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Diese Kurzberichte sollen meine Les(s)er vor Enttäuschungen bewahren. Entweder dadurch, dass diese auf solche Atzungsstätten verzichten oder weil sich der Wirt, oder die Wirtin, nach dem
Lesen dieser Zeilen bessern.
Die deutliche Sprache ist nirgendwo persönlich gemeint, entspringt dem am eigenen Leib Erlebten, soll die Sachlage treffend, kurz
und bündig beschreiben und gerade den Ernst der Tests
unterstreichen.
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kursiv = Originaltext
aus der Speisenkarte
(auch mit den Original-Fehlern)
Stand:
22.05.2010
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Da kaum eine Branche einem so schnellen Wandel unterworfen ist, wie die der Gastronomie, wollen wir hier nur unsere unguten Erfahrungen der letzten
Zeit (maximal anno 2002) aufführen. Um nicht eventuell einem neuen besseren Vertreter dieser Zunft Altlasten
»anzuhängen«, werden also ältere Einträge automatisch abgelegt. |
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Mitbewerten: »THE BEST OF ...«!!!!!! |
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Jan 06 |
I-39057
München-Flughafen
»Kempinski«
Bruchlandung mit Charles
oder
Profitgier vernichtet Freundschaften
Nein, es geht nicht um den
adeligen Engländer, es geht um den Flugpionier »Charles Lindbergh«, der dem
Restaurant im Kempinski-Glashaus den Namen leiht. Ungefragt bestimmt. Macht
nichts.
Vor einigen Jahren hatten wir uns den Jahreswechsel in Münchens neuer
Kerosinarena gegönnt und waren vor Begeisterung beinahe abgehoben. Selbst das
fehlende Feuerwerk konnte damals unserer Begeisterung nichts anhaben.
Neuauflage gestern. Im Vorfeld
hatte man uns gefragt, ob wir denn in der Lobby sitzen möchten. Wir stimmten zu,
denn diese Halle zählt zu den schönsten Hotelhallen der Welt! Sagen
Vielgereiste. Ein winziger Zweiertisch entpuppte sich dann als Segen an diesem
Abend.
Da wir pro Nase 85 € per Vorkasse
gelöhnt hatten, durften wir gegen 19 Uhr flugs Platz nehmen. Der BonsaiAperitif
vom Haus war schnell geschlürft und die Augen schlenderten durchs gut gemischte
Publikum und übers Büfett mit dem gleichen Attribut. Als das Gehirn dann
hinterherkam, stellte es ernüchtert fest, dass es in der Lobby dieses Mahl keine
Tanzbeinschwingen mit dazugehörigen Musikmaschinen gab? Dafür klimperte drinnen
im CL ein Pianist unauffällig, aber auch recht langweilig.
Hummersuppe im Reagenzglas,
spektakulär im Eisblock abgestellt, begeisterte trotz deutlicher Süße. Mich
störte der offensichtliche Stefan Marquard-Touch. Wo gab es welche
Vorspeisendelikatessen? Üppig, wirklich. Inklusive höllischem Wasabi. Manchmal
erklärten kleine Tafelchen, aber nur manchmal. Laab Ock Gai, Yam Nua,
sehr gut oder Gung Saah. Das neue Restaurant Safran lässt grüßen.
Leider hatte unser zuständiger
Servicemann (von einer Spezialfirma für solche Anlässe ausgeliehen?) keine
Weinkarte parat. Die sind alle unterwegs, hieß seine klägliche
Entschuldigung. Aber eine knappe halbe(!) Stunde später konnten wir uns für
einen Viertelliter fränkischen Silvaner und den Veltliner Hausschoppen von
Jurtschitsch, beide für 6,90 €, entscheiden. Kein schlechter Preis, dafür
löhnten wir vor Mitternacht bei einem Williams mit 16 € schon deutlicher. Nur
der musste sein: Um den Billigalleinunterhalter zu ertragen, wenn er den Mund
aufmachte, um alle gängigen Klassiker gesanglich zu vernichten.
Die deutliche Orientierung im
Vorspeisenangebot über den Orient hinweg ins Land der Morgenröte, wo gibt es sie
heute nicht, versöhnte kräftig. Auch sang zu dieser Zeit nn noch nicht. Hier
beispielhaft ein suppelnder Wermutstropfen: Die Hühnchenstücke, geschmacklich
megafad, für die zitronengrasgeschwängerte Tom Khaa Gai waren schlicht
strohtrocken. Die weiteren Suppenangebote Steinbuttessenz und
Blumenkohl Samtsuppe mit Gänselebernockerln überzeugten mich nicht. Dafür
aber alle Fischangebote. Eine formidable Krustentierauswahl begeisterte mich.
Beeindruckend viele kalte Schmankerl und Salate. Herausgepickt der schlichte
Gurkensalat: Dill alleine macht bei 85 Euro noch nicht glücklich! Ein paar
Kugeln Eis ergaben auch noch kein winterliches Eisbuffet zum
ausgezeichneten Rumtopf "Kempinski".
Um Mitternacht zeigte dann
Küchenchef Christian Müller nach einer nahezu peinlich wirkenden Parade des
Personals - eine genaue Zeitansage fehlte natürlich in der insgesamt
dilettantischen Choreographie des Abends - mit Wunderkerzen in beiden Händen,
dass Schifferlfahren noch lange kein Garant für große Küche ist. Neben köstlich
schmeckenden, frisch aufgebackenen Brez'n zu, mehrheitlich aufgeplatzten, im
Wasser dümpelnden Landshuter Weißwürsten (alleine für dieses
Neujahresbild gehört sich der Meister auf die hohe See zurück geschickt) bot er
Chili con Carne mit Nachos, damit es seinen Gästen am frühen
Morgen nach dem opulenten Mahl hoffentlich die Därme zerreißt. Zucker, wie bei
den Naujahrskrapfen und Obsttateletes sind bei
Ernährungsfachleuten im Zusammenhang mit der Neujahrestrinkerei sogar verpönt.
Und wenn gelüstet zu diesem Zeitpunkt wieder nach Antipasti?
Von saueren Speisen gegen den
Kater hat Müller offensichtlich noch nie etwas gehört. Eine spitzenmäßige
Gulaschsuppe hätte vielen sicher geschmeckt!
Nach dem amateuerhaften Start ins
neue Jahr beendete dann das Gesangswunder seine Arbeit und die Lobbybar übernahm
mit CDs die musikalische Gestaltung. Was den megalangsamen Service des Abends
aber auch nicht beschleunigte (beinahe stundenlang saßen wir vor abgegessenen
Tellern und schmutzigen Gläsern, warteten immer wieder auf flüssigen Nachschub),
so dass wir um Drei angekrätzt in die recht preiswerten Betten, leider ohne
Fenster für gute Außenluft, krochen (sensationelle 50 € pro Zimmer + 17 € Garage
in P 26).
