♣ jerba la douce – djerba trop cher ♣
– mein Reisebricht vom Juni 2010 –

Nach dem furchtbaren Anschlag auf die berühmte Moschee La Ghriba, 2002, brach die Reiselust der Deutschen für die Wüsteninsel gewaltig ein. Was der Club Med weltweit vor gut fünfzig Jahren bekannt gemacht hatte, Sport, Spiel, gutes Essen, eher schlichtes Wohnen und Perlengeld, kam ins Wanken. Doch das ist alles überwunden, eine schier unbegrenzbare Bauwut macht aus dem Sandkastencrêpe im südtunesischen Meer ein beinahe einmaliges Touristeneldorado. Ich will mich nicht brüsten, ein Tunesienkenner zu sein, aber wer jemals mit dem Leihwagen von Tunis über El Djem mit dem irrsinníg großen Amphitheater nach Djerba gefahren ist oder mit der Eisenbahn von Sousse an der Küste ins römische Speitla, beinahe am Rand der Sahara, zum Römerreste und Skorpione kucken, der wird von diesem Land so schnell nicht mehr loskommen.

Fast fünfzig Jahre sable d’or, sable francais und zuckersüßer Pfefferminztee, welche Eindrücke, welche Gefühle?
Tunesien war französisch – und ist es wieder. Dreiviertel der Gäste kommen aus Frankreich, hat man mir gesagt. Die Deutschen und die Italiener fahren inzwischen lieber in die Türkei, meinte die verdammt hübsche Tunesierin (ohne Kopftuch) an der Bar im ex-Ulysse Palace. Inzwischen gehört das Haus einer riesigen, weltweit enorm expandierenden Hotelkette. Doch das nur nebenbei.
Es hat sich noch mehr verändert. In der Gastronomie vor allen Dingen. Sage ich es einmal kurz und bündig: die Essqualitäten gingen runter und die Preise rauf. Damit gewinnen die türkischen Konkurrenten jeden Stich. Und das mit links.

Zwei Wochen lang habe ich private Spuren gesucht – und Vieles nicht mehr gefunden. Selbst das allwissende Internet erzählt über Restaurants auf Djerba eine Menge Unsinn. Einiges ist glatt falsch, unaktuell. Mir kommt es so vor, als interessiere man sich in Deutschland nur mehr gebremst für den meerumspülten Sandspielkasten. Zwei Kapitel von Djerba wollte ich unter dem Motto »Blick über den bayerischen Tellerrand« für meinen fünften Band schreiben, es werden vielleicht vier daraus. Müssen halt die Südtiroler Federn lassen.
Jetzt ein paar Auszüge, als Appetitanreger auf das Buch, gemixt mit wissenswerten Kurznotizen:

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Houmt Souk
Das berühmte Blue Moon am Place Hedi Chaker, mit dem schönen Innenhof, gibt es seit Jahren nicht mehr. Es wurde ein Souveniermarkt daraus. Als ob es davon nicht schon genug gäbe. Wovon die leben, ist mir immer noch ein absolutes Rätsel.
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↓ BACCAR ↓
Am gleichen Platz, eines der ältesten Restaurants von Houmt Souk überhaupt, vom berühmten Monsiuer Baccar gegründet, 16, Pl. Hedi Chaker.

Testbericht:
Ein paar Tische stehen vor dem Lokal. Nicht fein eingedeckt, wie drinnen. Dafür bieten sie filmreifes Erleben inmitten knatternder Mopeds, hochbeiniger Schwedenblondinen und schwarzschneckerlhaariger Kerle, handgemacht in Djerba, manche überdeutlich »gleichgesinnte« Händchenhalter.
Restaurantinhaber Lotfi Baccar sitzt vor der Türe und liest die Tageszeitung. Aufmacher Fußball-WM. Italien wird es packen, meinte der Taxler, der mich für 4,5 TND vom Park Inn nach Houmt Souk gefahren hatte.

