♣ fischers fritz heißt robert ♣

Wie es sich für einen handfesten Fluss gehört, stehen an seinen Gestaden meist urige Wirtschaften, damit die Freizeitkapitäne nicht verhungern oder gar verdursten müssen. Passau hat zwei, eine vor und eine nach der Bilderbuchdreiflüssestadt, beide an der kräftigen Donau. Der Kornexel, kurz vor der österreichischen Grenze, noch nicht lange von der Jugend übernommen, und donauaufwärts das einst vielgerühmte Fischerstüberl. Irgendwann ging diese Wirtschaft leider buchstäblich den Bach hinunter und geriet in Vergessenheit.
Da kamen die einheimischen Hellerbrüder und küssten wie moderne Froschkönige mit Presslufthammer und Schreinermeister die fischige Prinzessin wieder wach. Nur die Aussenmauern und die riesigen Fischbassins, mit Quellwasser gespeist, blieben stehen. Jetzt hatte Robert, nach Lehr-und Wanderjahren beim Heiligen Geist zu Passau und der feinschmeckernden Hochuferikone Schmalzl, sein Refugium gefunden.

Nicht zu modern, aber mit unverwechselbarer Handschrift. Natürlich nicht nur beim Ambiente, auch beim Speisenangebot für seine unterschiedlichen Gäste. Egal ob diese mit dem Fahrrad daherkommen – der Radweg Ulm-Wien führt quasi durch das Wirtshaus – oder mit dem Falt- oder Motorboot – Robert hat weit und breit den einzigen richtigen Anlegesteg zum andocken an einen hausgemachten Bratfisch im Essigstand mit Zwieberl und Röstkartofferl (9,50 €).

Womit wir mitten im Thema sind. Manchmal ist es eine Forelle, seltener ein Saibling, beide aus besten Gewässern des Bayerischen Waldes, die Heller in einen Brathering verwandelt. Köstlich, nicht zuletzt, weil sich frischer Kren – Österreich lässt grüßen – mit feinsüßsaurem Sud vermischt. Auch bei den Bratkartoffeln, lobenswert mit Kümmel zubereitet hockt unser alpiner Nachbar in der Pfanne, dort heißen sie nämlich »Röstkartoffel«!

Ein begeistertes Halleluja für die Paprikafischsuppe mit Flusskrebsstrudel (5,00 €), optisch ein Leckerbissen in perfekter Zubereitung mit einem wunderbaren Hauch von Chili! Den Sud kocht die Küchencrew selbstredend aus heimischen Flussfischen vom Mayer Johann in Straubing, und das schmeckt dann sogar den Fleischkatzen. Leider ging nix mit einem Rotäugerl mit Kartoffelgurkensalat und Remoulade (8,50 €), denn sein »Nix mit Fisch« – Tafelspitz mit Gemüsestreifen und Röstkartofferl (11,50 €) ist der Renner bei Radlern, Ruderern und Benzinkutschern. Letztere sind hier arm dran, wenn sie beim Nachtisch neidvoll zusehen müssen, wie eine weiße Halbjacht anlegt und sich der Herr Kapitän, gebräuntes Rentneralter, mit einer langhaxerten Blondine auf Roberts Donauterrasse setzt, nutzt ein Cabrio auf dem Parkplatz herzlich wenig …

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Daten: Fischerstüberl 94575 Gaishofen/Windorf, Fischerstraße 21, 08546-624, Ruhetag: keiner, www.hellers.info