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07-03-10 10:46

... um Topf und Kragen
Seite 3

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bereits 10.742 Besucher unserer Tests in Restaurant-kritik.de (22.08.08)

Tafern Wirtschaft
Niederdorf
2
La Fontana
Pfaffenhofen
6
Cabras
Mitterscheyern
4
Bimesmeier-Eichler
Kößlarn
2
Kupferpfandl
(A) Schärding
2
El Sotana
Bad Griesbach
2-3
Steigers Hacienda
Pocking
2-
Altbirnbach
Bad Birnbach
2-3
Shang Hai
Bad Griesbach
4-5
Wasner
Bad Birnbach
2-
Schlemmerhof
Schmalzl

Hundsöd
+
2
Bräustüberl
Scheyern
0
Gut Moierhof
Walting
1-2
Hartl Schlössl
Penning
4-5
zum Maurerwirt
Langwaid
2
Kloster Stub'n
Scheyern
4-5
Forum Marc Aurel
Bad Gögging
3-
Boxkampf
Bad Gögging gegen Bad Griesbach-Therme
GH zur Rose
(I) Kurtatsch
2
St. Hippolyt
(I) Tisens
3-
Schwarz-Adler
(I) Kurtatsch
2-
Ruster
(I) Algund
3-4
Roter Hahn
Regensburg
+2
zum Mohren
(I) Prissian
2-
Wezl
(I) Riffian
3
Hidalgo
(I) Burgstall
2-3
Bäderdreieck Special >> Holzhäusl
Bad Griesbach-Therme
7
Kupferpfandl
(A) Schärding
2
Wasner
Bad Birnbach
3
zur Mühle
Bayerbach
3-
Gutshof Uttlau
Haarbach
4
Sammareier Gutshof
Bad Birnbach
2
Gasthof zur Post
Prienbach
+3
Stiftsbräustüberl
(A) Reichersberg
2-3
Hartl Schglössl
Rotthalmünster
2-
Taj Mahal
Ortenburg
2-
Il Giardino
Bad Griesbach
3
zum Heurigen
Bad Griesbach-Therme
3-4
Shanghai
Bad Griesbach
4
China Town
Bad Füssing
5
Gran Sasso
Bad Füssing
3
Jägerstüberl
Bad Griesbach
+4
Hoftaferne
Neuburg am Inn
2
Bäderdreieck <<Special Jäger
(I) Nals-Sirmian
2-3
Zum Schimmelwirt Schrobenhausen
3-4
Zum Schimmelwirt Schrobenhausen
2
Oberaudorf
Ortsbild
4
Unionsbräu
München
4-
in eigener Sache Bayerischer Hof
Miesbach
4-
Alte Post
Hohenkammer
3
Amper Klause
Unterbruck
3-
 

 rot unterlegt: eigentlich traurig!

Nachbarn: (I)= Italien (A)= Österreich (F) = Frankreich (N)=generell

kursiv= wesentliche Änderungen oder aus

 SUPER, beinahe Halleluja

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Oberbayern

Gast und Tafern Wirtschaft in Niederdorf
Haus 16
86567 Niederdorf
 
Wirt:  Familie Pfündl
Koch: Wirt Norbert
Service: fröhliche Weiber

tel: 08250-211

Ruhetag: Mittwoch + (Dienstag IX-IV)

 


Lammchops

 
ostereier in niederdorf

Wir tun uns leicht, denn wir wissen, wie man die Familie Pfündl mit ihren Bilderbuchkindern findet. Das Nest ist so klein, dass es mit Hüheim auf dem Staubkorn aus dem bekannten Film locker mithalten kann. Ohne Navi, eine schwierige Angelegenheit. Aber die Suche lohnt sich. Am Wochenende sollte man aber vorher anrufen, sonst könnte es tragisch enden. Außer zur Biergartenzeit, da sind die Platzprobleme etwas geringer.

Ostersonntagmittag, die Ostereier sind gefunden und die Vorfreude auf das Ostermahl macht sich in der Magengegend deutlich bemerkbar. Die adrette Speisenkarte ist übersichtlich, verspricht Frische und hält dieses Versprechen dann auch.

Da wir aber nicht schleimen, kommt zuerst der Tadel: das Pils ist zu warm (13,2°), alle Salate können mit den Gerichten nicht mithalten und der Käse in den Kässpätzlen (6,30 € mit Salat) war etwas knapp bemessen. Zum Ende musste meine Tochter suchen. Ach ja, es ist ja Ostern.

Die Lobpreisungen beginnen:

Kartoffelschaumsupperl mit Kartoffelstroh (2,60 €). Haben Sie den Preis gelesen. Sie haben sich nicht verlesen! Ein üppiges Gedicht. Mein Hauptgang dann: saftiger Osterschinken aus dem Rohr, dünn geschnitten mit Feldsalat und hausgemachtem Weißbrot (6,50 €). Haben Sie den Preis gelesen. Sie haben sich nicht verlesen! Ein üppiges Gedicht. Frischen Meerrettich gab es ohne Berechnung als erfüllten Sonderwunsch, ebenso die Rosmarinkartofferl.
Nun das Eheweib. Spinatravioli mit Salbeibutter (4,60 €). Sie flippt aus. Hauptgang: Lammrollbraten an provenzalischem Gemüse, sahnigem Kartoffelgratin und Salatteller (9,00 €). Sie überschlägt sich und schleckt den Teller fast sauber. Haben Sie den Preis gelesen. Sie haben sich nicht verlesen! Ein wahres Gedicht.

Bernd (21 Jahre) ist nicht gut drauf. Sein Schnitzel »Wiener Art« mit Pommes frites und Salatteller (7,90 €) allerdings schon. Er packt es ein und verdrückt es vor Mitternacht mit Genuss. Da ging es ihm auch schon wieder besser. Immer um Mitternacht.

Fehlt noch Carlitos (4 Jahre): er genießt sein Kinderschnitzel mit Pommes und Ketchup (3,60 €) mucksmäuschenstill.

Schlusskommentar: Wie gut, dass es noch solche Wirtschaften gibt!!
März 08

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Oberbayern

absichtlich kein Foto

Restaurant
La Fontana
Sparkassenplatz 11
85276 Pfaffenhofen
 
Wirt:  Antonio Belanca
Koch: ??
Service: ??
 

absichtlich kein Foto

zugeschlagen

Da wir leider über keinen Geldscheißer verfügen, können wir es uns nicht leisten, beim Italojungspund Belanca am Sparkassenplatz von Pfaffenhofen kulinarisch auf den Putz zu hauen. Mit dem Gutscheinbuch geht das gerade noch.

Donnerstagabend, voll. Die bildhübsche, hochgewachsene Bedienung, ganz in Schwarz, macht im Service eine aufregende Figur und einen desolaten, gehetzten Eindruck. Wir bestellen einen Schoppen Weißwein, eine große Flasche Pellegrino, Salt in bocca (15,00 €) und Thunfischsteak vom Grill mit Tomatensoße, Kartoffel und Salat (18,00 €), letzteres von der Tageskarte. Ich möchte keinen Salat und keine Kartoffel, dafür auf einem separaten Teller Spaghetti. Meine Frau möchte auch Spaghetti und keine Kartoffelbeilage. Auf das separat verzichtet sie.

Die Flasche Mineral bitte ich kalt zu stellen, da ich kein warmes Wasser mag. Die Bedienung meint, die Flasche sei doch kalt. Ich meine, sie wird aber warm werden. Einen Flaschenkühler gibt es nicht und so nimmt sie das Pellegrino mit in die Kühltheke. Was dazu führt, dass ich mehrmals, mit den Armen wild fuchtelnd, ums Nachschenken bitte.

Das Saltimbocca alla romana (so der offizielle Name; der von Belanca gebrauchte Name, aber falsch geschrieben, denn es heißt salt' im bocca,  ist römischer Dialekt), ist extrem salzig, das Kalbfleisch ist zäh und die Nudeln sind fast kalt. Von der sinngemäßen Übersetzung des Gerichtes, dass es besonders lecker ist, deshalb springt es in den Mund, ist es Lichtjahre entfernt. Meine Frau hat arg Hunger und versucht ein paar Gabeln, dann gibt sie auf und bittet, das Essen wenigstens richtig heiß zu machen, was eine gute Spülerin im Schlaf beherrscht. Wohlgemerkt, das Gericht kostet dreißig Mark!

Meine separat gereichten Spaghetti sind fast kalt. Auch sie gehen mit dem Fisch zum Erhitzen in die Küche zurück.
Die Soße zum Thunfisch ist sehr scharf, sie würde den Wohlgeschmack des Steaks vernichten. Gott sei Dank hat der Fisch überhaupt keinen Geschmack. Das GaumenErlebnis entspricht zarten Bierdeckeln in feuriger Begleitung in einem üblen tunesischen Lokal. Ich tröste mich damit, dass ich für 36 Mark Spaghetti, wieder nur warm (vielleicht hat sie der Koch im Kühlschrank erhitzt?), meinen Hunger stille. Der abbestellte Salat kam, ging aber postwendend wieder zurück. Er minderte nicht den Preis, dafür aber die Wärmekalorien des Gerichts. Lustig? Nein!

Ein Wort zum Gutscheinbuch, das man ja vor der Bestellung vorzeigen muss. Warum eigentlich? Das »geschenkte« Gericht, das Saltimbocca alla romana, ist mengenmäßig auch an der Untergrenze und passt sich damit perfekt dem Geschmackslimit an. Darum!

Wir verstehen nicht, warum das Lokal voll ist und kommen zu dem Ergebnis, dass wir nichts vom Essen verstehen, geschweige denn, von heiß und kalt.

Die Konsequenz für uns ist traurig: La Fontana adieu.

Bestenfalls im Sommer noch, auf der Terrasse, auf eine billige Portion Nudeln. Für fünfzehn Mark.

Armes Deutschland.

Man lese auch nach unter aktuelle Änderungen zu Band 3 von guat ESSEN und TRINKEN bei uns dahoam.
März 08

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Oberbayern

Foto kommt

Pizzeria
Cabras
Holzäckerstr. 1
85298 Mitterscheyern
 
Wirtin: Marcello Cabras
Koch: der Wirt
Service: le Beau
tel: 08441-879280
Ruhetag: ??

Foto kommt

 kritik verboten?

Der werte Herr Tester hat einen Hunger, wie ein Wolf. Sein verfressener Sohn auch. Die Lokale sind bumsvoll, weil heute der geschäftstüchtige HändchenhalteValentinstag ist.

Wir Drei triften hinaus bis ins Gewerbegebiet von Mitterscheyern. Bernd ist zu verhungert, um das Händchen von Verena zu halten.

Signore Cabras hat noch ein Plätzchen für uns. Ein Glück!

Unsere Bonsai-Brigitte-Bardot Verena schmilzt über den italienischen Service-Beau hinweg.

Ich bekomme sogar eine Tomatensuppe, obwohl sie gar nicht auf der Karte steht.

Bernd lehrt gerade den Baguettekorb in Windeseile.

Da dampft die Crema vor mir. Außer dampfen tut sie weiter nichts. Aber sie ist warm und wasser-dünn. Mein Bauch freut sich und reichlich Parmesan besticht den Gaumen.

Dann die sardischen Gnocchis, die Hartweizennudeln im Muscheldesign mit Fleischanteil. Ohne Spinat auf Sonderwunsch. Ich esse ganz langsam, da ich jedes Nudelchen ohne Gaumenberührung hinunterschwindle. Das dauert. Wenn das Tellerchen wenigstens etwas Geschmack gehabt hätte. Nicht im Geringsten. So kippe ich verzweifelt den nach Packerl aussehenden und auch so schmeckenden Parmesan löffelweise über ein Gericht, das ich ohne Bärenhunger einfach in die Küche zurückschicken würde.

Bernd sucht verzweifelt in seinen drei Gnocchi den Gorgonzola. Nicht einmal einen Käsegeschmack kann er finden, geschweige denn Pilzspuren. Ich probiere und zucke mir hilflos die Schultern wund. Aber der Brotkorb wird's schon richten. Gnocchi müssen ganz schön teuer sein, deshalb bekommt er nur so wenige. Vielleicht sind die in Sardinien mit Trüffel verwandt? Aber was weiß schon ein knurrender Magen.

Und ich mit meiner Fastenzeit ohne Alkohol. Es gibt das Mineral nur in Karaffen oder Literflaschen. Ich krieg den Vogel.

Aber die Bude ist voll, Marcello flirtet in verschmutzter Kochmontur mit seinen Stammgästen und wir stellen ernüchtert fest: wir sind einfach Deppen.

Fertig aus. So schnell sieht uns der Bursche nicht mehr wieder. Da ist ja unser Schützenheimmafiosi ein gewichtiges Witzigmännlein dagegen. Und zehn Kilometer näher.

Peng, peng.
Februar 08

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Niederbayern

echte Rose

Gasthaus + Pension
Bimesmeier-
Eichler

Oberer Markt 6
94149 Kößlarn

Wirtin:  Margit Bimesmeier-Eichler
Köchin: Karin Denk
Service: Evi + Andrea

tel: 08??-7712-2033
Ruhetag: NN


Spaghetti Diabolo

 lügen,
einmal ist keinmal

Der Rudi feierte vorne Geburtstag. Zwölf Manns- und Weibsbilder vom Stammtisch und meine Kleinigkeit saßen klaglos im Wintergarten. Dem BedienerWeib Evi bot ich tausend Kamele. Sie meinte, sie sei hantig, ich solle meine Wüstenschiffe behalten. Also träumte ich vom leicht gekupferten Pferdeschwanzdachl Andrea. Mein Gott, was sind das für Weiber, in ihre Augen schaut man besser nicht. Langt deren Karosserie doch bereits für Atemnot von gut dreißig bis kurz vor achtzig.

Klar, wo solche niederbayerische Edelstuten im Stall stehen, kann der Rossknecht kein Haderlump sein. In Kößlarn, das geheime, thermalfreie Nest, ist für die Einheimischen und deren gerngesehenen Gästen die Welt noch in Ordnung. Da stehen keine Kunstblumen auf den Tischen. Da hocken echte Rosen im Glas und die Mieder kennen kein Silikon. Hier triumphiert die Wahrheit. Vielleicht nicht gerade beim Apfelkücherl, dafür aber bei der Rindssuppe mit Leberspätzle (2,20 €). Die weckt auch Halbtote auf, die eine niederbayerische Nacht gerade noch überlebt haben.

Mir geht gerade die Fantasie durch.

Margits Schwester Karin kocht jede Woche so viel Rindfleisch, dass dieses herrliche Geschlabber in Hülle und Fülle vorhanden ist. Seit geraumer Zeit entwickelt Wirtstöchterlein Monika häusliche Töpfeambitionen, die der Mama richtig Freude machen.
Mir auch! Am liebsten würde ich sie in Watte packen, diese Brunnhuber, Biemesmeier und sogar den Wirts Edl, damit wir noch lange »Sechternes« von erna ham.

Recht hat die Wirtin, wenn sie für Kinder und den Senilokili Spaghetti Diabolo mit scharfer Fleisch-Sahnesoße, Salat vom Buffet (6,50 €) auf die Karte schreibt. Zeig mir einen Stiefelsieder der einen guten Schweinsbraten drauf hat? Gibt es keinen. Die Nudel der Karin Denk toppten aber jeden Italiener im Gäu, selbst den Platzhirschen Gran Sasso in Bad Füssing, mit links. Der Preis schickt die Burschen dann endlich auf die Bretter.

Neugierig bin ich, wann wir Esser es begreifen, wie man uns bei Chinesen, Griechen oder Mafiosi eigentlich das Fell über die Ohren zieht. Wareneinsatz 1 €, Handling auch einer, berappen 7 €!!! Deppertes Argument: Ferienersatz! Da glaube ich schon eher an den Propheten im eigenen Land, der einfach nichts gilt.

Beim Schweineschnitzel "Wiener Art" mit Pommes frites und Salat vom Buffet (8,20 €) wechsle ich natürlich von den Pommes auf Bratkartoffel, die hier seit 25 Jahren keine sind, sondern Röstkartoffel. Gescheibt, ein Hauch Zwiebel, das war's dann aber auch. Den artenreichen Salat hatte ich ja schon bei den Nudeln, so bietet mir Andrea Preiselbeermarmelade an. Sie hat mir nicht in die Augen gesehen, ich hätte gehäckselte Schuhsohlen super gefunden. Was für glückliche Männer leben in diesem Kößlarn?

Nur mit einer süßen Nervenberuhigungsbombe von drei Kugeln Milcheis (2,40 €), na, na, und etwas Schnaps kann ich auf eine Nacht mit Schlaf und verdammt unruhigen Träumen hoffen.

Margit Bimesmeier-Eichler, glauben Sie mir, ich komme ausschließlich wegen des Essens zu Ihnen, und ausschließlich wegen der ungeschminkten, dörflichen, echten Atmosphäre. Ich komme nicht wegen Eva und Andrea.

Für Notlügen ist der Pfarrer in der Kirche gegenüber zuständig. Stimmt doch, oder?
Januar 08

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Österreich

Restaurant
Kupferpfandl

Stögergassl 3
A-4780 Schärding

Wirt:  Erika Krammer + Thomas Hader
Koch: der Wirt
Service: die Wirtin + Julia

tel: 0043-7712-2033
Ruhetag: Dienstag


Dessert

  sternderl in der silberzeile

Jetzt haben sie zwei, denn Sophie kam blitzschnell, in dreißig Minuten, auf die sinnviertler Erde. Fabian ist nun nicht mehr alleine und liebt sein Schwesterherz innig. Thomas liebt seine rechte Hälfte Erika. Und schon sind Sie mitten drin im Wohnzimmer des Kupferpfandls, im klitzekleinen Kopfsteinpflastergassl der oberen Silberzeile.

Woher weiß ich, dass der Wirt in die Wirtin verliebt ist? Vom gegrillten Thunfischmedaillon mit Babyspinat. Da hat der Koch zu tief ins Salzbüchserl gegriffen. Sicherlich hat er zu heftig an seine Sophie gedacht, die im zweiten Stock über seiner lokalinternen Puppenküche einfach nicht einschlafen will. Was ich gut verstehen kann, denn wahrscheinlich ziehen immer wieder  klitzekleine Duftwölkchen zu ihrem Kinderbetterl hinauf und aus ist's. Sauer ist er deswegen bestimmt nicht, aber der Thunfisch. Wodurch weiß ich nicht, aber was soll's.

Bei mir beginnt es mit einem amuse gueule, das auch Appetit macht, vor allem wegen seiner gekonnten Schärfe: Wantan mit kleinem Blattsalat. Auch Thomas Hader liebäugelt gerne mit schlitzäugigen Schmankerln aus dem Land der Morgenröte. Ist halt in. Na ja.

Ich habe mir das 5-Gang-Menü ausgesucht, weil zwei Reizworte vorkommen: Trüffelöl, das ich scheue, wie der Teufel das Weihwasser, und Thymian. Beim Öl lasse ich nicht mehr mit mir handeln. Jeder ehrliche Trüffelhändler in der Provence – da gibt es zwar nicht viele – verkauft es und gesteht zugleich, dass kein Öl der Welt den Geschmack der sündteuren Pilze annimmt. Das ist pure Chemie.
Stinkend, sage ich – und verurteile jeden Koch, der es verwendet.
Hocke nun aber trotzdem hier, weil beide menschliche Silberzeilenstückchen sind! Bitte, bitte schmeißt das Zeug aus Eurer Karte, ihr braucht es doch nicht! Da ist ja Zitronengras noch himmlisches Manna dagegen.

Carpaccio vom Innviertler Milchkalb mit Trüffelvinaigrette ist ein klares Halleluja, da sich in der Vinaigrette nur Trüffelteilchen und jungfreuliches Öl befinden.

Ich bitte Thomas bei der urigen Suppe, einer Erdäpfelcreme mit Trüffelöl, einfach die Katastrophe wegzulassen.
Siehe da, schon ist sie ein Genuss. Selbst wenn es auch ihm nicht gelingt, die Haut zu eliminieren. Jetzt freut sich Blackman Arwed Arndt drüben in Bad Birnbach.

Sofie schläft und Mama Erika bedient, attraktiver denn je. Ihre australische Wurzel der Aborigines lässt jedes halbwegse Mannsbild auf unerlaubte Gedanken kommen. Weibsbild! Rassiges.

Da passt mir mein zweites Reizwort ganz gut ins kulinarische Konzept: rosa Huftsteak vom Jungrind auf Rotweinsauce, dazu Thymiangnocchi. Köstliches Gemüse, die Soße ist eher luftig, denn burgunderschwer und das riesige Stück Rind ist zu rot, was es in diesem zarten Alter eher problematisch genießbar macht. Und ich bin eine französische Fleischkatze, die einiges verträgt. Aber Fleisch gerne mürbe mag. Dazu trinke ich Almdudler und Sophie würde treffend sagen: vom Essen hat der keine Ahnung! Fehlen noch die Gnocchi mit dem Apothekerkraut. Thomas liebt es. Alles was öffentliche Beine hat und kocht, liebt es. Ich verputze die Beilage restlos. Sie passt recht gut zum urigen Fleisch. Doch ich bleibe dabei, Thymian schmeckt einfach zu allem immer zu dominant. So hustenguatlhaft. Nicht meine Welt, zu aufdringlich. Liebäugelt irgendwie mit Trüffelöl.

Schokoladenlasagne gefüllt mit weißem Moccamousse schließt den Reigen der 50,00 €. Das sind knapp zwanzig Mark pro Gang. In einer Zeit, in der lautstark die Weltbörsen in den Angeln knarzen, nicht ganz unbedenklich. Aber ausgesuchte Zutaten dürfen bei Thomas und Erika ihren Preis haben. Außerdem sind beide ja ein Teil der Silberzeile und das ist schon etwas Besonderes …
Januar 08

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Niederbayern

Restaurant
El Sótana

Passauer Str. 39a
94086 Bad Griesbach

Wirt:  Columbia Hotel
Koch: kein Mexikaner
Service: erfreulich

tel:  08532-309162
Ruhetag: di + mi + mitt

  im keller unter sternen

Oben tafeln die feinen, brieftaschenschweren Anzugjacken. Tief unten, im Keller des Columbia, hocken die urigen Jeans mit den feurigen Kehlen. Das Erdgeschoss hat hinuntergefärbt. Die Speisenkarte ließen die Hausherren neu drucken. Ihre Inhalte blieben, die Preise nicht. Glatte 8 Mark für eine – zugegeben köstliche – volumenkarge, kalte Gemüsesuppe mit drei Scheiben Baguette ist im Ort Ex-Griesbach heftig. Wer versaut hier eigentlich die Preise? Kaum die Rentner mit thermalgerechten Zipperleins. Dann doch die Golfer. Vielleicht kaum. Die lassen doch anschreiben, heißt es in gut unterrichteten Kreisen – aber liften leider mit ihren Edelkarossen das dörfliche Image ungemein in Richtung Tschätset. Außerdem saßen an den Nebentischen eindeutig Einheimische. Dann sind die schuld und die tagenden Hotelbewohner mit den kleineren Nachtgeldbeutelchen.
Ist dagegen ein Kraut gewachsen? Schon! Dahin gehen, wo es besser schmeckt und billiger ist.

Gazpacho, kalte, andalusische Gemüsesuppe mit Baguette (4,00 €), die Kälte gab es erst im zweiten Anlauf. Vorher war sie lauwarm. Pfui. Eine eindeutige Küchenschlamperei. Hilflos meinte der redlich bemühte Servierer: wahrscheinlich war der Teller heiß. Der unbedarfte. Der Ober, nicht der Teller. Nun kommt sie richtig temperiert, köstlich. Die Schärfe passt. Im Gegensatz zu Pocking, zu Steigers Hacienda, sehe ich unschwer, was ich esse! Das war es aber auch.

Zu den Hauptgängen gibt es einen mexikanischen Salat und Knoblauchbaguette als Dreingabe. Das muss so sein, damit der Preis nicht gar so weh tut. Chili de Pavo con Frijoles y Mais, Maishähnchen nappiert von Chiligelee auf Mais-Bohnengemüse mit Ofenkartoffel und Dip (12,50 €). Fünfundzwanzig Mark für Billigprodukte zahlen wohlhabende Griesbacher ohne zu murren. Im Gegenteil, das Lokal war am Donnerstag ausreserviert und meine Nebentische lobten uneingeschränkt.
Und jetzt komme ich daher: Der Dip ist zu wenig und zu langweilig, das vollmundige Gelee hat verdammte Ähnlichkeit mit fertigen Thai-Chili-Saucen, das Grünzeuggehäxle kenne ich ähnlich von der Metro im Tonnenpack, es schmeckt erst nach Balsamicozugabe, im Schälchen gebracht(!), Knoblauch hat die Baguettscheibe noch nie gesehn und Maishähnchen sind in der Holledau, tausende Kilometer von Mexico entfernt, besser auf der Brust bestellt. Trotzdem, das Gericht ist insgesamt überraschen genießbar.

Uneingeschränkt positiv bewerte ich das Ambiente samt Hintergrundmusik. Verglichen mit Hans Sobotas Kellermexico in Pfarrkirchen gewinnt es ohne Anstrengung. Der mit großem Abstand letzte in der Dreierrunde heißt in dieser Disziplin leider Hacienda.

