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Reiseberichte

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Baden im Bäderdreieck

13.07.2008, Sonntag. Bad Griesbach-Therme. Es goss wie aus Kübeln. Stau auf der A9 am Sonntagvormittag ist wirklich eine Seltenheit. Man muss alles einmal erlebt haben. In Landshut bin ich runter von der Gebritschlerei im Hundertzwanzigkilometertempo und rüber zum Traktorhighway 388. Lässig, entspannt und sogar schneller als die öde Autobahngurkerei über Deggendorf und Passau. Man möchte es nicht glauben. Am frühen Nachmittag bereits in der Wohlfühltherme des Lindner-Parkhotels im Hotelviertel von Bad Griesbach. Um das verlockend geschriebene Abendbuffet im Haus (29,50 €) machte ich einen schnellen Bogen, denn am Wochenende ist SIE* im Weinbeisl des König Ludwig, zum Heurigen. Also nichts, wie hin.                                                                                                    …zum Testbericht
 

* Geheimtipp:jeden zweiten Freitag zithert SIE im Parkhotel!

14.07., Montag. Schärding, Restaurant Kupferpfandl im Stögergassl am Marktplatz. Die Wirtsleut waren Freunde vom Neuburger Ott, der in den hohen Norden abhaute. Warum so weit, ahne ich. Ich bin auch betroffen. Aber ich war ja zum Essen hier:                   …zum Testbericht


Überraschung am
Bad Griesbacher Brunnenplatzl. In eine wieder eröffnete Brasserie gestolpert, denn was Süßes braucht der Mensch vorm Schlafengehen, wenn nichts dergl. unter der Bettdecke wartet.                                                                                 …zum Testbericht

15.07., Dienstag. Ungeplant nach Bad Birnbach in den Sammareier. Grillabend mit Musik. Die Gott sei Dank besser klang, als erwartet. Es hat sich viel getan in Hansi Webers Refugium. Ihr Göttergatte, richtiger aber Rottufersäulenheiliger genannt, putzte die gesamte Grillerei mit seinem diebischen Witz und ein paar aufregenden Weinflaschen. Die beiden Senilos, ego eingeschlossen, balzten zu Iris, einer Preussenblondine am Nebentisch, dass es eine Freude war. Der ganze Abend war eine Freude                                                                  …zum Testbericht

16.07., Mittwoch. Kurzbesuch in Schambach beim Wirts Edl. Genauer gesagt auf dessen Parkplatz und ehemaligem Biergarten an der Kegelbahn. Letzterer ist keiner mehr, dafür ein Verhau. Die Naturkegelbahn ist voll gestopft mit Schränken und Kastln. Offensichtlich treibt es GolfundWirt Eduard Braun noch immer mit »Antiquitäten«. Auf dem kiesigen Parkplatz riecht es penetrant nach Fett. Woher der Geruch kommt, kann ich nicht feststellen. Ich begrabe meinen Traum von der Friedensmission zu Gunsten deftiger, niederbayerischer Kost und fahre Richtung Passau zur Hoftaferne auf Schloss Neuburg am Inn. Im sehr schönen Garten sitzen sechs Gäste. Nach 12 Minuten bekomme ich zwei Karten: eine Biergartenkarte und die große Karte. Bei den Preisen bleibt mir die Spucke weg, oder wie geht es Ihnen, wenn sie für einen Schoppen Grüner Veltliner 12 Mark bezahlen sollen?                                                                                                                                                                                                                        …zum Testbericht

Gemütlichst fahre ich an Griesbach vorbei zum Wasner nach Bad Birnbach in den Biergarten zu den drei riesigen Kastanien, zu Maria und – zu Horst. Die Sehnsucht meines Magens auf ein fressbares Niederbayern ist nicht mehr zu überhören. Gesellschaft leistet mir der gerentnerte Pfarrer von Bad Birnbach. Klar, dass der viel weiß über seine Wahlheimat. Er kommt aus dem nahen Innviertel, ein recht gemütlicher Österreicher also, an dessen Lobgesang auf den Winbeck in Holzham ich arg schlucken muss                                                                              …zum Testbericht

17.07., Donnerstag. Schluss mit Sommer, es pinkelt aus grauem Himmel. Freisitz ade – dabei hätte ich so gerne das edle Ferrara im Golfervorhimmel Maximilian ausprobiert. Es wird neuerdings auch von der Familie Lindner vermarktet. Ich bin gespannt, wann den Rheinländern der halbe Griesbacher Thermenhügel gehört? Anfangs war ich schon sehr skeptisch beim Bad Griesbacher Lindner-Parkhotel, aber jetzt entdecke ich richtig gute Kleinigkeiten. Beispiel: an der Obstbar gibt es besseres Obst, u.a. frische Datteln, die weiß Gott nicht gerade billig sind, dafür aber bereits mit drei Stück den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Mineralstoffen decken. Wissen ganz Gescheite. Welche genau, ist eigentlich ziemlich wurscht, denn ich mag frische Datteln. Auch der Heißwasserbereiter auf den geräumigen Zimmern mit Tee, Kaffee und Schokolade ist sehr angenehm. Ich glaube, den 60. Besuch unserer Familie im Parkhotel schaffe ich noch.