Wie war das mit dem Profit?
In vielen Details schwächelndes
ÜppigBufett
+ nix gescheiter Tanz
+ katastrophaler Service
+ schwindelerregende Barpreise + null Entertainement + schwache
Nachmitternachtskost – dafür aber viel mehr Plätze!
Wir sind nicht mehr dabei.
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Note: 4 |
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Okt 05 |
I-39057
Eppan
»Wiesenheim«
kurvige
Preise
Rechtfertigen auffallend gebrachte, gewisser Maßen
slawische Busen in knallengen, weißen Leibchen horrende Salatpreise? 4,30 € für eine mittlere Schale vom eher
inzwischen langweiligen Salatbuffet mit gerade einem
Dressing? Hießen die Trägerinnen Sophia Loren oder Ingrid Steger, dann wären
die Vitamine von der Selbstbedienung geschenkt. So aber fühle ich mich bei Frau
Steger, nicht der Ingrid, über den Tisch gezogen. Um mich herum futtern fast
alle Männer Pizza (offensichtlich in der Mittagspause), die es hier in knapp
dreißig Variationen gibt. Wiederum nicht geschenkt, von 5 bis 8,50 €. Meine Nudeln im Pfännchen
(7,00€),
ein wertvolles Edelstahlpfännchen, schmecken einfach nur langweilig. Damit ist
für mich die Ära Wiesenheim beendet. Und dabei bliebe es, selbst wenn Michaela,
blond
und Monika, schwarz (wahrscheinlich eingedeutschte Namen) ohne BH servieren
würden.
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Note: -5 |
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Aug 04 |
83259 Schleching
»zur Post«
Wermutstropfen in lauer
Sommernacht
Ein wunderschön lauer Sommerabend in meinem
alpinen Lieblingsversteck, im Schlechinger Tal. Es war genau 20.53 Uhr.
Gabi brachte mir lächelnd die Brotzeitkarte. Nicht die Speisenkarte, denn
die warme Küche schloß in 7 Minuten, um 21.00 Uhr! Und dann jammern sich
Wirte einen Wolf, weil niemand mehr in ihrer Bude sitzt? »Die sind doch
alle einfach viel zu satt«, dachte ich mir, bestellte eine deftige
Goulaschsuppe mit Brot (3,80 €) mit einer Kremser Sandgrube
(0,2 l, 3,60!!) um an diesem schönen Abend etwas mehr zu erleben, als nur
ein Kopfkissen zu knutschen. Der Preis für diesen Tropfen ist mehr als
happig, war der zweite Gedanke, während der Service »saugemütlich« die
Terrasse entpolsterte. Ich durfte sitzen bleiben. Nett. Zeit für eine
Inspektion der Haupt-Speisenkarte, denn die bekam ich, um den Wein
auszusuchen. Das Küchenangebot langweilte. Gut, dass die Töpferücker
vorzeitig lieber aufräumten, als kochten. Gabi brachte fröhlich und
anstandslos für meine Flasche Mineralwasser einen Kühler. Blitzschnell
stand auch eine weiße Suppentasse, normale Größe, mit Inhalt vor mir.
Tasse gut halb voll. Von der lustigen Seniorchefin persönlich erhitzt.
Jetzt wollte ich es wissen, und fischte, schon sehr angefressen, die
Rindfleischstückchen aus der fertig schmeckenden, blutroten Paprikabrühe.
Neun an der Zahl, gut daumennagelgroß. Keine Kartoffel, keine Kräuter.
Spartanisch. Wenig. Ab da dachte ich nicht mehr. Am Morgen, nach einem
kargen, teils fertigen Frühstück (Obstsalat, Marmelade) in dem
gastfreundlichen Kirchenwirt, dachte ich wieder: Meine Damen, sie hatten
einem treuen Schlechingliebhaber sauber gegen das Rentnerschienbein
getreten! Das tat weh … |
Note: 4-5 |
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Aug 04 |
85092 Köschinger Waldhaus
»Köschinger Waldhaus«
Anstand-
nicht für den Jager
Erlebnisbericht: Freitagmittag mit Regen. Kein Gast. Ich betrete die
Gaststube der Gaststätte, schön gedeckt, und rufe Richtung Küche: Grüß Gott. Antwort der
Wirtin: Nebenzimmer. Wie ein begossener Pudel trotte ich dorthin. Von fünf
Tischen fehlt einer. Seine Stühle stehen verloren im kargen Raum. Die
Stimmung entspricht der eines Gefängnissprechzimmers, denke ich mir. Wirt
Matthias Rixner bringt seine hübsche Brotzeitkarte mit Wildsaufenster. Warme Küche gibt
es nur am Sonntagmittag. Ich bestelle warme Wildschwein-Bauernwürste (3,20
€) mit Sauerkraut (0,50 €). Der Wirt will mich verschrecken, oder was
sonst, wenn er meint, das dauert eine Viertelstunde. »Warum darf ich nicht in
der Gaststube sitzen?« »Da ist gedeckt für einen Geburtstag, das sieht man
doch!« Ende des Dialogs. Muss ich ein Blödel sein, weil ich ihm seine
Würste nicht vor die Füße schmeiße und gehe. Später kommt dann seine
Gemahlin und bellt ins gleiche Horn. »Machen sie den Käsekuchen selbst?« »Wir
machen alles selbst, was denn sonst?« Ende des Dialogs. Muss ich ein Blödel
sein, weil ich ihr den Kuchen nicht einfach vor die Füße schmeiße und
gehe.
Weil ich in einer anderen Liga spiele, wie diese Wirtsfamilie, berichte ich: das
Sauerkraut war sehr gut, die drei Würste waren angenehm deftig und gut.
Der Käsekuchen (2,00 €) – nicht gerade billig – schmeckte mir.
Selbst wenn am Sonntag der Rehbraten mit einer goldenen
Preiselbeerbirne serviert würde, die Gaststätte »Köschinger Waldhaus« kann mir gestohlen bleiben.
Allen meinen Lesern rate ich deshalb zu einem tröstenden Besuch in der
herrlichen Wallfahrtskirche St. Salvator im nahen Bettbrunn. Oder fahren sie gleich nach
Wanderung und Kirchenbesuch in etwa zehn Minuten nach Ingolstadt-Oberhaunstadt in den
»Kastaniengarten« und lassen sie es sich so
richtig gut gehen. Dort ist das problemlos möglich. Und Höflichkeit ist
selbstverständlich.