Viele WM’s sind ins Land gezogen seit meinem ersten Besuch im Baccar. Es könnte sogar Lotfis Vater gewesen sein? Mein Französisch taugt nicht, um nachzufragen. Aber mit Nabil vom Service kann ich mich überraschend gut verständigen, denn er bemüht sich. Der Mann ist in Ordnung.
Nach dem Äußeren der schmuddeligen Karte, hätte ich eigentlich gehen müssen. Doch ich wollt es wissen, was vom Glanz früherer Zeiten übrig geblieben ist. Den zwei Gabeln auf der Keramikkachel neben der Eingangstüre hatte ich damals kess mit der Note 3-4 glatt widersprochen. Und heute?
Brav beginne ich, wie vor zehn Jahren, mit einem salade méchouia »grillée« (4 TND). Neu sind die Anführungszeichen, alt ist der Fertiggeschmack, der krönende Thunfisch kommt garantiert aus der Dose. Zwei ärmliche, kleine Tomatenkappen und zwei hart gekochte Ei-Achtel, köstlich, sprechen nun wirklich nicht für Mohsen Maharsi am Herd. Eigenartig, der andere Koch hieß auch Mohsen, allerdings Smida. Vielleicht kochen alle Mohsen gleich. Gleich mittelmäßig?
Vom Minarett betet der Lautsprecher-Muezzin in den lauen Abendwind. Alle Knattermopeds sind im Bett, die tausend Souvenierläden und Töpfereiverkäufer haben zusammengepackt. Um Acht schlafen Houmt Souks Altstadtgassen langsam aber sicher ein.

Doch bei mir geht es jetzt erst richtig los: Auf einem eher kleinen Teller Emincée de dinde au curry (12 TND). Klingt appetitanregend. Anstelle Pommes bekomme ich Reis. Eine gute Wahl, denn er ist das Beste an diesem Gericht. Von Curry schmecke ich weder etwas, geschweige denn ich sehe gelb. Schon eher rot. Grün en masse, persil pur. »Djerba la douce« hat sich von der süßen Insel offensichtlich in ein »Djerba la persil«, einen Petersiliengarten verwandelt. Fast verzweifelt lasse ich mir etwas Currypulver bringen und würze nach, komme aber gegen das Grünzeug nicht an. Das Putenfleisch ist überdies saharatrocken, weil es bestimmt vor ewigen Zeiten gegrillt worden ist. Beim besten Willen, Lotfi Baccar, es schmeckt mir nicht.
Der junge Taxifahrer, der mich ins Park Inn zurückbringt, meint trocken: »Baccar, il était une fois.« So viel Französisch habe ich verstanden. Auch, dass ich ins Haroun am alten Hafen gehen soll. O.k., in diese sündteuere Tourikneipe? Ich werde es ausprobieren, weil er so von Ballak schwärmte!
Bewertung

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Houmt Souk
PAPAGALLO in der Av. Bourguiba
Möchte dem Haroun ebenbürtig sein. Wohl ein Witz, bei der schlechten Lage an der Straße.
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↓ RESTAURANT HAROUN ↓
Bestimmt ebenso alt, wie das Baccar, das edle Restaurant am Hafen.

Testbericht:
Einhellig schreiben offensichtlich alle Insel-Führer von einander ab. In kürzester Zeit konnte ich nämlich feststellen, dass es gelobte Restaurants schon seit einigen Jahren gar nicht mehr gibt. Wen wundert es also, wenn das Haroun, die Prinzessin, immer noch das beste Haus auf der Insel sein soll?
Die Vorzeichen für meine Visite waren äußerst ungewöhnlich, ein schlechtes Omen? Glühend heißer Wind aus der Sahara schob tiefhängende, schwarze Wolken nach Houmt Souk. Minutenlang goß es wie aus Neptuns dicksten Kübeln. Hektisch hopsten die paar Gäste von der malerischen Piratenschiff-Terrasse nach drinnen, während Nummer 7, Franck Ribéry, aus 6 Metern das Leder um eine Keeperlänge neben den rechten Pfosten holzte. Immer noch 0:0 gegen Uruguay.
In der Echtlederkarte findet man praktisch nichts Besonderes. Spannend ist etwas anderes. Kommt mir allerdings sehr entgegen, keine Gefahr, sich in unbekannte Abenteur zu verstricken.