Kennen Sie Bruder Konrad von Parzham? Ein pfundiger Navi-Heiliger, denn er hat mich lautlos in die Hügel bei Bad Birnbach gelotst. Nach Asenham. Dort gibt es neuerdings einen Westfalen mit gutem Gaumen und kalbsgroßem Hund. Er heißt Franco, der Hund. Der Wirt, der kocht, serviert und putzt heißt Gerhard. Sein Wirtsstadl ist ein Geheimtipp.                           …zum Testbericht

Am Freitag zum fischigen Nachtestgefahren  …mehr

18.07., Freitag. Fischtag fangfrischer Forellen aus Unterhitzling in Asenham. Bin froh, dass ich den Böckenholt gefunden habe, auch wenn das mehlig panierte Müllerinenfischerl kein Hit gewesen ist. Außerdem liebe ich Alliterationen, ganz besonders, wenn man sie auch noch essen kann! Um einen Benotungsabstrich komme ich aber nicht herum.

Zuerst aber noch zum Pritzl in Bad Griesbach, Papier kaufen. Der ist auch ein Geheimtipp, ein Papierliebhaber par exzellence. Solche Leute sterben aus, ganz arg leider! Und noch ein Glaserl Rottal- Waldhonig vom Nöhammer am Stadtplatz und dann hinüber auf die andere Seite des romantischen Flusses, der oftmals nicht weiß, soll er zum Inn fließen, oder lieber wieder nach Müllerthann zurück, da entspringt er nämlich. Wenn um Sechs in der Früh‘ die Cuvilliés-Kirchenglocken vom Ex-Kloster Asbach herüber wehen, hinein ins Gezirp der Vögel vor meinem Fenster, dann fängt die Rott zu rufen an. Mit einem kräftigen Heulton, immer wieder.
Nicht wirklich, es ist der Schibu der längsten Nebenbahnstrecke Bayerns auf seinem Wegabschnitt von Pocking nach Pfarrkirchen. Genau so flink wie der Fluss und immer ganz nah am Wasser. Händchen haltend.

Weil ich schon beim »F« bin, heikel bis frivol: Die hübschesten Kurhasen, von cellulitisfreien Festbusigen bis zu grauondulierten Macrobirnenhängerinnen, aber alle »F«-Fans, mehr oder weniger offen (die meine gehört mit einem feinen Dreilochplatz leider sehr gerne dazu), findet man beim smarten BussiBussiLächler mit hochprozentigen Missionarsambitionen, beim Frauenschwarm Alex Rank in seinem Holzhäusl. Nur Platz findet man oftmals keinen, in der stets brummenden holzigen Kultbude mit Davidoffdach, gegenüber vom »Max«. Da bleibt dann dummer Weise für die Schönen, Trinkfesten der Kurnacht nur der rechte Oberschenkel eines Karrierthosigen mit dottergelbem Pulli und einem waschechten, englischen Morgan in der Tiefgarage. Was »sie« aber erst feststellen kann, wenn er bei ihr ausgiebig putten durfte. Klartext! Warum auch nicht, wenn es beiden Spaß macht. Bei Vollmondschein oder im Flutlicht einer Nachtischlampe. Im ersten Stock beim Rank demonstrieren ganz ausgefuchste TT's (nix Audi, sondern Tangaträgerinnen), dass man an Davidoffs saugt und nicht bläst. Alles zur rechten Zeit, hohe Kunst also, teure.
Klar bin ich neidisch. Und?

Trotz tobendem Bär in Pocking zur Hacienda Mexikana gefahren, wo der Wirt so viel Mittelamerikaner ist, wie ich ein Heiliger oder sein verdammt hübsches Weib Emilia eine Rotttalerin. Bei Tageslicht. Gnadenlos den Grizzly Albin ohne Sombrero getestet.                                                                                                                                        …zum Testbericht

19.07., Samstag. Endlich ist es wieder Sommer, wie es früher einmal war. Deshalb bin ich mittags nach Bad Griesbach in den Obstgarten der Waldpension Jägerstüberl gefahren und wurde angenehm überrascht.                                                                            …zum Testbericht

Zum Finale noch einen Ferrara, keinen Ferrari. In die Edelspeise im Maximilian in Bad Griesbach-Therme. Denkste. Die hatten es nicht nötig an dem herrlich warmen Abend draußen aufzudecken. Höhere Fügung. Also rüber zum pfundigen, gewitzten Gerhard Georgi ins Sammareier. Ein Ratsch der Extraklasse und ein sensationelles vitello tonnato.

Sie wollen noch wissen, was ein Schibu ist? Das sagt Ihnen gerne der Georgi, wenn er nicht mit seiner MassageMietze gerade auf Urlaub in Hamburg ist!

Ende der verfressenen Woche.

Juli 2008

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aus der Meraner Ecke

Es ist endlich Sommer. Daheim und hinter dem Brenner. Von wegen, die Schauer spielen Fangermandl. Um Zwölf sind 22° für Bozen um diese Jahreszeit winterlich! O.k., alles wächst im Eilzugtempo, mutiert das Etschtal am Südfuß der Texelberge vielleicht zum monsungewässerten Andreas-Hofer-Dschungel? In den unzähligen Freiluft Abspeisen sind Tischleindeckdichspiele an der Tagesordnung: Aufdecken, dann blitzschnell runter unter Dach, eindecken, runter damit usw. So manche Bedienung macht mit dem Putzlappen mehr her, als mit ihren beiden neuen Stoßdämpfern. Auch das ist mir aufgefallen, und dies hat nichts mit Senilosex zu tun, die gekauften Kurven feiern fröhliche Urständ und wachsen mit dem Grünzeug um die Wette. Bei entsprechend offenherziger Präsentation zeigt sich der männliche Tinkgeldbeutel bestimmt auch offenherziger. So kommt zum guten Mahl manchmal noch ein Schuß Sex, der sogar kleine Mängel der pfannenschwingenden Kochmütze glätten kann. Wie heißt es so schön: das Auge isst mit. Das männliche. Ja, ich weiß schon …