Ob die Rixners im Wander-Wildsauparadies »Köschinger Forst« schon einmal
darüber nachgedacht haben, dass der Wortbedeutung nach eine Gaststätte eine Stätte für den Gast
ist. Aber damit wären die, so glaube ich, ziemlich überfordert. |
Note: 5 |
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Juni 04 |
85276 Pfaffenhofen/Ilm
»Naturfreundeheim«
Rücknahme
Sonntagmittag. Man kann die
Gäste an einer Hand abzählen, es ist nun wirklich nichts los. In der
Speisenkarte stinkt mir einmal mehr die Frechheit der »Beilagenänderung«
für 0,80 €. Als ob es nicht piepegal ist, wenn die Pfannenbrutzler die
ungesunden Pommes gegen Bratkartoffel tauschen, die bei einem anderen
Gericht als Beilage angegeben sind. Das »Wiener« Schnitzel ist üppig, nach
Pfanne sieht es nicht aus. Der Salat ist frisch, nach einem guten Essig
schmeckt er nicht. Die Käsespätzle mit gemischtem Salat sind mit 7,90 €
nun nicht gerade billig, die Spätzle sind gut.
Ich bestelle von der
Spargelkarte, denn bald ist die Luxusstangerlzeit vorbei, die Version mit
Nußbutter, Kartoffel und Schweinefilet. Und bekomme keinen Spargel,
sondern Spätzle mit Champignonsoße für 12,90 €. Meine Reklamation
schmettert die Küche wirksam ab. Jetzt noch Spargel kochen, das dauert.
Mein Enkel weint, ist krank. Zum Trost gibt es den am Tisch bereits sattsam bekannten Salat mit der
Bemerkung der Bedienung, auf dem Teller sei ja auch Schwein und Nußbutter.
Die Soße ist gut. Das Schwein ist trocken und salzig. Ich esse, weil ich
Hunger habe.
Dann kommt die Rechnung. Es ist
kaum zu fassen: Position vier 1 Beilagenänderung 0,80 €!!! Jetzt brennen
bei mir alle Sicherungen durch, denn das habe ich in zwanzig Testerjahren
noch nicht erlebt. Um es kurz zu machen: ich nehme alles Positive, das ich
über dieses Haus geschrieben habe, zurück. Ich werde es zu meinem
Privatvergnügen nie wieder betreten. Ich bitte um Solidarität, um dieser
Unsitte irgendwann den Garaus zu machen.
Wir Esser haben es heute mehr
denn je in der Hand, solchen Wirten zu lehren, was Gastwirtschaft im
ureigensten Sinne heißt. |
 Note:
6 |
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Mai 04 |
93462
Lam
»Petrus Stube«
Trauerfall
Ein trist
verregneter, vernebelter Maitag. Ich saß ich in der Petrus Stube und
freute mich auf einen schönen Essenstrost. Auch, weil der von mir einst so
verehrte Egbert Thole immer noch als Küchenchef im Hause residierte. Ein
sehr freundliches Mädchen nahm zehn Minuten vor dem Zwölfuhrläuten die
Bestellung auf und brachte flugs eine Apfelschorle im Halbliterkrug
(3,10 €). Eine etwas ältere Bedienung servierte eine Viertelstunde nach
Zwölf die falsche Suppe, was ich nach dem ersten Löffel unschwer
feststellte. Dann bekam ich von einem wieder etwas jüngeren Mädchen
(wollte eine jede den »Typen« am Fenster sehen) die richtige Vorspeise,
eine Rahmsuppe von Frühlingszwiebeln mit Käsekrusteln
(4,10 €). Für umgerechnet acht Mark gibt es sicherlich tolle Krusteln,
dachte ich, und suchte mir am Nachbartisch einen Löffel! Da ich Eßbanause
die Käsesonderlichkeiten nicht entdeckte und sie mir Service Nummer vier
auch nicht zeigen oder gar beschreiben konnte, ging auch dieser
Küchenversuch wieder zurück. Nun kam die reifere Dame wieder zum Zuge,
flugs standen mein angegessenen Frühlingszwiebel vor mir, mit einem
zusätzlichen Tellerchen, auf dem man mir eine Frechheit als Suppenbeilage
»Käsekrusteln« verkaufte, eine teilweise verkohlte Baguettescheibe
mit geschmolzenem Schimmelkäse. Ein Foto gemacht und sofort zurück zu den
Küchenschlampern. Und damit hatte ich sie beleidigt, denn nun war Warten
angesagt. Ich nutzte die Zeit für Recherchen und erfuhr, dass
Hauptpfannenrücker Thole nicht im Hause weilte. Verantwortlich für das
bisherige Desaster zeichnete sein Subtöpfestratege Torbohm, der bei den
irgendwann erscheinenden Gebratenen Medaillons aus der Hirschkeule in
Bärwurzsauce, Rotkraut, hausgemachte Spätzle, gefüllter Apfel mit
Preiselbeeren (15,10 €) sicher seine wahren Qualitäten unter Beweis
stellen wird. Nach 55 Minuten war es soweit, vor mir stand eine
ekelhautige Soße (kommt vom Soßenbinder), in der drei Scheiben zähes,
trockenes, ungenießbares Fleisch dümpelten. Daneben langweilige Spätzle
mit eindeutigem Fertig-Gusto und fast nachtschwarzes, verkochtes
Blaukraut, das aber überraschend gut schmeckte. Mit dem geschnitzten,
kleinen Apfel und den Fertigpreiselbeeren, stillte ich den ärgsten Hunger.
Dann ging alles zurück. Jammertal im Lamer Winkel! |
Note: +5 |
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April 04 |
93462
Lam
Cafe
»Schrötter«
über den Tisch gezogen …
Im Bayerischen Wald, da kann man noch gut
Urlaub machen, da gibt es schöne Wälder, Wiesen und glasklare Bäche. Ach,
wie wunderbar. Da macht auch der konjunkturstrapazierte Geldbeutel
erholsamen Urlaub. Also nix, wie hin zu Osser und Arber, zu Rachel und
Lusen, zu Bär und Wolf, zur Post und zum Kolmstein. Ach, wie wunderbar.
Halt, Vorsicht ist geboten. Selbst ein Pfund der preiswerten
Wahnsinnspralinen von Alexander Stumreiter hätten nicht geholfen meinen
Ärger über das Cafe Schrötter, Marktplatz 22, gegenüber dem Verkehrsamt zu besänftigen.