Persönlich ziehe ich ohne zu zögern den finsteren Pockinger vor: Seine Vita lügt nicht! Und mein Geldbeutel mag ihn auch …
Januar 08

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Niederbayern

Restaurant
Steigers
Hacienda Mexikana

Füssinger Str. 14
94060 Pocking

Wirt:  Familie Steiger
Koch: der Wirt
Service: die Wirtin

tel:  08531-310622
Ruhetag: keiner; mittags


Chili con carne

  ein unechter mexikaner
        kennt keinen schmerz

Wenn am Abend wenigstens bunte Lichter die Industriegebiete der Städte, der großen und kleinen, wohltuend verbrämen, sind sie, diese Obi- und Mäkdonnalt-Ghettos, für einen Halbwegs-Ästheten gerade noch kurzzeitig zu ertragen. Bei Tageslicht braucht es einen kräftigen Schuss Masochismus, um den Kauf einer Toilettenbürste aufregend zu finden.
Pocking hat auch so ein Viertel, ziemlich neu, ziemlich grässlich.
Aber Pocking hat auch einen Wirt, ziemlich vogelwild, ziemlich verwegen, der sich tagtäglich, abendlich, in diese Konsumecke hängt, um den mexikanischen Squash- und Tennisfreaks die Flugkosten nach Mittelamerika zu ersparen.

Man kommt mit dem Auto an, und es beginnen zahlreiche Prüfungen, um erfolgreich bis Mexiko vorzudringen.
Also, die Einfahrt vor die sportliche Halle, nicht leicht. Gefunden? Geparkt, geschafft.
Nun nicht stundenlang den schweißtriefenden Squashern zukucken, vorbeigehen.
Jetzt Augen auf, um nicht im Tennisnetz zu landen, sondern die beiden entscheidenden Türen öffnen. Links. Da wo das Herz schlägt. Drinnen? Lob: sehr gut gemacht.
Am besten gleich stehen bleiben und warten, bis sich die Augen an die Düsternis im Lokal adaptiert haben. Es dauert nicht lange, da erkennen sie umrisshaft Tische, Gemälde und die Wirtin. Wenn sie hilflos genug wirken, werden sie bei der Hand genommen und liebevoll zu einem freien Platz geleitet. Davon herrscht kein Mangel. Schon folgt die letzte, aber die schwerste Prüfung. Jeder technisch begabte Mann trägt heute am Autoschlüssel ein Ledlight. Um im Dschungel zu überleben oder hier die Speisenkarte zu lesen. Frauen ohne Licht bekommen als Trost Mittwochs einen satten Rabatt von 20% aufs Futter. Heute ist Mittwoch, aber ich bin ein Kerl, ein seniler. Mich tröstet das Fassbier für pauschal 2 Euro. Na bitte.
Freuen Sie sich diebisch, denn Sie sind ja drinnen! Olé.

Aus dem Lautsprecher klingt frische Musik, Gott sei Dank keine nervigen Mariatschis, und niederbayerisch fest steht Wirtin Emilia am Tisch.
Alles wird gut.
Die Vita der beiden ungewöhnlichen Pseudo-Sombreros nennt auch Schuhbeck.
Na also, der Mexikospezialist schlechthin!
Ich will dem Alfons ja nicht nahetreten, aber er weiß bestenfalls, wie die Hauptstadt von Mexiko heißt und dass eine Frau mit diesem breitkrempigen Strohhut hinreißend aussieht, wenn sie wegen der Hitze auf sonstige Stoffteile verzichtet. Auch die anderen Stationen verweisen, nicht erkennbar, auf Guacamole und Tequilla. Doch sowohl das chiligedopte Avocadomus, als auch den wasserklaren Brennstof bringt dir die verdammt charmante Emilia liebend gerne an den Tisch.

Ich habe trotzdem kein gutes Gefühl.

Ich habe viel Sympathie, aus dem Bauch heraus, für beide. Ich bin feige und bestelle, für den Bauch hinein, das Allerweltsgeschlabber Chili con carne Mit natürlicher Schärfe von Jalapenos, dazu Baguette (7,40 €), ein weltweit (Mexico ausgenommen) totsicherer Garant für grässlich. Es dauert keine zehn Minuten, dann steht der mittelamerikanische Schweinsbraten vor mir.

Perfekt.
Gekonnt.
Ein schöner Anblick.
Hervorragend gewürzt.
Ausgezeichnete Schärfe.

Ich komme wieder. Mehr sog i ned.

Halt, doch noch etwas. Danke!
Januar 08

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Niederbayern

Restaurant
Altbirnbach im Sammareier

Pfarrkirchner Str. 20
84364 Bad Birnbach

Wirtin: Hansi Weber
Koch: Arved Arndt
Chefin: Theresa

tel:  08563-2035
Ruhetag: keiner

Schweinsleber

  mini, mädel 
  und ein bisserl essen

Um mit der Türe ins Haus zu fallen: Das Restaurant im Sonnengut mit seinen lautplappernden Pensionsessern hat, mit dem Restaurant im Sammareier verglichen, in etwa die Atmosphäre einer feinen Bahnhofshalle.
Um bei Zügen zu bleiben, das Sammareier-Altbirnbach kam mir vor, als säße ich in einem legendären Orientexpress-Salonwagen. Mit Arwed Arndt als Heizer und Theresa-Stute als Schaffnerin.

Hansi Weber, alias Wasner, weilte wahrscheinlich bereits vor dem Fernsehschirm. Die unmittelbar bevorstehenden Wasnernarrenhochburgtage dürften hart werden. Wie jedes Jahr.

Kehren wir ein in die saugemütlichen, wohlig patinierten, kleinen Stuben des feinen Restaurants. Für das Deftige hat es den Mostrutschn-Keller und die weniger Feinen speisen gut im lichten Cafe Guglhupf.

Im Sommer sitzt man draußen, im Winter steht man. Zum rauchen. Gespannt bin ich, was die Qualmer mit der vielen frischen Luft, die ihnen Kostümmerkel und der bayerische Amtsschimmeldonkischott Stoiberopa verordnet haben, noch alles anstellen. Da stirbt ja keiner mehr an Lungenkrebs! Was die Rentenkohleschatzsucher noch auf die Palme bringen wird. Dabei wachsen an der Rott, der fischbesetzten Begleitung zum berühmten Traktorheiway dreiachtacht, überhaupt keine Palmen. Die ratlosen Rentenfuzzis wohnen auch weit entfernt, an der Spree, nicht im Beckenbauerbäderdreieck. Der Franz, der tät's schon richten. Der kann alles. Wenn ich mir so die neuzeitlichen Köpfe am Ufer des stillen Wassers anschaue, vom Hartl, Weber, Schuhbeck und dem Kaiser, und diese Kerle mit den Berlinern vergleiche, dann sieht die Spree ganz schön alt aus.

Damit bin ich nun kilometerweit weg vom Pfannenjongleur im Sammareier.
Zurück!
Weil er ja dort der Heizer ist, trägt er das topfmoderne Schwarz der aktuellen Brutzlerdynastien. An sich ist das wurscht, beim Wasner-Metzger sowieso! Ob schwarz oder weiß, der Blackboy kann es. Mit seinem Gruß aus der Küche braucht sich die hier heimische Gilde der Gutkocher gar nicht zu messen. Du kannst sie dabei nämlich glatt gleich vergessen: Rinderfiletcarpaccio mit Bonsai-Antipasti und einem Stamperl Blattsalat. Das Auge drehte durch und der Gaumen kolaborierte. Halleluja.

Theresa, züchtig, zackig, schilderte kurz, wie sie im schwarzen Nappaledermini, noch kürzer, geschärft mit HighSpeedReißverschluß, Männer mordet – natürlich nicht in Bad Birnbach, dafür aber alle. Oder dann wiederum trachtig, mit langem, züchtigen Wickelrock und überraschendem Fegefeurschlitz beim Hinsitzen. Als Kontrastprogramm, erzählt sie blumig.
Ja, ja, die Theresa, ein hier wohl bekannter, scharfer BlondSchmusetiger, der sein Handwerk beherrscht. Auch das der Gastronomie.

Ich riss mich los von Rock und Mieder, blieb bieder und versuchte es mit Kartoffelrahmsuppe und Wiener Würstl (3,50 €), aber ohne Würstl. Kein Preisnachlass, für mich eine Frechheit! Sieben Mark für Potacken! Trotzdem geschmacklich ein Vergnügen, dickes Lob für die festen, kleinen Kartoffelwürfelchen inside. Malerisch die drei putzigen Sahneseen. Doch sie waren ohne Chance gegen die unappetitliche, dicke Haut. Dafür, für gefakte Rosen im gefakten Wasser, eine übel »aromatisierende« Bedienung und die Preisgeschichte gibt es den ersten Punkteabzug.

Auch ein wenig Abzug für das aalglatte Kartoffelpüree ohne Pfiff, gespritzt ist keine Offenbarung, und die fehlenden Bonsaigurkenjulienne. Ja, wenn schon romanhaft in der Speisenkarte fabulieren: Gebratene Scheiben von der Schweineleber in süß-sauerer Sauce mit Champignons, Tomate, Chornichonstreifen und Katoffelpüree (12,40 € – ein übler Preis für schlichteste Produkte), dann will ich das auch alles bekommen! Und zwar haarklein! Ohne Haar.

Süßes, bitteres Finale: Theresa verführte mich! Wortgewaltig. Rotmundig.
Zu zwei Kugeln, nackert, Vanilleeis. Nichts weiter, grad groß. Sie standen dann mit knapp fünf Mark auf der Rechnung. Für den Nachhauseweg gab's ein paar Pralinen: geschenkt. Danke. Aber zu spät.

Entdeckte ich da etwa Parallelen zu den »Blumen«? Oder gar anmachen und dann ällabätsch …

Schade, mir hatte die Küche vom schwarzen Mann eigentlich sehr gut gefallen. Trost: Das Kupferpfandl ist nicht weit … Und für die Deko etc. empfehle ich Margit, Evi und Karin!
Januar 08

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Niederbayern

Restaurant
Shang Hai

Hauptstraße 23
94086 Bad Griesbach

Wirt: nn
Koch: nicht bekannt
Service: freundlich bemüht

tel:  08532-924554
Ruhetag:keiner
  niederbayern und chinesen

Im beinahe gepflegten, riesigen Aquarium schwimmen alle Fische mit mürrischen Gesichtern herum. Warum?
Was sollen sie sonst tun, als schwimmen.
Ja gut, aber warum schaun sie dabei so grantig drein?
Für mich gab es nur eine Erklärung: Sie müssen sich ständig dieses jämmerliche Gequieke von Musik anhören.
Wie gut, dass sie nicht auch noch lesen können. Die Speisenkarte hätten sie nie in die Flossen genommen. So etwas Unappetitliches, Abgegriffenes habe ich schon lange nicht mehr in meinen Flossen gehabt. Da glaubt man glatt, dass sogar die Buchstaben pappig sind. Sind sie zwar nicht, dafür um so mehr die Plastikhüllen!
Mir fiel das Testerherz in die Hose. Peking-Suppe (sauer-scharf) (2,50 €) und Frühlingsrolle (Loempia) (2,50 €), nein, mehr vorerst nicht.

Um auch etwas Gutes zu sagen: die ältere Dame die bediente, machte ihre Sache gut. Was man vom Koch nun wirklich nicht sagen kann. Ich glaube, es ist ihr Mann. Für Glutamat und lätschert verkochte Gemüsejulienne verlangt er fünf Mark. Jeder Leberknödelsuppenerzeuger stellt sich, wenn er das liest, ins Eck und weint bitterlich. Da kann er gleich stehen bleiben, denn für die Frühlingsrolle gibt es im Jahreskreislauf gar keine Entsprechung. Wiederum fünf Mark für eine fadteigige Gschlader-Hülle um irgendwas Undefinierbares. »Resterolle« würde ihr als Name besser zu Gesichte stehn. Viel Sojasoße aus der »Maggiflasche« und reichlich Sambal müssen helfen.

Jetzt kommen die Niederbayern ins Spiel. Zweimal haben sie mich begeistert nach Shanghai geschickt. Zweimal zog ich angeschmuddelt von dannen.
Ja haben die denn Bambus auf den Augen? Wahrscheinlich sind es Glutamatfetischisten, denen  nicht bewusst ist, für was sie sich da so begeistern. Schwangere Frauen sollten es sich zehnmal überlegen, auf was sie sich da einlassen.

Bleibt gerade noch Pockings glückliche Sieben, die mit dem Wahnsinnsaquarium, als passabel im fernöstlichen Rotttalreigen, nachdem offensichtlich der bemühte OrtenburgInder in sein Turbanlandl zurückgekehrt ist.

Was lerne ich daraus? Lieber mit heruntergekurbelten Erwartungen zu einem niederbayerischen Schweinsbratenverhunzer, als in abgedroschenem Chienesenglutamtgeschmacksverstärkermapf versinken.

Das muss einfach einmal gesagt werden.

Wenn ich – bei dieser unguten Gelegenheit – so sinniere, über meine bäderdreieckigen Erfahrungen in den vergangenen Jahren, was Speis und Trank anbelangt, und dabei locker zwei Dutzend fast widerliche Zapfhahnungustl zusammenbringe, dann sollte ich mir langsam ein anderes Thermalwasser für meine Knochen suchen, denn diese miesen Querschädel ändern sich bestimmt nicht.

Ich könnte natürlich auch Frühstücksfleisch und Dosenfisch einpacken. Denn manche der Rotttaler Wirtshausfeudalherren und -frauen kochen nicht nur schlecht, sie sind auch noch alles andere, nur nicht gastlich. Bis hin zu rotzfrech geht da hinten in Bayern die nach oben offene Wirteskala.

Wer hier kritisiert, gehört der Katz'!

Sie wollen Namen lesen?
Kaufen Sie sich ein paar Gaststättenführer und wundern Sie sich aber nicht über das auffallend schwach bedruckte Eck Passau-Landshut-Deggendorf
auf den Übersichtskarten für empfehlenswerte Adressen.

Wenn ich mein »nein, Deine Suppe eß' ich nicht« herausbringe, wird in diesem Viertel drangvolle Enge herrschen. Dann können einige ihre Koffer packen!

Ich weiß, ich auch …
Januar 08

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Niederbayern
»Schoppen«-karte
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Wirtshaus
Wasner

Passauer Str. 9
84364 Bad Birnbach

Wirtin: Hansi Weber
Koch: ein Team
Service: flott, freundlich

tel:  08563-871
Ruhetag: keiner

Forelle Müllerin

  metzgerfisch

Genau. So weit musste es irgendwann einmal kommen. Du gehst zu einem Vollblutmetzger wie den Wasner in Bad Birnbach, dessen Würscht zumindest in Südbayern fast jedes Kind kennt und bestellst Dir einen Fisch. Akurat einen Fisch, weil auf der ständig wechselnden Karte nicht genügend fleischige Schmankerl locken? Dabei ist das Angebot bestimmt nicht überreichlich, nein, man hat das Gefühl, dass vieles frisch zubereitet wird. Heute Abend war das gefüllte Hendl sogar bereits ausgeflogen. Was ich gut verstehen kann, denn das schmeckt richtig prima, ich habe es bereits zweimal verdrückt.

Am Stammtisch neben dem Kachelofen merkte man überlaut die bevorstehenden Kommunalwahlen. Als der junge Unternehmer mit einem ps-starken Nobelgefährtpanzer vor der Wirtshaustüre und einer kränkelnd aussehenden Gattin neben sich, cool verkündete, dass ihm ein Benzinpreis von fünf Euro total wurscht sei, weil er den dann einfach auf seine Preise draufhaut und dann zahlen es seine Kunden, musste ich mich geistig aus der Wasnerstammkundenrunde ausklinken. Akustisch war es ja nicht möglich, ich beschloss aber ein für alle Mal, mich nicht mehr zu denen zu setzen, »die oiwei da san«. Das Wirtshaus ist aber immer nicht schlecht besucht, da bin ich gespannt, ob sich mein Vorsatz nicht als Windei entpuppt.

Nach genau 18 Minuten (die sehr zuvorkommende, stattliche Bedienung bat um zwanzig Minuten Geduld, weil die Forelle frisch zubereitet würde) steht ein optischer Genuss vor mir. Mustergültig. Kartoffel und flüssige Butter separat. Auf ovalem Fischporzellan nur Petersilie, als Deko und frittiert zum Futtern, zusammen mit einer dicken Zitronenscheibe einschließlich Saftrinne. Die muss ein absoluter Profi auf den Teller gelegt haben. Zusammen mit dem sehr lobenswerten Pils in der tief gesetzten Tulpe mit 0,4er Eichstrich schmeckt mir der Fisch bereits vor dem ersten Bissen. Und nach dem letzten, mit köstlichsten Petersilkartoffelchen und Knackgrün zwischendrin, war ich nur noch begeistert.

Doch es gab auch einen Wermutstropfen. In einer »sechtenen« Wirtschaft schon gleich zweimal nie nicht, ist eine Schoppen ein Viertelliter und nicht Nullkommazwei! Und der Sturkopf von Wirt, nein kein Ungustl, ganz im Gegenteil, lässt sich das von einem Schreiberling erst recht nicht vorschreiben. Wenigstens die Hansi, sein niederbayerisch-barockes Wirtinnenweib, könnte diese »Sauerei« abschaffen! Leider traf ich keinen von den Beiden. Vielleicht waren sie in Urlaub.

Solange er nicht will, will ich auch nicht.

Deshalb der angekratzte Zweier!

Januar 08

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Oberbayern



 

Landhotel
Gut Moierhof
Leonhardistr. 11
85137
Walting
 
Wirt: Familie Wittmann
Koch: Gregor
Service: freundlich und flink

tel:  08426-98780

Ruhetag: keiner

 


Montgolfiere

  direkt an den lieben Gott

Kurz nach Mitternacht hielten ein paar klamme Hände die beiden Heißluftballons mit den kleinen Zettelchen, auf die vorher die gut gelaunten Gäste ihre Sehnsüchte und Wünsche gekritzelt hatten. Bis sich genügend heiße Luft angesammelt hatte, endlich, und die farbenfrohen Montgolfieren (die von den Franzosen, 1783) in den  in den rabenschwarzen Nachthimmel hinaufschweben ließ. Begleitet von zahlreichen bunten Raketen und Böllerschüssen.
Dieses wunderschöne Spiel gab es in unserem Bayernland sicherlich nicht so oft. Es war der absolut geglückte Abschluss eine Silvesterabends, wie man ihn nur bei der Wirtefamilie Wittmann in Walting erleben kann.
(Welche eine schöne Alliteration)

Über das Ambiente des filmreifen Gutshofes Lobeshymnen zu schreiben, hieße Eulen nach Eichstätt zu tragen. Mein gerne gebrauchtes Lieblingslob: Hier schmecken sogar »Bierfilzl natur« ausgezeichnet.

Hoffentlich versteht Küchenchef Gregor Wittmann meine hommage an das Haus nicht falsch - er ist ja außerdem ein erheblicher Teil davon. Deshalb gleich zu ihm: sein jungenhaftes Gepräge blieb uneingeschränkt, doch ist er, sehr erfreulich, menschlich viel reifer geworden. Eine wahre Wohltat.

Sein Bruder Ferdinand, Brennfreak und Bürojunghengst, schmeckt mir von Mahl zu mal besser. Über Schwesterherz Johanna traue ich mich fast nicht zu schreiben. Es genügt, wenn sie ihren Arm auf meine alten Schultern legt. Dann bräuchte ich eigentlich eine Erdung, um die Blitze abzuleiten.

Und da sind ja noch die Senioren. Mein Freundwirt Hans und seine unfolgsame Gattin Ottilie. Wenn das Mädl nicht bald aufpasst, gibt es Ärger mit mir.
Er trägt immer noch keine Uhr und statt dessen sein Herz im Gesicht und überall herum.
Sie versteckt es, das Herz, hinter einem Berg von besten Schleckereien à la Moierhof. Geh' wieder spazieren, dann haben wir dich länger!

Kaum zu glauben, wir haben auch gegessen und getrunken. Nicht getanzt. Weil ich mir mit einer Cola den Greislauf (kein Rechtschreibfehler) zusammengeschmissen hatte. Wie wohl mir die optisch geil aussehende, blonde LangmähnenSängerin und Saxophonistin half, meinen Senilosex nicht zu sehr hochkommen zu lassen. Sie spielte das sonst kiliantötende Instrument viel zu langweilig. Da bin ich Anderes gewöhnt.

Doch Gregor tat's schon richten, und wie:

 


Hummersuppe mit Hummereinlage

 


Ravioli von der Wildente
(Weingut Sepp Moser, Burgenland, Chardonnay Gelbling 2006)

 


Gebratenes Zackenbarschfilet mit jungem Gemüse

 


Rinderfilet an Rotweinjus
mit französischem Wintertrüffel, Schwarzwurzelgemüse, Grießnocken und Flusskrebsen

(Spanien, Baron de Ley, Rioja Reserva 2001)

 


Silvester Dessertvariation

 


2 0 0 8
(Campagner Taitinger)

 


Mitternachtssuppe
(Weißbier)

 

kesselfrische Weißwürst'l
(kein Foto, Kili lag coladermatscht im Bett)

Sollte Ihnen jemals nach wunderschönem, familiären Feiern sein, dann fahren Sie doch nach Walting. In den Moierhof. Aus Gesamtbayern ganz nah, weil im Zentrum des Freistaates (Kipfenberg liegt ums Eck). Meine Devise:


Auf zum WittmannClan. Denn dort fängt fast der Himmel an.

(Nicht von J. W. von Goethe, von mir!)

Jahreswechsel 07/08

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Niederbayern



 

Restaurant
Hartl Schlössl
An der Rottwiese 2
94094 Penning
 
Wirt: A. Hartl ...
Koch: Andreas Fuller
Service: nett und flink

tel:  08532-92660

Ruhetag: keiner

 


Wildessenz

  reinfall an der rott

Traumhafter Herbstsonntag mit Sonne pur. Der Parkplatz am Beckenbauerplatz protzte mit der IAA um die Wette. Karierte Hosen schwirrten über noch kräftiges Grün, gerahmt von bunten Blättern. Nur der steife Ostwind, hundertprozentiger Schönwettergarant an der trägen Rott, störte etwas das Bilderbuch.

Das Schlössl hatte draußen aufgedeckt, denn ein wahrer Golfer kennt keinen Frost.

Mein Weib schon, deshalb saßen wir drinnen. In der Promifotoecke. Alle waren sie schon hier. Verständlich, denn in Griesbach tummeln sich einige wunderschöne Golfplätze um Thermalfürst Hartl mit dem großen Latinum, um ihm ihre Referenz zu erweisen.

Auch wir referenzten seiner bildschönen RottflußGastronomie, die mich allerdings immer wieder mal enttäuscht. Ich erinnere nur an den Gutshof in unmittelbarer Nachbarschaft. In vielen Jahren, in denen ich Nichtputter das Landschaftskleinod zwischen Passau und Pfarrkirchen heimsuchte, war beileibe nicht alles Gold, was glänzte.
Also, ohne erfolgreichen Flight, saßen wir hier und harrten der Speisenkarte. Sehr charmant von drei netten Mädchen umsorgt, brauchten wir nicht lange, um aus dem arg dürftigen Speisenangebot das Passende zu finden. So ganz nebenbei erfuhren wir, dass der ehemalige Souschef Andreas Fuller aufstieg, weil vor einiger Zeit Günter Fromberger und dann auch noch Tobias Tischler ausgestiegen waren.

Wildessenz mit Schwammerlravioli (4,20 €), von der Wildseite der Karte, machte mich sofort an. Und zeigte was der Koch heute drauf hatte. Nichts nämlich! Die hellbraune, klare Brühe war nur pfeffrig, nicht ein Hauch von Wildgeschmack. Die drei fünfmarkstückgroßen Nudelchen hatte er mit geschmacksneutraler, grauer, undefinierbarer Masse gefüllt, damit sie ja nicht die Langeweile der Suppe störte. Rigatoni mit Bolognese mit Asmonte (6,00 €) habe ich schon einmal in den Himmel gehoben. Jetzt musste ich sie verteufeln. Das Kochwasser der Nudeln schöpfte ich, zu hungrig, in eine leere Suppentasse und schickte es in die Küche zurück. Die Pasta selbst war lätschert, fast zerkocht und blieb größtenteils liegen. Al dente kannte Fuller nicht. Das Ragout selbst passte sich der geschmacksneutralen Vorspeise nahtlos an. Auf einen Salat vom Buffet (4,90 €) verzichtete ich in Anbetracht der kulinarischen Tiefstleistungen.

Von der Bewertungsnote fünf hievte der »schwierige« Brotzeitgang meiner Frau den Laden: Rosa gebratenes kaltes Roastbeef mit Bratkartoffeln und Remouladensoße (10,00 €). Da weiß man, was man hat, für sein Geld. Sehr wenig gutes Fleisch, eine köstliche Soße (wundervoll, auch so geschrieben) und separat gereichte, gute Bratkartoffel.

Ich  hatte es geahnt, der nicht verzehrte Salat stand doch glatt auf der Rechnung. Eine Absichtserklärung genügte also. Hätte ich heute bei meinen anderen Gerichten besser auch »absichten« sollen?

Kein weiterer Kommentar.