02.07.2008, Mittwoch

Riffian, Grillrestaurant Wezl, mitten im Ort, gegenüber dem Rathaus. Motoguzzi-Sylvie muss einen Tisch trocken legen, damit ich keinen nassen Hintern bekomme. Sie hat keinen heißen Ofen mehr, ihr LAG (Lebensabschnittsgefährte) Harley-Jochen auch nicht mehr. Dafür haben Sie ja ihr Töchterlein. Und ein Cabrio. Hat wenigstens das Frischluftfeeling der knatternden Motoren mit zwei Radln. Sylia sah vorher schon knisternd aus, jetzt blicke ich lieber in die Speisenkarte. Ist viel beruhigender. Jochen versucht mit jungwildem Kopftuchpiratentouch mitzuhalten. Chancenlos! Wenn er eines schönen Tages so kocht, wie Sylvia strahlt, wird er berühmt. Das Angebot des Riffianer Geheimtipps ist immer noch reizvoll, die hausgemachten Produkte nehmen erfreulich überhand. Selbst eine Apfelschorle schmeckt hier besser, als anderswo. Ohne aufs Mädl geschielt zu haben. Mir war nach gebratener Hähnchenbrust mit Gurkenchutney, Kartoffelpuffer und Salat (12,50 €), doch Sylvia schüttelt den Kopf. Es gibt hausgemachte Spaghetti mit frischen Steinpilzen (9,50 €) vom jagernden Vater, der offensichtlich permanent über die Könige des Waldes stolpert und sie LKW-weise aus dem grünen Tann heimschleppt. Das Gerichte hätte besser geheißen: frische Steinpilze mit hausgemachten Spaghetti, so wäre das mehr der Teller-Tatsache gerecht geworden. Ich wage es trotzdem zu kritisieren: das Ganze war mir zu vermanscht, zu feucht, zu wenig royal. Büchsenpilze schmecken leider ähnlich. Sorry Jochen, aber nur von der Wahrheit hast Du was. Vielleicht nur angebraten, wenig, aber gutes Olivenöl, so wie mir es Steinpilzkönig Hunger im Bayerischen Wald perfekt vorgesetzt hat. Wenn schon Preisrechtfertigung, die Du selbst angesprochen hast, dann bitte nicht über die Masse. Bevor ich mir nun ein Lokalverbot einhandle, eine entsetzliche Vorstellung, zum Dessert. Mohnkuchen mit Joghurt-Halbgefrorenem (5,00 €), klingt schlicht, aber interessant. Ist einfach Spitze. Das Rezept stammt von einem Stammgast. Brav, so gehört es sich. Jochen hat es mit seinem jungen Brutzelpiratenbeistand (wie der Herr, so’s G’scherr) optimal umgesetzt. Mein Tipp für das Westufer der wilden Passer: trotzdem etwas behutsamer mit den Preisen umgehen. Nicht dass es eines Tages vollkommen wurscht ist, ob hier die Stühle nass sind, oder nicht. 


03.07., Donnerstag

Es soll ja Frauen geben, die richtig Spaß haben, wenn geschickte Messerwetzer ihr fünfzigjähriges Äußeres glatt in eine lebendige Mona Lisa verwandeln. Was macht aber ein in die Jahre geschltterter Kerl, wenn die Zeit vor lauter Arbeit schier davon gelaufen ist? Manche lassen auch metzgern. Jeder, wie er mag. Otto Mattivi, Wirt vom Hidalgo in Burgstall, des von Neidern gern als „Kantine der Bozen-Meraner-Geschäftswelt“ apostrophierte Nobelrestaurant, kann darüber nur lächeln, da Mutter Natur an ihm Gefallen gefunden hat. Seine Jahresringe kleiden ihn immer besser. Trotzdem juckte es ihn in seinen umtriebigen Fingern. Er wechselte seine Lebensabschnittsgefährtin einmal mehr, notgedrungen, aus seiner Sicht, übernahm deren Vorliebe für Brombeerrot, kombinierte es mit heftigen, teuren Umbauten und fertig war das neue Schmuckkästchen. Sollte seine jetzige LAG nur annähernd so geglückt sein, wie das operierte Hidalgo, dann brauche ich eine nachtschwarze Sonnenbrille, um ein Mahl dort zu überleben, so die Dame im Hause weilt. Ich habe da so einige schlaflose Erfahrungen mit Burgstall durchlebt. Alessandro Miragoli ist auch wieder da, um Otto glücklich zu machen. An diesem Mittag klappte das allerdings nicht ganz, denn seine Rosmarinkartoffeln waren so daneben, dass der Wirt beim Tischpalaver über das Kartoffelthema Gänsehaut bekam. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Es treibt ihn schier in den Wahnsinn, das Problem mit guten, geschmackvollen, irdenen Knollen, schimpfte er. Es beruhigte ihn kaum, als ich meinte, dass demnach fast zwei Drittel aller bayerischen Wirte in die Klapsmühle müssten. Leider ist die Beilage „Wokgemüse“ zwar zeitgerecht interessant formuliert, das was die Küche aber in die heiße Schüssel rührt, ist eines Hidalgo eigentlich nicht würdig. Ein g‘scherter Bayer würde sagen: „Da is dem besternten Ex-Acetaja-München-Brutzler aber nix eingfalln. Auch schaffte der Griller den Spagat für „medium mit Tendenz zu französisch“ nicht. Es geht um einen Hidalgoklassiker: Rindsfilet mit Rosmarinkartoffeln und Wokgemüse, 180g (21,00 €). So, das war der angeknabberte Genuss, jetzt wird hochgelobt. Der Gruß aus der Küche mit einem sensationellen vitello tonnato war nicht zu toppen, ebenso wenig das Sorbet des Tages - Zitronensorbet (5,00€). Was rede ich herum? Im Herbst wird das Hidalgo wieder auf Hochtouren laufen, meinte Otto. Und daran ist auch nichts zu rütteln, meine ich!