Die Jungwirtin verlangt dort laut Karte für 0,2 l Mezzo Mix 1,50 €. Das
sind auf den Liter hochgerechnet rund 15 Deutsche Mark, gilt ebenso für
das Mineralwasser. Dabei konnte ich
nicht einmal überprüfen, ob es auch 0,2 Liter gewesen sind, denn sie
brachte das Getränk im ungeeichten Glas. Was verboten ist. Noch ein
Beispiel: Heißes Wasser mit Teebeutel: 1,80 €.
Nur man darf sich nicht alles gefallen lassen. Als Anwalt der Verbraucher
werde ich gegen die Zuständigen dort Anzeige erstatten, denn solches
Verhalten schadet der ganzen Region, die das nirgendwo verdient hat.
Ich brauche sofort ein paar Kolmstein-Pralinen, denn Zucker beruhigt
bekanntlich die Nerven …
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 Note:
6 |
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April 04 |
92648
Böhmischbruck
Hotel-Restaurant
»Maximilianshof«
Gäste sind alle Verbrecher …
Im bilderbuchigen Wiesental der Pfreimd, ein
traumhaft schöner Mittelgebirgsfluß der Oberpfalz, liegt ein kleiner Ort,
der ans nahe »Böhmische« erinnert. In diesem Ort, wie geschaffen für
Familienurlauber, gibt es ein großes Hotel am Hang, das sich Familien
verschrieben hat. Nicht übermäßig attraktiv ausgestaltet, aber sauber,
ordentlich. Wir wohnten dort mit einem großen Fernsehteam anläßlich einer
Livesendung von der nahen Grenze bei Waidhaus.
Nach Sendungsende bretterten wir alle schnellstens ins Hotel, weil manche
doch tatsächlich Hunger und Durst verspürten. Ich saß um 22.18 Uhr im auf
rustikal getrimmten Restaurant, um mir von der Restaurantleiterin Nanette
Bauer sagen zu lassen, dass es nichts mehr zu Essen gibt, auch nicht kalt,
obwohl der offizielle warme Küchenschluß um 22 Uhr noch gar nicht so lange
zurück lag …
Sie tröstete mich und die anderen mit Salzletten und Erdnüssen …
Der Weindialog mit der bildhübschen Restaurantchefin: Einen Weißwein
bitte, welchen haben Sie? B: Einen Müller-Thurgau. Nein. B: Einen
Silvaner? Welchen bitte? B:Muß ich nachsehen. Einen Sommeracher Katzenkopf
…
Doch als ich mein Pils mit dem Fernet bekam, hätte es mich fast vom Stuhl
gehauen. Sie legte einen Zettel unter mein Bier, auf dem mir das Haus
einen angenehmen Aufenthalt wünschte und im gleichen Atemzug darauf
hinwies, dass ich bei Verlust dieser Verzehrkarte mit 50 Euro zur Kasse
gebeten werde. So eine Unverschämtheit habe ich noch in keinem Restaurant
gesehen. Wenn ein Wirt so frech ist, die "Abrechnung" seinem Gast
anzuhängen, dann sollte man unversehens diesen Laden verlassen. Und sich
zum Pfreimdwandern eine wirklich freundliche Bleibe suchen.
Der langweilige Wein kostete 4,20(!) Euro, das 0,3er Pils 1,90 Euro, da
blieb mir beim Zahlen glatt auch noch die Erdnußsalzlettenspucke weg! Auf
nach Böhmen …
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 Note:
6 |
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April 04 |
85276 Pfaffenhofen
»Müllerbräu«
Essigessenz
Wir demonstrieren für unsere Renten. Wir
kämpfen um Gerechtigkeit. Wir lassen uns von Wirten für blöd verkaufen.
Warum rufen wir nicht zum Boykott gegen solche schwarzen Schafe auf?
Weil es strafbar ist. Was ist dann zu tun? Darüber berichten, in der
Hoffnung, dass die Leser daraus die richtigen Konsequenzen ziehen – und
vielleicht sogar die Verpächter.
Es regnete in Strömen und die Schiefertafeln mit den Lockangeboten, unter
anderem »Wild aus eigener Jagd« standen in der Hausdurchfahrt. Montag, in
der »Schwemme« alles voll. Wir versuchten: Sauere Leber mit Semmelknödel
(€ 4,40). Leber hart, Soße zu sauer, Knödel fest und gut. Rehbraten mit
Spätzle und gemischtem Salat (€ 11,40). Fleisch flaxig und trocken, Soße
mit dicker Haut, Spätzle blaß mit »Eimer-Geschmack«, Salat mit
ungenießbarer Salatsoße, die nach nichts schmeckte. Schweizer Schnitzel
mit Pommes frites und gem. Salat (€ 9,50). Umbestellung auf Bratkartoffel
kostete 50 Cent!!
Schnitzel schwimmt in einer nach fertig schmeckenden Soße mit Haut.
Fleisch kommt aus der Friteuse. Käse ist geschmacksneutral. Bratkartoffel
ohne Zwiebel, Kümmel, Speck oder Kraut, für uns gräßlich. Salat wie beim
Rehbraten. Ich verlangte einen Essig. Die blonde Bedienung aus den neuen
Bundesländern im knappen Oberteil, das die Fettwülste um den engen BH gut
sichtbar machte, meinte, das ist Essigessenz, etwas anderes haben wir
nicht.
Ab da blieb uns die Spucke weg.
Unser Sohn hatte aufgegessen (nicht den
Salat und nicht die Bratkartoffel), weil er vom Fußballtraining einen
Bärenhunger mitgebracht hatte.
Sein Kommentar: Lieber Müllschlucker als tot.
Wir werden wiederkommen, um
nachzusehen, ob es Brauereidirektor Müller egal ist, was in seinem
Flaggschiff für ein Schotter angeboten wurde.
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Note:
6 |
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Okt 03 |
I-3902
Marling
»Kristall«
Drohung
Vom Landhaushotel Kristall bekamen wir ein
Einschreiben, in dem Frau G. Mallner u. a. Folgendes schrieb:
"Sollte bis 31. Oktober 2003 Ihre Kritik über mich
noch nicht gelöscht sein, werde ich sie von meinem Anwalt prüfen lassen
und gegebenenfalls gegen Sie vorgehen."
Wir haben den Eintrag entfernt, weil alle Einträge
nach zwei Jahren entfernt werden.
Wir werden weiterhin Betriebe aus Südtirol in unsere Kritiken mit
einbeziehen. Dazu gehört auch das Haus Kristall in Marling.