Getränke:
Grüner Veltliner 0,25 l 4,00 € • 1/8 l 2,10 €*
Pinot grigio 0,25 l 5,80 € • 1/8 l 3,00 €*
Apfelschorle 0,4 l 2,80 €

* der Betrieb verstößt gegen geltende Gesetze: 1/8 l sind in Bayern nicht zulässig, nur 0,1 und 0,2 l und 0,4 und 0,5l usw.!  
Oktober 07

Nachschlag:
Ich befürchte, dass der hier kritisierte Koch ein unguter Zeitgenosse ist oder ungute Freunde hat: auf der Plattform »restaurant-kritik.de« polemisiert ein Pfannenrücker, vermutlich aus beschriebenem Raum, in anonymen eMails auf das Übelste gegen mich, bezeichnete mich sogar als Lügner.  Ich bezeichne ihn als Deppen.
August 08

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Oberbayern



 

Gasthof
zum Maurerwirt
Scheyrer Str. 3
85293 Langwaid
 
Wirt: Georg Grimm
Koch: der Wirt
Service:
Kristian

tel:  08137-809066

Ruhetag: Montag + Dienstag + Werktagmittag

 


Rindsfilet

  ja mei,  die familie

Ich hatte ihnen die Zunge so richtig wässrig gemacht, meiner Frau und meinem Sohn. Soll man ja eigentlich nicht machen. Ja mei, war halt ein Fehler.

Da saßen wir an einem Sonntagabend an Tisch zwei und waren einhellig der Meinung, das dies ein sehr hübsches Restaurant sei. Meiner Frau hatte es vor allen Dingen die helle Stimmung angetan. Die Vorhänge usw. Doch die erste Kritik ließ nicht lange auf sich warten: die Auswahl sei doch recht übersichtlich.
Sie wollten mir nicht meine Euphorie gleich zu Beginn des Mahls dämpfen, vermutete ich.

Dem folgte auf dem Fuß die erhoffte Begeisterung über das amuse bouche.

Doch schnell kam ein Dämpfer über das Bisschen Wein im Glas für 3,20 €. Das sei nun doch recht viel für nicht gerade sensationelle Tropfen und so wenig Rebensaft. Leider musste ich zustimmen, denn hochgerechnet kostet hier der Schoppen Pinot Grigio etwa 13 Mark.

Bernd stieß ins gleiche Horn bei seinem Feldsalat mit reschem Speck und Croutons (6,00 €). Für dieses Geld möchte er kleinste Röschen, wie er es vom Schuhbeck kennt, mit nussigem Geschmack und nicht gehäckseltes Grünzeug. »Mit gutem Dressing, feinsüß, doch das möcht' aber auch sein«, war sein berechtigter Kommentar.

Karin begeisterte sich an den originell benamten Gitarrenspaghetti mit Scampi in eigener Bisque (12,00 €). Das schöne Wort steht für hausgemachte Nudeln in spaghettiähnlicher Gestalt, nur mit viereckigem Querschnitt, nicht rund. Allerdings gibt es sie auch fertig! Nun gehe ich einmal davon aus, dass Grimm sie durch die »Harfe« walzte und nicht bei Hierl kaufte … Die Bisque, im Langwaider Dialekt »Krevettensuppe«, wird mit aufwendigen, teueren Zutaten gekocht und dient dann quasi als extrem schmackhafte Soße der Nudeln. Preis gerechtfertigt? Wermutstropfen: Soße nicht besser, als bei einem guten Italiener.

Bernds und mein Hauptgang hieß Rinderfilet auf Madeira-Soße mit Marktgemüse und Bratkartoffeltürmchen (21,00 €). Wir wollten es beide medium. Das optisch putzige Türmchen mit seiner Paprikaaromatisierung der Kartoffelscheiben konnte es mir natürlich nicht recht machen. Mit Wehmut dachte ich an B. Weinharts Bratkartoffelgugelhupf droben an der A9, der seine ganz besondere Note durch allerbeste Kartoffel bekommt, um die sich der Wirt-Koch akribisch bemüht.
Und bitte, was ist das Gegenteil von Marktgemüse? Dosenware? Wohl nicht. Also, was soll die ausgelutschte Formulierung?
Nun zum wertvollen Fleisch, groß, ja, aber zu durch und meines zu deutlich gesalzen. Richtig saftig war es nicht, denn dann wäre etwas deutlicher Fleischsaft ausgetreten. Noch etwas: Filets, die wir uns beim Fuchs in Reichertshausen holen, schmeckten deutlicher »fleischig«.

Jetzt folgt eine größere Phase Langwaid-Abstinenz, da wir …
erstens: einstimmig beschlossen, Mikes geschmacklich meist ebenbürtige GaumenKüche im, total anders gestrickten, »Othello« zu genießen, so lange er noch dort kocht (2008 geht er zu Schuhbeck) …
zweitens: abwarten, ob Grimm monierte Ausschankverstöße abstellt* …
und drittens: über die satten Getränkepreise beim offenen Wein, und überhaupt, nicht hinwegkommen …

Um den Maurerwirt nicht falsch zu beschuldigen: wir können uns ihn nicht oft leisten! Schade.

Was habe ich aus alledem gelernt?
Der Volksmund hat recht: Der erste Kuss schmeckt meist am besten …

* der Betrieb verstößt gegen geltende Gesetze: nicht vom Gast kontrollierbare Maße sind in Bayern nicht zulässig.

*Nachschlag: bis heute, 21.10.07, keine Antwort des Wirts auf den Vorwurf. Ich habe ihn darum per eMail gebeten!
September 07

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Oberbayern

Restaurant
Kloster Stub'n
im Klosterarreal!
Schyrenplatz 1
85298 Scheyern
 
Wirt: Familie Vogt
Koch: der Wirt
Service: restlos überfordert

tel:  08441-2789-0

Ruhetag: keiner

  tiefstpunkt

Vielleicht war dies der letzte richtig warme Sonntagmittag im Jahr 2007. Die Wetterfrösche machten uns die ganze Woche schon heiß auf diese Stunden. Wirt Vogt hat dies nicht mitgekriegt, denn sein mir weitgehend unbekanntes Personal bot Traumhaftes, Albtraumhaftes.

Ich hatte um 11 Uhr 15 für 12 Uhr 30 reserviert. An der Hauswand. Als wir pünktlichst kamen, war nicht ein Stuhl mehr an den gedeckten, den bedienten Tischen frei. Unsere reservierten schon. Der hl. Benediktus grinste vom tiefblauen Himmel durch welke Kastanienblätter.

Um 12 Uhr 35 hatten wir die Getränke geordert. Um 12 Uhr 45 stellte Servicedame Gabi dieselbigen (Radler 2,80 €!!) auf den Tisch und haute (ja wirklich) uns um die Ohren, dass wir 45 Minuten auf das Essen zu warten haben. Hätte sie das vor der Bestellung gesagt wären wir aber sofort abgehauen.

Um 13 Uhr 15 flüsterte sie meinem Sohn ins Ohr, dass seine bestellte Perlhuhnbrust davongeflogen sei. Er stieg murrend auf ein sauteures Trägler-Schweineschnitzel mit Kartoffelsalat (7,50 €) um.

Um 13 Uhr 35 kam mein Träglerschweinsbraten mit Knödel und Krautsalat (9,50). Der Krautsalat war grässlich, die Knödel winzig und das Fleisch, zusammen mit der Soße, eine ungenießbare Katastrophe. Das Einzige was ich auf der Zunge zergehen lassen konnte, war der Preis. Ich aß nur die trockenen Bonsai-Knödel. Schweinezüchter Trägler aus Eschelbach scheint nur mehr miserables Borstenvieh zu züchten – oder war es, hoffentlich, gar kein »Trägler«?

Fünf Minuten später bekam meine Frau eine sehr gute Forelle mit mittelmäßigen Kartoffeln (9,90 €). Eine spezielle Klein-Forellenausgabe, dafür aber ein großer Preis.

Weitere fünf Minuten und Bernd saß vor seinem Luxus-Schnitzel. Es war in Butterschmalz gebraten und saftig. Der Kartoffelsalat, angeblich selbst gemacht, übertrifft  meine kühnsten Erwartungen, aber nach unten. Ich musste die Versuchsgabelteilchen ausspucken! Gabi motzte, als wir uns über die am Teller zurückgelassene Sauerei beschwerten.

Um 14 Uhr 05 hatten wir gezahlt (36,70 €). Fälschlich standen auch noch Getränke auf der Rechnung, die wir gar nicht hatten und abgezogen werden mussten. Wir waren hungrig einer Meinung, dass wir nie mehr wieder an einem warmen Sonntagmittag zu Herrn Vogt kommen. Oder überhaupt so schnell nicht wieder kommen. Bei seinen inzwischen abgehobenen Preisen nebst Achterbahnqualität (siehe auch >>>).

 
Der Sonntagmorgen in der Basilika ist eine hervorragende Alternative, das nur nebenbei.

Der hl. Benediktus, dieser große Vorreiter christlicher Gastlichkeit, hatte sich in die Zelle von Scheyerns Cellerar Pater Lukas Wirth (er ist für diese weltliche Aktivität des Klosters zuständig) verkrochen und weinte dort bitterlich.
September 07

Via eMail bat ich Pater Lukas diesen Beitrag zu lesen, um eine ungute Entwicklung unchristlicher Momente in der Peripherie seines zu Recht brauereistolzen Klosters abzuwenden.
September 07

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Niederbayern



 

Restaurant
Forum
im Marc Aurel
Heiligenstädter Str. 36
93333 Bad Gögging
 
Wirt: AG
Koch: Lars Altmann
Service: flott, freundlich

tel:  09445-948-0

Ruhetag: keiner



Pute

  feldherr mit macken

Der Klimawandel hatte frisch zugeschlagen, nur diesmal in die falsche Richtung. Über das geile 50-Meterbecken blies der Nordische so böse, als stünde Knecht Ruprecht bei der charmanten Melanie an der Rezeption. Kein Liegestuhl, kein Sonnenschirm, kein Sonnestrahl schönte Anfang September die Aura des Marc Aurel.

Nach einem rundum enttäuschenden Halbpensionsbuffet am Vorabend wollte ich am Mittag mit einem weiteren Test die Küche des jung verheirateten Lars Altmann ausprobieren. Aus dem Menü für Tagungsgäste musste ich mich leider bedienen, nix à la carte. Also drei Gänge für 26 €. Ich weiß, so darf ich das nicht sehen. Doch, ich darf: Restaurantleiter Rid hat mich ausgetrickst. Sonst hätte er mir bei meinem Verzehr 26 € gutschreiben müssen. Dabei hatte ich ihm nichts getan. Noch nicht.

Der Vorspeisenzwang Tomatencremsuppe in weißer Tasse mit etwas zerlaufener Sahne schmeckte, ohne dass sie zweifelsfrei als »frisch« überzeugen konnte. Im Brotkörbchen verloren sich fünf Baguettescheibchen. So etwas verärgert mich mehr in einem Viersternesuperior, als eine gut abgeschmeckte Suppe mit Convenienceeimerahnen.

Dann folgten vier Hauptgerichte zur Wahl, von vegetarischen Kartoffeltaschen, von einem Fischallerlei bis zu Strauß ohne CSU. Ich nahm Putenschnitzel in Käse-Eihülle auf Tomatenragout, dazu Broccoliröschen und Kräuterspaghetti. Eine Panierform, die nahezu immer misslingt.
Anstandslos durfte ich auf das grüne Gemüse verzichten und bekam dafür reichlich dilligen Gurkensalat. Dem aber der elegante Kick Süße fehlte. Nur Säure alleine bekommt keinem Grünfutter. Ich half hilflos mit Balsamico. Unter Kräuter, Mehrzahl, verstand der Koch Petersilie, das war's dann. Rangiert bei mir unter »Küchenlust gleich Küchenfrust«! Das rote Ragout überraschte, die öde Panade musste ich herunterkratzen, damit sie mir den schwachen Fleischgeschmack nicht auch noch zertrat. »Was war daran nicht in Ordnung« wollte Chefanzug Rid, gelernt freundlich, heftig jovialisierend, wissen (offensichtlich beflügelt Langstreckenschwimmen meine schriftstellerische Ader). »Das Ei wird's ja wohl nicht gewesen sein, ein langweiliger Billigkäse ist da schon erfolgreicher im Geschmackverhunzen« hieß sinngemäß meine Erwiderung. Rid wollte es an die Küche weitergeben. Fragt sich nur wie und mit welchem Erfolg …

Obstsalat mit Marsalasabayone und Fruchteis stimmte mich Zuckerschlecker natürlich wieder positiv. Bestechlich auch noch! Mitnichten, siehe das anschließende Kapitel! -->

Ein Test in der teueren Edelspeise Domus am Abend war mir gründlich vergangen. Vielleicht ein Mahl, wenn die Sonne dem philosophischen Kaiser ein freundliches Mäntelchen umhängt und man auf der Terrasse dinieren kann. Denn da bin ich noch viel bestechlicher. Und das braucht der Kaiser.
September 07

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Bayern


Hotel
Marc Aurel
Heiligenstädter Str. 36
93333 Bad Gögging

 


Hotel
Parkhotel
Am Kurwald 10
94086 Bad Griesbach-Therme

  fett- bett- wettschwimmen

Ein etwas anderer Boxkampf

Im Ring: Marc Aurel (****s) in Bad Gögging, jung und
Parkhotel (****s) in Bad Griesbach-Therme, alt (Reihenfolge alphabetisch).

Es gibt für die einzelnen Bereiche Kurzbeschreibungen und Punkte von 1 bis 10 (max.), für den schnellen Überblick.

Ankunft
MA: Die Vorfahrt ist langweilig, einfallslos, nur funktionell. Es sind üppig Parkplätze im Nahbereich vorhanden. Das Marc Aurel verfügt über eine Tiefgarage mit ausreichend breiten Stellplätzen. --> 2
PH: Die Vorfahrt ist einladend, der große Brunnen ist vorzüglich integriert. Die Gartenmöblierung für Kuchen und das Buffetessen an warmen Abenden gewinnt um Längen. Es gibt allerdings nur eine Tiefgarage, die Stellplätze sind viel zu schmal. Die Entladestelle in der TG (die Vorfahrt um den Brunnen ist zeitlich stark eingeschränkt) braucht ein Facelifting. --> 5

Empfangsbereich
MA: Man klotzt fast schwülstig. Zu viel Römertouch wirkt auf mich wie Bühnekulisse, nicht unbedingt wie gediegen. In dieser Halle möchte ich nicht länger sitzen. Niemand sitzt. Es fehlt jedwede wohnzimmrige Note. Das Empfangspersonal ist höflich. --> 3
PH: Es ist kuscheliger hier. Dem Mobiliar sieht man seine Qualität an. Die Obstetagere zum Beispiel wirkt, wenngleich das angebotene Obst besser sein müsste. Der Empfang ist beinahe herzlich. --> 5
Zwischenstand: PH 10 vor MA 5 Punkte

Bar
MA: Groß, düster. Direkte Zugänge von der Halle. Den Klassiker Pina Colada (7,90 €) mixt der Barmann (sind Barfrauen ausgestorben?) offensichtlich mit geschmacksneutralem Rum, denn der war beim besten Willen nicht zu schmecken.
Zweiter Anlauf, wieder ohne braunem Rum! Erklärt mir der Barmann, dass es Sinn eines Cocktails sei, dass man den Alkohol nicht schmecken darf. Also Suff ohne Geschmack. Der größte Blödsinn, den ich je gehört habe. Bei der dritten Auflage verlangte ich die Pina Colada, wie sie in der Barkarte steht. Sie schmeckte jetzt nach Rum. Köstlich. Der Quatsch dieses Edelpanschers reduziert die Wertung auf einen Punkt. Die Happy Hour nach Mitternacht ist viel zu teuer (jeder Cocktail 6 €). --> 1
PH:  Die in die Empfangshalle überganslos integrierte Bar macht nicht wirklich an. Doch früher Helmut, dann Svoboda und nun Hans können es mit ihren Gästen. Einen Schwachsinn wie der römische Smartie haben die noch nie verzapft – dafür besser geshaket. Die Preise der Happy Hour sind zu hoch. Die Idee »Tagescocktail« zum Fixpreis ist ansprechend. Der Pianist sollte manchmal mehr variieren. --> 3
Zwischenstand: PH 13 vor MA 6 Punkte

Der Weg zum Zimmer
MA: Das Haus ist ungewöhnlich abgewohnt, man merkt es bei genauem Hinsehen. Der spärliche Bilderschmuck an den Wänden ist lieb- und einfallslos. Da helfen auch keine schwülstigen Zimmertüren. --> 2
PH: Das rund dreißigjährige Hotel wurde mit hellen Farben freundlich renoviert. Die Ausstattung wirkt insgesamt persönlicher. Die Bilder sind ansprechend. Alles ist luftiger, heller. Pflanzen. --> 6
Zwischenstand: PH 19 vor MA 8 Punkte

Zimmer
MA: Zimmer 337 liegt im 3. Stock mit großem Balkon und Blick auf Bad und Golf. Der Raum ist groß. Eine Garderobe fehlt. Das Mobiliar ist abgestoßen. Die Matratzen sind zu weich. Die Steckdosenlogistik ist nicht gerade glücklich. --> 5
PH: Zimmer, 330 zum Rottal, ist sehr groß, ebenso der Balkon. Der Blick ist sehr schön. Die Matratzen sind sehr gut. --> 8
Zwischenstand: PH 27 vor MA 13 Punkte

Bäder
MA: Das Badezimmer ist groß, warmtonig gefliest. Der Rasierspeigel ist nicht beleuchtet. Nur Dusche. --> 9
PH: Das Bad ist viel zu klein und weiß, also kalt, gefliest. Unschöner Blick unter den Waschtisch. --> 1
Zwischenstand: PH 28 vor MA 22 Punkte

Bäderwelt innen
MA: Der Innenpool, nicht wohlig warm, ist mit Folie ausgekleidet, die stellenweise Falten wirft. Er ist umgeben von hundert Liegestühlen und extrem schwülstiger, kulissiger Römer-Malerei. Ein Whirlpool fehlt. Alle Becken sind Folienbecken! --> 1
Die weiteren nassen und trockenen Angebote, wie Hamam, Sauna mit Fenster, allerdings nur eine Kabine, Ruheräume sind ansprechend. Leider mit Zahn der Zeit, wie eine zerbrochene Schale, oder arg schmutzfleckige Videowand in der Decke des ungewöhnlichen, dunklen Liquid-Sound-Becken mit seinen zu leisen (die Überlaufrinnengeräusche dominieren unangenehm), leider qualitativ schwachen, Unterwasserklängen. Die gezeigten Meditationsfilme sind tlw. unterste Schublade, das projizierte Farbgeblubber stößt eher ab, manche Nudel ist kaputt. --> 7
PH: Eine riesige Glaspyramide über dem gefliesten, wunderbar warmen Innenpool mit Wildbach, Schwanenhals und Schwall punktet unschlagbar – 10 –, macht das Manko der zwar hygienisch tadellosen, dafür aber hässlichen Dampfgrotte locker wett. Ein Tauchbecken im Fußboden und zwei unterschiedlich heiße Saunen gewinnen zwar, kommen aber natürlich nicht ans Marc Aurel-Angebot an Reichhaltigkeit heran. Sehr schöner Außenwhirlpool, deppert eingefasster Innenwhirlpool. Interessant sandige »Sahara«, hilflos platzierte Infrarotkabine. --> 5
Zwischenstand: PH 43 vor MA 30 Punkte

Aussenbecken
MA: 50 Meter lang! Das war es dann aber auch. Wieder Folie. Ungepflegte Rahmenbepflasterungen, keine Gartengestaltung. Potthässlich Fensterfront der Hausseite. Architektonisches Armutszeugnis. --> 2
PH: Sehr schöne, terrassierte Gartenanlage. Hässlich leider die »Parkgarage« der Rollenabdeckung des Pools. Zu wenig Liegen. --> 6
Zwischenstand: PH 49 vor MA 32 Punkte

Kulinarik
MA: Hauptrestaurant Forum für Frühstück, für mittags und die HP am Abend. Die nahezu erdrückende Römerausstattung eher hilflos.
Das Frühstück ist für ein Haus dieses Anspruchs einfallslos. Um sieben Uhr morgens schmecken die Brezen bereits altbacken, sind nirgendwo knackig. Die Croissants halten locker mit.
Das HP-Buffet bestach ungut mit eher laukalt als lauwarm, denn gar heiß. Einiges schmeckte massiv fertig, die Biersauce und die Knödel als Beispiel. Was an der Reispfanne asiatisch war, konnte ich nicht erschmecken. Gut war wirklich nur die Kräutersoße. Armselig das Käse- und Dessertangebot.
-->
1
PH: Alleine das Frühstück im Wintergarten oder Innenhof (leider amateurhaft beschattet) mit seinem zwar immer wiederkehrenden, aber artenreichen Angebot, verdient eine hohe Punktezahl. Leider ist der stereotype Morgenservice recht gewöhnungsbedürftig. Die HP am Abend zehrt auch manchmal vom geglückten Ambiente, wenn die Küche schwächelt. --> 7
Zwischenstand: PH 56 vor MA 33 Punkte

À la carte
MA: Domus heißt Haus, Heim. Heimelig ist das Flaggschiff des Hauses wirklich nicht. Aber es wirkt edel. Die Preise, mit besten Produkten, sind mir trotzdem zu hoch: um und über 20 €, das Angebot zeugt nicht von Einfallsreichtum. Zu teuer für einen Ort, der außer dem Abensuferstreifen wenig zu bieten hat. --> 3
PH: Classico nennt sich Küchenchef Christian Hennerbichlers Nobelrestaurant, das mir immer vorkommt, wie ein begehbarer Flügel, in dem es etwas zu Essen gibt. Mitunter kocht er, ebenfalls sehr teuer, nahezu in Sterneregionen, dann aber wieder »nur« gehoben gediegen. --> 3

Für mich hat das Architektenhändchen dieses Hotels bestenfalls die Römer aus Asterix-Heften gekannt. Ich sehe in ihm ein negatives Musterbeispiel, so zu tun, als ob. Kein Problem, denn Golfer haben nur ihre grünen Löcher im Kopf und die Tager warten auf die barabendliche Balz um ihre drei weiblichen Mitdenker, die hier eher wackelig auf sonst nie getragenen High Heels herumstochern. Die knappe Bluse wird's schon richten.
Eine Golflady im Parkhotel trug sogar Christian Louboutin, kommt aber nicht in die Wertung. Das ginge zu weit.


End-Stand: Parkhotel  59 Punkte vor Marc Aurel  36 Punkte

Fazit
Das Parkhotel siegt, zu Recht für mich, um Längen. Auch gerade deshalb, weil es ein wetterfestes Haus ist, das selbst aus übelstem Novemberschmuddelregen schöne Urlaubstage zaubert. In Bad Göggings Edelherberge
(mit für mich unverständlicher Feinschmecker-Dauer-Gunst – wann war wohl der letzt Tester ohne Sonnenbrille hier?) könnte ich es mit Sommersonne ein paar Tage aushalten. Bei Regen würde ich abhauen, so schnell die Füße nach Bad Griesbach tragen.

September 07

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Südtirol



 

Gasthaus
zur Rose
Endergasse 2
I-39040 Kurtatsch
 
Wirt: Arno Baldo
Koch: der Wirt
Service: Doris

tel:  0039-0471-880116

Ruhetag: Sonntag + Montag


Gröstl

  da geht die post ab

Arno Balder ist meilenweit von einem Briefträger entfernt, arbeitet aber in einer Poststation.

Doris, Lebensgefährtin von Arno, ist nicht die Christl von der Post, arbeitet aber in einer Poststation.

Die Poststation steht in Kurtatsch, ist total unauffällig und unglaublich schön.

In der Poststation gibt es keine Päckchen, dafür ein Menü der Extraklasse:

   Brust und Keule von der Wachtel auf Bohnen Venere Reis
   Caserecci mit Käsefonduta und Basilikumtomaten
   Herrengröstl mit Speckkrautsalat
   Tiramisu von Waldfrüchten und Vanilleeis

Mit 39 Euro für die vier Gänge gibt es nun wirklich keinen unguten Nachgeschmack. Selbst ein Verdauungsschnaps wäre eine Beleidigung des engagierten Küchenchefs, der sich kontinuierlich in der Gunst seiner Gäste nach oben kocht. Es müssen Stammgäste sein, den zufällige Passanten würden hinter der arg patinierten, mausgrauen Fassade vielleicht eine vergammelte Poststation vermuten, aber nicht geschmackvolle Zimmer zu genussvollem Speisen.

An meinem Tisch saß Arnos nachbarliche Konkurrenz, Gert Pomella, mit unverzeihlichen zwei Stunden Verspätung. Sein Kniefall cora publica milderte etwas meinen Zorn, doch die Hauptwiedergutmachung lastete zunächst schwer auf den unschuldigen Schultern des Kochs.