Fünfhundert Meter, Höhenmeter, über dem Hidalgo, am Südhang der Texelberge, im Oberlechner von Vellau, am gewitterschwangeren Abend, hätten Sabine und Peter Gamper dem Hidalgowirt das Fürchten gelehrt, wäre er bei meinem Abendessen dabei gewesen. Aber bis hier herauf ist es weit, serpentinig und nur zwei Handvoll Feinschmecker passen auf den klitzekleinen Balkon. Bei weniger monsunigem Wettergebahren tischt man zusätzlich auf der Rustikalterrasse auf, damit ein paar Glückliche mehr in den Gampergenuss kommen können. Und dieser Genuss ist auch beim Trinken ungeschmälert, wenn man beide einfach nur machen lässt. Die gebürtige Terlanerin Sabine hat sich inzwischen zu einer Sommelieuse gemausert, die ihrem Heimatort alle Ehre macht. Sie kann natürlich nicht annähernd an die beiden Keller von Kohlern und Burgstall heran, aber was ihr an Flaschen fehlt, macht sie mit herzlichem, echten Charm locker wett. Kongenial empfiehlt sie die richtigen Tropfen zu den sensationellen Herdzaubereien ihres Mannes. Überdies steuert sie sogar  Kleinigkeiten zum Menü bei, die einfach großartig sind. Was selbst eingefleischte Stammgäste nicht wissen, da sie kein Aufheben von ihrem Können macht. Sie ist eher eine „Stade“. Und ihn kriegt man sowieso kaum aus der Küche heraus. Wenn ich jetzt die einzelnen Gänge nur beim Namen nenne, dann ist das keine Faulheit, sondern nur Unvermögen, sie adäquat zu beschreiben. Am einfachsten ist es, hinfahren und genießen. Aber vorher anrufen, unbedingt. So der Tanz beginnt, in Bozen hängt ein sauberes Gewitter und liefert eine herrlich theatralische Kulisse. Vellauer Käse mit Mango, Tomaten, Bauernbrot und Salat. Dazu trinke ich einen Kerner vom Pacherhof im Eisacktal, Jahrgang 2007, ein wuchtig fruchtiger Tropfen, ein Meisterstück von Andreas Huber, das ich bis zum Wildgang „durchtrinke“. Und er adelt jeden Bissen! Carpaccio von der Kalbshaxe mit Kartoffelpürree und Bierradi mit Brunnenkresse hätte mit einem kleinen Weißbier sicher noch besser ausgesehen, aber mit Hopfenstoff kann Südtirol nicht dienen. Was aber nun wirklich kein Manko ist! Das Pfifferlingssüppchen mit gefüllten Zucchinblüten und Petersilienchip begleitet ein handfestes Donnergrollen, wie es ein Winkler, Haas oder Wolfarth niemals hinkriegen, denn da braucht es die rechte Höhe, damit der Draht nach oben nicht zu lang ist. Wenn Peter Gamper eine Schokoladenseite hat, dann ist die wild, vogelwild, geschmacksgeil: Hirsch im Nußblatt, Erbspürree und Kirschen. Nirwana! Nirwana! Sabine haut in die gleiche Kerbe: der Rote aus ihrem Terlan, ein Lagrein Porhpyr, Riserva 2003, violettroter Wahnsinn! Ja bin ich besoffen? Sabine haut nicht. Nie. Das Mädl beruhigt mein aufgewühltes Inneres, besänftigt das Donnergrollen mit Sabines kalter, klarer Tomatensuppe mit frischen Sommerbeeren und Limonensorbet. Dazu eine Beerenauslese vom Neusiedlersee: Tschida, Sauvignon blanc, 2005 von Hans Tschida aus Illmitz.
Dann ratsche ich mit Peter bis Mitternacht über Gott, die Welt und die Weiber. Natürlich ohne Sabine. Was bin ich doch für ein feiger Hund!