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Aug 03 |
87645
Hohenschwangau
Sonderfall
»Alpseebad«
Gastfreundschaft
19.03 Uhr am 07.08.03. Wir stehen verschwitzt vom 1,2
Kilometer langen Zwangs-Anmarsch bei 30° vor dem seit drei Minuten
geschlossenen, doch nicht leeren Freibad (wir kannten die Öffnungszeiten
nicht) und betteln, doch wenigstens nur kurz ins Wasser springen zu
dürfen. Wir wären bestimmt wieder draussen, bevor der letzte Gast das Bad
verließe. Rotzig, ja wirklich: rotzig, erwidert die junge, schwarzhaarige Frau, während
sie einen Kochtopf abtrocknet, auf jeden unserer Einwände. Wir sollen doch
an dem steinigen Ufer des Weges ins Wasser gehen, so endet die
Diskussion.
Genau so stelle ich mir Gastfreundschaft vor. Ein großes
Lob für den Verkehrsverein von Hohenschwangau, der Dank seiner
Königsschlösser im Sommer von Touristen buchstäblich überrannt wird. Und
wenn wir wegen der netten Dame im Alpseefreibad nicht mehr wieder kommen,
so ist das wahrscheinlich egal. Denn dann kommen hundert andere ...
Einziger Haken: ich werde viele meiner journalistischen Einflüsse geltend
machen, dass der netten Zeitgenössin jemand klar macht, was Höflichkeit
und Entgegenkommen für schöne Züge sind!
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 Note:
6 |
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Jun 03 |
92224
Amberg
Restaurant
»Bergwirtschaft«
es fing gut an
Ich will es ganz kurz machen.
Ein knallheißer
Mittag. Arbeitspause bei den Dreharbeiten. Das ganze Team aß auf der
Terrasse der Bergwirtschaft. Wir waren sehr zufrieden bis begeistert. Ich
verknuste, fast mit Vernügen, einen Sauerbraten. Fast, weil mir die
Fingernudeln zu rohteigig schmeckten. Alles andere super. Die Fingernudeln
hatte ich gegen die obligatorischen Semmelnknödel ausgewechselt. Dies ist
wichtig zu wissen: die Fingernudel standen auf der Tageskarte. Dann zahlte
ich. Der Beilagenwechsel kostete 1 Mark. Ich wurde stinksauer. Gut, die
Wechselgebür stand in der Hauptkarte. Ich hatte es nicht gelesen. Eine
Mark verlangte also der Erras dafür, dass er keine Knödel, sondern seine
lätscherten Fingernudel auf den Teller legte. Ich wollte ihn sprechen,
aber er ließ sich nicht blicken. Ein Wirtekollege, dem ich die Geschichte
erzählte, meinte lapidar: das ist kein Wirt, sondern ein Abzocker. Dem
habe ich nichts hinzuzufügen. Schade um das gute Essen.
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 Note:
6 |
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Jun
03 |
82515 Wolfratshausen
»Café Högl«
über den Tisch gezogen?
Das Rathauscafé. Der Innenhof. Die
Kuchen. Sie sind eine Wucht beim Högl.
Doch da ist die andere »Wucht«:
ein Himbeerkuchen und eine Apfelschorle, 0,5 l, für 5,20! Das sind nach alter
Zeitrechnung über 10 Mark. Ich fühle mich über den Tisch gezogen.
Ein Glas Kaffee, ein Latte macchiato 2,90, das sind knapp 6 Mark. Ich fühle
mich über den Tisch gezogen.
Kopfrechnen: 3 Kugeln Eis kosten 2,00 . Im Krokantbecher
5,50
sind auch drei Kugeln Eis. Und
Krokantstreusel, Sahne und Caramelsoße. Und diese drei »Zutaten« kosten somit
3,50 , das sind fast sieben(!) Mark. Ich fühle mich mit Wucht über den Tisch
gezogen. Und wo fühlen Sie sich hingezogen? Doch nicht ins Cafe Högl ...
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Note: 4 |
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Mai
03 |
F-13090 Aix en
Provence
Restaurant
»Café de Paris«
Boulevardbummelreinfall
Zweifelsohne gehört ein Bummel
über die Platanenallee von Aix zu den schönsten Vergnügen in der Provence. In
doppelter Reihe säumen wuchtige Bäume mit ihrer silbrig glatten Rinde den
breiten Cours Mirabeau. Spenden Schatten für zahllose Restaurants mit riesigen
Vordächern auf den Gehsteigen. Hier sitzt man um zu sehen. Und es macht oft sehr
viel Spaß, was da vorbeitigert. Ließe sich nun der Spaß auf Speis' und Trank
ausdehnen, nicht auszudenken.
Im Café de Paris schmeckte der offene, kalte Rote einfach scheußlich. Aber
3,30 für 0,25 l, da kann man nicht mehr verlangen. Oder?
Der Brochette vom Lamm war kein Spieß, dafür gab es ein passables Stück flaxiges
Fleisch, kaum genießbare, fettige pommes und zwei Tomatenscheiben, gedeckelt mit
ungenießbarem Kräuterzeug. Preis: rund 13. Kein Kommentar.
Kennt einer meiner Leser einen wohlschmeckenden Platz auf diesem
wundervollen Boulevard? Für jeden guten Tipp gibt es ein Buch gratis!! Damit ich
beim nächsten Besuch im Juli nicht nur auf- und abschlendern muß.
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Note: 5 |
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Apr
03 |
97250
Erlabrunn
Weinhaus-Hotel-Restaurant
»Flach«
nur noch Tradition
Im kleinen, fast romantischen Mainstädtchen Erlabrunn, flussabwärts unweit von Würzburg, ist ein Name Programm: Flach!
Winzer, Hotel und Restaurant. An diesem Montagabend erlaubt es eine
überraschend angerollte Warmluftwalze auf der Kastanienterrasse im
Hofgeviert zu sitzen. Eine ganz liebe, feste Bedienung, die Claudia,
brachte schnell die Spargel- und die Hauptkarte. Zum warmen Mailüfterl
Ende April wählte ich eine Portion Spargelsalat ( 10,00). Wie die
karge Formulierung, so die Präsentation. Schlichter geht es kaum.
Schlechter auch nicht. Gut, die Stangen waren bissig, sogar etwas zu
bissig, die malerischen Tomatenstückchen waren nur rot, sonst nichts.
Kurz: ungenießbar! Das Dressing hätte ich eigentlich auf den
Kunststeinboden kippen sollen. Aber das macht man nicht. O.k. Was macht
ungestraft hingegen Herr Vogel in der Küche? Ich bestelle mir die
obligatorischen ein Paar fränkische Bratwürste ( 4,60) mit denen
man sonst die gekochte Variante des teuren Edelgemüses aufpeppt. Nix Pepp.