Das grobe Allerwelts-Gehäcksel Salade tunisienne (4 TND) bestelle ich fast widerwillig, doch erkennt man an ihm schonungslos, ob geschulte Gaumen in der Küche willig werkeln. Es gibt Oliven, zartfleischig, extrem gut. Ulysse, da kannst du dir ein Beispiel nehmen. Das alt schmeckende Baguette hat mit Frankreich nichts am Hut, ebenso wenig, wie das nichtssagende, wässrige Salat-Dressing.
Schon wieder daneben, Ribéry hat in München zu lange unfreiwillig pausiert.
Den grünen, unbekömmlichen Paprika pulle ich heraus. Als Abendessen ein Schwachsinn. Rot wäre gesünder.
Auf Djerba muss es abertausende von Hühnern geben, die im Akkord täglich millionen weißschalige Eier mit einheitlich hellgelbem Dotter legen. Alleine das Ulysse braucht rund 500 täglich. Galaktisch! Im Brik au choix (6 TND) steckt immer eins, jetzt mit einem Hauch Büchsen(?)-Thunfisch. Der Teig ist knackig, nicht fettig, sehr gut. Trotzdem: Wäre ein Handwaschschale zu viel verlangt?
Ribéry liegt schon wieder. Noch 0:0! Die Tricolore tut sich schwer mit den Südamerikanern.

Ich tu mich schwer mit dem Harounteam, wie schon vor Jahren: Warum fragen die beinahe überheblich bedienenden Herren nicht, wie ich denn das Fleisch meiner Côtelettes d’agneau (20 TND) gerne hätte? Ich weiß es: Sie haben es nicht nötig, im Hofbräuhaus von Houmt Souk. Wobei es mir im Münchner Touristentempel viel, viel besser gefällt, wie hier am und auf dem Piratenkreuzer.
Zum Ende der zweiten Halbzeit, sie hängt übrigens riesengroß und natürlich auf französisch an der Decke der Prinzessin, quillt der Knochenteller über, weil ich die gräßlichen Schalenkartoffel mitsamt der allgegenwärtigen Langweiler-Roh-Weißkrautdekoration der einfallsreichen Harounküche dort ablade. Bleibt noch der Reis, schön bunt. Aber trocken. Wieder mit Harissa herumpopeln, wäre wie Ketchup auf Crêpes. Als ich eine Crème brûllée (5 TND) (absichtlich falsch geschrieben) bestelle, faulen sie Ribéry zu dritt. Gemein.
Der Ober holt das Dessert aus der Kühlvitrine und lässt die unangenehm grießelige Krem, gemein, von einem Toquesträger mit dem Bunsenbrenner finishen. Ich bin mir sicher. So sicher, wie das mein letzter Besuch bei der hübsch gekleideten Prinzessin mit ihrem Videowallunterrock gewesen ist. Dessous alleine bringen es nämlich nicht.
Bewertung

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Houmt Souk
LA FONTAINE in der Rue du 2 Mars (direkt am Place l’Algerie)
Gutes Eis und große Pizzen. Schreibt Tourias. Von wegen!
Gibt es so nicht mehr. Heißt jetzt Robinson, Poissonnerie, Fischrestaurant mit absolut frischem Fisch in großer Auswahl.
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Route Touristique
DALY MEZRAY die immer noch hochgelobte Rosi aus Deutschland im Bannkreis des Casinos gibt es seit 2 Jahre nicht mehr. Ob dies einer von den Schreiberlingen irgendwann mal merkt?
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Am Beginn des Plage Sidi Marèz
♦ PARK INN ULYSSE ♦

Testbericht:
Ulysse Palace, es war einmal.
Fast ein Jahrzehnt unter der Flagge von Mövenpick, jetzt zum Brüsseler Hotelkettenriesen Residor gekommen. Auch der Prachtbau Radisson blu, direkt daneben, gehört zu dieser Gruppe. Ich hatte den Rohbau noch mitbekommen, vor knapp zehn Jahren.
Einen der drei Esstempel im Ulysse (ohne Palace) sehe ich mir genauer an, nämlich den, der genau in der kulinarischen Mitte liegt, zwischen urig und edel.
Jeden Abend tobt im Kalypso die Schlacht am üppigen Buffet. Zwei Stunden später, ein bemittleidenswerter Anblick, denn Nachfüllen ist selten und abgeräumt wird überhaupt nicht. Ein großer Fehler. Sicherlich sind bereits alle satt, wenn nicht, der absolute Höhepunkt des Abendmahls schafft es locker, schafft sie alle: Süssspeisen, so weit das Auge reicht.
Am edlen, oberen Ende der Gourmetreihe, buhlt das El Malouf um Gäste. Es untersteht direkt Ober-Toques-Chef Gerard Moutou, der auch nebenan im Radisson blu, ist ja der gleiche Wirt, das große Sagen hat.
Mich aber interessiert ja der goldene(?) Mittelweg, das Neptun. Das à la carte-Restaurant des Park Inn Ulysse liegt, unbestritten sehr reizvoll, erhöht direkt am Strand. Die Tische an der großen Fensterfront sind dementsprechen beliebt, der große Freisitz zwischen Pool und Brandung nicht minder.
Der Wind stürmt, das Meer wellt kräftig. Ich sitze anfangs alleine, zwanzig Meter nah an den Schaumkämmen der langen Dünung. Es ist recht überschaubar, was Salem Fraj mit seiner Crew aus der modernen Showküche, mitten im Restaurant, zaubert. Spricht auf jeden Fall für Frische.

