♦ Frühling pur ♦

Kaum zu glauben, im Biergarten des Klosters waren um die Mittagsstund bereits ein paar Tische am Zaun einladend aufgedeckt. Der Wirt persönlich, nehme ich an, in Kochmontur, half tatkräftig mit. Monika, jung, rustikales Dirndloutfit, bediente alleine anfangs eine Handvoll Gäste in der wärmenden März-Sonne.
Ich bestelle, da Fastenzeit, kein »Kellertübes«, sondern ein großes Mineralwasser. Ungefragt bringt sie aber ein Tafelwasser (0,5 l 1,90 €). Es schmeckte mir entsetzlich. Selber schuld. Trotzdem, wenn ich Mineralwasser will, dann möchte ich es auch bekommen.
Die Karte besticht mit zahlreichen Fischgerichten, so als stünde das Benediktinerkloster an der Côte d’Azur. Die saftigen Preise untermauern es. Das Mittelmeer ersetzen aber, erfreulich, die nahen Klosterweiher um den Prielhof.
Das nicht-flossige Angebot, »Was zünftig’s«, hingegen ist mit 4 Gerichten mehr als dürftig. Das Argument: Gerade erst aufgemacht, zöge bei mir nicht, denn diesen Termin kennt die vierköpfige Wirtefamilie Hoyer schon länger. Generell wirken auch da die Preis für mich sehr gesalzen. Eine 1/2 gefüllte Bauernente mit Kartoffelknödel und Blaukraut kostet 13,80 €!!! o,70 € mehr, als vor den Toren von Bad Tölz, ist wahrscheinlich der Preis für die Semmefüllung! Ist das nicht zu happig für ein Benediktinerkloster und seinem Bewirtungsanspruch nach den Regeln des hl. Benedikt?

Ich bleibe beim Fisch und gönne mir, schon wieder Fastenzeit, eine Frische Forelle aus dem Klosterweiher blau oder gebacken mit zerlassener Kräuterbutter, Schwenkkartoffel und Blattsalat (13,80 €). Ohne Aufpreis, das wird auch gut sein so, bekomme ich Petersilienkartoffel und sogar zusätzlich etwas zerlassene Butter für die ausgezeichneten Kartoffel. Der Fisch selbst, mit viel Grün im Bauch, kann besser nicht sein. Himmelweiter Unterschied zur Fritteusenausgabe Ende Januar bei Martha Stief im Schimmelwirt von Schrobenhausen! Saftiges, zartes Fleich, köstliche Haut. Auch die kräuterige, deutlich süße Soße im Salat taugt mir. Das eine oder andere Blattl hätte sich vielleicht auf den Kompost gehört, zu ledrig.
Am Nachbartisch hinter mir beschwert sich ein Gast, weil die Soße bei den Schweinemedaillons auf Rahmpfifferlingen mit hausgemachten Spätzle und gemischten Blattsalat (13,80 €) zu pampig, zu fettig sei. So hätte man vor zwanzig Jahren gekocht, aber doch nicht heute. Monika gibt es an die Küche weiter. Prompt steht wenig später der Koch in der Tür, um sich den »Meckerer« aus sicherer Distanz anzusehen. Alle Argument, die der Feinschmecker seiner Frau dann vorbrachte, waren hieb und stichfest. Offensichtlich hatte er etwas mit Gastronomie am Hut. Ihre Erwiderung, der Pächter sei neu, läßt er nicht gelten.
Mir gefällt ganz und gar nicht, dass der »Neue« im März Pfifferlinge anbietet. Nie und nimmer frisch! Die häufige Pommes frites-Beilage ergibt einen schalen Geschmack im Munde. Dass er das depperte »an« aus Kloster Reutberg mitgebracht hat, bereitet mir auch Sorgen.
Schluß damit, die erste Benotung wird durch den Preis- und Angebotsschock stark beeinflußt. Warten wir ab bis zum nächsten, flossenfreien Test. Nach der Fastenzeit!
Bewertung

23.03.10, wieder ein traumhafter Frühlingsmittag, also eine hervorragende Gelegenheit, um die Ente zu versuchen. Erster Eindruck: schlampig gerupft. Zweiter Eindruck: Das Brustfleisch ist saftig, die Haut beinahe resch, die üppige Füllung zufriedenstellend. Sonst ist nicht zu viel dran, an dem Flatterer. Das separat gereichte Blaukraut kenne ich hier im Landkreis viel besser. Gegen den Knödel, sehr fest, will ich nichts sagen. Der Preis ist in meinen Augen nicht gerechtfertigt. Der Service ist schnell, wirkt aber hektisch. Die Bewertung bleibt.
Schlagworte: biergarten, kirchenwirt, kloster, metzgerei