Nein, auch nicht Nepp, aber: Die Wurstteile sind groß und grässlich, die
überflüssig beigefügte Bratensoße fertig, zumindest schmeckt sie so, und
die Kartoffel trauern an der Grenze des Erbarmungswürdigen auf ihrem
weißen Teller vor sich hin. Also halte ich mich am Römer fest. Im Glas ein
2000 er Erlabrunner Weinsteig Riesling trocken 0,25l 3,60. Ein
stolzer Preis in dieser Gegend und ein mittelmäßiger Wein. Beim
halbseidenen Trinkgenuß durchforste ich die Getränkekarte im Hinblick auf
§ 6 des Gaststättengesetzes und kann nichts finden, was einem Verstoß
widersprechen würde. Dieses Mal mache ich mir die Mühe und verständige das
Gewerbeaufsichtsamt, es nachzuprüfen. Denn wenn wir Gäste immer alles
klaglos schlucken, dürfen wir uns nicht wundern, dass manche Wirte mit uns
machen, was sie wollen. Das Beste beim Flach hieß an diesem geschenkten
Abend Claudia!
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Note: 5 |
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Jan
03 |
80333
München
Gasthaus
»Spatenhaus
an der Oper«
Biersünde
Am Sonntagabend nach zwei Stunden
Lachen mit Erni Singerl. Eine Lesebrille führt das anheimelnde
Brauerei-Etablissement der allgewaltigen Herrn Kuffler, die sich demnächst auch
noch gastronomisch um den Terminal 2 im Erdinger Moos kümmern werden, nicht. Mit
einer Lupe finde ich in der animierenden Karte des
Johann Fusseders eine
Geschnetzelte bayerische Kalbsniere in Pommery-Senf-Rahmsauce
mit Kartoffelpüree und gemischtem Gemüse
( 15,10). Vorher aber verdirbt mir leider ein armselig eingeschenktes Pils (0,3
3,00) mit seiner Schaumsünde jeden Appetit und festigt den Eintrag hier in den
Enttäuschungen. Der Geschäftsführer entschuldigt sich hilflos, beim zweiten,
noch mieseren Glas mit null Schaum, für die Schankanlage, die so weit weg sei.
Das verschlimmert meinen Eindruck nur noch. Eine beinharte Brezn ( 0,80)
(backen kann heute jede Küchenhilfe) zeigt, wo es preislich und küchensorgfältig
lang geht. Hausgemachte Tafelspitzsülze mit Blattsalaten, steirischem Kernöl
und Bratkartoffeln ( 10,20) Das Voressen mit lobenswert satt Kernöl
auf optisch riesigem Salatberg überzeugt bestenfalls im Umfang. Die separat
gereichten, lauwarmen Knollen hat man recht blässlich aus Salzkartoffeln
zubereitet, was ich nachgeradezu hasse (waren wahrscheinlich übrig geblieben).
Das Salatdressing schmeckt mir trotz des gesunden Öls überhaupt nicht. Die Sülze
selbst ist gut.
Nun zu den Standard-Innereien: herrliche Soße und mangelhaft pariertes Fleisch.
Heißt: das widerliche Röhrensystem hat Fusseder nur sehr oberflächlich
herausgeschnitten (bringt ja Masse!). Zwei kalte Scheiben gebratenes Wammerl
haben vor Urzeiten die Pfanne verlassen. Das Gemüse, drei Sorten, ist laukalt
und bleibt ungegessen liegen. Etwas vom fertig schmeckenden Püree nehme ich, um
die Soße zu tunken. Aber nur so lange, bis ich die Köstlichkeit mit einem Löffel
wegschlabbere. Wie sagt man so treffend: Der Hunger treibt's nei.
Uns treibt es gleich wieder hinaus, denn bei den »urigen« Kufflerbrothers haben
wir offensichtlich an diesem Abend gar nichts zu lachen.
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Note: 5 |
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Nov
02 |
85301
Geisenhausen
Rasthaus
»In
der Holledau«
Holzauge sei wachsam
Später Mittag im hochgelobten Rasthaus, dem ältesten der Welt (auch wir
gehörten schon zu den Lobern). Von der Schiefertafel: Spaghetti Bolognese
mit Parmesan ( 7,50). Dazu ein 0,5 l Pellegrino 2,90. Die Nudeln waren
vorgekocht und wurden im Wasserbad erwärmt. Der Koch schüttelte sie ab,
aber nicht gut genug. Im Teller mit den halbweichen Nudeln stand das
Erwärmwasser "knöcheltief". Trotz der Tomatenreste in der Soße ist sie
bestenfalls zufriedenstellend. Der Käse kam aus dem "Packerl", er
schmeckte mir überhaupt nicht. An der Kasse gab es dann eine dicke
Überraschung: die nahm doch glatt 7,90 Euro. Während des Essens dämmerte
mir, dass da etwas nicht stimmte. Selbstverständlich bekam ich das zu viel
Gezahlte zurück. Fazit: Wenn schon das michelinempfohlene Rasthaus, dann
schon Obacht geben!
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Note: 5 |
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Nov
02 |
94086 Bad Griesbach
Restaurant
»Gutshof
Sagmühle«
vor Torschluß
Der Gutshof Sagmühle zählt unbestritten zu
den schönsten Häusern im BeckenbauerGolfodrom an und neben der Rott. Satte
Novemberregengüße setzen im Herbst viele der umworbenen Löcher unter Wasser
und dann macht Wirt Off mit seinen Mannen bis etwa Weihnachten dicht. Wir
schlüpften schnell an einem klitschnassen Montagabend in die gute Minarikstube
und freuten uns auf ein paar feine Schmankerl, denn vom Preis her mußten wir
mit Besserem verwöhnt werden. Andrea aus Kößlarn, ein waschechtes
Niederbayerngewächs bediente erfrischend rustikal. Das war es dann aber schon.
Von nun an ging's bergab. Und wie. Unerwartet. Was da "Charly"
Karlheinz Ruppert, der zweite Mann in der viel gelobten Küchencrew (Eurotoque)
ablieferte, war eine Bruchlandung, die auch Wirt Off nicht verhindern konnte, da
er nicht im Hause weilte. Rinderfiletgeschnetzeltes in Steinpilzsauce mit
Spätzle und Salat vom Buffet (16,50 ) ist ja nicht gerade billig. Dafür
gab es Tomaten, die nach nichts und Gurken, die nach Chemie schmeckten,
Spätzle, die sich blaß schämten und eine Beinahepampe mit sage und schreibe
vier winzigen Steinpilzteilchen (gezählt). Eine halbvergammelte Grüngarnitur war lieblos
über Fleisch und Tellerrand gestreut. Ach was, alles auf den Teller geknallt. Ärgerlich. Ich
empfehle Charly einen Spaziergang nach Asbach, damit er sieht, wie es auch
anders geht. Mein Sohn hatte einen Bärenhunger. Teller leer,
Gott sei Dank.