Es fiel mir gar nicht leicht, auf das Menü zu verzichten, und Uriges zu bestellen, das mir beim Beurteilen mehr Sicherheit gibt. Und ich wollte den Beiden mit Ihren einheimischen!!! Bedienungen, zwei Mädels von der Weinstraße, unbedingt gerecht werden. Auch ein Milla durfte nicht dazwischen funken. Nein, wirklich nicht. Der ruderte zwar besser als ein WM-Achter im Teich der Entschuldigungen, aber ich glaubte ihm kein Wort, bewunderte eher sein schauspielerisches Talent und seinen ausgezeichneten Wein aus dem Jahre 2003, den er mitgebracht hatte. Sein Merlot-Cabernet ging unfreiwillig durch die ganze Temperaturbreite von 23 bis 18 Grad, ließ sich aber nirgendwo aus der Ruhe bringen. Das reizvolle Tannin wechselte die Farbe, wie andere ihre Leidenschaften. Man möchte es nicht glauben: Wie der Herr, so's Gscherr …

Mit einer Kartoffelkremesuppe mit Steinpilze, Kürbiskernöl und Rotweinzwiebel (6,50 €) begann ich meine Neugier nebst kleinem Hunger zu befriedigen. Was sogleich leicht misslang. Auch Balder schaffte die Kreme nicht ohne Haut, sparte mit den zur Zeit massenhaft auftretenden Waldkönigen und hatte die Zwiebel vergessen? Ich spürte das Gemüse jedenfalls nicht, das Öl schon, das aber nun wirklich keine Offenbarung der Kochzutaten darstellt. Die herzerfrischende Maria aus Kaltern schaute enttäuscht, weil ich nicht aufgegessen hatte, wo ich ihr doch über das amuse gueule, eine Gulaschsuppe, einen sooo gescheiten Vortrag gehalten hatte. Ich SeniloPfau!
Am Herrengröstl mit Speckkrautsalat (aus dem Menü, sonst 18,00 €, ja da zuckst!)) hätte ich die pommesförmigen Kalbfleischstücke gerne zarter gehabt, so zart, wie Iris bediente. Aber köstliche Bratkartoffel fegten die Kritik vom Teller. Arnos separat gereichter Krautsalat konnte sich sehen lassen. Quatsch: schmecken lassen. Vielleicht ein Hauch Süße?
Ich habe nicht mehr alle Tassen im Schrank …
Mit dem Dessert aus dem Menü (separat 8,50 €) knallte mich das Ex-Poststationenteam dann aber abschließend an die Wand. Rosenmuskateller, Blattschuss, Tiramisú, Halleluja!

Danke an Euch für den schönen Abend.
Was die Leute bloß immer gegen die Post haben?

Manfred Pomella, der Hausherr vom kohlrabenschwarzen Adler war noch wach, während meine weinige Jungspundbegleitung Gert Pomella, schlaftablettig offensichtlich von neidtreibenden Amouren, flugs in die Federn zog.
So ratschten wir zwei Dackel bei Forsts kühlem, hopfigherben Pils im bauchigen Rotweinglas nebst beleuchtetem, leider stummen Kirchturm bis um Zwei. Wie gut, dass wir nicht zu fünft gewesen sind!
August 07

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Südtirol



 

Jausenstation
St. Hippolyt
 
St. Hippolyt 13
I-39010
Tisens
 
Wirt: Familie Kofler
Koch: Wirtin Manuela + Mama Burgl
Service: Wirt Karl und die Buben
www.jausenstation.com

tel:  0039-0473-920557

Ruhetag: keiner


Hirtenmaccaroni

  oh heiliger hippolyt

Karl Kofler kennt das Leben. Den Mann am großen Zeh des berühmten Heiligen kann nichts erschüttern. Kein Blitz, der in die meilenweit schon sichtbare Kapelle fetzt, keine verschwitzte, dünne Bluse, die am prallen Geweih der mittelalten Wanderin pappt, die aus Völlan heraufgekommen ist und die Hälfte der ausgezeichneten, knofeligen Hirtenmaccaroni (Fleischragú mit Pilzen) (6,00 €) stehen lässt, weil sie Angst hat, die Rundungen könnten auch auf ihren Hüften auftauchen. Nicht einmal der quamperte Filmtyp (meine Wuchtigkeit), der röchelnd die paar Meter vom Wandererparkplatz an der Gampenpasstraße in der sensationellen Zeit von dreißig Minuten herauf gestolpert ist und mit der gerade beschriebenen Blondine um die Wette tropft, kann ihn, die Wirtsikione am keltenschwangeren Thingplatz aus der Ruhe bringen. Dafür bringt er dem drahtigen Wanderersenior an unserem windundwetter-gegerbten Tisch ein Naturschnitzel (vom Schwein) mit Bratkartoffeln (8,50 €), das für die anschließende Besteigung der Aussichtskanzel Laugenspitze reicht. Will einer gar den Ortler, Koflers Kaiserschmarrn (6,50 €) wird's schon richten. Nach dem eindeutigen Motto: gut, mehr, Kofler!

Dann folgt auf den blank gegangenen Felsenrücken stundenlanges Tiefblicken nach Meran und ins Etschtal. Wer über entsprechende Sensoren verfügt, spürt die eigenartigen Kräfte, die von diesem Platz ausströmen. Der versteht, warum die Kerle im Pelzgewand, keulenbewehrt, in grauer Vorzeit hier heroben herumhingen, tagten, tranken und wohnten. Leider nicht beim Kofler, den gab es da noch nicht. Beinahe wären sie ausgestorben, ohne ihn, die Kelten in der Kälten auf dem Felsmuggl. Der Kofler kennt auch Schnee, echten, wenn es über den Rücken pfeift zur Weihnachtszeit.

Zurück zur Sonne, zur Wärme, zur Nachspeise in flüssiger Form. Wieso ist die inzwischen getrocknete Bluse eigentlich alleine da? Schicksal …

Schluss mit der Schreiberei. Sie verstehen, es tobt ganz magisch in mir, ich versuche jetzt mein gerade beim Schüler des Irenäus, dem heiligen Hippolyt herbeigeflehte Glück mit Anwanzen …
August 07

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Südtirol



 

Restaurant
Schwarz-Adler
Schweiggl Platz 1
I-39040 Kurtatsch
 
Wirt: Familie Pomella
Koch: Claudio Marcomin
Service: flott

tel:  0039-0471-880600

Ruhetag: Dienstag

 


Fotos von meinem Spezl Pauli Sessner

  milla und ein grill

Kurtatsch liegt am südlichen Ende von Südtirol, da, wo es langsam ans eingemachte Italienisch geht. Wo sie in der Kirche gerade das »Vater unser« begonnen haben und die Meraner bereits »Amen« beten. Sagen die Meraner. Doch man sollte sich keinesfalls durch diese Bedächtigkeit täuschen lassen. Sehen Sie es eher als charmante Wehr gegen das wieselflinke Italienisch, das in ein paar Kilometern staatstragend wird.

Der Kalterer See und der gar nicht mehr weite Gardasee dienen als Blitzableiter gegen Massentourismus und bewahren dem Nachbarort Tramin (Hochburg des modischen Gewürztraminers) und Kurtatsch beschauliche Gemütlichkeit. Platzhirsch im Dorf ist, fast an die Kirche geduckt, der Schwarz-Adler, der sich alleine durch seine eigenwillige Namensgebung gegenüber den zahllosen schwarzen Adlern im Lande interessant macht.

Imposantes Abendläuten vom malerisch beleuchteten, spitzen Kirchturm. Es treibt fast gebieterisch zum Schmausen in den uralten Gasthof, den recht geschickte Architektenhändchen wohltuend modernisiert und restauriert haben. An einigen Stellen sogar recht spektakulär, wie beim Bodenfenster vorm eisernen Kachelofen der Neuzeit, durch das man geblickt haben muss, um einen Schnellkurs über die Mentalität der Wirtefamilie Pomella zu erhalten.

Gert und Manfred, Brüder, alphabetisch gelistet, schmeißen den Adler und Milla. Milla ist die zugelaufene Katze von Viktoria, ein äußerst aufgewecktes Blondbengelchen von Sonja und Manfred. Ihr Bruder Hans-Peter, älter, spielt eines Tage bei Inter und lernt demnächst Reinhold Messners Klimmzüge an Zimmertüren. Milla heißt auch das renommierte Weingut von Gert, ExWirt des landauf und -ab bekannten »Walther's« am Waltherplatz in Bozen. Er sieht sich seit einigen Jährchen als Rotweinmacher der Sonderklasse. Ein paar Schlagworte seiner Rebenphilosophie: Merlot und Cabernet; naturnaher Weinberg mit Wildkraut; logisch tief wurzelnde Rebstöcke; handgestreichelte Trauben wandern in französische Eichen-Barriques; Edellinie, aber auch volksnahe Genießertropfen; was ist Weißwein? Gert hat die recht unterschiedlichen Traditionsweinparzellen seines Vaters total umgemodelt – nicht schmerzfrei für den Senior – und glaubt nun an den Winzer in seiner Brust, der keinen Kellermeister braucht. Die Brust braucht dafür aber noch ein pfundiges Weibsbild. Handgemalt, sage ich. Mädels, auf nach Kurtatsch!

Manfred kümmert sich mit seiner Frau also um das schnuckelig edle Turm- Hotel und das zum Imperium gehörende, dorfpralle Restaurant auf der anderen Seite der Kirchgasse. Dort begeistern mich softe Farben, kantige Formen und interessante Gäste. Schwerpunkt der erfreulich klein gehaltenen Karte sind Grillgerichte, untermalt von spektakulär lodernden Flammen zwischen Theke und Salatbar.
Ich versuchte eine Portion Spaghetti nach Bologneser Art (7,50 €) in Vorspeisenausführung. Der Preis  verschreckte, die Qualität versöhnte, wiewohl das Tüpfelchen auf dem »i« fehlte. (Gedeck 1,00 € für Brot und Wasabimandeln)
Pauli, mein pfundiger Spezl aus früheren BR-Zeiten, erfolgreicher Foto-methusalem aus Dachau mit Zweitdomizil beim Pomella-Clan – so klein ist die Welt –, verdrückte mit Begeisterung die Normalausführung (9,50 €, da zuckst!), wenigstens eine satte Portion ohne Kochwasser und mit exakt gegarten Nudeln.
Von den Grillgerichten gab ich mir die Härte: Spanferkelkotelett in feiner (was sonst, doch nicht in unfeiner) Kräutermarinade (17,50 €). Gert protestierte heftig. Ich ließ mich nicht abbringen. »Gutes Schweinefleisch, eine Seltenheit heutzutage« dachte er so laut, dass sogar ich es verstanden hatte. Irrtum, die drei großen, dicken Koteletts waren nussig, saftig, gut. Punktum. Enttäuschende Kreme in der Folienkartoffel, weil ohne Frische-Gusto, Leichtigkeit und Geschmacksstärke. Das gegrillte Gemüse passte hingegen beinahe, ihm fehlte etwas die pfiffige Produktwahl.

Pauli brauchte zum Abschluss noch: Kleiner Kaiserschmarrn mit Vanilleeis (4,50 €). Ich hängte mich an seine Erfahrung im Schwarz-Adler und wurde nicht enttäuscht, obwohl der Meister an den Pfannen vielleicht eine der reschen Bedienungen abbusselte, während die Mehlspeise auf der Flamme üppig Farbe nahm.

So ein Schmarrn!

Jetzt zum Fazit ohne denselbigen: das perfekt geglückte Ambiente macht vieles wett, und wenn das nicht reicht, gibt es ja noch Milla! In dunkler, klassisch schlanker Flasche, tiefrot wie der Mund des langmähnigen, kerleumringten, slowakischen Rennpferdes am Nachbartisch, brombeerfruchtig und sinnlich, beherzt tanninig, Krallen auf dem Rücken …
Kann es sein, dass ich zu viel von Pomellas edler Junggesellenleidenschaft getrunken habe?
Mensch Pauli, pass' gefälligst besser auf mich auf!
August 07

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Südtirol



Garten

 
Restaurant + Keller + Biergarten
Ruster
St. Kassianweg 1
I-39022 Algund
 
Wirt: Goerg Reinthaler
Koch: Franz Nagler??
Service: wenig Einheimisches?

tel:  0039-0473-220202

Ruhetag: keiner im Sommer

 


Forelle vom Grill

  viel holz im garten

Nein, nicht bei den Bedienungen, die zu einem großen Teil offensichtlich aus östlichen Gefielden stammen, sondern zwischen Oleander, Palmen und Plätscherbrunnen. Der fliegende Perfektionist hat seinen Freisitz neben dem Haus so anheimelnd und sauber hergerichtet und mit großzügigen Salettln versehen, dass selbst ein blitzend und donnerndes Regenungeheuer an den Südhängen der Texelberge den Frischluftfreaks unter den Rustergästen keinen feuchten Schaden zufügen kann. Da fehlen nicht einmal Stoffservietten in Ton und Muster zu den Tischläufern passend. Alle auf schwerer rustikalster Möblierung, wie frisch aus dem Tiroler Wald. Seine Menagen glänzen mit zweierlei Öl, zweierlei Essig, Salz- und Pfeffermühle.

Beispielhaft, mustergültig, Halleluja!

Die Speisenkarte ist in ihrem Angebot beinahe zu üppig, ergänzt durch eine umfangreiche, deutlich saisonal orientierte Tageskarte. Kaum hat man Platz genommen radebrecht es kroatischdeutsch, was man trinken möchte. Bayerisch geantwortet, bringt das Mädchen leicht in Schwierigkeiten. Klar entspricht das Bestellsystem neuestem Standard und blitzschnell sieden Roboter Spaghetti und befördern meine Forelle ins Jenseits.
Diese kleine Wortspielerei sei erlaubt, weil sie meine gute Laune widerspiegelt, durch das wunderbare Gartenambiente hervorgerufen.

Spaghetti Bolognese oder Napoli »al dente« wahlweise mit Fleisch oder Tomatensauce, mit Parmesan und Butterrolle (Vorspeise 6,50 €/ Hauptspeise 7,50 €) entspricht mehr meinem zurückhaltend jammernden Geldbeutel, als ein ganzer, frischer Hummer (36,90 €). Mit der Buttergarnitur in der Beschreibung übertreibt der Koch, so etwas sollte ungepriesene Selbstverständlichkeit sein. Die kleine Portion entspricht im Umfang der bayerischer Italiener. Der Sugo erinnert nicht an Katzenfutter, das Kochwasser der perfekt gesiedeten Eiernudeln hält sich in erlaubten Grenzen und alles zusammen braucht kräftig die Pfeffermühle und Salz, denn es schmeckt nach nichts. Massenweise geriebener Parmesan, sieht aus und schmeckt, als käm er nicht aus größeren Gebinden, hilft außerdem zur notwendigen Gustoliftung.

Bei der angebotenen Frischen Gebirgsforelle aus unserem Kalter (Frischwasserbecken) nach Wunsch blau, Müllerin-Art oder vom Grill, mit Salzkartoffeln und gemischtem Salat oder Tagessuppe (10,90 €) denke ich natürlich an die malerisch springenden Wasser der Passer drunten an der Kurpromenade oder an den gewaltigen, gischtenden Wasserfall im Vinschgau oder hinter der Fragsburg und es läuft mir im Vorgeschmack das Wasser im Munde zusammen. Gleichzeitig stolpere ich über das »frisch«, hoffentlich. Genug gewässert. Ich bekomme das Fischlein vom Grill, das aber keinerlei Spuren eines Rostes aufweist. Ich tippe da eher auf Pfanne. Die lobenswert separat gereichten, graugläsernen Kartoffen schmecken trotz reichlich Schnittlauch, nicht frischgrün, so, wie sie aussehen: grässlich. Ich kann sie nicht essen. Auch nicht die Tomatenachtel und die drei dicken Salatgurkenscheiben. Überhaupt muss ich den vorbildlich artenreichen Salat zur Seite schieben, da er mir vorkommt, als hätte man ihn bereits vor Tagen angerichtet. Da nützt es gar nichts, wenn es nicht so gewesen sein sollte.
Nun zum Fisch.
Sein Kopf ein Bild des Jammers. Der Bäckchentest verläuft negativst. Das weiße Fleisch ist trocken wie Sägespäne. Wann dieser arme Flossler seinen Gebirgsbach verlassen hat, das wissen die Götter, seinem Habitus nach, muss es vor Tagen gewesen sein. Mit was er sich dann beim Ruster die Zeit im Kalter vertrieb, bis ihn der gewaltsame Tod für meinen Teller hinwegraffte, kann ich nur fantasieren. Oder war er gar zu Fuß über das Timmelsjoch gegangen?

Die Kroatin blickt etwas vertreten auf den riesigen Resteberg, den ich zurücklasse und traut sich kaum zu fragen, ob es denn nicht geschmeckt habe.

Nein, nicht besonders und ich gehe arg bedrückt. Schade. Für das Essen vergebe ich summa summarum die Note fünf und hoffe auf ein besseres Mal im Rustergarten.
August 07

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Oberpfalz



 
Reataurant + Hotel
Roter Hahn
Roter Hahngasse 10
93047 Regensburg
 
Wirt: Fam. Schmidt
Koch: Rainer Lorber
Service: zoromassig

tel:  0941-595090

Ruhetag: keiner

 


Gazpacho

  ratisbuono?

Ratisbonos Haidplatz ist an einem warmen Sommerabend nicht auszuhalten. Man sitzt schöner, als in Rom, das junge Leben wabert wie in Florenz und wo kann der Stiefel Romantischeres bieten, als hier in Regensburg?

Es gehört eine Portion Überwindungskraft dazu, unter den sinnsirrenden Umständen auf die spaghettidünnen Tops zu verzichten und in den Roten Hahn zu tigern, da der Gockel keinen Freisitz bieten kann. Bei der Anfahrt hatte ich reichlich Frischluftvergnügen durch eine zugeodelte Bauern-landschaft, die Wälder ausgenommen. So fiel es nicht schwer, nachzusehen, was sich denn in Max Schmidts Restaurant geändert hat.

Drei Tische sind besetzt. Zwei Zoromädchen traben durch das Lokal. Der erste Eindruck – man wusste noch nicht, wer ich bin – leicht blond blasiert. Es schlug dann später bei Frauke in Herzlichkeit um. Dabei wäre es ein Leichtes, den klugen Sinnspruch auf der Schiefertafel des Gläserschranks hinter der Schanktheke an den Gästen auszuprobieren. So wirkt er leider eher wie Ironie. Ich schlage vor: »Ein erstes Mahl soll nicht das letzte sein: Mahlzeit!«

Nun zu meinem dritten Mahl. Getreu der Buchbeschreibung bringt Lorber einen Gruß aus der Küche, der nicht begeistert, was er aber tun sollte. Die zwei Putenscheibchen auf dem gewürfelten Rivieragemüse sind geschmacks-neutral und trocken. Aber es war gut gemeint. Damit endet die Kritik, weil mir das brunette Zoromädchen das Kuchlbauer-Etikett auf dem Weißbierglas (Sportsfreund 0,5 l  3,00 €) zudreht!

Halleluja-Auftakt? »Gazpacho« Kaltes Gemüsesüppchen mit gebratenem Gemüse und spanischem Schinken (7,50 €), das liest sich toll und sieht noch viel besser aus. Ein Meisterstück, wäre der Paprika gehäutet gewesen. Wer die eigene Messlatte so hoch legt, sollte dies tun!
Wenn schon Spanien, denn Madrid satt: »Gambas Espagnol« Riesengarnelen ausgelöst, in grünem Öl gebraten mit Paprika, Knoblauch und Zwiebel (13,00 €), heißt, ausführlich beschrieben, meine warme Vorspeise. Sieben kleinere Schalenriesen haben köstlichste Konsistenz, beispielhaft! Für den Paprika gilt das gerade gesagte. Unter der Schale sitzt das Beste, soll hier ignoriert werden. Ein Profi vom Main erklärte mir zu diesem Thema, dass er die Häute mit anschwitzt und dann wieder herausfischt. Ginge ratzfatz, meinte er. Darüber nachdenken?
Jetzt aber zum klaren Halleluja: Schweinefilet im Speckmantel auf Pfifferlingen im Rahm mit Bratkartoffeln und buntem Gemüse der Saison (16,00 €). Um nochmals einen Profi zu zitieren, nicht an einem Fluss: Mein Gott, auf Bratkartoffeln reitet der doch herum wie ein Geisteskranker. Mit »der« war ich gemeint. Meister Lorber, das Fleisch ist sensationell, die Schwammerl sind Weltklasse, das Gemüse ist französisch und Ihre Bratkartoffel liebe ich. Ganz einfach.

Danke.

August 07

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Südtirol



Balkonterrasse

Gasthof
zum Mohren
Haus 90
I-39010
Prissian
 
Wirt: Fam. Holzner
Koch: Alois Dirler
Service: flink

tel:  0039-0473-920923

Ruhetag: Mittwoch

 


Tomatensalat

  sehr seriös am 
  rauschenden Bach

Dem innen ausgesprochen schmuck-feinen Haus mit gut belüftetem Balkonfreisitz, auf dem man deshalb auch mittags angenehm speisen kann, wenn drunten im Etschboden bullige Hitze Messer und Gabel verbiegt, dem Holzneranwesen also, gehört eine hochinteressante, anmachende Einmaligkeit: Das kuschelige, beheizte Schwimmbad mit Wasserfall ist trickreich und spektakulär ins felsige Ufer des Prissianbaches hineingezaubert.

Mit diesem Paukenschlag kann die Küche natürlich nicht mithalten, aber der Wirt strengt sich an und hat seinen guten Ruf bei der eigenen Konkurrenz sogar stets verbessert. Mein Lieblingskoch Gamper drüben in Vellau sprach nur bestens über den Mohren, und der Bursche weiß wirklich, wie gute Küche in ansprechendem Ambiente aussehen kann. In meiner Normalgutessergunst haben weder die bejubelte Sterneköchin Anna Matscher im Tisenser Löwen noch Jungspund und Sterneverlierer Christian Kirchsteiger in Völlan eine Chance gegen den Mohren.

Leider kam ich nicht in den erhofften Genuss einer vogelwilden Bergbach-forelle, weil die Biester in dieser Hitze nicht beißen, meinte der Wirt, erst am späten Nachmittag hätten sie Bock auf Alois Dirlers Bratpfanne. So wurde es also nichts aus der Forelle Müllerin mit Kartoffeln (12,50 €) und ich stürzte mich in meinen Testklassiker Tomatensalat mit Zwiebeln (3,50 €), der überall im deutschsprachigen Raum von mir bemeckert wird: Zu teuer, trotz der roten Zwiebeln, die ich auf Wunsch bekam – lobenswert. Zum Mohren macht keine Ausnahme. Jammerschade. Dann packte ich Heu + Stroh nach Art des Hauses (6,00/7,50 €). Die Art des Hauses ist ausgezeichnet. Bin ich froh. Schön, dass es große und kleine Portionen gibt.

Unbedingt anzuraten ist ein Bettchen im Haus auszuprobieren (schon wegen des Bades im Bachfelsenufer), weil Holzner auch noch Wein anbaut, ganz beachtliche Tröpfchen. Im Urzustand nebenbei zu besichtigen, wenn man die Serpentinen nach Nals, ins Weißweindorf, hinunterschaukelt.

Wichtig ist auch zu wissen, dass Holzners Bruder Prissians Schloss Wehrburg bewirtschaftet. Man sagt, dass in dessen Gemäuern sogar hartnäckigste Jungfrauen ihr Jawort liebend gerne los geworden sind.
Juli 07

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Südtirol

 
 

Restaurant
Grillstube Wezl

 

Jaufenstr. 37
I-39010 Riffian

 

Wirt: Jochen Kofler
Koch:Herbert Kofler (Jochen)
Service: Mama Martha

 
tel:  0039-0473-241075
Ruhetage: Samstagabend + Sonntag

  angebaut, abgebaut?

Es war mir klar, dass es nicht ohne Folgen bleiben kann, wenn MotoguzziSilvi mit HarleyJochen nach Dienstschluss direkt über der Wirtschaft immer kuscheln geht. Vor sieben Wochen trat dann, überraschend, KawasakiHanna, auch Johanna genannt, in die Familienmitte, wieder nach Dienstschluss, so gegen ein Uhr, und meinte, kaum dem schützenden Schoß entfleucht »Kann ich dir helfen, Mama?«
Nur kurze Zeit, die erste also, sah sie aus, wie HarleyJochen (daher das »Jo« in Johanna), doch dann schlug, Gott sei Dank, MotoguzziSilvi durch. KawasakiHanna macht bestimmt mit acht ihr Abitur und verdreht dann allen Wirtesöhnchen im südlichen Alpenhauptkamm den Kopf. Das sind Kinder!
Soweit die Familienchronik.
Ich habe natürlich auch gegessen. Nicht fotografiert, das untersagte mir MotoguzziSilvi. Sie meinte es gut mit mir – und mit Zeuger HarleyJochen, der an diesem Abend ohne seinem Papa in der Küche übte. Nach längerem Hin und Her, die Karte machte mich nicht an, einigten wir uns auf einen Sonderwunsch mit hausgemachten Maccheroni und Garten-Tomaten nebst Zwiebeln. So richtig naturbelassen also. Dazu ein gemischter Salat, denn »den macht Jochen einmalig«, so die Mama von KawasakiHanna. Sie hatte recht, der Vitaminstrauß glänzte mit Vielfalt und einem köstlichen, würzigen Dressing. Ich wollt', ich wär ein Huhn …
Im großen, tiefen, schweren weißen Teller dampft meine Extrawurst. Optisch in Ordnung, Geschmack langweilig. Die Nudeln volle Pulle al dente, der Teig keine Offenbarung. HarleyJochen will mit gemahlenen Pepperoni helfen. Schärfe alleine macht aber nicht wirklich glücklich.
Hirschsalami, kostenlos gereicht, aus der Verwandtschaft eingeflogen, rettet dann den angekorksten Abend.

Am Nachbartisch zahlt der Papa fassungslos für den offenen Normalwein im Glas 2,60 €! Für etwa 0,1 l! Frau Wirtin errechnet 15,60 €. Ich verstehe seine Entrüstung, denn dafür bekommt er in Tirol eine Flasche ausge-zeichneten Veltliner oder bei uns daheim besten Frankensilvaner.

Oh, oh, kleine KawasakiHanna hilf!
Juli 07

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Südtirol

 

Restaurant
Hidalgo

 

Romstraße 7
I-39014
Burgstall

 

Wirt: Otto Mattivi
Koch: Alessandro Miragoli
Service: Renato Lusitk

 
tel:  0039-0473-292292
Ruhetage: Sonntag + Montagmittag


Schweinefilet

  neue Besen kehren?