04.07., Freitag

Mittag auf 1600 Meter: Helener Pichl im Ultental bei meiner Menschenseele Karl Laimer. Die ist er bestimmt immer noch. So hoffe ich innig. Sonst aber war es fast eine Enttäuschung. Schon vom romantischen Steintischgarten vor der Haustüre blieb nur eine elektrische Markise. Die Einstammbänke sind fast vermodert, die Schwarzbeersträucher wollen keine Früchte mehr tragen. Den selbst liebevoll geräucherten Laimer-Speck gibt es nicht mehr. Ein paar Ersatz-Blattln (3,00 €) stellen grad zufrieden. Die Apfelschorle (0,4 l, 2,00 €) passt sich an. Die optisch ansprechende Speckknödelsuppe (3,50 €) ist heftig grün herausgeputzt, die Brühe schwächelt aber und der Knödel schmeckt farblos. Karl Laimer hat sakrisch Zahnschmerzen und muss noch am Nachmittag zum Zahnarzt nach Nals. Das muss der Grund für meine Unzufriedenheit sein. Der Kaiserschmarrn (5,50 €) besteht zwar aus tausend tiefdottergelben Eiern, aber keiner einzigen Rosine und ist nirgendwo karamelisiert. Erdbeer- und Preiselbeermarmelade ersetzen hilflos den in Bayern gereichten Zwetschgenröster, der das „kaiserlich“ erst ausmacht. Wenn Karl das nicht glaubt, muss er sich mit Helmut Breitenlohner unterhalten. Also, ich aß sozusagen die Landsknechtfassung, aber Karl hatte Zahnschmerzen. Noch eine Johannisbeerschorle, hausgemacht (0,4 l, 2,50 €). Ich ging gleich, denn ich hatte Herzschmerzen. Ziemlich traurige, leider.
Es war die gerechte Strafe für meine Weiberschelte von gestern Abend.

Daniel köpfte einige Witwen für die Geburtstagsfeier. Altersmäßig hätte ich sogar dazu gepasst. Aber nicht standesmäßig, und brieftaschenmäßig schon überhaupt nicht. Aber irgendwo hängt mein armes Herzerl halt in Meran an der Fragsburg und ihrem atemberaubenden Ambiente. Nach dem Ultental am Mittag musste, erquickend und laben am Abend, etwas Besonderes her. Also serpentinte ich mich hinauf zu Ortners Schmuckkastl, das inzwischen die ganze Welt kennt. Hochgelobt von allen Testern und Feinessern, leicht erreichbar, da die einst verwegene Anfahrt restlos entschärft wurde. Und Ortner entschärfte gnadenlos alle Kochtopfspinnereien seiner einstigen Küchenchefs zu Gunsten einer klaren, geradlinigen, hochqualitativen, überzeugend regionalbetonten Küche mit durchaus frechen Ausflügen. Ja wirklich, nicht langweilig, eher mit interessanten Finessen, die auch mitunter Risiko in sich bergen. Das Thema Forelle möchte ich im Zusammenhang mit dem ehemaligen Jagdschlösschen nicht mehr aufgabeln. Viel gerechter wird dem Abend viel Frohlocken. Halleluja schon beim Gedeck (3,00 €)? Das kann doch nicht sein? Doch, der Brotkorb hing quasi in den Wolken: himmlisches Manna, täglich zweimal frisch in sechs Variationen: Schüttelbrot, Grissini (geil!), Fladenbrot, weiße Schneggelen, Kartoffel-Majoran-Baguette und Sauerteig-Speck-Zwiebel-Weggen mit gesalzener Bauernbutter, einem feinen, kräuterigen Käseaufstrich, Olivenöl und eine dunkle, hawaianische Tunke, deren Namen ich vergessen habe. Halleluja also, bevor es überhaupt los ging. Als amuse gueule brachte Restaurantchef und Sommelier Daniel Grassl, ein pfiffiges und hallelujamassiges Innsbrucker Bürschchen ein Tafelspitzsulzerl in der Espressotasse mit einem hervorragenden Meerrettichnockerl, Pfifferlingssalat und gekonnt live theatralisch getropftem, steirischen Kürbiskernöl. Das sind Begrüßungen! Damit aber nicht genug. Alois Haller, das heimische Gewächs aus dem Passeiertal, hatte Spitz gekriegt, dass der bayerische Freßsack auf der Terrasse hockt und beschlossen, ihn nieder zu kochen. Nur so zum Probieren: heimische Flusskrebse auf gepfefferter Wassermelone mit Alio Sauce, frische Kresse und Basilikum. Halleluja. Doch dann zeigte die Pfannencrew, zu was sie inzwischen fähig ist. Nahezu Weltklasse gelang ihr mit der „Gänseleber mit Zartbitterschokolade“ Terrine von der hausmarinierten Gänseleber und Zartbitterschokolade an Birnengelee (16,00 €). Ausnahmsweise schlucke ich das depperte „an“, das in das neue, geradlinige Konzept des Hauses nun überhaupt nicht passt und  bemängle, dass es dem Gelee an Geschmackskraft fehlte. Das habt ihr jetzt davon. Das Zwischensüppchen, Rehkitzconsomme mit Tomatenconcasser und kleinem Preßknödel vom Algunder Graukäse (liest sich so, wie es schmeckte) servierte ein weiteres, sehr sympathisches Mannsbild in einem wunderschönen Teller und gibt mir die gute Gelegenheit, die perfekte Geschirrwahl besonders herauszustellen. Der glas-porzellanene Theaterdonner scheint in der Fragsburg passé zu sein. Halleluja! Nun überspringen wir meinen Hauptgang aus der Sparte „Traditionelle Regionale Gerichte“, die Gebirgsforellenfilets mit Holzkohlearomen gebraten an Schnittlauchcreme und Schaum von der italienischen Strauchtomate mit Kokosnuss (20,00 €). Allerdings kann ich mir nicht verkneifen, dass sich hier der Donner klammheimlich, aber sehr ungut in die Beschreibung geschlichen hat. Was dann Florian alles hinwegblitzte. Süß, witzig und frech, nur leicht donnernd. Kleines Beispiel: Mousse von Heublumen mit hausgemachtem Sauerrahmeis, eingelegter Vinschger Marille und kleinem double chokolate cake. Aufgespießt. Da zuckst! Wenn dieser blutjunge, megabegabte Zuckerbäcker dir zum Finale ein riesiges Tablett mit tausend hausgemachten Pralinen unter die Nase halten lässt, damit der Assamgrüntee nicht so einsam ist, dann bist du nur noch fertig. Weinst bitterlich, weil Deine Portokasse dich hier heroben nicht mümmeln lässt und der Chef des Hauses raffiniert den weiblichen Part im Service von dir ferngehalten hat, damit du nicht wieder diesen Weiberschmäh schreibst. Alles in Ordnung. Danke für die schönen Stunden. Und Glückwunsch zum jungen, frischen Jagdschlösschen. Schade, dass ich dem SeniorAlexander nicht einmal die Hand schütteln durfte. Muss etwas angestellt haben? Trotzdem: Halleluja!


