G E T E S T E T – Übersicht

27. Januar 2010

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♣ Sie traun ehna wos ♣

… hätte Qualtinger genörgelt beim Wirtewechsel im Herzeigestammhaus der ältesten Brauerei der Welt, denn der Nachfolger Thierry Willams kommt aus den Niederlanden. Doch damit nicht genug, dafür ist der Küchenchef ein Oberbayer! Mitnichten, Stephan Naggies ist Hesse.
Sonst noch etwas? Kommt das Bier vielleicht aus Ostfriesland? Der Service aus Sizilien und die Restaurantchefin aus Wanne-Eickel?
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♥ Der Förster vom Silberwald nah am Kochelsee ♥

In der Fensterlaibung des kuscheligen Tisches am Tresen, zu dem die verführerischen Düfte ungebremst aus der Küche strömen, hängt ein Bild, auf dem der Wirt auf Händen durch das Lokal balanciert. Toll! Eine seiner leichtesten Übungen, denn der Erz-KuK-ler ist sportlich, wie Toni Sailer. Leicht übertrieben, o.k., dafür kann der Silberbart auch noch kochen wie weiland 1826 Magdalena Dobromila Rettigová. In seiner Speisekarte heißt die Prager Kochikone zwar Bohumila, aber der Sauerbraten »Svickova« (11,80 €) kann bei ihr auch nicht besser geschmeckt haben.
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Aktualisierung

08.02.2010: Neue, ungute Entwicklung durch Frau Stetters Angriff auf die Pressefreiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung! Verunglimpfung meiner Persönlichkeit.

Frau Stetter hat mich am 25. Jan. 2010 angerufen und sich über den nachfolgenden Artikel beschwert. Ich hätte ihn zu entfernen. Sie drohte mit dem Anwalt. Ich antwortete, wenn sie die Drohung zurücknimmt und um die Entfernung bittet, nähme ich den Artikel heraus.
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♣ gönn dir eine neue, oder laß’ die alte liften ♣

Mein Herr Sohn zieht um.
Um auch zu heiraten.
Er kocht gerne und will eine Kempfle-Küche. Unbedingt.
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♦ wenn wally net war ♦

Der erste Abstecher in Langenmoosen nach Winkelhausen. Leicht bedeppert stehe ich vor der einstigen »Müller’s Brotzeitstube«, die sich in »zu Müller’s« verwandelt hat. Was wohl den Thomas Felbermaier zu diesem holprigen Namen bewogen hat? Klar, eine Brotzeitstube war das große, saubere Anwesen wahrlich noch nie, aber denn beknackten Titel hat seine geschmackvolle, echt preiswerte Küche nun wirklich nicht verdient.

Auf dem Absatz kehrt und nach Schrobenhausen zum Schimmelwirt.
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♥ wer reitet so spät durch nacht und durch wind? ♥

Wenn man eigentlich keinen Hund mehr auf die Straße jagt, weil Petrus so richtig schlechte Launa hat, dann weiß ich etwas. Wenn einem die Schweinebraten und Schnitzel »Wiener Art«in den »bayerischen« Gaststätten so richtig zum Hals heraushängen, dann weiß ich etwas. Wenn einem das muffige G’schau einer angefressenen Bedienung das ehrlich gemeinte »Grüß Gott« mitten im Wort gefrieren läßt, dann weiß ich etwas.
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♦ altes neu am fluß ♦

Vor etwa fünfzehn Jahren gab es beiderseits der Passau-Donau zwei renommierte, bis in die Grundfesten echte Fischwirtschaften: das Fischerstüberl im Westen der Dreiflüßestadt und den Kornexl auf der anderen Passau-Donau-Seite. Mein Herz schlug damls eindeutig für den Fischer am Jochenstein, zwischen der Domstadt und der Landesgrenze, er war authentischer, in seinen wohlgehüteten, riesigen Wasserbecken pflegte er seine Fische, bis sie in die Pfanne durften. Meine damaligen Empfindung kann man nachlesen: www.qype.com/place/412598-Kornexl-Untergriesbach.
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♣ wunderkinder an töpfen und pfannen ♣