Sommer an der Etsch. Heißer Mittag. Gegen 14 Uhr tun sich erste Lücken auf dem Parkplatz auf. Otto Mattivis Geschäftsweltkantine, ein Musterbeispiel an Beständigkeit: »Köche kommen und gehen, doch der Otto bleibt immer bestehen«, geht mir durch den Kopf. Im berühmten Keller des malerisch ergrauten Beaus von Meran schlummern Raritäten im Rolls Royce-Format, wie etwa das 18 l(!)-Fläschchen Cabernet »Löwengang« 1995 vom Promiwinzer Alois Lageder für schlappe 1290 € oder ein Lamborghini: 5l-Nebbiolo Langhe »Spress« von Angelo Gaja, Jahrgang 1997 2582,50 €. Doch auch ein Terlaner Weißburgunder aus der Klosterkellerei Muri Gries, Jhg. 2005 für 16 € schmeckt bei Renato besser, als anderswo. Vielleicht färbt die edle Nachbarschaft ab?
In bester Erinnerung der Hidalgo-Pfannenschwinger bleibt mir das kurze, beinahe aufregende Gastspiel von Armin Mairhofer. Sein Nachfolger ist auch wieder weg, dafür kam ein »Münchner«, Alessandro Miragoli, 2006 sterneerfolgreich in Münchens Acetaia, gebürtiger Mailänder. Ein junger Toppmann im MälzerOliverundCoOutfit, der sich auch in Merans Luxusnestchen  Fragsburg, ein paar hundert Höhenmeter über Mattivis weißem Quaderbau, vorgestellt hatte. Doch Wirt Ortner entschied sich für den einheimischen Passertaler Alois Haller. Über seinen Entschluss ist er nach wie vor froh, mailte er mir.
Wieder hinunter zu Miragoli. Einen Gruß aus der Küche bekomme ich nicht. Schwache Leistung bei diesen Preisen. Einige Scheiben des differenten Brotkorbs sind schon längere Zeit aufgeschnitten. Den Aperitif »Pils« dreht der Service nicht mit dem Etikett zum Gast.
Dann wird es ernst mit einem Thunfischcarpaccio, roh, mit Zuckerschoten, Wasabisauce und Limetten (10,50 €). Zitronengras hat einen Nachfolger: Wasabi! Witzig ist etwas anderes. Der »Gemüsesalat« neben den vier handtellergroßen, dünnen Scheibchen langweilt eher. Satirisch: Dafür ausgezeichnet die japanischen Meerrettich-Sträßchen! Wann kommt die Offenbarung?
Rosa gebratenes Schweinefilet in der Thymiankruste auf Rote-Bete-Carpaccio (17,00 €) bestelle ich, obwohl ich das Apothekerkraut hasse, weil es keine anderen Aromen neben sich duldet. Außerdem ist Carpaccio inzwischen eine megaausgelutschte Zubereitungsform für mich. Trotzdem, Miragoli lässt sein Können aufblitzen, denn der Thymian ist gekonnt zurückhaltend eingesetzt. Das nussig, saftige Fleisch ist auf den Punkt gebraten. Drei große Stücke ruhen auf dem exzellenten Rübenbett. Die begleitenden Rosmarinkartoffelwürfel passen aromatisch sehr gut, sind aber widerlich fettig.
Finale: Variation von Sorbets der Saison (7,50 €) heißt im Klartext eine Kugel Kokos-Limette (interessant), dann Passionsfrucht (herrlich fruchtig) und Erdbeere (langweilig). Dazu eine Kinderhandvoll Früchtchen. Trotz der minimalistischen, noch ansprechenden Präsentation, ist mir der Preis des kühlen »Amen« einfach zu heiß.

Es bleibt, allerdings haarscharf, die Krone des Löwen, weil das heimische Gewächs Sonja aus Burgstall so herzlich und bildhübsch bedient, dass es beinahe unbezahlbar ist.
Juli 07

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Bäderdreieck Special

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Niederbayern

 

Restaurant
Holzhäusl

 

urallee 6
8788880 Bad Griesbach Therme

 

Wirt: Alexander Rank
Koch: die Frauen des Rank
Service: der Wirt und Thomas

 
tel:  08532-922555
Ruhetage: Sonntag + Montag

Rinderfilet

  holz vor und in der hüttn?

PfennigFliegenThomas, der mit dem treuherzigsten Blick, den ein Mensch drauf haben kann, professioneller Serviceschluffer, lief mir als erster über den knallheissen Weg. Er sah sofort, dass ich gerade am Ende des Tal des Todes herumwurschtelte und donnerte in 0 auf 200 ein eiskaltes Pils auf den Tisch, drehte das Etikett in mein Stieren und grinste mir ins schweißnasse Gesicht.
Ein Schluck, ein langer tiefer Schluck, bevor die wabernden 32 Grad den Hopfenstoff verdampfen konnten. Für ein Königreich wäre ich am liebsten dabei geblieben. Aber ich hatte es mir in den Kopf gesetzt, dem Rank eine drüber zu braten. Im Moment war aber ich derjenige, der gebraten wurde.
Da musste ich durch. Tomatensuppe mit Obers (3,80 €), hurra, in der war bestimmt kein Hauch einer frischen Tomate, die bestand nur aus Bü … verdammt, aber sie schmeckte prima! Schlecht für mich, gut für Rank.
Genau in diesem Moment, bestimmt inszeniert, betrat Mister Davidoff-Plüschtier-Knopfauge höchstpersönlich die Vorgartenbühne. Er wirkte toll cool, nicht der kleinste Schweißtupfer irgendwo, während sich unter meinem Gartenstuhl langsam ein kleiner See pfützte. Er hat gut Auftreten, denn sein verdammt gemütliches Holzhäusl, diese Pförtnerloge des Golftempels Maximilian, dieses europaweit bekannte, zwanzigste Loch der männlichen und vor allem weiblichen Eisenfetischisten, verfügt über eine Klimaanlage!
Und die braucht es zu jeder Jahreszeit, denn wo in Europa findet man Weibsbilder, die sonst im Alltag als Damen auftreten, denen hier der Spitz in Nachbars Lumpi aus den Augen blitzt, dass es eine wahre Freude ist? Und zwar alle Altersklassen, Ende der Richterskala nach oben offen! Beim Destillebubi triffst du sogar filmreife Mutter-Tochterkombinationen, die man nur einmal anschaun darf! Die himmeln ihn, den schlanken Traum der zwei Generationen, dann an, dass einem der Neidgeifer aus den Mundwinkeln tropft und pfützt. Schon wieder.
Seine Freundlichkeit ist perfekt, er sticht den Buben, weil ich innerlich sauer bin, ich Depp. Small talk über die geilen Büchsenparadeiser San Marzano vom Vesuv retteten halbwegs meine Position. Dann musste ich Bieseln, hier im ersten Stock. Ich komme nicht aus, mir seine österliche Errungenschaft »Hochsitz« mit spektakulärer Veranda anzusehen. Blattschuß! Spitze, ich hänge in den heißen Seilen. Hier nächtens im Antlitz von zwei Spaßloaberln Lantenhammers Slyrs in die Kehle zu träufeln ist auf dem halben Weg in den Himmel der Glückseligkeit. Wenn dann im Hotelbettchen zufällig ein Kurschatten allzeit weckbereit, hitzig, noch hat es passende 29 Grad, in wohliger Warteschleife schlummert, steht die Tür zum Paradies sperrangelweit offen. Hoffentlich hat er nicht zu viel gesoffen, denn dann …

An dieser Stelle unterbrechen wir die Berichterstattung in dieser Form, die die ranke Wirklichkeit leider nur recht unvollständig wiedergeben kann und machen einen sachlichen Versuch. Schnell noch: Ziehen Sie sich doch mal eine angeschickerte, perfekt gebrezelte Blondlady rein, die genussvoll an einer Davidoff nuckelt, mit einem Griff, der dir Hören und Sehen vergehen lässt. Na bitte, meine Rede!
Rank bittet höflich ins kühle Innere und vor mir stand sein Klassiker: Rinderfilet (200g), rosa gebraten, Blattsalate, Kräuterbutter und Knoblauchstangerl (16,50 €). Der Preis, na ja, das Fleisch, der Salat mit diesem herrlichen Dressing, alles ohne Fehl und Tadel. Ach was, sträub' dich nicht, es hat ja doch keinen Sinn: alles ausgezeichnet.
So, was mache ich jetzt? Soll ich vielleicht feststellen, dass dieser Holzhaufen schwer in Ordnung sei? Selbst wenn sich meine in grauer Vorzeit angeheiratete, schmiedeeisene Fußkette hier ihre frechen Freiheiten im Schlaf und für den selben holt, finde ich die Bude auch noch prima – mit ihrem Dauerjüngling?

Habe ich nicht mehr alle Tassen im Schrank?

Ich habe nicht mehr alle Tassen im Schrank!
Juli 07

PS: Aufschlüsselung dieser Bewertung: Ambiente 1 + Getränke 1 + Essen 2 + Service 1 + Zigarren 1 + Gäste 1, macht zusammen sieben!

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Oberösterreich

 
 

Restaurant
Kupferpfandl

 

Stögergassl 3
A-4780 Schärding

 

Wirte: Erika Krammer und Thomas Hager
Koch: der Wirt
Service: die Wirtin

 
tel:  0043-07712-2033
Ruhetage: Dienstag

  halleluja?

Haarscharf daneben!
Wenn ich das Wort »Trüffelöl« nur lese, stellen sich mir die Nackenhaare auf und das wunderschöne HALLELUJA verflüchtigt sich hinter dunklen Wolken, selbst wenn der Pfannengrößus sonst himmlisch köcheln sollte.
Es würde hier zu weit führen, näher darauf einzugehen, warum ich da so heftig reagiere, nur so viel sei gesagt, man hat mir in der Provence glaubhaft beibringen können, dass man aus dem sauteueren Pilz kein Öl machen kann, nie nicht und nirgendwo Und diese Form von Chemie im Essen stinkt besonders kräftig. Auch mir.

Da saß ich nun in der handtuchbreiten, kleinen Gasse vor dem kleinen Lokal mit der kleinen Copperfield-Küche und mit der kleinen Karte und war sicher, dass es nur besser werden kann. Außerdem freute ich mich auf die Auflösung meines privaten, thermalnassen Pfannenwettstreits. Weiter mit von der Partie: Helena, tschechischer Knettiger aus der Budvar-Prager-Ecke. Sie vertrat das weibliche Element (scheinheilige Formulierung).
Zum Mitschreiben: Arndt/Sammareier Gutshof gegen Feix/Il Gardinio gegen Resch/Hoftaferne gegen Hager/Kupferpfandl.

Für den Gedeckpreis von 2 € brachte die wahrlich herzwarm und natürlich kompetent bedienende Wirtin warmes Baguette und einen geradieserlten Aufstrich. Nicht zu beanstanden, nur ab einer gewissen Preisetage mag ich diese antiquierte Gepflogenheit nicht und lasse mich lieber aus der Küche grüßen. Entweder hat Hager nicht gegrüßt, oder ich habe es vergessen. Beides schwach. Arndt punktete sehr deutlich. 

Meine handgemalte Vorspeise: Hausgeräucherte Entenbrust auf Quitten-Marillenconfit (9,50 €) mit einer Scheibe schwarzer Nuss als Dreingabe. Gaumenjubel. Halleluja. Diese Runde geht aber wegen des reizvollen Schärfespiels von Arndt trotzdem knapp nach Bad Birnbach.

Knusprige Entenbrust auf Balsamicokirschen dazu gebackener Grießstrudel (16,50 €) bekommt ein Halleluja für die, die es so mögen. Es ging nicht bei mir, beim besten Willen, der Grießbrei meiner Kinderzeit ist brandmalig. Aber ich habe zumindest probiert und bekam einige Scheiben Serviettenknödel als Ersatz. Also noch einmal: Ein Halleluia für die fruchtstarke Kirschsoße und das lehrstückhaft zubereitete, rosafarbene, butterzarte Fleisch mit seiner knusprigen Haut. Klar für Schärding.

Terrine von weißer Schokolade und Nougat im Baumkuchenmantel auf Früchtespiegel (6,70 €). Leider verbietet es die Etikette auch oder gerade in Österreich, die Dessertteller abzuschlecken. Ein großes Manko. Halleluja. Hager gewinnt.

Addiert man die Preise, so kostete mein Privatmenü 32,70 € und lag damit im Rahmen des 3 gängigen Menüs für 35,00 €. Die Getränkepreise sind eher moderat.
Die Hager-Tellermalereien sind sehr sicher, eher minimalistisch. Donner kennt er nicht, braucht er nicht. Er muss die leisen Töne gnadenlos beherrschen, denn er kocht offen im Lokal, sichtbar und riechbar.

Damit steht nun auch das Resultat meines privaten Gaumenkoch-topfwettstreits fest: Arndt vom Sammareier Gutshof gewinnt knapp nach Punkten vor Hager im Kupferpfandl, Frau Resch in der Hoftaferne und Feix im Columbiahotel.

Das Kupferpfandl bieten eine inzwischen viel beachtete Leistung in einem schmucken, romantischen Westentascherl der weltberühmten Silberzeile.

Abschließend theatralisch schmerzend:

Wer hierher fand, egal, wie weit,
kommt wieder gern.
Besonders zur Trüffelzeit?
Öllos, sonst gibt's koan Stern!
Grad im Winter, wenn es schneit. (Joh. W. von Göte)
Juli 07

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Niederbayern

 

Gasthof
Wasner

 

Passauer Str. 9
84364 Bad Birnbach

 

Wirt: Johanna Weber
Koch: ??
Service: Taj Mahal

 
tel:  08563-871
Ruhetage: keiner

Halsgrat

  halluzinationen?

Die Uhr schlug 12. Die Hitze flirrte über dem heißen Sand des Parkplatzes. Eine Fata Morgana? Die heilige Johanna stand plötzlich unter dem knallblauen Himmel und sprach mich an. Ich rieb mir die rotgeränderten Augen. Sie trug feinste Ausgehklamotten, nicht bieder, eher frech, ihre Weiblichkeit betonend. Kein Dirndl. Keck die Kurzhaarfrisur. Ein Engel? Aber doch nicht in Niederbayern, das haben die droben doch zum Sperrbezirk erklärt, schon seitdem Holzapfel, Zwick, Hartl und Weber das Sagen haben. Aber ich erkannte die Stimme, es war die von Hansi!

Ziemlich bedeppert ging ich in den Biergarten mit den drei Kastanienriesen, die wenigstens glaubhaften Schatten spendeten. Im Nachhinein besehen, würde ich es als beknackt bezeichnen, dass ich unter diesen Umständen den Wasner testen wollte. Bestimmt hatte ich Fieber. Das Birnbacher Taj Mahal bediente mich. Da können jetzt nur Insider runterbeissen, alle anderen müssen hinfahren. Bei dreißig Grad eine Leberknödelsupp'n (2,80 €) schlabbern ist in meinen Augen pervers. Die Wasnersche Ausgabe in der festen, dunkelbraunen Brothülle passte zwar zur afrikanisch-schwarzen Temperatur, aber nicht zu mir. Ich mag ihn so nicht und pullte mühsam etwas Teig heraus, zur ausgezeichneten Fleischbrühe mit Schnittlauch.

Der Mittagsrenner hieß Bauerngröstl auf Kartoffelpuffer (4,90 €) und berichtete, wie hart die Landmänner im Rotttal arbeiten müssen. Nur nach solchen, ureigenen Wasnertellern stehen sie den Nachmittag durch. Viel, viel gebratenes, deftig nussiges Schweinefleisch mit Krusterl (die eigene Metzgerei lässt grüßen), in urige Fetzen tranchiert, massig Gemüse und Zwiebel, eine kernige, klare Soße und zwei Reiberdatschi in Wagenradgröße als Unterbau. Wer nach diesem Renner keinen Bauernhof zum Abarbeiten hat und nur mit der Frau hier Ferien macht, hat jetzt ein Problem. Oder die Frau.

Taj Mahal meinte auf eindringliche Befragung, dass der Sülzenstand der hausgemachten Tellersulz mit Bratkartoffeln (7,50 €) natürlich haus-gemacht sei. »Sauer macht lustig« sagt der kluge Volksmund, deshalb verdrückte ich den schön saueren, nicht hausgemachten, klaren Wackelpudding mitsamt dem Bisserl Schweinebauchbratenfleisch nebst Eiradl und kartenblattdünnen Gurkenscheibchen und hatte ein Problem. Die zwar überfleißig gekümmelten Kartoffelscheibchen, sehr kasig, zwiebel- und speckfrei, dafür fetttriefend, schmeckten manchmal wie angebratene, überstandige Salzkartoffel. Ich aß sie nicht wirklich.

Habe ich nun beim Wasner gesessen und gegessen, oder war alles nur eine fade morgana? Die Tellersülze, bitte, bitte, sicherlich!
Juli 07

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Niederbayern

 

Gasthof
zur Mühle

 

94137 Bayerbach

 

Wirt: Fam. Rieger
Koch: ??
Service: Azubi

 
tel:  08532-96160
Ruhetage: keiner

  klappert die mühle?

Heftig. In allen möglichen Druckwerken inseriert Familie Rieger für ihren Betrieb mit: rustikal, Gemütlichkeit, Bier- und Wintergarten, gute Küche, üppigen Räumlichkeiten und differente Zimmer. Bei einer Mittagstemperatur von 29° scheidet sich ganz schnell die Spreu – Sonnenschirme – vom Weizen – große Bäume – der Draußensitzerei.
Ein Haus mit langer Familientradition, hier wurde viel geheiratet und gestorben, viel gefeiert und getrauert. Viele Stammgäste, einige Golfer mit schmälerem Geldbeutel und ein paar Nasen Laufkundschaft kennen das üppige Anwesen. Trotz Waschbetonplattenboden zählt der Biergarten dank sehr hübschem Salettl, malerischem Taubenhaus in Rotttalholz-bohlenbaustil und riesiger Kastanie im Zentrum neben einem Plätscher-brunnen für mich zu den ganz schönen im wässrigen Dreieck, neben Kloster Asbach, Bad Birnbach und Schloss Neuburg am Inn.

Besonders freue ich mich über zwei ungewöhnliche Getränkeangebote:
Holunderspritzer auf Eis, 0,5 l 2,50 € und Glas Buttermilch natur 2 €, mit frischen Erdbeeren 2,50 €.
Außer mir sitzen noch zwei Gäste im Garten, so verstehe ich, dass die hübsche Auszubildende in ihrem Stress so muffig bedient, wie ich es noch nie erlebt habe. Wenn sie an diesem Mittag nicht krank war, oder ein arges anderes Problem hatte, sollt sie sich sehr gut überlegen, ob sie da den richtigen Beruf ausgesucht hat. Mit etwas mehr Übung hätte sie mir die Erdbeerkaltschale (2,30 €) auch auf den Tisch werfen können. Klar, dass ich noch angefressener werde, weil die Küche nicht das kleinste Kräutlein gefunden hat, um mir zu zeigen, dass sie gerne kocht. Knapp fünf Mark für zur Zeit billigste Erdbeeren mit Geliermittel, was hat der Teuro mit uns alles angestellt?
Frischer Ofenkartoffeln (Rechtschreibfehler extra naturbelassen) mit Sauerrahmdipp gefüllt und gebratenen Putenbruststreifen an bunter Salatgarnierung (7,50 €), schreiben können sie nicht, aber das depperte »an« fließt ihnen locker aus der Feder. Bislang bekam ich baked potatoes immer aus mehligen Kartoffeln, was eindeutig besser schmeckt, als die festkochende Variante der Mühle. Außerdem waren sie nicht gefüllt, die Soße war nur darüber gekippt und schwamm größtenteils im Salat. Karotten, Kraut, Gurken und Blatt sind mit eigenen, passenden Dressings angemacht, sehr erfreulich (es gab ein Salatbuffet, daher). Acht mittelfingerlange, recht dünne Fleischstreifen sind ja nicht gerate üppig, nicht rotttalerisch, aber die Pute, die gute, ist richtig gebraten.

Wegen meiner Enttäuschungen mit Asbach, Schambach, Mira, Federl und dem Nikolaus in Bad Griesbach, mit Forster jun., Hinterecker und Pattenham, um nur einige zu nennen, drängt sich mir langsam der Verdacht auf, dass man die Wirte im Bäderdreieck ganz besonders mögen muss und auf keinen Fall kritisieren sollte. Sonst darf man in Zukunft das patschnasse Bermudadreieck nur mehr mit Lunchpaketen von zu Hause anfahren.
Oder, ganz entsetzliche Vorstellung, es liegt an mir, weil ich nicht niederbayerisch spreche.
Juli 07

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Niederbayern

Bild kommt vielleicht
 

Restaurant
Gutshof Uttlau

 

Am Dorfplatz 3
94542 Haarbach

 

Wirt: Hartl-Imperium?
Koch: ??
Service: flott

 
tel:  08533-1890
Ruhetage: den ganzen Winter

Bild kommt vielleicht

  kulinarische trockensteppe?

An vielen kühlen Tagen mag er ein Segen sein, nicht an diesem Sommermittag mit 32° Grad: Selbst der mieseste Windhauch verirrte sich nicht in den malerischen, aber vierseitdichten Innenhof mit seiner edelrustikalen, farbmutigen Tisch-Bank-Möblierung.

Die Bedienung ist flink, nur leicht hitzegeschädigt.
Schwach, besinnungslos fast, nach 300 Metern vom entfernten Parkplatz, in der steil stehenden, brennenden Sonne, kriege ich kaum mit, was in der Speisenkarte steht. Nur so viel: Sonntag ist hier Grilltag, und das passt am besten in die Mittagsglut, rede ich mir ein und bestelle ein halbes Hendl vom Grill mit Salat und Breze (7,50 €).
Damit Sie beim Lesen jetzt nicht auch noch ins Transpirieren kommen, mache ich es kurz.
Das beste war die Breze, fast wie frisch aufgebacken, dekorativ am Holzgalgen baumelnd.
Das zweitbeste war der Salat, aber nur der Krautsalat, nicht die vier Tomatenachtel, nicht die aufwendig tournierten Salatgurken und ganz besonders nicht der Kartoffelsalat. Denn der schmeckte, als käme er frisch aus einem Eimer. Ich kann das natürlich nicht beweisen, was aber ziemlich wurscht ist, wenn er so schmeckt, als wäre es so.
Fehlt noch der Flattermann selbst als Hauptfigur. Knusprige, schön gebräunte Haut (wirklich vom Grill?) und ein Fleisch, das in seiner geschmacklosen, beispielhaft pforztrockenen Art nur mit einer Flasche Ketchup durch meine Kehle gerutscht wäre. Zweiunddreißig Grad mit Ketchup, da bin ich gnadenlos überfordert, also nur ein paar Bissen gegen den Hunger und dabei unentwegt an das Abendmahl im Sammareier gedacht. Damit ging es.

Um mich herum nur Golf. Ohne jedwedes Problem. Sichtbar und hörbar. Als dann auch noch eine Fünfzigerin mit vollkommen für den Rasensport ungeeigneten Basketballbällen ohne den kleinsten Schwitzflecken auf der unnatürlich geweiteten Bluse neben mir, ich, wie eine gebadete Maus durchnässt, Platz und den Atem nahm, schleppte ich mich wie ein geprügeltes Kaninchen durch die inzwischen sechzig Grad heißen dreihundert Meter zurück.

Als ich etwa 10 Kilometer später drei Mal um den göttlichen, kühlgischtsprühenden Brunnen vor der Thermen-Emauskirche robbte, hatte ich das Gefühl, ich sei gerade noch einmal davon gekommen. Aus dem Tal des Todes mit seinen grässlichen Trockenhühnern.
Juli 07

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Niederbayern

 

Restaurant
Sammareier Gutshof

 

Pfarrkirchener Str. 20-22
84364 Bad Birnbach

 

Wirtin: Hansi Weber (Wasnertochter!!)
Koch: Aved Arndt
Leitung: Theresa

 
ttel:  08563-2970
Ruhetage: keiner

  klammheimlicher höhepunkt?

Es genügten ein paar Schritte von ihr durch den für mich reizend englisch getouchten Gastgarten, dann war mein Mund trocken. Ich wusste, dass sie hier ist, von Hansi, der Wasnerwirtin. Der gehört nämlich der »Sammareier Gutshof« sozusagen ganz persönlich. Die Andere, die mit dem frechen Gangwerk, die also soll den Laden auf Vordermann beamen?
Was heißt hier Laden, das ist ein tolles Kleinod! Aber wirklich. Und wenn es dafür eine waschecht niederbayerische Stute gibt, dann ist die das. Bis zur Selbstzerfleischung (halt, halt, halt) wird sie gehen, wie dereinst mit ihrem Holzhäuslfuzzi in der Griesbachtherme. Perfektionissmusgeil, mittelpunkt-gierig und männermordend. Selbst wenn sie flach wäre, wie ein Brett, gegen Edelpferdchen ihres Zuschnitts ist selten ein Kraut gewachsen.
Gibt es überhaupt ein Rezept gegen sirenenhaftes Charisma?
O.k. Ich weiß: Meiden, wie der Teufel das Weihwasser!
Ich fange morgen damit an.
Zum eigentlichen Mittelpunkt des lauen Sommerabends: Sie überreichte mir generös eine ansprechende, ja nobel aufgemachte Speisenkarte. Innen und außen. Es dauerte natürlich eine zu lange Weile, bis ich mich gänzlich von der weinroten Bluse getrennt hatte, doch dann war ich perplex, dann war ich erst richtig platt. Mit so einem extrem reizvollen Angebot hatte ich nicht gerechnet. Dass der junge Copperfieldschüler – bei dieser Puppenküche muss er das sein – aus dem legendären Reindl-Grill in Garmisch-Partenkirchen kommt, war für mich dann keine Überraschung mehr.