Der junge Servicemann ist freundlich, das reklamierte, weil zimmerwarme Glas vin rosé, 0,1 l, 4,500 TND, steht nicht auf der Rechnung. Sehr fair, trotzdem, der Preis ist heiß, leider. Überdies kann ich nicht prüfen, ob es der billigere Haut Mornag oder ein guter Château de Mornag ist. In so einem Restaurant muß man aus der Flasche am Tisch einschenken! Auch in Afrika, denn in der Serengeti geht es auch!
Als Gedeck gibt es drei Brötchen, nicht frisch, mit schwarzer Olivenpaste, sehr gut, Harissa, kenne ich schmackhafter, trotz der Schärfe, und den dezent süß-sauer abgeschmeckten Klassiker Salade tunisienne.
Wenn schon am Meer und kein Fisch, dann Lamm! Côtelettes d’agneau mit Pommes und Gemüse (31 TDN) bestelle ich medium. Zwei sind es, die andern vier nicht. Das Fleisch schmeckt gut, lammig und das ausgezeichnete, knackige Juliennegemüse ist erfreulich orientalisch gewürzt.
Nachspeise: Tarte aux pommes à la cannelle & sa boule de glace (9 TND). Fällt durch, weil: wenig + Teigboden weich + Vanilleeis nur kalt, keine »Schotenpunkte« zu sehen. Dekoration? Sehen Sie selbst.

Bei einigen weiteren Besuchen im Neptun, mittags mit breiterem Lunch-Angebot, auch Pizzen, hätte es immer wieder Gründe zum Rekalamieren gegeben, aber … Halt noch ein Beispiel, weil es doch gnadenlos aufzeigt, was Küchenoberboss Gerard Moutou noch ändern muss – und wird, da bin ich mir absolut sicher. Zweimal bekam ich die gute Gaspacho nicht mit der in der Karte versprochenen Garnitur. Beim dritten mal wurde es mir zu dumm und ich bestand darauf. Es gab zwei Scheiben von einem Sesam-Brötchen, getoastet, an einigen Stellen aber total verbrannt. Das gab den Ausschlag für drei minus!
Abschied. Aus dem Besuch im El Malouf wurde nichts. Buffet mit Bauchtanz. Kein Platz. Um eine Lokal zu beurteilen brauch ich werde einen kreisenden Nabel noch aufgewärmte Speisen. Dieses Thema war damit erledigt.
Noch einmal Neptun? Es gab keine andere Wahl. Magret de canard »Cévenol« Gratiné au fromage de chèvre, Sauce au miel et pommes au romarin für 34,000 TND. Das zergeht schon beim Lesen, wie Butter in der Sonne! Leider habe ich fast keine Ahnung, wie Entenbrüste in den Cevennen in Südfrankreich zubereitet werden. Sicher nicht so, wie ich sie vorgesetzt bekam. Dumpf erinnere ich mich an Dreharbeiten in der mediterranen Gebirgslandschaft, dass es dort viele, viele glückliche Bienen und guten Honig gibt und Rosmarin an allen Ecken und Enden …
Den habe ich allerdings vor lauter Petersilie nicht geschmeckt. Ich meckerte angesäuert, bekam aber blitzschnell neue Kartoffel ohne das penetrante Grünzeug, die aber auch kaum nach dem wundervollen Kraut schmeckten. Vielleicht ist tunesischer Rosmarin weniger geschmacksintensiv?
Noch ein größeres, richtig ärgerliches Debakel bei der Honigsauce, die eine Pfeffersauce war, weil Najib Monji keinen gescheiten Honig hatte, sagte er mir wortwörtlich. Da wird einfach gewechselt, ohne den Gast zu fragen, weil die Crew null Bock hatte, das Schmankerl zuzubereiten. C’est vrais! Selbst eine gute Pfeffersauce ergibt einfach geschmacklich einen total anderen Gesamteindruck. Gerade süße Noten verbinden gute Köche mit dem edlen Ententeil. Mit ihnen hätte mich die Ente gereizt, nicht mit so brutaler Schärfe. Fünf-Sterne-Haus, das ich nicht lache.
Weitere Bemerkungen zum »tragbaren«, reichlichen Fleisch erspare ich mir, es war wenigstens stellenweise au point und mittelzart. Die Flaxen habe ich natürlich nicht gegessen.
Zur Nervenberuhigung gönnte ich mir drei Kugeln Eis. 10,500 TND stehen dafür auf der Rechnung. Dass die in ihrer Offenküche auf die Idee kämen, dem geduldigen Gast dies als Entschädigung anzubieten, fällt denen nicht im Traum ein! Beim Kassieren korrekt.
Supervisor Gerard Moutou, ich glaube, Ihr Weg ist noch weit! Oder anders ausgedrückt: Tolerante Gäste braucht das Haus, sehr tolerante …
Bewertung