Nach dem Reinfall von Bad Birnbach im vergangenen Jahr (Sammareier < klicken!) zuckelten wir mit leicht gemischten Gefühlen in die Ortsmitte von Hohenbercha, weil bereits vorher schon viele Autos halbzulässig an den Straßenrändern herumparkten.
Das kann ja heiter werden.
Dabei gibt es beim Hörger massenweise Parkplätze. Rotzfrech quetschte ich mich ans Hauseck, verstellte vorher bärenstark eine Parkbank und war drinnen. In der Stube. Klar, genau so voll, wie an der frischen Luft.
Das kann ja heiter werden.
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♥ der ball ist rund – und das essen saugut ♥

hätte Sepp Herberg  in seiner direkten, kurzen Art bestimmt gesagt, wenn er gestern bei unserem sonntäglichen Mittagsmahl in der Sportgaststätte dabei gewesen wäre.
Sportgaststätte???
Das kann doch nicht mein Ernst sein! Ist es aber.
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♥ nachtarock fast unterm christbaum ♥

Weißblaubayerischer Himmel über ängstlich wegtauender Schneedecke. Bei der Anfahrt sehen wir hinterm Kirchturm der Klosterkirche das Alpenpanorama. Zum Greifen nahe. Ludwig Thoma könnte auferstehen im Dachauer Hinterland.
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↓ Wiederbesucht ↓

Das Buchsignet (Band 4) mit Fragezeichen ist falsch, da der Wirt auf die Korrekturunterlagen nicht reagiert hatte. Im Kastanienhof gibt es das Buch nicht zu kaufen.
Ein recht winterlich kalter Mittag. Auf einer Schiefertafel bietet der Wirt preiswerte Gerichte an. Der Besuch ist angenehm mäßig. Eigenartig, alles Männer. Wahrscheinlich ist es Einbildung, irgendwie kommt uns jetzt das Lokal kühl vor. Nicht nur wegen der Temperatur.
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Welten liegen dazwischen: ↓ Sterzing ↓ – ♣ Vellau ♣

Nach einer menschlich megaenttäuschenden Szene im frisch vom Michelin besternten Restaurant KLEINE FLAMME in Sterzing bei Burkhard Bacher musste ich einmal mehr die bittere Erfahrung machen, dass Kochkunst nicht unbedingt etwas mit Herz zu tun hat.
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♦ in eigener sache – wir warten auf den osterhasen ♦

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Schuhbauer’s in Kirchdorf an der Amper

10. März 2010

• schweinebraten’s •

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Jetzt ist es soweit: Ich leide unter einer »’s«-Allergie.

Es ist meinen Lesern sicher auch schon aufgefallen, dass sich in den letzten zehn Jahren viele Namen von Gaststätten einheitlich verändert haben. So wie sich das Weiß der Kochjacken und Schürzen  in alle möglichen Farben verwandelt hat – ich warte nur noch drauf, bis einer, bunt, wie ein Papagei, seine Töpfe herum schiebt oder Plastiktüten mit Kalbsfilet in der Waschmaschine trommelt– so wurden die Namen uni. Einheitlich. Der Kirchenwirt ist out, der »’s« ist in. Besonders beliebt bei all denen, die an den väterlichen Herd getreten sind. Und sich schon an der Eingangstüre profilieren, oder gar vom Vater unterscheiden wollen. Mit Einheitlichkeit. Konsequent gepaart mit dem Auftritt in der Speisenkarte. Leider. Hier in Kirchdorf auch.

Beim vorletzten Besuch habe ich die Wachablösung in Kirchdorfs Traditionswirtshaus mit großer Freude begrüßt, konnte ich mich doch mit dem Senior-Wirt überhaupt nicht anfreunden. Also freute ich mich auf den neuen Oberwirt – und stand vor Schuhbauer’s.
Nicht zu fassen.
Mein Gott, bei Schuhbeck’s kann ich es noch verstehen, der wirbt mit seinem bekannten Namen, um zu Kohle zu kommen, aber wer kennt schon Schuhbauer? Der bekannteste Gast, Jagd-Spezl vielleicht, ist lange tot: Franz Josef Strauß. Und die Stammgäste*. Alle sind begeistert, wie der kleine Benedikt mit seinen zwei Metern das Metier meistert. Ich war es ja auch!

