Indian Palace in Ingolstadt

♦ nicht am ufer des ganges ♦

… sondern beinahe am Ufer der Donau steht einer von den bestimmt hundert indischen Palästen Deutschlands. Ob die alle einem Turbanträger gehören? Der Geschäftstüchtigkeit dieses Volkes würde ich das glatt zutrauen. Ich meine das nicht negativ! In einer äußerst heiklen Situation bei Dreharbeiten in Tansania half ein Inder, wer sonst.

Zurück zur Ganges-Donau. Da alle Inder, wie alle Chinesen, gleich eingerichtet sind, gleiche Speisekarten vorlegen, einheitlich kochen und servieren, liegt der Unterschied im Detail. Ich esse gerne indisch, weil ich Glutamatorgien und Bambuswälder auf Chinesentellern nicht mehr vertrage. Im Kontext muss ich sofort anhängen, dass »Einfallsreichtum« bei den indischen Küchenchefs ebenso ein unbekanntes Wort ist. Selbst die bronzefarbenen Ober– könnten bestimmt auch in den  Bollywood-Studios in Mumbay ihr Geld verdienen – verhalten sich überall gleich: Wissen, wie schön sie sind,  wissen, dass Highspeed schädlich ist und wissen, dass ein gewinnendens Lächeln vor dem Bezahlen noch keinem Trinkgeld geschadet hat.

Auch Sabi machte anfangs davon keine Ausnahme. Warum auch? Würde er seine charmante Herzlichkeit, die er bei mir erst später offenbarte, permanent unter sein ergebenes Publikum streuen, wäre das ja nicht zum Aushalten.

Ohne Linsenwaffeln zu Beginn kann ich nicht sein: Pappadams, zwei dünne knusprige Linsenwaffeln (2,00 €). Ich bekam drei Stück der sehr guten Soßenschlürfer, Glück gehabt. Die Minze-Tunke bekam Note drei, die beiden anderen eine glatte Eins. 

Heißes Thema: Dal Sorba – kräftige Indische Linsensuppe (3,50 €). Bei keinem Inder bin ich mit dem Preis für dieses produkt-simple Gericht einverstanden. Vor einem Jahr zahlte ich 3,30 € und habe gemeckert. Dann war sie so scharf, dass die Kariesbeläge von den Zähnen sprangen und jetzt? Hervorragend(!) abgeschmeckt, jawohl, aber keine Linse als solche sichtbar, ein Brei. Keine Küchenkunst! Keine 3,50 € wert.

Kashmiri Murg, Hühnerfleisch mit fris. Ingwer gewürzt, Knoblauch, Zwiebeln, Koriander (scharf) (12,50 €) heißt eine der vierzehn Hühnervariationen, Nummer 147!  Doch den fri Ingwer konnte ich nicht schmecken, dafür gab es gut zehn Cashewnüsse nebst einigen Rosinen, die eigentlich in der Nummer 146 Murg Jaipuri Hühnerbrustfilet mit Sesam, Cashewnüssen, Kokosnuss, Rosinen (12,50 €) zu Hause sind. Das Fleisch sah auch mehr nach Filet aus, denn nach Haxerl und Flügerl. Der Sugo war scharf, nicht unangenehm, erfreulich deutlich. Trotzdem gibt es für die »locker-lässige« Variante von Küchenchef Shivprasad Bhatt Punkteabzug, denn seinem bayerischen Kollegen würde man einen Wechsel von Spinat auf Mangold o. ä. auch nicht gestatten.

Auch da noch einmal der warnende Heinweis auf den Preis: Teuer! Zu teuer für Huhn, Reis und keinen Salat fünfundzwanzig Mark, das ist auf die Dauer zu viel. Und noch eine Warnung, gut gemeint, denn Sukhwinder Multani (leitet seit zwei Jahren die Geschäfte) machte auf mich einen sehr angenehmen Eindruck, das Tafelwasserglas, hübsche Tulpe, 0,5 l, 2,50 €, hatte keinen Eichstrich. Das ist bei uns, an der Donau und nicht am Ganges, sogar verboten und kann mit Bußgeld bestraft werden. Das sollte er rasch ändern.

Dem Tester spendierte das Haus dann noch eine Mango Creme frische Mangosahne mit Eis (4,50 €), der ich die Note 2 gegeben habe.

Nun hoffe ich, dass die Kritik etwas bewirkt.

Bewertung

Der Nachtest wird im Garten sein, um bei der Gelegenheit auch den neuen, soliden Holz-Zaun auszuprobieren …

22.04. mittags. Sonne, aber saukalter Ostwind, also nichts mit Zaun. Dafür eine schier köstliche Minzsoße zu den Pappadams. Die beiden anderen Dips ebenso sehr gut. Auch der Hauptgang, dieses Mahl mit einer süßsaueren Soße und reichlich ausgezeichnetem Fleisch bekommt die Note gut.
Irgendwann wird der Sommer kommen und damit der Freisitz mit einem ausführlichen Bericht.

Schlagworte: ,

Kommentieren

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.