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Houmt Souk
EL HANA die Schweizer sind weg. Bierkeneipe, vergiss es!
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Houmt Souk, im Zentrum, am Place l’Algerie mit fünf uralten, wuchtigen Bäumen und …
↓ LES PALMIERS ↓

Testbericht:
Nur ein paar Schritte weg vom Place Hedi Chaker, nördlich, Richtung Meer, durch zwei enge Gassen, am Hotel Des Sables d’Or in der Rue Mohamed el Ferjani vorbei, und es öffnet sich der große Platz D’Algerie mit fünf riesigen Bäumen. Gegenüber von zwei Schuhgeschäften stehen einige wakelige Tische auf dem Gassenpflaster vor dem Restaurant Les Palmiers. Man sitzt hautnah an Mopeds und Touristen. Die Ober sehen nicht aus wie die ebenholzfarbenen Kerle in den Fünfsterneburgen am Plage von Sidi Mahrèz, sind dafür aber angenehm freundlich. Ein guter Grund für’s abendliche Abenteuer „Dîner“, Quatsch: Abendessen an der Futter-Basis.

Die Karte ist sehr schlicht, afrikanisch »sauber«. Lieber also zuerst den Salatklassiker probiert, bei dem der junge Koch kaum etwas falsch machen kann, bevor man sich an einen Hauptgang traut.
Die Preise liegen bei einem Viertel oder Fünftel der oberen Hotelmesslatte. Beispiel: das Bric à lòeuf hier, wo der Friseur, einer unter hundert, seine Handtücher vor der Türe trocknet, kostet 1,800 TND, Spaghetti napolitaene kosten 4,000 TND, die Boga 1,000, das Taxi 10,000, summa sumarum 16,800 TND . Das Neptun im Ulysse verlangt für das Bric 12,000, allerdings mit Spuren von Thunfisch und massig Kartoffeln, und für die Nudeln 17,000 TND und die Dose Sprite 4,000, zusammen also 33,000 TND. Differenz: 16 Dinar. Mir ist schon klar, dass solche Vergleiche hinken, aber man sollte es ruhig einmal ausgerechnet haben. Und man muss knallhart sagen, das Genusserlebnis hier ist auch in etwa nur die Hälfte.