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[ Ein Stammgast, "Michi Kasper", hat mich massiv wegen des folgenden Artikels angegriffen und regt sich auf, weil ich ihn den Bericht nicht kommentieren lasse. Hätte ich aber gelassen, wäre sein Kommentar sachlich gewesen.
Da ihn meine emotianale, subjektive Schreibweise nicht passt, folgt am Ende die sachliche Fassung für alle "Kaspers".
]

Bis gestern Abend, Freitagabend. Schuhbauer’s war voll. Die Speisenkarte war beinahe leer, las sich lieblos. Eine Handvoll üblicher Speisen. Kaum dass mich etwas anmachte, wie die Suppe von gelben und roten Randen (4,50 €). Perfekt präsentiert, genau in der Tellermitte die beiden Farben getrennt. Die rote Hälfte vorzüglich säuerlich-süß, die gelbe Seite mit deutlichem Rübengusto – für Liebhaber. Randen sind nämlich nichts anderes als Rüben. Ein Billigprodukt. Für die Farbspielerei zahlt man neun Mark. Für den der es mag. Manche Wirte schmecken mit Wodka ab, um das schlechte Preisgewissen etwas zu beruhigen. Das aber nur nebenbei.

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Zurück zum Herd. Die Portion ofenfrische Schweinshaxe mit gemischten Knödeln und Speckkrautsalat (8,80 €) war aus. Das ist nach 20 Uhr in Ordnung, ein wenig. Kühn bestellte ich einen Testerreinfallklassiker: 2 Stück Fleischpflanzerl mit Soße und Kartoffelsalat (5,20 €). Sie waren extrem fest, keine knusprige »Schale«, dafür ein nicht definierbaren Eigengeschmack, den ich nicht mag. Die Beilage war auch nur Salat’s. Gerade mal Zwiebel. Essbar, aber langweilig (da sind die Wiener dagegen nachgeradezu himmlische Erdäpfelveredler), wie die Einheits-Bratensoße. Der Sommersalat wahlweise mit Himbeer-Rotweindressing oder Hausdressing (3,05 €), bestellt mit Haus, gebracht mit Himbeere, Gott sei Dank, war körndelig, sprossig und knackig. Trotzdem weit von mir bekannten Musterexemplaren entfernt.

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Vielleicht war Benedikt jun. gar nicht in der Küche? Doch, doch, seine lautstarken Kommentare waren deutlich und unangenehm in der Gaststube zu vernehmen.
Beim vorletzten Besuch überschlug ich mich für das Schweineschnitzel. Und heute? Wiener Schnitzel vom Schwein mit Kartoffel-Gurkensalat (8,20 €) durfte ich ohne Aufpreis verändern: die Beilage in den Speckkrautsalat von der ausgegangenen Haxe. Was für ein Unterschied zur Krönung Krautsalat in der StäV von Berlin, wo ich schon drei Portionen hintereinander gegessen habe. In Kirchdorf langweilig abgeschmeckt mit wuchtigem Kümmelgeschmack und knochentrocken gebrutzeltem Speck.

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Keine der von mir so angehimmelten Bedienungen war da.
Alles klar, deshalb die negative Kritik. Von wegen’s.

Jetzt die nüchterne Version, kursiv gesetzt:

Freitagabend. Schuhbauer’s war voll. Die Speisenkarte war beinahe leer, las sich lieblos. Eine Handvoll üblicher Speisen. Kaum dass mich etwas anmachte, wie die Suppe von gelben und roten Randen (4,50 €). Perfekt präsentiert, genau in der Tellermitte die beiden Farben getrennt. Die rote Hälfte vorzüglich säuerlich-süß, die gelbe Seite mit deutlichem Rübengusto – für Liebhaber. Randen sind nämlich nichts anderes als Rüben. Ein Billigprodukt. Für die Farbspielerei zahlt man neun Mark. 

Die Portion ofenfrische Schweinshaxe mit gemischten Knödeln und Speckkrautsalat (8,80 €) war aus. Das ist nach 20 Uhr in Ordnung, ein wenig. Ich bestellte einen Testerreinfallklassiker: 2 Stück Fleischpflanzerl mit Soße und Kartoffelsalat (5,20 €). Sie waren extrem fest, keine knusprige »Schale«, dafür ein nicht definierbaren Eigengeschmack. Die Beilage: Gerade mal Zwiebel, essbar, aber langweiliger Geschmack, wie die Einheits-Bratensoße. Der Sommersalat wahlweise mit Himbeer-Rotweindressing oder Hausdressing (3,05 €), bestellt mit Haus, gebracht mit Himbeere, Gott sei Dank, war körndelig, sprossig und knackig. Wie gut, dass der Service offensichtlich Merkschwächen hatte. Trotz alledem weit von mir bekannten Musterexemplaren entfernt.

