♣ bank rot(t) ♣
Zum Geburtstag bekam ich von meiner Sparkassenfiliale immer eine kleine Aufmerksamkeit geschenkt. Ein Lineal, Kugelschreiber, Bierkrügl. Was man halt so bekommt, dafür dass das Geldinstitut das Jahr über mit Dir ein paar tausend Euro verdient hat. Ist doch nett …
Dann kommt Dein 65ter. Da wird sich die Sparkasse bestimmt etwas einfallen lassen. Wird man ja nicht alle Tage. Außerdem ist man ja schon 25 Jahre Kunde. Guter Kunde. Haus gebaut und so weiter. Viele Schulden gemacht. Lieben ja Banken, da rollt der Rubel – auch der Euro!
Der Filialchef drückt Dir die Hand und erklärt Dir ohne salbungsvolle Worte, dass ab Deinem Eintritt ins Rentenalter deine Kreditfähigkeit gewaltig eingeschränkt wird.
Amen.
Wie benommen gehst du nach Hause. Eine Welt bricht in dir zusammen. Kannst kaum mehr schlafen. Stehst fast vor dem Aus, weil sich auch dein Brötchengeber adäquat verhält. Als hätten sie sich abgesprochen. Langsam fängst du an, rot zu sehen. Vor dem heraufziehenden Bankrott.
Bist du schaust, sind alle deine Reserven weg. Keine Hand, die Dich warnte, die dir half. Bist ja alt genug! Verschulden ist nicht mehr angesagt, dafür aber Fertigmachen. Ein Bisschen Spaß muss sein – aber nicht für dich!
Du siehst dunkelrot – und musst schmerzhaft erkennen, dass du gegen die Herren in den Nadelstreifenanzügen absolut machtlos bist.
Lernst zu zittern, ob der Automat dir Geld gibt. Begreiftst widerwillig und zu langsam, dass du für sie gestorben bist, obwohl du noch herumläufst. Wie lange noch? Bis dein geplagtes Herz beim Anblick einer Bank den Dienst quittiert.
Ein satirisch denkender Pfarrer hat mir gesagt: Der Preis für da oben ist nun mal sehr hoch!
Er wollte mich damit trösten. Die Worte waren auf den Punkt gebracht.
Ich will aber noch ein bisschen leben, nur ein klitzekleines Weilchen, habe ich DEN da oben gebettelt. Da er wegen des unerwarteten Abschneidens der Kicker in Südafrika gut drauf war, schickte er mich zu Manfred Döring.

Kein Engel, doch vielleicht ein verkleideter Wolkenhiwi? Heilgenschein im Kleiderschrank?
Nein. Banker!
Knapp eine Stunde hat es gedauert, da war die erste Not gelindert, der Silberstreifen am Horizont aufgemacht. Das Herz schlug ein paar Takte leichter. Ohne Tablettentuning.
»Man muss den Menschen sehen«, meinte Döring.
Er wußte alles über meinen Geldbeutel. »Es gibt bestimmt Möglichkeiten, Ihnen zu helfen«, meinte Döring.
Sicher, er ist auch ein Geldverkäufer, Kundenberater, Filialleiter. Er redet viel, o.k., aber man spürt, du bist für ihn kein Opfer, sondern ein Menscherl, an dem er sein Können zeigen kann.
Ruinieren ist für ihn, speziell für ihn, bestimmt nicht Können, sondern Versagen.
Lapidare Erkenntnis! Strohhalm?
Er ist für mich ein junger »Wörl«. So hieß der Sparkassen-Senior-Banker, der, megahilfreich über viele Jahre hinweg, mir zu meinem Immobilienbesitz verholfen hat.
Manfred Döring wird mir helfen, es nicht zu verlieren. Da bin ich mir ganz sicher.
Jetzt kenne Sie ja seinen Namen. Gehen Sie zu ihm. Nicht nur, wenn Sie Probleme haben. Er ist zwar auch ein Banker.
Aber in seinem Nadelsteifen steckt ein Mensch!
PS: aber er steckte gar nicht in einem Nadelstreifen …