Mit dem megafeinen Gruß aus der Küche, einem kleinen Rindsfiletmedaillon auf Bandnudeln mit Sommertrüffel begann ein Teufelstanz halbnackerter Engel, bei dem ich ärmlich irdischer Senilohaudegen am Ende auf der Strecke bleiben musste. Da pfeife ich einfach auf moussierten Leberkäse! Selbst meine gehassliebte Resch von der Neuburger Burg hatte plötzlich im Gourmetgladiatorentellerrennen die Nase nur mehr hauchdünn vorne.
Diese Klasse hält der nie durch, dachte ich, doch das Geschehen rundherum lies mich sofort zweifeln. Vorspeise aus der Sterneregion: Marinierter Thunfisch mit Sesam und Ananas-Chilisalat (9,80 €). Perfekt gemalt, leider auf deplatziertem Glasteller mit Tischdeckendurchblick. Großartig balancierte Arndt die Chilischärfe. Mensch Mann, du kannst wirklich kochen. Was für ein Abend!
Mädl, auch wenn es brutal klingt, mit diesem Krack am Herd kannst du dein Weihwasser getrost an der Garderobe abgeben!
Der Schluck Weißwein passte geschmacklich perfekt, war aber entschieden zu warm. Der Rotwein auch. Haben die keine Weinkühlschränke?
Hansi, Wirtin, Wasnerin, Bad Birnbacher Gallionsfigur, solch eine Küche braucht gepflegte Tropfen! Soll ein Genießer dieser Speisen, die Du ja mit Fug und Recht nicht verschenkst, warmes Himmlisches Rotttröpfchen gurgeln? Bei dieser Gelegenheit gleich noch ein Hammer: Wirf die Tortenküche raus, die muss doch nicht so örtlich nahe sein! Das tut Deiner berühmten Konditorei doch keinen Abbruch und schafft Aved den dringenst benötigten Platz.
Hansi, merkst Du was, bin bereits Partei.
Dann ein perverser Versuch aus der gewasnerten Handschriftenecke. Nein, nicht das legendäre Backhendl, eine Niederbayerische Krensuppe mit Tafelspitz und Gemüsewürfeln (4,50 €). Und das bei 25° Abendtemperatur. Die Stute brachte sie persönlich. Sie war noch nicht in der Garderobe gewesen.  Es reichte mir, wirksame Gegenwehr: Ich knallte energisch den frisch geriebenen Meerrettich aus der Suppe an meinen Gaumen, bis die Luft endgültig weg blieb und fing zu heulen und zu hoffen an. Der Nachbartisch knutschte gerade am jugendfreien Limit.
Doch die ersehnte Ohnmacht stellte sich nicht ein, bei mir.
An die heiße Brigade: Bei solchen Temperaturen auch kalte Suppen anbieten. Und einen Sack Eiswürfel für geile Tester. Die werden euch nach diesem Bericht heimsuchen, wie die Heuschrecken aus den sieben Plagen der Bibel!
Kommen wir zum Höhepunkt der grausamen LustSpiele an den Tischen unter meinem Schirm: Knusprig gebratene Entenbrust auf Cassissauce mit kleinen Gemüse und Kartoffelpuffer (17,50 €), von einem »ungarisch-niederbayerischen« Vollblutweib aus der Servicebrigade gebracht, die an einigen Stellen noch geschliffen werden muss. Das Team, nicht das Weib. Für die Soße, obwohl ich Sauce hasse, Herr Küchenchef, kriegen Sie locker von mir einen Stern, für die Brust … Mein Gott, das Wort krätzte mich heute. War schon wieder trocken. Für die B brauchst Du eine gescheite Küche, sonst muss sie Halbwerk bleiben. Aus. Die Kartoffelpuffer waren nicht der Rede wert. Also schweigen wir.
Der Nachbar kroch gerade in seinen brettlebenen, rassigen Tiger. So gewinnt der nie am nächsten Morgen das Apotheker-Radrennen in Bad Birnbach. Und ich? Ich hatte eh schon längst verloren.

Zum Dessert und als solches saß sie ein paar Minuten an meinem Tisch. Aber nicht wirklich, ihre Augen huschten ständig durch den Garten, um den Feinschmeckerzirkus des Sammareier zu domptieren.

Mensch Mädel, obacht, sonst frisst dich eines unschönen Tages kein Löwe!


Nachtarock ohne Theresaschmäh:
Amuse gueule in Höchstform: Carpaccio von der marinierten Jakobsmuschel mit WantanRose (Note 1*). Wieder bediente mein »niederbayerisches« Weib aus Ungarn überzeugend herzlich. Zu einem leichten, zu teuren Sommerwein (0,2 l für 10 Mark ist meine absolute Schmerzgrenze bei solchen Tropfen) gab es von der Tageskarte eine Fasanenterrine an Gewürztrauben (8,30 €), die in Konsistenz und Geschmack keine Offenbarung war. Bei diesem satten Preis erwarte ich wenigstens ein köstliches Brioche als Beilage und nicht nur ein paar malerisch getupfte Soßentropfen (Note 4).
Beim ersten Besuch lenkte Theresa ab, heute zeigten die sauschweren Gartenstühle trotz Polster, dass meine hundertzwanzig Kilo hier bestenfalls ein handgerührtes Capriccio an Joghurt mit Sprudelwasser trinken dürfen. Als ich ging, tat mir mein Hintern erbärmlich weh, und das trotz zwei Auflagen! Ungemütlich als Beschreibung ist harmlos.
Freiwillig klein gewählter Hauptgang: Basilikumbandnudeln in gelber Paprikasauce mit glasierten Rinderfiletspitzen und erlesenen Gemüse (8,60 € als Vorspeise, 13,80 € als HG), wieso eigentlich Spitzen, wenn es Medaillons sind, wunderschön präsentiert, doch eines der Medaillons nicht perfekt pariert: Flaxen. Bei diesem Fleisch nicht zulässig. Die Basilikumnudeln und die Paprikasoße dagegen mustergültig (Note 2). Grammatik: erlesenem Gemüse.
Am südlichen Horizont starkes Wetterleuchten. Absolut treffend, so war mir zumute.
Juli 07

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Niederbayern

 

Wirtshaus
Gasthof zur Post

 

Poststr. 1
94166 Prienbach

 

Wirt: Hans Hinterecker
Koch: der Wirt
Service: total überfordert

 
tel:  08571-600-0
Ruhetage: Montagmittag

  king der b 12?

Minister Miller hat den einen Hintereckersohn, den Hans mit der Post, in den kulinarischen Inngrenzlandhimmel gehoben. Man merkte es bereits auf dem Parkplatz. Ich hatte in ein ähnliches Horn gestoßen, bis ich auch andere Seiten des Herrn kennen lernte. Die waren so, dass ich ihn doch glatt kurz vor Redaktionsschluss aus Band 3 hinausgeworfen habe.

Was mich natürlich nicht abhält, wenn ich des Wegs herumschmecke, wieder Mahl den Betrieb anzusehen. So das möglich ist und ich kein Lokalverbot verhängt bekam, wie beim Wirtsedel, nur weil ich die Wahrheit über sein schmuckes Töchterchen geschrieben hatte.

Der Feinschmeckerfreisitz war nur teilweise eingedeckt, das wirkte richtig ungemütlich. Also rum ums Haus und in den Bier- oder Heurigengarten (das steinwurfnahe Österreich lässt grüßen). Faszinierend der riesige Sonnenschirm, das müssen mindestens acht Meter sein, farblich auf die Plastikbestuhlung abgestimmt. Es war hinten noch Platz frei, so konnte ich auf den vorderen Teil der Terrasse verzichten, an dem hautnah die B 12 vorbei donnert.

Ankunft 20:15 Uhr. Der Garten ist halb voll. Das Mädel rennt sich die Seele aus dem Leib bei rund vierzig Gästen. 20:30 Uhr: Speisenkarte bekommen, Bestellung um 20.45 Uhr. 21:00 Uhr: Tomatencremesuppe mit Weißbrotcroûtons (3,00 €). Ein Testklassiker schlechthin, an dem man ganz viel ablesen kann. Prompt dümpelte in der cleanen, tomaten-fleischstückchenlosen roten Masse ein widerlicher Weißbrotmampf. Keine Spur von Croûtons. Raus damit, auf die Untertasse, bei sechs Mark kann man nicht mehr verlangen. Dafür darf ich mir den Batz noch eine halbe Stunde ansehen, Abräumen ist nicht. 21.15 Uhr, der gemischte Salat findet meinen Tisch. Die Suppenreste bleiben. Vorzügliches Dressing für mundgerecht geschnittenes Grünzeug und ein grässliches Tomatenachterl, das für die Farbe zuständig war. Auch da bleibt Einiges im Teller, es ist mir zu strunkig. Ein gemischter Salat hätte mir mehr getaugt. Na ja. 21.50 Uhr, sie kommt! Auf einem wunderschönen speziellen Fischteller aus jungfräulich weißem Porzellan. Fangfrische Forelle mit Kräutern gebraten, dazu Butterkartofferl und Salat (12,60 €). Die erbetenen Bratkartoffel konnte ich nicht entdecken. Das gestresste Mädel klärte mich auf: Das sind Bratkartoffel.
Herr Bezirkssieger, Sie haben keine Ahnung.
Der Forellenbackerlanalyse ergab gnadenlos: das Fangfrisch lag schon eine Zeit lang zurück.
Der Esstest ergab gnadenlos: Fisch und Butterkartofferl sind Spitzenklasse.
Da packt man sogar die fünfundzwanzig Mark für den Allerweltsfisch, der aus einem Gebirgsbach am Tegernsee, allerdings ohne Autoabgase, öfter weniger kostet.

Für ein Dessert hätte ich mir nach dem bisherigen Ablauf ein Zimmer nehmen müssen. Das wollte ich dann doch nicht.

Ich müsste mir alte Speisenkarten des Hauses ansehen, um festzustellen, ob dem Feinkocher sein Ruhm nicht in den bauernschlauen Kopf steigt. Langsam (siehe oben), preislich (siehe oben) und überhaupt (siehe später).

Der Parkplatz strafte mich mit meiner Kritik Lügen. So stemmte ich mich hinter einen Tschuschenlaster und haderte mit mir, weil ich wegen Lokalverbots beim Braun in Schambach (siehe oben) kein Dessert schlabbern konnte. Das habe ich jetzt davon, ich kulinarrischer Klugscheißer.
Juli 07

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Oberösterreich

 

Gaststätte
Stiftsbräustüberl

 

A-4981 Reichersberg

 

Wirt: Robert Schachinger
Koch: Josef Hödl
Service: die heilige Helene

 
tel:  0043-7758-2324
Ruhetage: keiner

  lieber koan herrn,
als koa koaherrn?

Lange wird es nicht mehr dauern, bis man mir die Testerlizenz entziehen wird, wenn ich mit solchen Kalauern daherkomme. Doch ist es eigentlich nur Lebensfreude, die ich damit ausdrücken will. Wenn es mir arg gut geht.

In Schärdings noblem Gassenrestaurant Kupferpfandl, sehr malerisch,  sperrte man mir mittags die Türe vor der Nase zu, zehn Minuten zu früh. Ehrlich. Vom Handy aus habe ich die Wirtin angemeckert, sofort. Hungrig und enttäuscht cabriolete ich, mit jedem Kilometer wieder besser gelaunt, über Obernberg zum Stift Reichersberg mit seinen sehr lebensnahen Augustinerchorherren und deren Wirtshaus nebst ausblickstarker Hausterrasse.

Filiz lächelte mich liebevoll an und die heilige Helene, die einzige weibliche Leuchtturm der Welt, strahlte nicht weniger (haben diese Bauten so an sich) und überredete mich für frische Steinpilze in Rahm mit Semmelknödel und Kartoffel (11,90 €), von der Schiefertafel.

Während ich auf die Könige des Waldes wartete, versicherte mir Helene, punkrothaarig, auf die Frage nach »selbstgemacht«, dass sie nicht einmal einen elektrischen Büchsenöffner haben, weil sie keine aufmachen. »Pfanne- und Töpfekoaherr« Josef Hödl, eher von der Spezies handfester Kerl, macht alles selber, sogar die Gulaschsuppe mit Hausbrot (3,60 €). Diese Serviceperle war so rustikal direkt, dass mir nichts anderes übrig blieb, als zu glauben. Man merkte das nahe Kloster, besonders dann, als die stimmgewaltige Glocke mitten in meine waldwuchtigen, sahnetrunken Schwammerl mit dem Lockerknödel hineintönte, so krass, dass nur noch Don Camillo ums Eck biegen konnte.
Während die bildhübsche Filiz, mit türkischen Eltern, drum, ihr exzellentes Personalessen, einen gebratenen Zander verdrückte, klärte mich Helene auf, dass die Hoaba vom Tagesdessert wahrswcheinlich aus dem Sauwald kommen. Mit Vanilleeis. Herrgott, und da soll ich nein sagen? Nein.
Sie kennen keine Hoaba? Sicher doch: Blaubeeren, Schwarzbeeren, Heidelbeeren. Alles das gleiche, alles ein Gedicht. Die Innviertler sagen, eingedeutscht, Haarbeeren zu dieser waldlerischen Köstlichkeit. Natürlich haben die blauen Schmankerl auch in Österreich nirgendwo Haare. Der Ausdruck rührt davon, dass sie mit einer Art Kamm geerntet werden.
Dies war jetzt die Zugabe vom vogelwilden Leuchtturm, zu ganz viel Hoarbierl mit drei riesigen Kugeln Vanilleeis, Sahne und Waffeln auf passend sattblauem Glasteller. Für 5,90 € allerdings.

Jetzt gehe ich einmal davon aus, dass einen Teil der Pacht der liebe Gott ausgeben darf, dorthin wo es gerade am meisten brennt, dann passt das schon.
Da hätte ich eigentlich drei Nachspeisen verdrücken müssen, bis zum Platzen. Unsinn, es ist bestimmt gescheiter, ich komme wieder, träume von der Ahornbaumterrasse in die weite Innlandschaft hinaus, verdrücke scheinheilige Schmankerl und animiere Sie mit diesen Zeilen, es mir nachzumachen.
Juli 07

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Niederbayern

 

Restaurant
Hartl Schlössl

 

An der Rottwiese 2
94094 Rotthalmünster
OT Penning

 

Wirt: Veronica Hartl
Koch: die Rotthalmünsterer
Service: frisch

 
tel:  08532-92660
Ruhetage: keine Ahnung

  die niederbayerische loire?

Heute Mittag war ich auf dem Genfer Automobilsalon in der Serengeti und habe italienisch gegessen, Spaghetti Penningese mit original Rotthal-münster-Asmonte Parmesan und dem Sonntagsbraten der Golfer, Wiener Würstl.
Von München ist's zu diesem seltsamen Platz gar nicht so weit: Landshut links liegen lassen (der Deimer ist ja weg), in Pfarrkirchens Eisenroß zwischen den Beinen durch und bei den HartlHills (man überlegt ernsthaft, diesen Bergzug so zu benennen) den Stachel reinhauen und rechts ins Penninger Rottgebüsch. Ein wehmütiger Blick zu den nostalgischen Formsignalen am hauseigenen Transfahrmit (die München-Erdinger planen sich den Wolf, die Roßtäuscher haben ihn längst) und nun ganz, ganz langsam den riesigen Parkplatz hinuntergleiten, damit mein Kleiner wenigstens die illustren Hintern der Blechbarone dieses Sonnensystems im strömenden Regen betrachten kann. Bevor auch er zu heulen beginnt, aussteigen, zu Fuß am S-Type, X-Type und Traumteip vorbei, dann stehst du davor.
Dummerweise hatte Griesbach noch nie ein Schloss, auch keine Burg, wie Conradberg zum Beispiel (bürgerlicher Name: Wernberg). Wirklich saudumm. Aber: Das kann doch einen Hartl nicht erschüttern! Er nahm den Franzl Beckenbauer an die linke Hand, in die rechte biss ihn ein Rudel Jaguare, er blickte in sein Gebirge und sprach: Es werde Licht.
Dafür wurde es auch höchste Zeit an der Rott.
Jetzt kann man hineingehen in sein Schlössl! Für seine Tochter Veronica gebaut? Stammt daher der Namenswandel in Richtung »Golf Schlössl«? Will der große Thermalsäulenheilige aus der Warmwasserquadratur des Kreises (Zwick, Holzapfel, Hartl, Weber) bescheidener rüberkommen mit seinem Rottthaltajmahal?

Einem »on dit« zu Folge würde er sehr gerne die weltbekannte Dame aus dem Pariser Louvre an die HartlHills holen und golfwerbewirksam ausstellen: Das Löcheln der Mona Lisa.

Ein richtig schönes, nicht zu edles Restaurant mit riesigem Billardtisch, damit der gemeine Putter auch mal andere Löcher sieht. Dann eine respektable Salatbar (4,90 €) mit Nachspeisenanhang, dennoch in ihrer Dimension eher mit einem Sandspielhaufen vergleichbar, wenn schon kein Geringerer als Bernhard Langer ganz andere, reizvolle Sandspielplätze in die Wiesen vor der Türe gegraben hat.
Ich glaube, jetzt gehn die Pferde mit mir durch. Bevor ich endlich abhebe: Die Kartoffelsuppe mit Wiener Würstlscheiben (3,80 €) (ja, da zuckst) ist die farbloseste, die ich je in pürierter Form gesehen habe – und die beste zugleich. Ein Gedicht. Der Hammer aber sind die Spaghetti Bolognese mit Asmonte (6,00 €) der beiden Rotthalmünsterer Kochlöffeljongleure. Das gesamte italienische Katzenfutterimperium kann nach einem Teelöffel dieses köstlichen Käses aus heimischen Gefilden mit Fleischsoße seinen Packerlparmesan samt Nudelkochwasser nehmen und an einer möglichst tiefen Stelle in die Rott hüpfen.
Leider hat mir ein einheimischer Wurmbader alle Illusionen geraubt: Die Rott hat keine tiefen Stellen, selbst für kleinste Stiefelgrößen nicht.

Sollte Ihnen das zu viel  Schmäh gewesen sein, das nächste Mahl esse ich etwas Gescheites und berichte ganz seriös, wie es gewesen ist.

Jetzt gehe ich in Zeitlupe über den Parkplatz, um mein Aschenputtel zu entfernen, während der niederbayerische Transfahrmit pfeifend mit über fünfhundert Stundenzentimeter orografisch rechts den Fluss hinaufdonnert, Richtung Bronzegaul.

Mein Gott, die Leute hier leben in einem Vierseitparadies. Wirklich.
Juli 07

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Niederbayern

 

Restaurant
Taj Mahal

 

Vilshofener Str. 12
94496
Ortenburg

 

Wirt:  Nasir Mian
Koch: ??
Service: Tayyab Amir

 
tel:  08542-919421
Ruhetage: mittags außer Sonntag

  weltwunder?

Millionen von Menschen haben unumstößlich entschieden: Das indische Taj Mahal gehört zu den sieben Weltwundern der Jetztzeit.

Das Taj Mahal in Ortenburg, mitten im niederbayerischen Niemandsland gehört zum einzigen, tollen Dorfwunder Bayerns. So habe ich entschieden.

Du stehst vor der leicht verhauten Eingangstüre und denkst, voreilig, in diese Bude gehe ich nicht. Steigerung: der Freisitz!

Ein großer Fehler. Nicht machen. Es lohnen sich sogar die dreizehn Asphaltkilometer von der Griesbachtherme. Bestens ausgebaut, wald-romantisch, bilderbuchbäuerlich, in Ordnung.

Drinnen, links und rechts, vorbildlich, richtig geschmackvoll eingedeckt. In auffallend schönen, abgestimmten Farbtönen. Mit Stoffservietten(!).

Der Chef weilte nicht im Haus, dafür Tayyab Amir. Wieselflink, natürlich gut aussehend, wie alle Inder. Dal-Shorba (Linsensuppe), die Leberknödelsuppe des Taj Mahal. Mit drei Euro viel zu teuer, aber da diese Form von Preisschneiderei von allen Wirtschaften, egal welcher Nationalität, gepflegt wird, kann ich sie dem Inder nicht zu sehr ankreiden, doch wären 2 Euro für deren Inhalt immer noch reichlich bezahlt.

Da ich schon bei den Preisen bin, mit gleicher Vehemenz möchte ich darauf hinweisen, dass ich die Linsenwaffeln, Papad, Nr. 124, die mit 1,50 € in der Karte stehen, hier als kostenloses Gedeck gereicht bekomme. Und zwar nicht eine, sondern ein halbes Dutzend dieser krachreschen Köstlichkeit mit reichlich Ganges-Dips. Das kenne ich schon ganz, ganz anders.

Beim Hauptgang verließ ich mich auf den Chef der einmannstarken Küchenbrigade: Ente Mango (zartes Entenbrustfilet mit frischen Mango in Mango-Safran-Cashewnuss-Soße, fein gewürzt)(12,50 €).

Der Reis war beispielhaft körnig, ohne Safranfärbung und aufgestreutem Herz. »Nur« frisches Grünzeug. Die sämige Soße stimmte, sie war tatsächlich fein abgeschmeckt. Nur die Cashewnüsse fehlten. Ich fragte Amin. »Das ist mit Mango.« Ich bohrte nach und meinte, dass die aber bei der Beschreibung des Gerichts mit dabei stehen. »Dann hat er sie vergessen«. Freundlich lächelnd, aber bestimmt.
Das ist trotzdem nicht in Ordnung und bringt zusammen mit fehlendem Safran und der nervtötenden Originalbeschallung live aus Neu Delhi den »-« Abzug. Auch der schwache Entengeschmack der großen Würfelstücke ist mit schuld. Immerhin, sie waren beinahe zart, übertreffen jede chinesische Fassung überdeutlich. Glutamat scheinen die Kalkuttakocher nicht zu kennen. Wie erfreulich. Berechtigt, die Verbesserung von 2-3 auf 2-!

Mit ganz gutem Gewissen kann ich also jedem raten, der aus der Nudel- und Pizzaschlabberei ausbrechen möchte, nach Ortenburg zu fahren. Nur nicht mittags, außer am Sonntag, denn da hocken die optimal gebräunten Männer am Ende des Ganges.
Juli 07

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Niederbayern

Bild vielleicht
 

Restaurant
Il Giardino

im Columbiahotel

Passauer Str. 39a
94086 Bad Griesbach

 

Wirt: Columbia Hotel
Koch: Denis Feix
Service: Katrin Feix

 
tel:  08532-309-0
Ruhetage: Sonntag + Montag

Kamera streikte

  unterm thermensternenhimmel?

Jetzt haben Nürnberger Eis- und Lebkuchenfritzen, die mit der welt-bekannten Rederei und Versicherung im Hosensack, den niederbayerischen Warmwasserfürsten gezeigt, wie ein Stern ausschaut. Nicht der am Firmament. Das hängt hier voller Golfbälle. Nein, ein Essstern! »Ach so« denken Eingeweihte, wohl wissend, das Golfer am liebsten Wiener Würstl anschreiben lassen. Höre ich oft. Weil die zwar meist reichlich vorhandene Portokasse für Ausrüstung und Reisen drauf geht. Aber der Herr Beckenbauer und der Becker? Die brauchen den Stern auch nicht, denn die hartln treu. Und schöllern eher weniger. Bitte, für wen soll das begehrte Edelteilchen der roten Feinesserbibel aus Karlsruhe dann gut sein? Für uns natürlich. Als Golfersatz. Für Wirte, damit sie meckern können: Kocht auch nur mit Wasser!

Das mag alles sein. Vielleicht ist es aber das Thermalwasser?
Blöder Witz. Tatsache: Wenn eine Kochmütze einige Monate bei Deutschlands bestem Koch, so meine unumstößliche Meinung, und ich kenne den Herrn sehr lange und sehr gut, mitgebrutzelt hat und Schloss Lehrbach verlässt, dann schaut die Edeltestergilde ganz genau hin, wo der denn in Zukunft die Pfannen schwingt. Und da diese Ecke unseres Vaterlandes mit Sternen übersät ist, wie der nahe bayerische Wald mit Dornröschen, ließen die DeutschFranzosen einen fallen. Für die kulinarische Erhellung an der träg verschlafenen Rott!

Wachet auf, ihr Roßtäuscher, ihr knirschenden Hüftgelenke, ihr promi- und unprominenten Diasporabesucher, weitet euren Horizont, der bislang spätestens hinter Erding oder Landshut endete.
Wer ist Landshut? Muss man den kennen? Ach so, der mit der Hochzeit!

Auf zur hoch Zeit (Diese Wortakrobatik stellt sich ein nach vier Pappbechern Thermalwasser. Vorsicht wegen Fluorgehalt).

Bei meinem ersten Besuch, noch unbesternt, konnte ich den anfliegenden Mehrzack nicht ausmachen. Nun das zweite Menü. Im Beisein hiesiger Wirte, was jedweden Objektivitätsversuch bereits im Keim erstickte. Also packe ich es subjektiv. Ist sehr persönlich, daher festhalten.

