersonne vergoldete gnädig jeden Schluck.

Den Entschädigungsespresso lehnten wir dankend ab.

▼ Vom Gold der Holledau hatten wir im Hotel Hallertau nicht einen Hauch gespürt. Sehr schade. Nix wie weg. ▼

Bewertung

note5

Bayerischer Hof in Miesbach

Montag, 1. Januar 2007

peirats night

Hätte man mir gesagt, dass ich mich bei der Miesbacher Schatzinsel für 40 Euros um einen vernünftigen Sitzplatz schlagen muss, hätte ich die entsprechenden Waffen mitgenommen. So stand ich ziemlich stinkig inmitten der bunt gemischten, einheimischen Silvesterfeierbagage und drängte pünktlich um Neun auf einen nichtssagenden Sekt zu, der im Preis enthalten war.

Da meine hundertfünfundzwanzig Kilo doch eine beachtliche Bewegungsenergie entfalten, wenn sie einmal in Drall versetzt wurden, erhaschten wir gerade noch einen glitzerig kaschierten Biergartentisch – zumindest ließen seine Ausmaße auf eine solche Herkunft schließen – in vorderster Front, nahe an den später immens dröhnenden Lautsprechern einer mobilen Diskothek. Erfreulicher Weise traf der DJ weitgehend den Geschmack meiner Gattin, so konnte ich mich dem kohlfinsteren Piratenbuffet namens »Schatzinsel« hingeben, um dort meinen Geschmack zu befriedigen.

Hätte ich doch eine Taschenlampe dabei gehabt, es wäre traumhaft gewesen. Oder auch nicht? Der Mantel der Düsternis deckte letztendlich die Schwachstellen der Benschen Südseefreuden gnädig zu. Was will man mehr für 40 €?

Ich möchte nun nicht auf alle Details des Pirateng’schladers (frei nach Qualtinger) eingehen, doch Einiges muss ich einfach los werden. Die Tomaten zum Mozzarella passten: geschmacksneutral. Das galt nicht für den Thunfischsalat und die üppig vorhandene Thai-Chili-Sauce. Bewährt vernichtete sie jegliches Eigenaroma der Satee Spieße oder Kohlröllchen. Gut so! Was nützen Birnen mit Gorgonzolakäse zum Rindersteak, wenn das selbige zäh ist, wie Bohnenstroh? Die arg trockenen Hühnerbrustfilets in Mandarinen-Kokossauce lesen sich viel besser, als sie schmeckten. Die Scampispieße mit Feigensauce und Papayaspalten waren für mich das Highlight auf der Insel. Wenn ich als Erzsüßigkeitenfan nach vier Versuchen bei den zermetzgerten Zuckerhaufen aber auch nichts für meinen armen Gaumen fand, dann muss es schon schlimm gewesen sein. Und das war es auch.
Die Weinauswahl (2 Angebote) war erbärmlich, rechnet man die 0,2er-Gläser (4,90 €) hoch, wäre man damit günstiger zurecht gekommen, als mit einer Flasche für 21,50 € (0,75 l). Wer nicht schnell genug das langweilige Gesöff schluckte, trank am Schluss brühwarm, denn Kühler ?, doch nicht bei 40 DMark! Das Mineral in der Flasche war einfach medium, punktum fertig. Positiv: Das Mädchen, das uns bediente, 45 Minuten nach Südseeöffnung, war wirklich bemüht.
Aber dann, um Mitternacht, der große Auftritt, warum wir eigentlich ein zweites Mal nach Miesbach gefahren sind: im wahrsten Sinn des Wortes: Das Brillant-Feuerwerk der Superlative, geschossen von den hauseigenen Pyrotechnikern!!! Alle Essmissstände waren mit einem, ja mit hundert Schlägen vergessen.

Halleluja!

Zurück zur Schatzinsel, Freude auf eine schöne, feurige Gulaschsuppe. Ungarn liegt nicht in der Südsee, kapiert? Dafür dümpelten Reste einer entsetzlichen, scharfen Hühnersuppe(!) vom Abendbuffet vor sich hin.

Nein, deine Suppe ess’ ich nicht.

▼ Als dann am Morgen das Frühstücksbuffet mit seinen bekannten Macken, wie harter Speck, kalt, büchselnder Obstsalat, keine anständige Wurstwahl, Lachs ohne Saucen, ohne Meerrettich, nicht einmal auf den vom Italiener-Wein angeknacksten Magen einging, nix sauer, nix deftig, da stand für mich fest:

Miesbach, auf dein Brillantfeuerwerk werde ich in Zukunft schweren Herzens verzichten müssen.

Bewertung

note5

06/07