05.07., Samstag

An den Etschufern mit ihren halbwüchsigen Äpfeln, brüten gut dreißig Grad. Ein weiterer Grund, hinauf zu fliehen nach Sirmian, auf angenehme 25 Grad in den aussichtsschwangeren Gastgarten des Gasthof Jäger der Familie Öttl-Mair. Es wimmelt in Südtirol geradezu von schönen Freisitzen, nimmt man jedoch alles zusammen, natürlich auch Service und Küche, dann gewinnt bei mir die Einkehr nahe dem Kirchlein der Zahnärzteheiligen St. Apollonia. Bitte beachten: nicht die Wirtschaft direkt am Fuß des Kirchberges, die kann nicht mithalten. Es gab mal eine Zeit, als die hübsche Wirtin Angelika das Küchenzepter aus der Hand legte, da hielt sich meine Begeisterung in Grenzen, jetzt ist sie wieder zurückgekehrt. Angelika ist noch hübscher geworden und ihr Mann war schon immer ein fescher, sehr gepflegter Kerl, der mit viel Umsicht den Service pflegt. Niemand an den wuchtigen Tischen unter den alten Bäumen konnte sich der beinahe malerischen Stimmung entziehen. Wir alle lebten heiter und zufrieden in einem Breughelbild, die Sorgen hockten drunten an besagten heißen Etschgestaden! Die ist kein Schmäh, es ist die Wahrheit. Ich verdrückte als erstes einen Tomatensalat (4,00 €), eine riesige Portion wohlschmeckender Paradiser. Der Name passt besser hierher. Als Zwischengang bekam ich eine kleine Portion Hirtenmaccheroni (4,80 €, normal 7,00 €), die hier am besten schmecken. Leider verhinderte das Auto einen feinen Roten der Schwanburg aus dem Weindorf Nals, am Beginn der kurvigen, aber nirgendwo beklemmenden Auffahrt nach Sirmian. Auch das optisch beispielhaft angerichtete Vitello tonnato (7,80 €) brüllte schier nach einem Rebentropfen, verlangte das Letzte meiner Widerstandskraft. Irgendwann penne ich in dem Gasthof und saufe den Öttlkeller leer. Was bin ich bloß für ein Angeber? Nein, wirklich, ich werde es tun. Nun eine klitzekleine Kritik: es gab reichlich Kalbfleisch, aber etwas trocken. Was die köstliche Sauce aber mit Links wettmachte. Als ich dann beinahe im Schritttempo wieder ins Tal bummelte, musste ich an einer Wanderin vorbeifahren, mit vier Wanderstöcken! Mir blieb schlicht die Luft weg. Warum passiert das immer mir? Ach was, das war eine Fata morgana. Mitnichten, eine Fata Loren!
Juli 2008

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niederbayerische Badewanne

November in Hochform: Regen, jagende Wolken, tanzende Blätter, vermummte Grauhaare. Da punktet Hartls Urlaubsimperium unschlagbar. Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass die warmwässerigen Hotels am Rottnordufer völlig wetterunabhängig perfekt in die Landschaft hineinträumen. Ganz wichtig, trotzdem die Gegend wie wertvoller schweizer Emmentaler attraktiv durchlöchert ist, kommen auch nicht karierte Hosen voll auf ihre Kosten. Das größte markierte Nordic-Walkingnetz Deutschlands durchzieht die wunderbare, weichhügelige Landschaft. Hier fahren Puls und Pumpe herunter, und alle Sinne hinauf, ob sie wollen, oder nicht. Literarisches Ende. Gaumensinn, du bist dran!