Ich kam fünf Minuten zu spät, meine Tischgesellschaft zu früh. Sie waren gerade mitten in den Lobpreisungen über das amuse gueule. Es hatte eine Art Leberkäsemousse im kleinen Kelchglas mit Wachtelspiegelei und einer Süßsenfstraße auf Leberkäsekrustel, über das Glas drappiert, gegeben. Ich bekam dann das auch. Mein Fotoapparat streikte. Mein Gaumen auch. Unzählige Male in meinem Leben habe ich Leberkäse gegessen, oft das Scherzl. Als Höhepunkt. Nahezu immer köstlich. Oft frisch aus dem Rohr, mit Baumannsenf aus Rosenheim. Oft mit einer köstlichen, salzigen Brezn. Mein Mund, mein Gaumen, mein Herz kennt Leberkäse blind. Und verweigerte vehement die Ehrerbietung vor dem Feixkäse. Ich habe es probiert. Essen konnte ich es nicht. Und jetzt kommt es: ich konnte es nicht. Meine vier, in der kulinarischen Welt der Winkler, Filzmoos und Witzigmann zu Hause, die flippten aus.
Die Erkenntnis kam schnell und heftig: Ich habe kein Recht, einen Denis Feix objektiv zu kritisieren.
Von dieser hochgestochenen Art Küche habe ich zu wenig Ahnung. Wenn ich überdies bei einigen Gerichten dann feststellte, dass sie versalzen sind, schäme ich mich für meinen depperten Gaumen.
Die Bonsai-Makrele, das Teilchen meines Fischgangs, nicht im Menü, sonder à la carte wohl gemerkt, mit 20 €, wäre mir schlicht zu wenig gewesen, hätte sie weniger gefischelt. So war mein Appetit stark eingedämmt. Sogar für die Salvadore-Dali-like hinzelebrierten Beilägelchen fand ich kein Verzücken. Auch wenn viele meiner Leser jetzt abspringen: Linsen oder Bohnen meiner Mutter schmeckten mir tausend Mal besser.

Dass ich die Bäckchenwelle der modern-ruralen Feingastronomie der letzten Jahren nicht mitmache, rührt daher, dass in meiner pottarmen Oberpfalz, in der ich aufgewachsen bin, diese Spezialität der Hund gefressen hat oder im Presssack versteckt wurde. Es bringt mir deshalb gar nichts, wenn die Sau aus Spanien stammt. Die dünnen Kasslerscheibchen des Ibericoschweines standen mit 55 Mark auf der Rechnung. Und das soll ich einfach so schlucken? Es liegt wiederum an mir, wenn ich, viel zu viel Habenichts, bei diesen Preisen  einen dicken Hals mit Schluckbeschwerden bekomme. Dafür kann Feix aber nichts, ist ja mein Hals.
Für das Männerserviceduo, dessen neunmalkluges Gehabe mir kräftigst auf den Keks ging, mache ich Frau Feix verantwortlich. Die muss ich nun wirklich kein zweites Mahl erleben. Nicht die Katrin Feix, die schon, aber nicht diese affigen Tablettsmarties.
Und weil ich schon letztmalig am Kritisieren bin, dieses Mal sogar gegen den Boss: Bärlauchbrötchen im Juli ist für mich wie Spargel im Erdbeersud unterm Christbaum oder Ostereier als Sorbet im heißen, klimagewandelten August. Bärlauch ist während der Schneeschmelze ein Genuss, dann ist Schluss, auch mit seiner gesunden Kraft. Fertig!
Oder Mais. Viehfutter! Bonsaikölbchen in Habeichvergessenmoussemantel im Urigellerlöffel. Alleine diese Löffel giften mich an, sind ein blutrotes Zitronengrastuch für meine Augen. Was hat man mir auf ihnen schon für Blödsinn kredenzt. Mais. Ich brauche das nicht.

Schade ist: Ich wäre so gerne 'mal auf dem Restaurantbalkon des Columbia gesessen und hätte dem lieben Gotte zugeschaut, wie er unsere Sonne am Horizont unvergleichlich versinken lässt. Dazu guter Wein von der kompetenten, gut aussehenden Katrin Feix, gutes Essen von Denis Feix und herzwarmer Service. Mehr bräuchte ich nicht. Doch, noch etwas: Einen Geldschei… in der Hose, denn wir fünf zahlten gut 800 Euro.

Kleine Bedenkpause.

Am nächsten Tag fuhr ich nach Bad Birnbach. Zum weltberühmten Wasnerwirtshaus ohne Stern und Hauben. Dafür mit Metzgerei. Und Sie wissen ganz genau, was ich gegessen habe.
Meine kleine, wundersam begrenzte Welt war wieder in Ordnung.
Vielen Dank für Ihr Verständnis!
Juli 07

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Niederbayern

 

Restaurant
zum Heurigen

 

Am Kurwald 2
94086 Bad Griesbach-Therme

 

Wirt: Hartlimperium?
Koch: NN
Service: Herr Sterling?

 
tel:  08532-7990
Ruhetag:mittags

Spanferkel

  jamek zu lieben
 ist allzeit mein sinn?

Fallen wir doch gleich mit der Tür' ins Haus: Für mich präsentiert Hartls König Ludwig beinahe das schlechteste Heurigenbüffet, das ich kenne – auf der kalten Seite bestimmt. In Nussdorf würde das Etablissement kaum ein Silvester überleben. Selbst wenn inzwischen Japaner, wahrlich nicht kulinarisch gedopt, auch vor Wien keinen Halt mehr machen. Ganz Europa wird niederfotografiert. Und hungrig niedergefuttert und zugetrunken. Wer das Münchner Hofbräuhaus gegen zweiundzwanzig Uhr kennt, weiß, von was ich rede. Ende des Seitenhiebes.

Zurück nach Bad Griesbach, zum Ziehharmonikaspieler aus dem nahen Bad Birnbach. Der geht bei mir links rein und rechts raus. Ich stehe auf der zigeunerhaften Wahnsinnszitterin am Wochenende und dem Jamek. Genauer, auf seinem grünen Veltliner, das Viertel für 4,60 €. Doch das ist immer so gut eingeschenkt, das man mit spitzer Zunge zuerst vorsichtig abschlürfen muss, bevor ein anständiger Zug geht. Den es aber unbedingt braucht, um, wie gerade gesagt, durch die kalten Küchenkunststücke zu manövrieren. Schadlos.

»Das sieht aber gut aus« stellt ein minzgrüner Pullover hinter mir fest. Seine karierte Hose nickt zustimmend. Das an Armen und Ausschnitt sichtbare Ende ihrer Golferbräune zeigt, dass sie immer noch nicht nackert über den Parcours lustsporteln dürfen. Wenn die beim Ballischlagen genau so treffsicher im Rasen herumstochern, wie beim Buffetkommentar, dann ist es jammerschade für das Greenfee. Stammt nicht aus einem Märchen, ist aber mitunter märchenhaft hoch. Der nächste Seitenhieb.

Heute topp: Der Mozarella mit Tomaten. Er steht haarscharf vorm Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde. Rubrik: Schlimmer geht's nimmer.

Die Fleischpflanzl im Bonsaiformat bekommen ihren traumhaften Gusto durch Thai-Chilisauce, die inzwischen drauf und dran ist, Heinzs Ketchup in der Gunst der Esser zu überholen. Es zahlt sich aus: Welche Skatrunde war noch nicht in Bangkok? Wer hat noch kein Zweithäuschen auf einer der Badewannenwasserinselchen unter der Morgensonne? Mit Lotosblume im Teich, im Haus und unterm Bettlaken?

Ich höre jetzt auf zu meckern, schlucke meinen Neidgeifer hinunter und zahle beim echt freundlichen, kernigen, dressmanigen, krachledernen Ober, der alle Thermengrauhaare, weiblich, in stille Verzückung beamt, renne in die Parkhotelbar zum wohltuend menschelnden QuadHans, dem Becher-Flaschen-Gläserjongleur, um zu vergessen, Hartz IV zu schlürfen und zu ratschen. Wirklich.
Bis zum garantiert nächsten, perversen Mahl im erstklassigen Bilderbuch-ambiente, drinnen und draußen, des Jamek-Heurigen von Griesbach … und dann zum QuadHans und dann …
Juli 07

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Niederbayern

 

Restaurant
Shanghai

 

Hauptstr. 23
94086 Bad Griesbach

 

Wirt: Zhou
Koch: NN
Service: die Wirtin

 
tel:  08532-924554
Ruhetag: ??

  chinesisches Thermenwunder?

Nicht nur einmal haben mich Einheimische, echte, auf ihren Superchinesen am Ortsanfang hingewiesen. Ich war dann mal dort vor einigen Jahren. Danach zweifelte ich etwas am chinesischen Sachverstand der Thermalwasserbesitzer. Nicht Eigner, nein, nur Draufhocker. Die Eigner hocken auf dem Eigentum, das eigentlich allen gehören müsste. Kleiner Sidestepp.

Und heute, nach der gestrigen Glutamatorgie in Europas größtem Thermalbad, in Bad Füssing?

Die sogenannte »Thaikarte« im China Town unterscheidet sich in nichts von der Griesbacher Chinesenkarte. M3 heißt auf ihr die kostengünstige Mittagsnummer (7,00 €) für die Achtkostbarkeiten (scharf) mit Peking-Suppe (sauer-scharf).

Generell: weniger Glutamat, aber immer noch schlimm genug, und gekonnt null Geschmack. Natürlich auch keinerlei Schärfe.
Sojasoße aus der zweckentfremdeten Maggiflasche und das unvermeidliche, rote Sambalgebatz zur Geschmackserzeugung, das kann es doch wohl nicht sein. Sind wir denn inzwischen so genussversaut, dass uns ein abgeholzter Bambuswald mit ein paar Stückchen Fleisch jubeln lässt. Jedem bayerischen Gastwirt würden wir seinen Teller mit dieser Fleischmenge über den Kopf stülpen. Die drei Entenbröckelchen darunter schmeckten so, als wäre der Vogel tatsächlich von Peking eigenmächtig herübergeschwommen, um zu prüfen, ob der ThermalHartl tatsächlich das große Latinum hat.
Gut, der Reis war heiß, in einer Schale mit Deckel, was für die Suppe nicht galt, klar ohne Deckel. Ihr Inhalt glich auf's Haar den schlitzäugigen Suppen in der Holledau. Da drängt sich doch der Verdacht auf, dass eine Art Boflost dahinter steckt?
Jetzt habe ich einen guten Tipp, wenn es schon unbedingt gestaberlt sein muss: sagen Sie beim Bestellen, dass Sie keinen Bambus mögen, ob es auch ohne ginge. Da passiert rein gar nichts, wenn diese Schotterzutat fehlt. Die darf man mit gutem Gewissen in die Mülltonne treten. Nun warten Sie zwar etwas länger, denn das Gemampfe muss nun frisch zubereitet werden. Herauspullen ist nicht! Ergibt meist eine schmeckbare Verbesserung und sicher eine Wirteverärgerung, die der aber mit Links scheinheilig niederlächelt.
Mädels mit Risterrentengaranten im Bäuchlein sollten auf Glutamat gänzlich verzichten. Aber ob die das hinkriegen? Die Mädels schon, der Rister auch, doch del Pfannenlühlel?
Etwas Erfreuliches. Einige Pilze, nicht die Champignons, waren wohl-schmeckend. Wahrscheinlich waren das die acht Kostbarkeiten. Ich habe zwar zu spät begonnen mitzuzählen, aber acht waren es sicher nicht!

Mit einem 0,4er Mineralwasser knapp zwanzig Mark, das ist nicht gerade wenig. Aber ich zahlte mit Trinkgeld zehn Euro. Na bitte, das war doch beinahe geschenkt.
Juli 07

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Niederbayern

 
 

Restaurant
China Town

 

Birkenweg 15
94086 Bad
Füssing

 

Wirt: NN
Koch: NN
Service: Wirtin?

 
tel:  08531-980914
Ruhetag: keiner

 

  im tiefen keller?

Was um alles in der Welt treibt ein Frauenzimmer aus Hongkong nach Bad Füssing in das Untergeschoss des Appartementhotels am Birkenweg?

Was um alles in der Welt treibt einen Restaurantkritiker in ein Thai Restaurant in Bad Füssing?

Wo um alles in der Welt sind die 8 Kostbarkeiten im preisreduzierten M4 (6,50 €)?

Warum um alles in der Welt wollen Sie das wissen?

Sie wissen doch eh schon alles: Glutamat, Glutama, Glutam, Gluta, Glut …*

Was um alles in der Welt hat dieses Lokal mit Thailand gemeinsam?

Gott sei Dank: Gar nichts. Sonst würde kein Mensch mehr dorthin fahren, selbst im größten sexuellen Notstand nicht. Da könnten einem die Lotosblüten allesamt gestohlen bleiben. Und Krabben, und Chili, und Bambus, und – stopp, jetzt kommt es: es sei denn, Mann steht auf Glutamat. Dieses Glibberzeug, das Schwangere meiden sollten, wie der Teufel das Weihwasser. Dieses Geschmacksverstärkergewabere, das aus einer zerkochten Zwiebel angeblich eine provencalische Frischgemüseorgie zaubert. Diese Gallertmasse, die dafür sorgt, dass die Suppe in der umgedrehten Suppenschale pappt, als hätte David Copperfield am Herd gestanden. Das bringt es. Wenn es langsam erkaltet, kommt seine ganze Kraft und Schönheit erst voll zur Entfaltung. Dann zeigt es sich, wer das Land der Morgenröte wirklich liebt und nicht ko… Stopp. Das Hühnerfleisch war mürbe. Die Sambalschärfe hat es dann letztendlich gebracht. Man nehme von ihr so viel, bis der Gaumen betäubt in der Mundhöhle wimmert. Dann rasch zahlen und gehen. Weit weg. Bis nach Honkong.

*Ein schlechter Witz: Glut! Schlaftabletteneldorado!
Juli 07

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Niederbayern

 

Ristorante Pizzeria
Gran Sasso

 

Sonnenstraße 2
94086 Bad
Füssing

 

Wirt: Michele Di Pietro
Koch: Fieni
Service: Bruder Fabio

 
tel:  08531-21521
Ruhetag: keiner

  kaum platz im platzhirsch?

Die Wolken verheißen nichts Gutes. Aber noch ist es wundervoll warm. Die riesige Terrasse des italienischen Bäderplatzhirschen ist beinahe überfüllt. Mein Krückstock hilft auch dabei. Ein reservierter Zweiertisch ist frei. Knapp 70 Gäste können sich nicht irren. Oder? Eins ist unbestritten: Service freundlich und wieselflink, dazu eine einfallsreiche Karte im Tagesbereich mit vielen reizvollen Angeboten neben den üblichen Italoklassikern. Wirt Michele umsorgt mich, er weiß, dass ich Tester bin. Das tut auch mal gut. Für 4 € bekomme ich eine üppige, sahnige, wohlschmeckende Tomatensuppe. Trotzdem, sie ist viel zu teuer. Aber alle Eurosuppen der bayerischen Gastronomie sind zu teuer. Da galt bei der Währungsumstellung einmütig bei fast allen Wirten: Kopfrechnen schwach. Sie werden dafür noch bitter bezahlen müssen. So viel zu diesem Thema.

Die ersten Tropfen fallen, doch die beiden gewaltigen Markisen, etwas  patiniert, schließen wasserdicht.

Ob ich die Spaghetti, oder besser, lieber Spaghettini, wirklich al dente möchte, meint Michele. Ich will und bin auch für picante bei der Soße. Und genau so bekomme ich das Nationalgericht Spaghettini Bolognese (6,50 €). Trotzdem bin ich nicht begeistert, denn das Katzenfuttersyndrom steigt langsam in mir hoch. Obwohl ich natürlich noch nie Mietzeschlabber probiert habe. Ich weiß, es liegt an der Hackfleischmischung und einem Allerweltsspaghettibolognesegewürz, das die Stiefelsieder gerne verwenden. Meine Picantefassung verbessert die Situation Gott sei Dank etwas.
Hat der Wirt mein Gesicht oder Gestochere gesehen, er bietet noch ein paar scharfe Pepperoni an. Aber das kann doch wohl nicht die Lösung sein? Meine letzte, köstliche Spaghettiragoutfassung hatte ein deutscher(!) Koch mit einem Schuss Cola raffiniert abgeschmeckt. Sagte er. Aber der kocht sonst auch sehr gut. Kontrastprogramm bei Spaghetti Amatriciana (6,80 €) ein paar Tage später: köstlich. Während die roten Liebesäpfel in der Sonderanfertigung Tomatensalat mit Zwiebeln und Thunfisch (4,50 €) im Hochsommer in dieser Qualität bestenfalls auf die Pizza taugen.

Wenn die im Gran Sasso eines Tages so kochen, wie sie nett sind, dann hocke ich öfter auf ihrer Terrasse, als ihnen lieb sein dürfte. Und wenn es im Wintermantel sein muss.
Juli 07

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Niederbayern

 

Restaurant
Jägerstüberl

 

Steinkart 1
94086 Bad Griesbach

 

Wirt: Fam. Haslinger
Koch: Armi9n Haslinger
Service: fix

 
tel:  08532-972660
Ruhetag: Mittwoch

  niedergang fortgesetzt?

Ein bunt gemischtes Völkchen hockt unter den malerischen Bäumen im Wirtsgarten von Familie Haslinger und wartet auf den Sonnenuntergang. Der hat garantiert kühlere Temperaturen im Schlepptau. Also fackel ich nicht lange herum und bestelle als Vorspeise Blattsalat mit gebackenem Emmentaler in der Walnusskruste (4,80 €). Das liest sich gut – und sieht auch recht gut aus. Der Preis ist eine kleine Sensation. Und die Sensation ist reichlich. Herz, was willst du mehr? Das kann ich dir schon sagen: Dass es köstlich schmeckt! Und gerade das tut es nicht, denn das Dressing ist langweilig, so wie der Käse. Den päppelt wenigstens seine Nusshülle auf, und Preiselbeermarmelade. Aus der Konserve. Anders wäre bei den schlappen fünf Euros wirklich zu viel des Guten verlangt.

Mein Getränkethermometer zeigt 22°. Passt noch für den mittelameri-kanischen Hauptgang, Scampi mexikana mit Chillisauce, Gemüse und Kartoffelecken (10,20 €). Ein Berg. Acht(!) Riesengarnelen, eine trockener, als die andere. Das ist zwar auch nicht gerade lustig, wenn man weiß, wie die edlen Meerestierchen schmecken könnten, aber dann: Eine hat die Schlamperküche nicht ganz geschält. Geschickt schneidet sich die Schale in mein Zahnfleisch, weil der Saucenmatsch, der sie bedeckt, dies nicht erkennen lässt. Für diesen Schmerz kommt der Jungwirt bald auf meine Abschussliste. Insgesamt eine Knoblauchorgie, die aber sonst nach nichts schmeckt. Ich salze mir einen Wolf, strapaziere die Pfeffermühle und haue das Kohlgemüse vom Teller. Die Kartoffelspalten an sich sind wenigstens erdknollig, reizvoll schmecken sie trotzdem nicht.

Fazit des lauen Abends: Meine Steinkartbegeisterung hat einen weiteren, noch heftigeren Dämpfer bekommen, den zu allem Übel ein Golffuzzi am Nachbartisch mit dummem Löchergelaber lautstark untermauert.

Das Auto meint, es hat 19°. Gönne ich mir zur Nervenberuhigung schnell noch eine Süßspeise beim weltbekannten, hochprozentigen Dauerbrenner Rank im Thermenviertel.
Beinahe taufrisch präsentiert sich sein neuer Hochsitz inklusive mißver-ständlicher RotlichtHeizung, sägefrisch die beinahe kuschelige Trottoir-terrasseneinfassung.
Wenn unten um Mitternacht die Lichter ausgehen, pünktlich, feiern nun die Hartgesottenen in luftiger Höh' bis zwei Uhr früh, um dem BussiWirt einen satten Umsatzzuwachs von 25% (eigene Angaben, i.w.S.d.W.) in den Alexanderbeutel zu klingeln.
Schuhbecks Servicebrummer aus Waginger Zeit, die mit dem Fußballernamen, war dereinst für den hohen Shakerjob von Rankiboy im Alleingang, ohne seine Startsirene Theresa zu konsultieren, ausgewählt worden. Da hatte er aber die Rechnung ohne die ranke Powerblondine mit dem interessanten Profil (nicht in Kurven), brav wie ein Plüschtierbiest, gemacht, sagt man. Inzwischen ist seine angeliebte Aufbauhilfe ins Birnbacher Ausland gedriftet (siehe Sammareier) und der Schnapssmarti legt verliebt sein Köpfchen zwischen zwei Immobilienhügel. 
Nicht auszudenken, wenn die buntpulloverigen Golfjäger allspätabendlich in das vielleicht silikonfreie Tiefdekolleté der geschassten, prallweiblichen Dame gestürzt wären. Bad Griesbachs Bussibussieldorado mitsamt seinem Thermaljungfernstreichler am Rand des Untergangs? Ob Ranki das Trösten seiner zurückgesetzten Weiblichkeiten auf Dauer gepackt hätte, denn von Brigittes Busen wären die bestimmt nicht satt geworden? Es ist ja noch einmal gut gegangen? Gegangen ist gegangen! Oder?

PS (Steinkart): Nachtarock mit erbärmlichen Bratkartoffeln, wieder sehr schwachem Beilagensalat, nicht erkennbarem Rotweinjus und an allen Ecken fehlendes Salz. Der Löwe ist damit weg. Aus, Äpfel, Abend.
Juli 07

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Niederbayern

 

Wirtshaus
Hoftaferne

 

Am Burgberg 5
94127 Neuburg am Inn

 

Wirt: Sebastian Ott
Köchin: Marianne Resch
Service: gestylt + lieb

 
tel:  08507-9110
Ruhetag: keiner

  biergarten oder wirtsgarten?

Burgherr Ott mit seinem liebreizenden Burgfräulein Nataschalina weilte im herrlich warmen, malerischen Biergarten und harrte der klugen Gäste, die da kommen sollten. Und sie kamen, mit Kind und Kegel, denn im Hoftafernenfreisitz findet die Bagage eine schöne Abenteuerspielecke, die, nach den verknusten Pommes, den Eltern wohltuend die Aufpasserei abnimmt. Damit dieselben rasch resch essen können.
Stören Sie sich bitte nicht am attraktiv gewandeten Service, der hier durch die Kastanien huscht, dies hier ist kein Edelkies, wiewohl gute Genüsse halt so ihren Preis haben, sondern ein Wirtsgarten, eigentlich. Ihren Rettich müssen Sie nämlich zu Hause lassen.
Dafür sollten, müssen, dürfen Sie, wie gerade gesagt und sicher überlesen, resch genießen. Egal, was Marianne Resch oder ihre gut geschulte Brigade auf die Teller legt, schmeckt. Die brauchen kein übertriebenes Deko-gschistigschasti, glänzen vielmehr mit funktionalem Geschirr in edlem Design oder witzigen Kombinationen. Ja gut, der Schnittlauchmastbaum steckt auch bei Schuhbeck im Salat.
Und da hatten wir ihn auch, als Vorspeise, nach einem hopfigen Aperitif versteht sich: Gebackene Geflügelleber mit buntem Salat in Kirschessig-dressing dazu scharfe Sauerkirschmarmelade (8 €). Wundervolles Dressing mit geiler Träufelsoße im kleinen Näpfchen mit Schneewittchenlöffelchen, scharf, wie die Nachbarin, die leider nur Ihr Baby und nicht mich an ihren wunderschönen, sicher noch nahrhaften Busen drückte.
Aber, wie gesagt, Mitgebrachtes … Quatsch! Es ist der hilflose Versuch, die angenehm lockere Sonntagmittagstimmung rüber zu bringen. Trotz schmerzendem Ilio-sakral-Gelenk ging es mir gut.
Die Leber war zart, die auf dem Teller, die meine war hart und das Baby grinste mich an, und dann, hurra, hurra sogar die Mama.
Wann endlich bekomme ich den Goethepreis?
Ich schwoll an, vor Glück, es lebe die Hoftaferne.
Empfand auch der heitere Rotarierclan aus München an seinem großen Tisch und rotierte hörbar gut gelaunt durchs feine Mittagsmahl.
Bei mir gab es natürlich eine niederbayerische Bauernantn – Pustekuchen! BarbiEntenbrust mit gepfefferter Erdbeersoße dazu Kaiserschoten und Schupfnudeln (16 €) Sebastian Ott, er wirtelt immer besser, der schreibt Soße, wirklich, tatsächlich und immer. Was Hinterecker und Konsorten nicht hinkriegen, weil Sie glauben, sie seien gebildet und dafür hocke mehr Geld in ihrer Bude. Ächten sollte man sie, die Bude!
Und köstliche Schupfnudeln! Echte Fingernudeln, so heißt die königliche Beigabe droben in der armen Oberpfalz. In der Pfanne gebraten, die halbe Kindheit raste durch meinen verwirrten Kopf. Das Baby, die irre Mutter, und dann setzte sich auch noch Natascha an den Tisch. Wir beide haben den gleichen Gaumen und in Windeseile verführte sie mich. Ganz ohne Häkelkleid.
Ha, ha.
Zu Sorbetvariationen. Rhabarber war auch dabei. Rhabarber, da ging ich unter. Packte mein geballtes Senilocharmegrinsen ins Gesicht – und gewann eine zauberhafte Antwort. Knapp über 6,75 Sekunden.