Entenbrust rosa gebraten auf
Preiselbeersauce mit Kartoffelknödel und Blaukraut ( 15,00) bekam keinen
Hungergnadedeckmantel. Daher hier ein gnadenloser Bericht: es gab keine Knödel,
einfach so. Alternative: Fingernudel. Das Blaukraut war so matschig, dass es
komplett liegen blieb. Ebenso ein Teil der Flattererbrust, denn die Haut war total
lapprig und das leicht rosa Fleisch so zäh, dass es eine Schande war. Und in
der Preiselbeersauce schwamm aber auch nicht eine einzige Beere, sodass ich an
ein »hausgemacht« einfach nicht glauben konnte. Deutlicher kann eine
Sauce nicht nach Eimer aussehen. Außerdem verlangte
die runzelige Haut der nachtschwarzen Tunke von mir viel Überwindung,
unterstützt durch besagte
Ersatzknödel, damit ich meinen ärgsten Hunger stillen konnte. Teller kaum
halbleer, Maria hilf - oder ich komm' nicht mehr!
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Note:
4-5 |
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Okt
02 |
83080
Oberaudorf
Ristorante
»Mamma Lucia«
sichere Bank?
Der Name, das Äußere, das
Innere, alles eigentlich macht an: ein Italiener der angenehmen Art? Die
Karte ist wie überall bei den Stiefelsiedern. Ich bilde mir einen
Tomatensalat mit Zwiebeln und Thunfisch ein. Er steht nicht in der Karte
und ich versäume, nach dem Preis zu fragen. Ein Fehler. Test mit dem
Allerweltsgericht Spaghetti Bolognese (5,00 ). Ein Berg Nudeln
schwimmt leider zum größten Teil im eigenen Kochwasser, die Mamma hatte
offensichtlich keine Lust, die Spaghetti abtropfen zu lassen. Der Sugo ist
absolut nichtssagend, motze ihn mit der elektrischen Pfeffermühle noch
etwas auf. Mit dem Parmesan bin ich zufrieden. Für den ärgsten Hunger geht
es.
Jetzt aber zum Salat vorneweg, der den Test hierher beamte. Für drei
Kirschtomaten, einer großen Tomate und Thunfisch aus der Büchse zahle ich
doch glatt 11 DM. Hätte ich das bekommen, was ich bestellt hatte und nicht
eine "Unterfütterung" mit irgendeinem Grünzeug, dann hätte ich auch noch
den langweiligen Roten, Chianti genannt (0,25 3,80 ), weggesteckt, so
aber nicht. Fazit: ein Jammer, dass Bernhard an diesem Tag ruhte. Lieber
ein paar Euro mehr berappt und der Abend wäre ein Erlebnis geworden.
Der Himmel weinte wie aus Eimern. |
Note:
4 |
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Aug 02 |
82402 Seeshaupt
Restaurant
»d'Wirtschaft«
der letzte Zug
19:01 Ankunft auf Bahnsteig 2 (außen, salettelgesäumter Hof mit harter Biergartenbestuhlung ohne Polster, dafür mit Baum). Um uns ca. 30 Mitreisende.
19:10 Wir bekommen von der gestreßt wirkenden, doch freundlichen Frau Böck(?) die Speisenkarten.
19:25 der Spezi kommt.
19:35 das nicht mehr richtig kalte, dafür "rasierschaumgestylte" Pils kommt.
20:10 die Vorspeisen kommen. Gyoza, thail. Teigtaschen mit Gemüse-Fleischfüllung 3,30 und Spaghetti Arrabiata (scharfe Tomatensauce mit frischen Kräutern) 1/2 Portion 4,10. Liest sich hoffnungsvoll, wie Triebwagenzug mit Neigetechnik. Die Wirklichkeit ist enttäuschend.
Die Nudelsauce ist ausgesprochen langweilig im Geschmack. Die sechs Taschen ähneln stark der aus Anzeigen für fernöstliche Convinience mir hinlänglich bekannten »fingerfood«, die gereichte Soße dazu gleicht auffallend der Thai-Chillisauce aus meinem Kühlschrank. Auf der Rechnung standen dann
nur 3,00, vielleicht hatten wir auch etwas Falsches bekommen und gegessen. Denn deutliche Verwirrungen beim Service konnten wir beim stundenlangen Warten mehrmals beobachten.
20.44 Die ICE's fahren ein: Texassteak (220 g argentinisches Rumpsteak) Baked Beans und Country Potatoes 13,60 und Medaillons vom neuseeländischen Weideschaf mit Kräuter-Pfeffersauce, dazu Prinzessbohnen und Croquettes 14,80. Von wegen ICE, darauf hatten wir nahezu 2 Stunden
hingehofft, motiviert durch blumige Küchenbekenntnisse in der Speisenkarte. Was kam, waren langweilige, alltägliche Personenzüge, die es in jeder halbwegs anständigen Dorfwirtschaft besser, billiger und schneller gibt. Halt, falsch, dort gibt es gar keine Züge. In der Ex-Bahnhofswirtschaft von
Seeshaupt schon noch, und auch das naturbelassene Schlicht-Ambiente, besonders auf der Toilette. Für den, der das abgefahren findet. Wir gehören da nicht dazu und gingen verärgert über uns, weil wir uns nach einem anstrengenden Drehtag, hungrig wie Wölfe, das alles hatten gefallen lassen.
Entschuldigungssatz der "Fahrdienstleiterin" beim Kassieren: ... weil alle auf einmal kamen ... Kein(?) Nachlass, kein Schnaps.
Für uns ist diese Wirtschaft und damit befinden wir uns im krassen Gegensatz zur Edelesserbibel "Der Feinschmecker", die uns zur Anfahrt angestiftet hatte nicht mehr, als ein rumpelnder, schneckenlangsamer Güterzug. |
Note:
4-5 |
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| Juli 02 |
I-39014 Burgstall
Hotel-Restaurant
»Muchele«
es war einmal
»Gegendarstellung«: im südtiroler
hoila.net sind mit
meiner Billigung meine positiven und negativen Erfahrungen in diesem gottgesegneten Landstrich veröffentlicht. Natürlich auch die traurigen Erfahrungen mit meinem einstigen Lieblingslokal »Muchele«. Als die Ganthalers dies entdeckten, begann die Diffamierung meiner Person einschließlich dem
Verlangen an hoila.net, die Einträge zu entfernen. Da eine Stellungnahme des Muchele, genauer gesagt von Martina Ganthaler, dort veröffentlicht wurde, sehe ich mich zu diesem Eintrag veranlasst, damit meine Leser wohl entscheiden können, ob sie, so wie ich, in Zukunft um das Haus einen Bogen
machen.