11.11., St. Martin. In Gedenken an den barmherzigen Berufssoldaten längst vergangener Zeiten suche ich in Bad Birnbach den Wasner heim. Weiter im Text hier

12.11., Sonntag. Nur zwei begeisterte Damen hatten am vernieselten Mittag ins Restaurant Kashmir Palace, Bad Griesbach Therme, gefunden. Na ja, was man im fernen Osten wohl alles als Palast empfindet? Obwohl, es ist etwas heimeliger eingerichtet. Sonst hat sich kaum etwas geändert. Dass die beiden Butts nun über ein Jahr am Brunnenplatzl residieren, ist beachtlich. Hätte ich nicht geglaubt. Sie haben inzwischen schon einige Stammgäste, meint Waheed erfreut. Zum Überleben hilft auch der Italiener nebenan, den die Butt-Brüder auch betreiben. Mit den Dipp-Soßen für das köstliche Pappad bin ich heute nicht so zufrieden, noch dazu war die rote Version gerade in Arbeit. Sie machen die Soßen selber. Respekt. Köstlich das Tandori Naan (1,50 €) aus dem Lehmofen. Da fehlte die »Rote« schon sehr. Beim Murgh Vindaloo (9,90 €) war ich mit der geschmackvollen, nicht zu scharfen Soße zufrieden, reklamierte aber zu wenig Hühnerfleisch und die vielen Kartoffel. Die ich letztendlich gar nicht bräuchte, denn der Basmatireis war schön und gut.

Am Abend in den Heurigen des KL. Steht danach in meinem neuen Buch: »… nein, deine Suppe ess' ich nicht!« (erscheint 2009). Bitte also um Geduld. Nur soviel sei gesagt: Ohne die bildhübsche, ausgezeichnete Zitherspielerin Gertraud Danner hätte es den Heurigen gewaltig erwischt.

13.11., Montag, immer noch recht feucht, thermengerecht. Am frühen Abend ins hochgelobte Jägerstüberl in Bad Griesbach. Weiter im Text hier

14.11., Dienstag. Nachtest am Mittag in Hirschbach zwischen Bad Birnbach und Pfarrkirchen. Einladend thront der Kirschner Wirt am Dorfplatz, die Metzgerei verheißungsvoll direkt neben der Wirtschaft. Drinnen ist etwas anders, im ersten Moment weiß ich nicht, was. Manuela, seit zwanzig Jahren im Haus, heue noch ein wenig von der Hauskirchweih am vergangenen Wochenende mitgenommen, klärt mich auf. In einer Nacht- und Nebelaktion ließ die Seniorchefin alles dunkelhonigfarbene Holz, bis auf die Sprossenfenster, hell übermalen. Gekünstelt marmoriert. Muss ein halber Kirchenmaler gewesen sein. Kein besonders guter, denn an einigen Stellen blättert der Lack ab – oder das wundervolle, antike Holz, das der Stube einst den Charme und die Gemütlichkeit verlieh, wehrt sich ganz einfach. Wenn die Seniorin schon investieren wollte, so hätte sie das besser bei den Speisenkarten getan, die arg zerflettert, eigentlich nichts Gutes bedeuten. Ich lasse mich nicht abschrecken, bestelle eine Leberknödelsuppe (2,00 €), die tatsächlich hausgemacht ist, gut schmeckt, aber keinen »Toten aufweckt«. Rinderfiletsteak mit Bratkartoffeln, Kräuterbutter und gemischtem Salat (11,00 €) schreibt sich mein Hauptgericht. Das Fleisch wünsche ich mir eher blutig. So kommt es auch auf den Tisch, den Klacks Pfeffersoße hätte ich nicht gebraucht, dafür keine Röstkartoffel. Die Köchin muss also eine Österreicherin sein, denn bayerische Bratkartoffel, auch niederbayerische, sehen anders aus – und schmecken besser! Das Fleisch ist tadellos, der Preis und die Menge adeln es sogar. Die Kräuterbutter ist fertig und hart, wie ein Zementbrocken. Leider ist der Anschnitt eines Blattstrunks im Salat angefault, ich habe es fotografiert, falls es die Köchin nicht glauben sollte! Der Anstrich, der Zustand der Speisenkarte und der schwache Salat lassen mich verstehen, dass der Bezirkssieg im ministeriellen Bayerngaststättenwettbewerb schon zwölf Jahre zurück liegt.

Der Abend, erquickend und labend. Galleria mit dem Neuen im Columbia in Bad Griesbach. Weiter im Text hier

15.11., Mittwoch. Ein traumhafter Föhn stellt den östlichen Alpenkamm direkt vor das Thermalbadeviertel. Jahrhundertsicht, wenn sie auch nichts Gutes verheißt. Ein, zwei Tage danach wird das Wetter schlecht, sagt man. Mir ist nach megadeftig. Columbia, die Zweite, diesmahl im Keller. El Sátano in Bad Griesbach. Weiter im Text hier

16.11., Donnerstag. Schon passiert: Überall schien die Sonne, nur nicht in Bad Griesbach-Therme. Nebel. Zuerst wollte ich ins Mira, dort verschreckten mich allerdings einige Preise im Speisenkartenaushang vor der Tür: Spaghetti Bolognese 6,80 € oder Penne arrabiata 6,30 €. Dann ging ich zur Familie Federl ins Brauhaus Bad Griesbach. Ich kann es nicht oft genug wiederholen, eine wunderschöne Wirtschaft mit einer wunderschönen Karte  – und einer furchtbaren Schreckensmeldung, die ist allerdings ziemlich neu. Wenn der Hausherr nichts dagegen unternimmt, dass sich die Gäste im Winter mit dem Böhmischen bei 18 Grad den Hintern abfrieren, dann hören die beiden auf. Verdammt noch mal, es soll doch Architekten geben, die schon mal das Wort Wärmedämmung gelesen haben. Auch hier im Bäderdreieck! Oder will er mit den zahlreichen Wirtewechseln ins Guinessbuch der Rekorde? Der Appetit war mir fast vergangen, eher traurig futterte ich die wunderschönen Kalbfleischpflanzerl mit wunderschönen Bratkartoffeln (6,90 €, danke, ohne Wechselgebühr) und einem wunderschönen Beilagensalat (2,70 €) mit Balsamicodressing. Ein ungutes Gefühl in mir sagte: In deinem dritten Band liegst du im Bäderdreieck mit einigen Adressen bereits jetzt schon ganz schön daneben. Federl, bitte bleib noch ein Zeitl, obwohl Du die Rente längst verdient hast …