Vielleicht war Benedikt jun. gar nicht in der Küche? Doch, doch, seine lautstarken Kommentare waren deutlich und unangenehm auch in der Gaststube zu vernehmen.
Beim vorletzten Besuch überschlug ich mich für das Schweineschnitzel. Und heute? Wiener Schnitzel vom Schwein mit Kartoffel-Gurkensalat (8,20 €) durfte ich ohne Aufpreis verändern: die Beilage in den Speckkrautsalat von der ausgegangenen Haxe. Was für ein Unterschied zur Krönung Krautsalat in der StäV von Berlin, wo ich schon drei Portionen hintereinander gegessen habe. In Kirchdorf langweilig abgeschmeckt mit wuchtigem Kümmelgeschmack und knochentrocken gebrutzeltem Speck.

Bewertung (bleibt natürlich)
note3bis4

 

PS: weitere eMails eines “Michi Kasper” werden nicht mehr beantwortet. Auch Kommentare von ihm, welcher Art auch immer, werden nicht freigeschaltet. Die emotionalen Artikel in den anderen Foren bleiben im Original.

Bräustüberl Weihenstephan in Freising

1. März 2010

♣ Sie draun äana wos ♣

… hätte Qualtinger genörgelt beim Wirtewechsel im Herzeigestammhaus der ältesten Brauerei der Welt, denn der Nachfolger Thierry Willams kommt aus den Niederlanden. Doch damit nicht genug, dafür ist der Küchenchef ein Oberbayer! Mitnichten, Stephan Naggies ist Hesse.
Sonst noch etwas? Kommt das Bier vielleicht aus Ostfriesland? Der Service aus Sizilien und die Restaurantchefin aus Wanne-Eickel?

Aber, jetzt kommt das große »ABER«, man munkelte so allerlei Gutes über die neuen Besen. Und dieses Gemunkel fiel bei mir auf gierigen Boden, denn mit meinen letzten Erlebnissen am Universitätsberg von Freising beim Vorgänger, genauer der kaiserlichen Gängerin,  war es nicht gerade weit her.
Dann spielte man mir einen Event zu, der sich sehr interessant anhörte: »Beer meets Mustard« – oder bayrisch: BierSenfSuppn, etwas frei übersetzt. Und wer gibt da seinen Senf zum Bayerischen Edelbier? Die Edelsenfmühle Monschau, wer kennt sie nicht, einen Katzensprung weg von Antwerpen! O.k., etwas schlampig gerechnet, aber a byrische Katz springt locker hundertachtzig Kilometer. Vor allem, wenn sie sich in Weihenstephan richtig getunt hat. Nachtigall ich hör’ dir trapsen: Willams – Guido Emil, der Senfmüller mit dem filmreifen Soweit-die-Füße-tragen-Bart.
Da können wir Südbayern nicht mithalten, da beißt es aus mit Luise-Händlmaier und dem kleinen Ex-Rosenheim-Baumann.

Dumm, dass an diesem Senf-Bier-Abend der Petrus vehement dagegen war, das wir nach Weihenstephan fahren konnten, denn es schneite, als ob die Holle droben durchdrehte. Gestern, frühlingspraller Samstagmittag, und schon saß ich im kunstvoll nachgebildeten Stephans-Kellergewölbe inmitten vieler rotbackigen und sehr lustigen Menschen und harrte der Dinge, die da kommen sollten.

Ich muss es gleich vorwegnehmen: Der Mittag war ungetrübter Genuß. Und ich war vollauf damit beschäftigt, meine Vorurteile in die Tonne zu treten.

Den Wirt habe ich zwar nicht kennengelernt, dafür aber Elisabeth, einheimische Restaurantleiterin, und den megataffen, sehr sympathischen Pfannenschwinger, dessen Töpfe-Vita nicht nur auf dem heiligen Berg in Andechs Station machte. Der Stephan ist vielleicht drauf!