Immerhin gibt es als Gedeck Baguette, Harissa und Oliven. Auf dem Salade tunisienne ein paar Würfelchen Thunfisch aus der Büchse, allerdings ist seine Preisklasse deutlich schmeckbar. Beim besten Willen für urig, ich brauche Essig, denn sauer macht lustig. Die Menage ist leider so unsauber, dass ich jegliches Tuning unterlasse, meine Boga trinke, zahle und gehe. Dabei hätte ich ans Geschmackerlebnis wirklich keine überzogenen Ansprüche gestellt. Nur wenn eine Wirtschaft nicht einmal die Essig- u d Ölflaschen mit etwas Wasser sauber halten will, fehlt mir eigentlich jegliche Lust auf afrikanische Abenteuer.
Wäre da nicht das kleine Journalistenteufelchen Neugierde …
PS: Ein Führer lobt das Restaurant über den Schellenkönig und mittags findet man kaum einen Platz??
Nach ebenso unsauberen Salz- und Pfefferstreuern beim Frühstück im Park Inn folge ich meinem Neugiertrieb mit Bric a l’oeuf und Spaghetti napolitaine in den Palmen, während sich nebenan siebenhundert Spatzen in den knorrigen Bäumen am Pc D’Algerie die kleinen Kehlen heiß plärren. Es hat ihnen nichts genützt, ich bleibe fast bei meinem ersten Urteil. Verbessere aber von vier bis fünf auf
Bewertung
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Houmt Souk, Route Touristque, Im Hotel Dar Ali, direkt vor dem Eingang zum Park Inn Ulysse
↓ EL BESSKRI ↓

Testbericht:
So manches hat auch auf Djerba keinen allzu großen Bestand, besonders in der Gastronomie. Hotels werden verschachert, wie gebrauchte Autos. Mein geliebtes Ulysse Palace, die Touristendame aus meinen ersten Djerbatagen, muss inzwischen fast fünfzig Jahre alt sein. Als Mövenpick das Sagen hatte, acht Jahre lang, ging es aufwärts, im vergangen Jahr folgte »park inn« und man wird sehen, ob die fünf Sterne Wahrheit sind. Eine große Aufgabe für den selbstsicheren, engagierten Supervisor Gerard Moutou.

Das Dar Ali, direkt also vor der Nase des park inn, existiert auch noch, mit seinem à la carte Restaurant, dem El Besskri, im ersten Stock. Selbst die nervende Backgroundmusik zwischen Klassik und Blues nervt wie vor zig, zig Jahren. Hassan Ghoudi ist nicht mehr da, es kocht offensichtlich eine Frau. Ich habe nicht nachrecherchiert, weil das Deckblatt der Speisekarte schmuddelig eingerissen, das Vitello Tonnato (10 TND) ausgegangen und das Gedeck mit Baguettes, schwarzen Oliven und Harissa alles andere als aufregend gewesen ist, bei den satten Preisen hier.
Dann nehmen wir halt Canapés d’oeufs pochés florentine (7 TND), trinken ein Mineral mit Kohlensäure und dazu eine halbe Flasche Ugni blanc, 0,375 l, (10 TND) und harren der Dinge, die da kommen sollen.
Wunderbar, meine Vorspeise kommt ansprechend angerichtet. Na bitte! Doch das halbe Pfund grünes Kraut mit Stiel, persil, auf Deutsch Petersilie, zeigte bei näherer Betrachtung nebst Verkostung keinen guten Küchenstil, hat das ehrwürdige Florenz glatt beleidigt und viel Harissa musste helfen. Die matschigen Baguette-Sofas ließ ich natürlich zusammen mit dem Grünzeughaufen liegen, begeisterte mich an den beiden Eiern und hoffte auf das gerollte Huhn.

Vergebens. Ich nehme es vorneweg: fast grauenhaft. Roulade de poulet (ein Huhn) »Contessa« (eine Prinzessin) sauce à la figue séchée (ich übersetze mal locker mit eingelegter Feige) (16 TND) las sich traumhaft. Hätten die erbärmlich aussehenden Pommes frites nicht das Gesamtbild verunziert, hätte ich wieder gesagt: Sieht ja doch ganz gut aus! Aber bitte »Maîtresse de la cuisine«, wie kriegt man es hin, dass Fleisch so trocken und geschmacklos auf die Teller kommt? Glaubt Madame am Herd glatt, nur persil, wie bei der Vorspeise, ist bereits abendfüllend.
Ich habe zuerst wieder das krautige Gelumpe herausgekratzt, üppig mit Harissa und Butter aufgemotzt, und mit dem Rest des inzwischen warmen Weines einige Bissen hinuntergedrückt. Einen Weinkühler gab es nur bei ganzen Flaschen. Wo waren denn die Feigen? Spurenelemente. Immerhin, sie schmeckten wirklich gut. Beinahe hätte ich es vergessen, vom fünfstöckigen Turm mit gegrilltem Gemüse, Zahnstocher und schwarzer Olive, extrem einfallsreich, gefiel mir die Zwiebelscheibe am besten. Doch vernichtete billiger, unbekömmlicher, grüner Paprika sofort wieder den aufkeimenden, guten Eindruck. Nach diesem Debakel, alle um mich herum waren zufrieden und haben aufgegessen, hätte mich selbst eine Crème brûlée nicht mehr reizen können, und wenn sie noch so laut geschrien hätte. Der Kalauer entspricht dem Abendessen.
À pros po: El Besskri ist ein Festgewand. Es hat also auch Vorteile, wenn man, so wie ich, nicht Französisch kann!
Bewertung