Als ich, offen, jetzt für alles, über die Hügel nach Bad Griesbach heim-cabriolete zerbrach ich mir den Kopf, wann die Inn-, Ilz- und Donautaler endlich begreifen, was sie an der Hoftaferne haben. Diese Vierseithof-quadratschädel. Wichtige Ausnahme: ihre kerndlgefütterten Bilderbuch-weiber. Ja, Weiber, nicht Frauen! »Gebenedeit unter den Frauen …« das sollte der Marktl-Papst ganz schnell wieder zurücknehmen in unserem Ave Maria. Dafür würde ich ihm ein Zaubermenü in der Hoftaferne spendieren. Mit Fanta. Ja wärggli! (fränkisch; Verzeihung Herr Ott)
Juli 07

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Bäderdreieck Special Ende

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Südtirol

 

Restaurant
Jäger

 

Appolionaweg 5
I-39010 Sirmian
Ot von Nals

 

Wirt: Fam. Öttl Mair
Köchin: die Wirtin
Service:
der Wirt und ...

 
tel:  0039-0471-678605
Ruhetag: Donnerstag

  hoch droben (in Metern)

Die halbwüchsigen Äpfel im Etschgrund badeten in 26° warmer Luft. Man sah sie förmlich wachsen.

Zum Mittagessen waren mir aber ein paar Grad weniger lieber. Also kurvte ich aus dem Weißweindorf Nals – zwischen Bozen und Meran – nach Sirmian hinauf, zu 22° unter einem Apfelbaum mit zwitscherndem Pirol und Zwölfuhrläuten vom nahen St. Appolionakircherl. Der Kirchenwirt dort hatte Ruhetag, was aber kein Schaden war, denn im Bilderbuchgarten des »Jäger«, ein paar Meter weiter bergauf, kann man sowie so viel schöner sitzen.

Es gab, angesagt, ein Vitello Tonnato mit frischen Kapern und viel Fleisch, das aber etwas trocken geraten war. Doch die gute Thunfischsauce punktete das Manko weg. Dazu ein Geheimtipp der Nalser Kellerei, ein 05er Lagrein aus Gries, nicht schwer, aber rassig und fruchtig, fast süffig, ein Gedicht. Auch mit dem Klassiker Spaghetti mit Ragout (6,80 €) machte es mir Wirtin Angelika Öttl-Mair heute recht, ein Koch hatte frei, und sie musste ran an die Pfannen. Gut so! Endlich eine Fleischsoße ohne jegliche Futtergeruch und keinerlei Kochwasser. Dass die Nudeln passten, erwarte ich in so einem Haus als Selbstverständlichkeit.

Überraschende Dreingabe: sehr freundlich unterstützte die Tochter den Papa im Service, denn ihre Pizzeria in Völlan hatte heute Ruhetag.

Man sollte, gerade im Hochsommer, beim Jäger ein paar Tage wohnen, wandern, essen, trinken, atmen und die Seele baumeln lassen. Hier heroben leicht möglich.
Juni 07

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Oberbayern

 
 

Gasthaus
Zum Schimmelwirt

 

Aichacher Str. 21
86529 Schrobenhausen

 

Wirt: Jakob Stief
Koch: Martha Stief
Service: derb-sündig

 
tel:  08252-7609
Ruhetag: Samstag

  jammerschade

Die Gier
nach ihr
war schier
unersättlich.
Also fuhren wir
schnurstracks am Montagabend nach Schrobenhausen zur Spargellust.

Ein paar Telefonate im Landkreis nach den edlen Stangerln blieben erfolglos. Auf was warten die denn? Bis sie ihre griechischen Einkäufe verscherbelt haben!

Der Senior saß mit Freunden am Kachelofen, Wally sündelte – Erwartung erweckend gepierct – wieder durch die nahezu leere Gaststube, diesmal im weißen Top und der Mond übertraf alles um Lichtjahre.

Dieses Mahl gönne ich mir die Variante mit Sc. Hollandaise (13,80 €) und Werbeoblate, Karin nimmt die heiße Butter (12,80 €) mit einem Grünen Veltliner (0,25 l 4,00 €) (Das Glas sah eher nach 0,2 l aus). Für uns beide gibt es eine Schinkenplatte (6,50 €) auf einem Holzbrettl, dessen Rusti-Patina mich wirklich nicht anmacht, eher das Gegenteil. Den vier Schinkensorten hätte ansprechendes Geschirr keineswegs geschadet. Die viel gepriesene, hauseigene Paartalnummer ist so geschmacksintensiv, dass sie mir zum edlen Gemüse zu würzwuchtig vorkommt.

In meinem speziellen Fall war ich aber froh darüber, denn die Hollandaise war ein sensationeller Tiefpunkt.
Wie könnte diese Edelsoße die megaperfekten sechs Stangen adeln, zu einem Gaumennirwana treiben?
Nix, Marthas Ausgabe zog sogar eine Haut!!! Fertiger kann man gar nicht schmecken! Einmalig. Für mich bestimmt. Nie wieder verunstalte ich mir meine Spargelgier mit ihr. Bei Martha.

Auch die Kartoffeln hauten uns heute nicht von der unbequemen Bank in der halbdunklen Stube. Da Martha Stief die Teller nicht anwärmt, »genießt« ein Langsamesser, wie ich, am Ende ziemlich kalt.

Damit keine Missverständnisse entstehen: Der Spargel kann kaum besser sein! Auch der Schnittlauch: tadellos.

Als wir um Halbneun rasch die Gaststätte verließen, um vierzig Euro ärmer und eine Erfahrung reicher, waren alle gegangen. 

Was steht so vielsagend auf der Rechnung: Busse erwünscht.

Und der Mond strahlte auch bei der Heimfahrt riesig über's ganze Gesicht, er übertraf alles um Lichtjahre.

Sag ich doch!
April 07      << zurück zur Übersicht

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Oberbayern

 
 

Gasthaus
Zum Schimmelwirt

 

Aichacher Str. 21
86529 Schrobenhausen

 

Wirt: Jakob Stief
Koch: Martha Stief
Service: sündig

 
tel:  08252-7609
Ruhetag: Samstag

  im dunstkreis der stangen

Zum letzten Mal, der Dunstkreiskalauer.

Endlich, der Klimawandel hat auch seine guten Seiten, haut es sie aus der Erde, unter die Folie. Dann müssen sie raus, ganz schnell, gestochen von Rumänen und Polen und von weiß Gott wem. Die große Zeit von Martha beginnt.

An diesem Werktagabend mitten in der Woche ist es still beim »Roßwirt«. Ein Kartlertisch, der Senior an seinem Stammplatz und ein paar Vertreter in meinem Rücken.

Und Wally.

Ihre zu tiefst weiblichen, überreichlichen Formen, in moderne Hopfensackrustikalität mühsam verpackt, trocknen sofort meinen Gaumen aus, während sie sich an den Männertisch wanzt. Die brauchen gleich eine Runde Schnaps. Meine auferlegte Fastenzeit ekelt das kalte Mineralwasser (0,5 l 2,20 €) durch die Kehle. Beinahe zitternd warte ich auf den großen Augenblick. Nein, nicht den, den Sie jetzt meinen, dafür habe ich zwanzig Lenze zu viel auf dem Buckel und Kilo um den Nabel.

Länglicher Spezialteller. Sie liegen vor mir. Auf den Millimeter gleich lang, gleich dick, gleich zart, gleich bissig, gleich weiß, gleich großartig. Das Nirwana des Spargels: Spargel mit Butter und Kartoffeln (12,80 €). Von Martha.

Wally mag es gerne eng, ganz eng, erklärt sie gerade den Preussen, und drückt sich auf die Bank an einen armen Kerl, dem es sofort die Schusser beängstigend herausdrückt.

Was gäbe ich jetzt dafür, arm zu sein? Tausend Martha-Teller?

Nein! Ich beginne am unschuldigen Hintern und genieße mich dann vor, zum himmlischen Kopf. Noch ist die Butter heiß. Der ein Jahr herbeigesehnte Zungen-Gaumen-Orgasmus beginnt. Und wiederholt sich zwölf Mal. Oder habe ich mich verzählt?

Ich Depp habe zu wenig Trinkgeld gegeben. Wally schaut mich finster an. Besser so, herzoffenes Lachen ist mir sowieso lieber.

Außerdem kuschelt sich der senile Genießer nach solchen Höhen besser alleine in die Kissen, damit es nicht zu enttäuschenden Tiefen kommt.

Es sei denn, die Tiefen wohnen tief, ganz tief, in der Wally …
März 07      << zurück zur Übersicht

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Oberbayern

 
 

Restaurants
Bernhard's
Bayerischer Hof
Mamma Lucia
Waller

 


83080 Oberaudorf

  im dunstkreis der berge

Sonderfall: Ein kulinarisches Ortsbild

Ober au dorf. Der Name ist Programm, müssen wir argwöhnen.

Erste Station: Bernhard's

In der Ortsmitte, im Hotel mit Namen Alpenhotel. Nicht verwechseln mit Alpenrose oder Alpenhof.

Der Schweizer hat es hell und gediegen, beinahe toskanisch heiter eingerichtet. Die Speisenkarte animiert positiv. Die Preise suggerieren große Küche. Der Service ist freundlich oder distanziert, wie man es erwischt.
Der gemischte Salat ist bestenfalls Durchschnitt mit langweiligem Dressing. Wie ein Küchenstiefkind. Um Schnitzel zu lernen, empfehlen wir Peter Bernhard einen Ausflug nach Wien. Ob das allerdings reichen würde, wollen wir bei einem weiteren Test ergründen.
Gott sei Dank wurde die Enttäuschung mit Links durch das weltberühmtleckere (etwas übertrieben) Cafe Luckner, direkt daneben, wett gemacht.

Zweite Station: Mamma Lucia (alter Name)

Der Ortsitaliener auf dem Weg nach Nieder au dorf mit schönem Freisitz und schlechter Beurteilung in meinem dritten Band.
Falsch, behauptet die Familie. Sie waren rundweg zufrieden, auch ohne Garten. Da habe ich den Salat. Den habe ich dann doch probiert. Reinfall. Ich sollte meine Familie probieren ...

Dritte Station: Bayerischer Hof

Hübsch bayerisch eingerichtet, so, wie es sich der gemeine Tourist vorstellt. Kaum jemand da, der Service freundlich, das Essen ungenießbar. Es geht zurück, dafür gibt es einen Obatzt'n, der nicht einmal in der Karte steht - und gut ist. Immerhin.

Vierte Station: Waller

Kaum schwärmt der Feinschmecker in einer Sonderbroschüre über das schöne Bayern, stehen viele fremde Kennzeichen vor der Tür.
Das Ambiente ist filmreif. Oskar für Gaststuben. Selbst der Freisitz punktet. Was gibt es für den Gaumen? Leberknödelsuppe zum Erbarmen: leere Brühe, riesiger, kaum lebernder Knödl im spezialkleinen Teller. Schweinenacken, viel nicht essbar, roh und zäh. Da nützen auch die hauseigenen Angus nix. Beilagensalat unter dem Durchschnitt langweilig. Die saueren Nieren überhaupt nicht pariert, beinahe knochenhart. Herrlich sauer. Köstliche Zwiebel. Bratkartoffel essbar, mehr nicht. Was haben die Leute bloß am Reisacher Jung-Wirt für einen Narren gefressen? Er ist nicht unsympathisch! Das stimmt. Wir hoffen auf einen zweiten Besuch an einem Werktag und nicht am Sonntagmittag. Da gehört man sich ins nahe Kloster. O.k.

Fazit:

Die gerechte Strafe, weil wir nicht bei Jürgen Carbon, dem verqueren Wirt vom Berggasthof Buchau geblieben sind. Die beiden preußelnden Damen am sonnigen Nebentisch schwärmten sich für sein Rindgulasch mit Mais-Parmesan-Polenta schier den Wolf. Wahrscheinlich sind sie Jürgen-Faninnen, so wie ich Jürgens Sabrina klammheimlich, tief drinnen in der Brust anhimmle. Inzwischen geschlossen. (Juli 07).

Wir kapieren: au !

Oh mein Gott, in Buchau ist auch ein au!?
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Oberbayern

 
 

Restaurant
Unionsbräu-Haidhausen

 

Einsteinstraße 42
81675 München

 

Wirt: Ludwig Hagn
Koch: NN
Service: sehr freundlich

 
tel:  089-477677
Ruhetag: keiner

  im dunstkreis der sudpfannen in qype

Welch ein Name, welch ein Wirt, welch eine Tradition und welch eine Enttäuschung.

Gleich vorneweg: Das beste an diesem Winternachmittag im Restaurant war der weltbekannte Schnautzer des Wirts und Exvorstands des Hotel- und Gaststättenverbandes von Oberbayern. Genau der, der dem Gallus aus Beilngries Platz gemacht hat. Damit der endlich auf höchster Ebene sein Unwesen treiben kann – oder wie soll man die Nichtraucherkapriolen des fülligen Zapfhahnstreichlers von der Altmühl sonst nennen? Ich konnte den noch nie leiden, seine Frau hingegen …

Eine schöne Wirtschaft ist sie schon, vis à vis vom Rechts der Isar, da beißt die Maus keinen Faden ab. Das Krankenhaus war der Grund für unseren Nachmittagsbesuch beim Hagen. Wir waren ganz schön am Boden, mein Sohn und ich, hätten eigentlich Streicheleinheiten gebraucht, Aufbauendes. Das ging weder mit dem Braumeister Wurstsalat aus frischen Regensburgern mit Kas' und Hausbrot (6,80 €), der, nur gnadenlos kiersauer, nach Essigessenz schmeckte und nicht einmal mit roten Zwieberln etwas Interesse am Gast erkennen hätte lassen. Der Knusprige Jungschweinebraten mit kleinem Kartoffel- und Semmelknödel, dazu Speckkrautsalat (9,50 €), nicht einmal die wissen, wie man Schweinsbraten schreibt, glänzte durch Masse und zwei kleinfingerlange, tatsächlich knusprige Stückchen Schwarte. Von den beiden Miniknödeln fertigte der kartoffelige so stark, dass ich ihn liegen ließ und mich mit dem Semmelknöderl zufrieden stellte. Zwei Drittel des Tellers gingen zurück. Eine Gabel Krautsalat genügte vollauf. Sollte der Wirt jemals in Berlin Zeit haben, dann rate ich ihm dringend in der »Ständigen Vertretung« Nähe RTL-Studio zum Krautsalatstudium. Aus.

Gilt nicht für das tapsige, wundervolle dunkle Weißbier der Franziskaner (0,5 l, 3,70 €).

Der Servicemann war schnell und höflich.
Wir meinten ziemlich geknickt beim Hinausgehen, dass die Intensivstation nicht so schrecklich war, wie das Essen im Unionsbräu. Entsetzlich. Jammerschade.

Warum steht der SalvadoreDaliSchnautzer nicht in den Enttäuschungen?
Das Bier!
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ein  Wort in eigener Sache

Bis auf weiteres werden wir in Pfaffenhofen/Ilm und der näheren Umgebung nicht mehr im Internet auf unseren Seiten kritisieren. Die Tests werden jedoch gespeichert und zu gegebenem Anlass veröffentlicht.

Wir bitten um Verständnis.
Jan 07                              << zurück zur Übersicht

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Oberbayern

 

Hotel
Bayerischer Hof

 

Oskar-v.-Miller-Str. 2-4
83714 Miesbach

 

Wirt: Bernd Fanenstich
Koch: W. Bensch
Service: sehr freundlich

 
tel:  08025-288-0
Ruhetag: keiner


Obstsalat

  peirats neit

Hätte man mir gesagt, dass ich mich bei der Miesbacher Schatzinsel für 40 Euros um einen vernünftigen Sitzplatz schlagen muss, hätte ich die entsprechenden Waffen mitgenommen. So stand ich ziemlich stinkig inmitten der bunt gemischten, einheimischen Silvesterfeierbagage und drängte pünktlich um Neun auf einen nichtssagenden Sekt zu, der im Preis enthalten war. Da meine hundertfünfundzwanzig Kilo doch eine beachtliche Bewegungsenergie entfalten, wenn sie einmal in Drall versetzt wurden, erhaschten wir gerade noch einen glitzerig kaschierten Biergartentisch – zumindest ließen seine Ausmaße auf eine solche Herkunft schließen – in vorderster Front, nahe an den später immens dröhnenden Lautsprechern einer mobilen Diskothek. Erfreulicher Weise traf der DJ weitgehend den Geschmack meiner Gattin, so konnte ich mich dem kohlfinsteren Piratenbuffet namens »Schatzinsel« hingeben, um dort meinen Geschmack zu befriedigen. Hätte ich eine Taschenlampe dabei gehabt, es wäre traumhaft gewesen. Oder auch nicht? Der Mantel der Düsternis deckte letztendlich die Schwachstellen der Benschen Südseefreuden gnädig zu. Was will man mehr für 40 €?

Ich möchte nun nicht auf alle Details des Pirateng'schladers (frei nach Qualtinger) eingehen, doch Einiges muss ich einfach los werden. Die Tomaten zum Mozzarella passten: geschmacksneutral. Das galt nicht für den Thunfischsalat und die üppig vorhandene Thai-Chili-Sauce. Bewährt vernichtete sie jegliches Eigenaroma der Satee Spieße oder Kohlröllchen. Gut so! Was nützen Birnen mit Gorgonzolakäse zum Rindersteak, wenn das selbige zäh ist, wie Bohnenstroh? Die arg trockenen Hühnerbrustfilets in Mandarinen-Kokossauce lesen sich viel besser, als sie schmeckten. Die Scampispieße mit Feigensauce und Papayaspalten waren für mich das Highlight auf der Insel. Wenn ich als Erzsüßigkeitenfan nach vier Versuchen bei den zermetzgerten Zuckerhaufen aber auch nichts für meinen armen Gaumen fand, dann muss es schon schlimm gewesen sein. Und das war es auch.

Die Weinauswahl (2 Angebote) war erbärmlich, rechnet man die 0,2er-Gläser (4,90 €) hoch, wäre man damit günstiger zurecht gekommen, als mit einer Flasche für 21,50 € (0,75 l). Wer nicht schnell genug das langweilige Gesöff schluckte, trank am Schluss brühwarm, denn Kühler ?, doch nicht bei 40 DMark! Das Mineral in der Flasche war einfach medium, punktum fertig. Positiv: Das Mädchen, das uns bediente, 45 Minuten nach Südseeöffnung, war wirklich bemüht.

Aber dann, dann um Mitternacht, der große Auftritt, warum wir eigentlich ein zweites Mal nach Miesbach gefahren sind: im wahrsten Sinn des Wortes: Das Brillant-Feuerwerk der Superlative, geschossen von den hauseigenen Pyrotechniker!!! Alle Essmissstände waren mit einem, ja mit hundert Schlägen vergessen. Halleluja!

Zurück zur Schatzinsel, Freude auf eine schöne, feurige Gulaschsuppe. Ungarn liegt nicht in der Südsee, kapiert? Dafür dümpelten Reste einer entsetzlichen, scharfen Hühnersuppe(!) vom Abendbuffet vor sich hin. Nein, deine Suppe ess' ich nicht.

Als dann am Morgen das Frühstücksbuffet mit seinen bekannten Macken, wie harter Speck, kalt, büchselnder Obstsalat, keine anständige Wurstwahl, Lachs ohne Saucen, ohne Meerrettich, nicht einmal auf den vom Italiener-Wein angeknacksten Magen einging, nix sauer, nix deftig, da stand für mich fest: Miesbach auf dein Brillantfeuerwerk werde ich in Zukunft schweren Herzens verzichten müssen.
Dez 06/Jan 07               << zurück zur Übersicht

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Oberbayern

 

Landgasthof Hotel
Alte Post

 

Hauptstraße 2
85411
Hohenkammer

 

Wirt: Silvia Held
Köchin: NN
Service: NN

 
tel:  08137-5088
Ruhetag: Montag

Ente

  hurra, hurra die post ist da

Ein Schwung fremdländischer Autonummern wies darauf hin, dass einigen Deutschlanddurchbretterern Hohenkammer ein Begriff ist. Wir waren mindestens 10 Jahre nicht mehr da gewesen, auch der abgasumwobene Biergarten, am Kirchenberg muss jeder Gas geben, der letzten Jahre konnte uns nichts abgewinnen und zu einem Besuch verführen. Ein Gutscheinbuch, sattsam bekannt, gab dann doch den Anstoß für die Einkehr.

Die Speisenkarte ist überschaubar mit keinerlei Besonderheiten an diesem Abend. Die Bedienung kennen wir vom nahen Hörger in Hohenbercha. Sie ist freundlich und schnell. Wir bestellen: Knuspriger Entenbraten mit Kartof-felknödel und Blaukraut 11,90 € für mich; Bernd hat, wie immer, großen Hunger und versucht seinen Klassiker Schweinefilet in Champignonrahm-sauce mit Butterspätzle und Salat 13,00 €; Verna, vegetarisch, bekommt Chinesische Nudeln, gebraten mit asiatisch-scharfen Chinagemüse 7,50 €. Der erste Eindruck: satte Preise.

Die Auflage von § 6 erfüllt das Haus nur mit alkoholfreiem Bier, das finde ich nicht o.k. für Jugendliche. Auch das Mineralwasserangebot ist merkwürdig: es gibt keine Flasche normales Gesprudle, nur medium. Es bleibt lediglich der Ausweg zum 0,4 l-Glas für 2,10 €. Das Weinangebot ist schlicht, leider in 0,2(!), was ich hier aber erwartet habe.
Zum Genuss: Das separat gereichte Blaukraut ist mit Biss und angenehm abgeschmeckt, auch gegen die drei kleinen Kartoffelknödel kann man nichts sagen. Jedoch der Edelflatterer entspricht weder dem, was die Bedienung auf Nachfrage betonte: frisch, noch der Beschreibung »knusprig«. Das Fleisch ist an der Grenze zu zäh!
Das Schweinefleischgericht ist tadellos mit einer gut abgeschmeckten Soße, auch das vegetarische Gericht hat eine akzeptable Schärfe.

Dann naht wieder das, für uns inzwischen amüsante, Theater mit dem Gutschein. Prompt stehen das teuerste und zweitteuerste Gericht auf der Rechnung. In fünf Häusern hatte man das mit uns bereits vier mal versucht. Immer wieder kommt das depperte Argument mit den Pärchen. Man kann daran gut ablesen, für wie dumm die Wirte ihre Gäste halten. Offensichtlich mit gutem Erfolg. Sonst würden sie es ja nicht immer wieder versuchen. Als der Wirt sich dann auf der korrigierten Rechnung auch noch zu unseren Ungunsten mit über einem Euro »verrechnet« sind wir verärgert. Leider!
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Oberbayern

 

Landgasthof
Amper Klause

 

Ampertal 12
85777 Unterbruck

 

Wirt: Fam Gatzweiler
Koch: NN
Service: Finni

 
tel:  08133-6319
Ruhetag:

Rumpsteak

  der schnitzelwirt in qype

Der Fahrer des Heizölwagens schwärmte in den höchsten Tönen vom Fahrenzhauser Geheimtipp »Schnitzelwirt«. Gut ein Jahr habe ich gebraucht, um seine Begeisterung endlich zu ?untermauern?.
An einem stinknormalen Mittag, noch bevor der Pfarrer bimmeln durfte, saß ich in der rustikalen Gaststube. Der gut besetzte Stammtisch war gerade dabei sich langsam für den häuslichen Mittagstisch zu verabschieden. Dorfatmosphäre pur. In der Speisenkarte gab es eine Seite mit sieben Schnitzelvariationen der bekannten Zubereitungsarten von 6,20 – 8,20 €. Nicht gerade billig, wahrscheinlich bringt es der Umfang?
Finni fragte den jungen Koch, ob die Leberspätzle hausgemacht sind, denn sie wusste es nicht. Leider, meinte sie leicht verunsichert. Ich bestellte trotzdem, denn das argentinische Rumpsteak konnte kaum an den Ufern der Amper aufgewachsen sein, eher schon an den Gestaden der Metro in München. Fertigfood am Flussufer?
Neue Mittagsgäste kamen, der wortreiche Stammtisch war leer, Stille kehrte ein. Die Leberspätzlesupp'n (1,70 €!) kam auch. In einer großen Löwenkopfterrine mit viel, viel Spätzle. Sie war knallheiß, etwas Schnittlauch und eine gute Brühe. Zusammen mit dem Preis geht sie in Ordnung.
Dieses Urteil will etwas heißen, denn vorher bekam ich das Pils in der Flasche, obwohl ich es vom Fass bestellt hatte. Ein großes Manko. Gespannt war ich nun auf mein Buenos Aires-Abenteuer: Argentinisches Rumpsteak (200g) mit 2 Beilagen Ihrer Wahl 9,80 €. Keine Frage, ich entschied mich für Bratkartoffeln und Kräuterbutter, das Fleisch medium.
Obwohl das mit dem »halbdurch« nicht geklappt hatte, war ich mit der Größe und der Qualität einverstanden, selbst die Kartoffelbeilage gehörte zu der besseren Sorte. Als ich mir dann Kräuterbutter nachbestellte, die zwei »Radln« reichten wirklich nicht aus, fand ich die zwei zusätzlichen Stückchen mit 1,80 € auf der Rechnung. Das sind 1,80 DM pro Scheibchen Fertigbutter!! Zusammen mit dem hier fälligen Beilagenwechsel von 0,70 € war der Schnitzelwirt damit bei mir durchgefallen. Die geschmacklichen Vorzüge retteten ihn vor dem Eintrag in den Enttäuschungen.

Aus Chronistenpflicht werde ich mir trotzdem einmal ein Schnitzel bringen lassen, damit ich die Begeisterung meines Ölkutschers verstehen kann – oder nicht!
Dez 06      << zurück zur Übersicht

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