Dazu kam der letzte Tag der Senf-Spezial-Karte und schon stand eine Rote-Beete-Suppe (auch Hessen wissen nicht, wie man das schreibt, ätsch!) mit Meerrettich-Senfsahnehaube (3,80 €) vor mir, so brutal farbsatt, dass es eigentlich egal gewesen wäre, wie sie schmeckt. Sie schmeckte aber auch noch hervorragend. Wie gerne hätte ich vom Mostrichangebot noch die Gebratene Kalbsleber in Johannisbeer.Senfsauce mit Kartoffelpürée und Apfelscheiben (14,90 €) verdrückt, aber nein, ich musste wissen, wie der Fremde einen Bayerischen Schweinsbraten (richtig geschrieben!) mit Weihenstephaner Dunkelbiersauce (-soße heißt das in Freising), dazu Kartoffelknödel und Krautsalat (8,90 €) auf die wuchtigen Tische bringt. Die schwierige Beilage gab es vorneweg: Kam fast an die Weltklasseversion in der Stäv in Berlin heran. Ich will ja nur angeben! Der Knödel mit Bröckerl im Herzen schmeckte richtig gut und soff die herrliche Soße mit Freuden. Zwei große Scheiben Fleisch, nicht trocken, gut und ein Stück resche Haut bekommen Note zwei, zusammen mit dem Einser vom Krautsalat ein pfundiger Einstand.

Ich armer Kerl muss ganz schnell zur Biergartenzeit wieder hin, denn erst dann möchte ich mir ein abschließendes Urteil über die neuen Besen bilden. Vielleicht treffe ich sogar den Wirt? Nix Gwieß woas ma ned!

Bewertung

Mir ist ein schwerwiegender Fehler unterlaufen, für den ich mich entschuldigen möchte: Der Wirt ist Belgier!
Und noch etwas gibt es zu berichten: Wieder Sonntag, wieder Sonne am Mittag und satt viel Schatten.
Die beiden Fischstücke, Duett von St. Peterfische und Zanderfilet auf Silvaner Weißweinsauce mit Mangoldgemüse und Petersilienkartoffeln (14,80 €), wie wohl ja von zwei verschiedenen Meeresgetieren, schmecken gleich. Gleich nichtssagend. Die Soße ähnelt Krankenkost und grenzt an Weinbeleidigung der Würzburger Nationaltraube. Der Mangold geht. Weinhart’s Erdäpfel sind Goldknollen gegenüber Weihenstephan.
Die Soße zur Ochsenrippe, in fränkischem Rotwein geschmort, mit Schwarzwurzelgemüse und Kartoffeltalern (13,50 €) zieht eine dicke Haut, das Fleisch ist stellenweise zäh und arg rustikal. Die Beilage sind zwei batzige Gebilde, Taler sind nie batzig! Ich esse sie nicht.
Der Bayerische Wurstsalat von der Regensburger mit roten Zwiebeln, Essiggurken und Bauernbrot (5,90 €) aber verärgert mich: Regensburger der Mittelklasse aufgeschnitten, dazu ein paar lapprige Essiggurkenscheiben und riesige, rote Zwiebelringe oben drauf  zusammen mit einer unnötigen Dekoration. Es soll mir einer aus der Küche zeigen, wie man diese Riesenringe ißt ohne alt auszusehen. Die Brezn (0,90 €) und der Krautsalat (2,40 €) sind sehr gut.

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Rabenkopf in Kochel/Ried

23. Februar 2010

♥ Der Förster vom Silberwald nah am Kochelsee ♥

In der Fensterlaibung des kuscheligen Tisches am Tresen, zu dem die verführerischen Düfte ungebremst aus der Küche strömen, hängt ein Bild, auf dem der Wirt auf Händen durch das Lokal balanciert. Toll! Eine seiner leichtesten Übungen, denn der Erz-KuK-ler ist sportlich, wie Toni Sailer. Leicht übertrieben, o.k., dafür kann der Silberbart auch noch kochen wie weiland 1826 Magdalena Dobromila Rettigová. In seiner Speisekarte heißt die Prager Kochikone zwar Bohumila, aber der Sauerbraten »Svickova« (11,80 €) kann bei ihr auch nicht besser geschmeckt haben.

Für mich wurde er im Lauf von zwanzig Jahren zu einem kleinen Problem. Denn wie ein Lemming heule ich immer hinter den vielen anderen Böhmen-Schmankerl hinterher, weil ich ohne Böhmische Erdäpfelsuppe (3,80 €) und dem gemüsigen, preiselbeerveredelten Sauerbraten vor die Hunde gehen würde. Einmal 1/4 Gänsebraten mit Kraut und böhmischen Knödel o. Erdäpfel (15,80 €) oder gar das Kabeljaufilet an feiner Dillsauce, dazu Knödel oder Erdäpfel (12,80 €) das muss ‘was wunderbares sein …
Einmal habe ich es allerdings geschafft, auszubuchsen: Saure Leber »Prager Delikatessen Art« dazu Knödel oder Spätzle (12,80 €). Es war schon gut, aber die Rettigová ist besser. Leider hatte ich kein Pilsener Urquell vom Faß (0,3 l 2,60 €) dazu bestellt, dann wäre mein Urteil sicher anders ausgefallen.