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Houmt Souk, Place Hedi Chaker
♥ RESTAURANT DE L’IL ♥

Testbericht:
Standhaft behauptet das schnuckelige Restaurant zwischen siebenhundert sattgelben Taxen und siebenhundert bunten Gewürzen, T-Shirts und »looki-looki-machen, kostet nix« seinen günstigen Eckplatz. Der einstige Konkurrent, das Blue Moon, genau vis-a-vis, hat ja vor ein paar Jahren die Segel gestrichen und wurde zum Souvenierladen. Einer unter »siebenhundert«.
Im Sommer 2010 wird die Crew um Wirt Najib Getate dem beliebten Lokal neue Kleider anziehen. Ich war noch kurz vorher in vertrauter Umgebung da, kenne es seit gut zwanzig Jahren, und fühlte mich ein wenig wie zu Hause. Manchmal ging ich früher in den Hof des Blue Moon, aber nur, weil man im de l‘ile nicht im Freien sitzen konnte, wirklich das einzige Manko dort.

Die gut fünfzig Plätze im ersten Stock sind ansprechend hellblau rustikal eingedeckt. Besonders gefallen die beiden Erkertische mit Tiefblick auf den geschäftigen Platz Hedi Chaker.
Monsieur Lazhar und seine Kollegen sind das genau Gegenteil der sonstigen Servicemänner Tunesiens, die da glauben, sie seien allesamt afrikanische Adonise, die auf Araberhengsten durch Restaurant-Tischreihen brettern, angehimmelt von allen Nationen, überwiegend den weiblichen.
Lazhar ist nicht nur wohltuend freundlich, er berät auch kompetent. Auf ihn ist Verlass, Sie dürfen ruhig sagen, dass Sie mein Buch hierher gelockt hat. Er kann sich bestimmt noch erinnern und es toppt den Service vielleicht sogar!

Klassisch: Baguettes mit grünen Oliven, eingelegtem Gemüse, Thunfisch, Salade tunisienne, knackfrisch angemacht, besser als im Ulysse, und natürlich Harissa. Jetzt ganz schnell, bin schon vier Tage im Lande, Brik au thon (2,5 TND). Perfekt, beispielhaft. Kein Gewürz sticht vor, alles richtig abgeschmeckt in köstlich knusprigem, nicht öligem Teig, sogar mit ein paar Kapernperlen! Dazu ein Zitronenhandwaschschale, denn Briks ißt ein Genießer mit den Fingern! Der simple Rosé, ein Haute Mornag (0,375 l, 5,5 TND) ist wundervoll kühl und passt ausgezeichnet.

Der Salade tomate, siehe oben, trotz Thunfischbeigabe, ist mir mit 3 TND zu teuer, da es nur eine Tomate gibt. Die allerdings sehr tomatig. Sie kam übrigens von der Insel, nicht aus Zarzis. Vom Lamm rät Lazhar ab, empfiehlt Crevettes à la provencale mit Reis (17 TND).


Die Soße von Küchenchef Ali Matoug sei ein Traum, er bringt ein kleines Tellerchen zum Verkosten. Avignon und Aix in der Provence, da habt ihr ein Problem. Hier in Houmt Souk ist sie ein Genuß mit interessanten, afrikanischen Gewürznoten. Fünf feine, festfleischige Krustentierchen mit Kopf und Schwanz, dazu ausgezeichneter Reis (Haroun könnte lernen, auch das Neptun), fertig ist mein Loblied! Mit einem gelben Flitzer schnell ins Hotelbettchen, weiterträumen von verschleierten …
Bewertung

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♥ Djerba, je t’aime, ich liebe dich immer, wie ein Lemming! ♥
Au revoir…
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