Der ofenfrische Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne (4,00 €), eine Kugel Eis als Nachschlag umsonst, in Alex Rank's Holzhäusl in Bad Griesbach-Therme konnte meine angekratzten Nerven kaum beruhigen, zahlte ich doch hier für den Longdrink Monin-Bitter-Orange (4,80 €) ohne einen Tropfen Alkohol (etwas geilroter Sirup aus Frankreich + 1/8 l Orangensaft aus wo-weiß-woher, nix frisch gepresst, + Eiswürfel) knapp 10 DM. Da ist der Federl im Griesbacher Bräustüberl mit seinen wirklich selbst gemachten Kalb(!)fleischpflanzl ja ein Depp! Oder tu ich dem Wirtesmartie Rank unrecht, denn er schüttet das Zeug ja selber zusammen, von Hand, und steckt ein Umrührplastikherz nebst Strohhalm hinein, auch von Hand? Früher hat er mir den Drink immer spendiert, da war er noch im Wirtekreis, da habe ich das nicht bemerkt.
Nun riecht meine Kritik natürlich meilenweit nach Rache, das lässt sich aber nicht ändern, da kann ich schreiben, was ich will. Also schreibe ich, was ich will: Ich mag kein bitteres Camparisorbet, auch nicht geschenkt, keine überzogenen Preise und keine geschäftstüchtige Bussifreundschaft. Dass Rank ausgetreten ist, mag ich auch nicht, sein Beitrag fehlt mir natürlich hinten und vorne, denn wichtig ist das liebe Geld, nicht der Mensch, gell Herr Rank. Und seine weit bekannte, verblüffend schmackhafte, Fertigküche war eine lustige Facette in meinem Wirtekreis. Da war jetzt viel Privates mit dabei. Mehr noch davon: Meine Frau steht auf Ranks Holzhäusl. Ich stand!

17.11., Freitag. Neuer Tag, neues Glück. Schmarrn, von Glück konnte gestern keine Rede sein. Aber heute wird es wenigstens spannend. Denn viele reden von ihm, vom Inder, dem Taj Mahal in Ortenburg. Mehr hier  

18.11., Samstag. Der große Moment meiner Thermaltage naht. Il Giardino im Thermalflaggschiff der Columbia-Hotel-Flotte in Bad Griesbach. Der Bericht hier

19.11., Sonntag. Nach dem Samstagabend kamen mir erste Zweifel an der »Schöllerflotte« im niederbayerischen Thermenmeer. Was wohl hat den Lebkuchen- und Eisbaron aus Nürnberg veranlasst, an diesen Platz des damaligen Griesbach so ein Hotel hinzustellen? Gesäumt von Straßen, wo es tonnenweise Fasanenwiesen und Rotwildwälder gibt?
Ich muss nicht alles verstehen.
Nachschlag also im El Sótano in Bad Griesbach. Malte bediente, das war gut. Das Bier war schnell und 4° zu warm, das war nicht gut. Die Sopa de Quesa Chihuahua (3,50 €) zog eine widerliche Haut und schmeckte köstlich. Die Fleischstreifen des Puntas de filet a la Mexicana (11,00 €) waren zur Hälfte flaxig, auch zäh. Auf jeden Fall dem Wort »filet« nicht würdig. Das war nicht gut. Die scharfe Enchilada war leider nur feurig rot. Ich musste sogar nachsalzen. Versöhnt wurde ich, weil ich aufpreisfrei die Gitterkartoffel gegen eine Ofenkartoffel mit prima Sour-Cream eintauschen konnte.
Wahrscheinlich kochen die im Columbia mit dem selben Wasser, wie die anderen auch.

20.11., Montag. Zum Abschuss nach Rotthalmünster, zu Sonja und Fritz Brunnhuber in den Brauereigasthof Herndl. Fritz, bitte das nächste Mahl den Gurkensalat mit Dill. Wenn schon der Schweinsbraten alle ist. Sonst kannst Du Deine Anglerei aufgeben, weil keiner mehr bei Dir anbeißen will. G'rad noch die Sonja. Aber die beißt eh besser, wie hundert andere. Einmal von Deinem Weib gebissen werden, ein Traum! Eine echte Wirtschaft, wahrhaftes Niederbayern pur. Mehr sog i ned.

Am Abend dann doch noch Glust auf Härte Zehn. Ortenburg, zum Lächeln ins Taj Mahal. Es war nur Härte drei, sie kochen leider auch nur mit Wasser. Witz lass nach. Ich hasse dieses Alufolientellertheater ungemein. Die pappigsüße Soße kenne ich bei mir als Thai Chili Sauce. Das Huhn war o.k.. Das ist mir aber zu wenig. Die Euphorie ist zertrümmert. Damit rutschen sie mit großer Wahrscheinlich heraus aus Band 4. So spielt eben das Leben!
Nov 2006

Nachschlag vom Junli 2008: es gibt den Inder nicht mehr

 

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