 

Inzwischen gibt es Kritiker, die behaupten, die Zeit des Haudegens ginge zu Ende und mit der Küche gehe es abwärts. Sicherlich geht Jörgs Zeit zu Ende, lange genug hat er sich abgerackert und ohne sein fleissiges Weib Theresia - was weiß ich, ob der Rabenkopf nicht längst eine Pizzeria wäre.
Und wer mit Jörg Slascheks Pfannenkunststücken nicht mehr einverstanden sein sollte, denn rate ich zu Jörg Slaschek zu fahren, dann werden ihm nicht nur die Schusser rausfallen. Sein Sohn, der Apfel fällt nicht weit vom Zwetschgenbaum, köchelt im Attisholz bei Solothurn in Riedholz wie ein Jeune-Restaurateur-Weltmeister (http://www.attisholz.ch/).

Eines weiß ich sicher, dass ich mir die Fahrt dorthin mal gönne, aus Neugier und Slaschek im Doppelpack, das muss man sich einfach antun!


Bewertung

Küchenparadies in Rohrenfels

24. Januar 2010

♣ gönn dir eine neue, oder laß’ die alte liften ♣

Mein Herr Sohn zieht um.
Um auch zu heiraten.
Er kocht gerne und will eine Kempfle-Küche. Unbedingt.

Ich kenne Kempfle seit gut 15 Jahren. Damals drehte ich einen Werbespott für eine Schuhbecksendung. Ich lernte den Betrieb in- und auswending kennen: Ein klammheimliches Unternehmen in der Küchenbauerbranche. Erste Sahne.
Der Kontakt zu dem sympathischen Inhaber riss nie ab. Inzwischen arbeitet seine Tochter mit im Betrieb, die damals als kleines Mädl über den Hof flitzte. Bildhübsch. Bei diesen Eltern nicht verwunderlich, doch das nur nebenbei.
Man bekommt die »bildhübschen« Kempfle-Küchen in der Gott sei Dank weiterlebenden Küchen-Quelle und vor Ort in Rohrenfels. Vertreter haben die keine. Wer sich also etwas ganz Gutes tun will, fährt dorthin.
Na und?
Jetzt wird es spannend:
Wenn die Kempflefreaks mich per eMail verständigen und ich Zeit habe, schalte ich mich ein (ausgebildeter Architekt!, nicht nur Restaurantkritiker und Fernsehregisseur), natürlich kostenfrei.
Wenn alles paßt, dann gibt es in Neuburg ein schönes Essen und spürbare Entlastungen des Geldbeutels.

Ab einer bestimmten Auftragssumme organisiere ich sogar eine kulinarische Kempfle-Küchentaufe bei Ihnen zu Hause! Mit ihren Gästen und einem guten Koch (Mitglied im »Wirtekreis Bayern gastlich«) aus Ihrer heimischen Umgebung. Auf meine Kosten! Einzige Bedingung: Gästezahl nach Absprache und ich darf die Presse einladen.

Warum ich das mache?
Ein Regisseur kann nie im Leben aufhören, Regie zu führen. Besonders wenn er ein alter Dackel geworden ist. Die Ideen werden mit den Jahren nur immer verrückter. Und, ehrlich, verdienen werde ich auch ein paar Euro dabei.
Meine eMail-Adresse für diesen sicherlich ungewöhnlichen Weg, um zu einer feinen Kempfle-Küche zu kommen:
ateca@gmx.net. Stichwort: ddh (don’t dream, have!).
Ich werde mich auf jeden Fall melden. Versprochen!

Wo ist der Pferdefuß?
Leider geht das lukrative Spiel vorerst nur mit maximal zwei Kandidaten pro Monat. Dezember ist Weihnachtspause.
Wir vergeben, zusammen mit Kempfle, in der Eingangs-Reihenfolge der eMails. Das ist doch fair, oder? Wenn wir mit einem Kandidaten doch nicht zusammenkommen, kann ein anderer nachrücken.

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