Beim allerersten Reinfall 2001 hatten wir für den dort berühmten Donnerstagabend einen wunderschönen Tisch reserviert. Wir wohnten im Haus und sahen auf dem Weg vom Schwimmbad zum Zimmer auf »unserem« Tisch unseren Namen mit einem kleinen
Herzchen. Mein Lieblingshotel! Dann hatten wir uns fein gemacht und marschierten zur Terrasse. Der Tisch war weg, dort saßen zwei Italiener und das Schild war von selbst zu einem Tisch inmitten des Trubels gelangt. Pech gehabt. Die Bedienung quittierte unseren Unmut mit einem Achselzucken.
Mein Lieblingshotel? Dann verblüffte uns eine total anders geartete Speisenkarte. Bis auf das dumme »an«, warum nicht? Was wir nicht wussten, dass Adi Thuile, »unser« Koch, schon lange nicht mehr im Hause weilte. Spätestens beim Essen wurden wir aber mehr als stutzig und sagten unsere
Unzufriedenheit auch Hansjörg Ganthaler. Und es war keineswegs so, dass wir die Teller leer gegessen und dann gemeckert hätten. Da stehen wir, schlicht und ergreifend, drüber, die reklamierten Teller gingen zurück. Bei einem Mittagsbesuch, wesentlich später, hatten dann die Mucheleleute uns
endgültig das Kraut ausgeschüttet, als wir für eine schlampige Tomatensuppe mehr zahlen mussten, als in der Speisenkarte stand. Dafür bezeichnet mich nun Wirtstochter Martina als Lügner. Bei meinen Testessen handelt es sich um Betriebsausgaben, ich habe also einen Beleg, der den horrenden
Suppen- und Bierpreis in Lire dokumentieren kann. Natürlich besitze ich die Speisenkarte von damals nicht, aber welche aus Adi Thuiles Zeiten! Nicht uninteressant! Inzwischen ist Thuiles Nachfolger Lustik nicht mehr im Muchele. Das Hotel gehört neuerdings übrigens zu einer
Hotel-Zusammenarbeitskette, deren deutsche Mitglieder beachtliche Mitgliedsbeiträge zahlen müssen. Wie es in Südtirol ist, weiß ich nicht, gebe aber zu bedenken, dass dies alles erst verdient werden muss.
Dass sich die Ganthalers als so schlechte Verlierer herausstellen, beweist meine mangelhafte (?) Menscheneinschätzung.
Nur ja keine Fehler zugeben, eine tief verwurzelte Wirtekrankheit, die ganz besonders häufig an Eisack und Etsch aufzutreten scheint. Liebe Leser, es bleibt dabei, dass ich auch in Zukunft »Freunde« kritisieren werde, wenn es mir angebracht erscheint. Sie, liebe Leser, sollen sich auch
fürderhin auf mich verlassen können.
PS: Das Muchele verlangte von holia.net die Veröffentlichung einer Gegendarstellung. Hoila.net stellte die eMail unzensiert, und ungeprüft auf ihren Wahrheitsgehalt, ins Netz. So verlangt es das geltende Recht. Ich verzichte auf eine Gegendarstellung auf
die "Muchele-Gegendarstellung", das oben Angeführte genügt.
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 Note:
6 |
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| Feb 02 |
A-1010 Wien
Restaurant
»Göttweiger
Stiftskeller«
lieber
Wein
Wer einmal von der riesigen
Terrasse von Stift Göttweig überwältigt in die ewig weiten Donaugründe
hinausgeträumt und danach, oder davor, mehrere Achterl vom Convent oder den
Prälaten geschlürft hat, der geht, so es ihn nach Wien verschlägt, dort in
den Göttweiger Stiftskeller nahe der weltberühmten Flaniermeile
Kärntnerstraße. Davon ist auch gar nicht abzuraten, wenn es bei den gut
fruchtig frischen Weinen bleibt. Selbst das Bier ist in Ordnung. Nur auf
jedwede Atzung würde ich verzichten. Denn von all dem, was wir aßen, von der
Erdäpfelsuppe ( 2,90), über die geröstete Leberwurst ( 6,40), das von der
extrem sympathischen, festhübschen bayerischbarocken Manuela so gepriesene
Wurzelfleisch ( 6,70) bis hin zu den Röstkartoffeln ( 2,50) war nichts
zufriedenstellend. Halt, der Meerrettich und der Rote Betesalat, die
waren Klasse. Und wie gesagt, die Manuela. Kilian, brems' dich ein! |
Note:
4- |
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| Jan 02 |
85293 Reichertshausen
Ristorante
»Casa Mia«
Ungastwirt
Wir hatten es gewagt, zu reklamieren. Die Gorgonzolasauce zu den eigenartigen Kalbsmedaillons schmeckte nur nach Sahne und nicht nach Gorgonzola und ausserdem gab es neben
üblichem Allerweltsgemüse keine Sättigungsbeilage. Kartoffel haben wir nicht, schnautzte der Wirt, Spaghetti dauern, nahm den Teller weg und riß uns das Besteck aus der Hand. Er warf uns hinaus. Laut und deutlich rief er: wir sollten sofort gehen und nie mehr wieder kommen.
Seit es das Schützenvereinsheim gibt, haben wir weit über tausend Mark den Kammerer Berg hinauf getragen. Wir freuten uns sogar öffentlich über den Qualitätszuwachs im vergangenen Jahr und den kompetenten Servic eines jungen Mannes, der leider vor Weihnachten wegging. Ein schlechtes Omen? Wir
werden uns den Wirt wegen seines rüpelhaften Verhaltens in Zukunft genau ansehen und beobachten, wie er es z. B. mit dem Jugenschutzgesetz hält. Ausserdem werden wir den Hausbesitzer, den Schützenverein, zu dem wir auch gehören, fragen, ob er es widerspruchslos duldet, dass seine Mitglieder so
unverschämt behandelt werden dürfen. Unseren Anhängern empfehlen wir weiterhin den Besuch da oben, wenn sie bereit sind, einfach alles zu schlucken. Wenn nicht: es müssen nicht immer Spaghetti sein und schon gar nicht von so einem »Unwirt«! |
 Note:
6 |
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