Artikel-Schlagworte: „krachert bayrisch“

zum Schweinswirt in Niedergebraching bei Regensburg

Mittwoch, 24. Juni 2009

• auf die sau gekommen •

niedergeb-bschwein-innenblau_45

Wirt Freddy Perzl stampfte ekstatisch einen heißen Sirtaki in den warmen Ufersand einer romantischen Badebucht irgendwo in Griechenland, während ich in seiner Wirtschaft vor den südlichen Toren Regensburgs bei nasskaltem Wetter im Sommer über ein Leberkkäscarpaccio mit hausmacher Senf-Vinigrette und frisch gebackenem Minibrez’nstangerl (5,10 €) schmunzle. Frei erfunden, der Sirtaki. Außerdem sei ihm der Urlaub gegönnt. Die Vinaigrette ist köstlich, das Salatbouquet fein süßsauer abgeschmeckt und über die »Wurscht« gibt es auch nichts zu meckern. Zum Auftakt habe ich eine »gute Suppe, die den Magen herrichtet« – behauptet die ungewöhnlich malerische/bunte/leicht durchnandrige Speisenkarte – verdrückt. Zu ihr aber später.

niedergeb-bschwein-leberk_45

Offensichtlich gelang dem Oberpfälzer Schweinswirt mit Daniel Zickert ein interessanter Griff. Der steht zwar auf ungewöhnlichen Ideen, seine Leidenschaft heißt sogar mediterran-asiatisch, das ist aber immer noch besser, als zu den kochenden Schlaftabletten zu gehören. Zwar kann er sich in dieser Wirtschaft nicht richtig ausleben, aber selbst deftigen Schmankerln kann Zickert eine interessante Note verleihen. Klingt etwas arg abgehoben, verdient er aber nicht, also Schlichttext: Unser berühmter Schweinsbrat’n im Reindl serviert in deftiger hausgemachter Soße mit Kartoffelknödeln und am Scheibl Blaukraut (7,40 €; klein 6,40 €). Nun bin ich nicht gerade ein Freund der bayrischtümelnden Karten, aber hier kauf ich sie. Es geht speziell um die Beilage, das Scheibl Blaukraut. Ein Scheibl ist die Portion, ein Büschl, eine Schöpflöffel voll, ein richtig pfundiger Geschmack. Etwas deutlicher süß wie üblich, frech mit Rosinen, perfekt knackig. Musterbeispiel! Das Fleisch in der malerischen Rechteckpfanne ist saftig, leider ohne ein Stückchen Kruschperl. Über das »deftig« meckere ich auch, denn sie war nicht so. Fast sensationell erweist sich mein Dessert, eine Hof-Currywurst extralang mit unserer genialen Soße und einem großen Berg Pommes (5,45 €). Da nimmt Freddy Perzl den Mund aber ganz schön voll, pure Angabe! Mitnichten. O.k., die Wurst an sich und die Kartoffelstaberl hauen mich nicht vom Hocker, doch die Tunke, wie der Berliner sagt, ist Klasse. Zickler mixt verschiedene Currypulver, wählt besten Ketchup und … Rest geheim. Der Mann verfügt ganz einfach über einen guten Gaumen.

niedergeb-bschwein-reindl_45

An diesem Mittag hat er frei, das erklärt meine massive Unzufriedenheit mit der marmorierten Kartoffelcremesuppe (graubrauner Einheitsbrei, null marmoriert) mit Croutons (fehlten komplett, mangelnde Küchensorgfalt) zarten Streifen vom geräucherten Schinken (es waren Kochschinkenstreifen, kühlschrankkalt und fein ist etwas anderes) (2,95 €).
Kein Wort weiter, es kommt hoffentlich nicht wieder vor. Aber ich fahre wieder hin und esse Zickler mediterran-asiatisch. Bestimmt mit viel Vergnügen.

niedergeb-bschwein-curryw_45

niedergeb-bschwein-kartsu_45

 Das Foto zeigt, dass Tellerrandbekleckern noch lange keinen Sommer macht! … mehr

 …  steht vielleicht im neuen Band 4

Wirtshaus zum Kreuzhof in Oberschleißheim

Samstag, 15. November 2008

• bayerisch mit muttergottes •

Wo gibt es das, dass mitten im Biergarten eine kleine Kapelle mit einer Marien-Grotte steht? Selten. Ich glaube noch in Mariabrunn, bin mir aber nicht sicher. Zurück an die B13, noch im Bannkreis von München-Nord. Hundert Mal bin ich schon vorbei gefahren. Schnell nach Hause, weil die A9 wieder einmal dicht gewesen ist. Gestern hat es gepasst. Erfolg in Freimann und sechsundzwanzig Grad im mittäglichen Biergarten.
Die Speisekarte und zahlreiche Schiefertafeln regen an. Zu tiefst im bayerischen Sprachbodensatz erklärt der Wirt seine Schmankerl:
Hausg’machte Lewaknedlsupp’n in Ox’nkraftbriah (3,40 €) braucht unbedingt eine englische Übersetzung, denn sonst hätte selbst ein Ingolstädter wenig Chancen, es zu entziffern.
Ist man hinter den Inhalt des Hauptganges gestiegen, stell sich die Frage: Das klingt doch nach »Königsberger Klopse«, was so weit von München entfernt ist, wie der Franz Müntefering von König Ludwig, oder nicht?
Meine masochistische Ader bestellte knallhart: Fleischpflanz’erl in Kapern-Dillsoße mit pfannenfrischen Speckbratkartoffeln (8,90 €). Der Gaumen juchzte bei der Beilage im Dreieck.
Das war das Vorwort.
Nun in die handwarme Wirklichkeit.
Die Suppe kommt schnell, viel, eine wirklich gute, kräftige Brühe mit reichlich Schnittlauch. Der Knödel passt ebenso, präzise in der Konsistenz, etwas zu wenig lebrig, aber auch nicht semmelig.
Dann steht Müntefering vor mir. Klar, dass die Soße eine Haut zieht. Aber wo sind die Kapern, wo ist der Speck. Fast zitternd treibe ich die Gabel ins Herz des einen Pflanz’erls (was hier der Apostroph zu suchen hat, kapiere ich nicht. Es unterstreicht das Depperte der Lederhosenliterarik) und bin maßlos enttäuscht, denn das Herz ist eiskalt. Also war es vorher im Kühlschrank und wurde nicht richtig aufgewärmt. Punktum aus.
Ich schickte das andere Pflanzerl in die Küche zurück, zum Heißmachen. Da ich schon vorher um Besteck bitten musste, war ich nun echt angestochen. Was soll denn das ganze Sprache-Schi-Schi, wenn es hinten und vorne an der Sorgfalt hapert? Ein urbayerisches Fleischpflanzerl bekommt seine zeitgemäßen Feuchtgebiete von einem anständigen Kartoffelsalat. Aus. Wir brauchen keinen Müntefering. Mir san Baiern, hörst Wirt?
Die Radler (0,5l, 3,00 €) ist ja auch nicht gerade geschenkt und für 3 Mark vierzig gab es vor nicht allzu langer Zeit eine respektable Leberknödelsuppe, allerdings ohne Apostroph. Für knapp sieben Mark hät’ kein Mensch dafür einen Löffel in die Hand genommen.

Bewertung

note3min

Mehr sog i ned! Doch:

Oh Maria hilf!