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 10.03.2010

... um Topf und Kragen
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Restaurant-Kritik

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      Kupferpfandl
A-Schärding
Halleluja
Bimesmeier-Eichler
Kößlarn
2
#schlichter
Bad Birnbach
3
Sammareier/
Altbirnbach

Bad Birnbach
3-
zum Heurigen
Bad Griesbach-Therme
3-
Gutshof
Sagmühle

BadGriesbach
2
Bräuhaus
Freising
6
Der Steinweidenhof
Schleching
2
Maria Eck
Siegsdorf
2
Hofwirth zur Post
Marquartstein
2
Streichen
Schleching
3
Zum Hopfn-Sepp
Wolnzach
4-
zur Lüft'n
Fernhag
2-3
Müllerbräu
Pfaffenhofen/Ilm
6
Rest. i. Stadtth.
Ingolstadt
3
Klosterstuben
Scheyern
2-3
Moosburger Hof
Pfaffenhofen/Ilm
3
Deutsche Eiche
Lochhausen/Mchn
3-
Rubens
Pfaffenhofen/Ilm
2-
Rabenkopf
Kochel/Ried
+2
WHs zum Kreuzeck
Oberschleißheim
3-
Mongo's
Ingolstadt
4
Wintergarten
Allershausen
4-
othello
Pfaffenhofen/Ilm
2-
Zeidlmaier
Rohrbach
+2
Bräustüberl
Scheyern
2-3
Da Giovanni
Jetzendorf
5
Da Flavio
Pfaffenhofen/Ilm
2
Klostersuben
aktualisiert!
Oberwirt
Kirchdorf a.d. Glonn
+2
Lindermeir
Reichertshausen
4-
Jägerstüberl
Bad Griesbach
?(2-5)?
Steigers Hacienda Mexikana
Pocking
3-
 

 rot unterlegt: Trauerspiel!

Nachbarn: (I)= Italien (A)= Österreich (F) = Frankreich (N)=generell
kursiv= wesentliche Änderungen oder aus

 SUPER, beinahe Halleluja

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Halleluja

Österreich

Restaurant
Kupferpfandl

Stögergassl 3
A-4780 Schärding

Wirt:  Erika Krammer + Thomas Hader
Koch: der Wirt
Service: die Wirtin + Sarah

tel: 0043-7712-2033
Ruhetag: Dienstag
www.kupferpfendl.at

Speckknödelsalat

  gold an der silberzeile

Mir hat, vor knapp dreißig Jahren, ein Passauer Wirt gesagt, das Beste am Bäderdreieck sei Schärding. Damals war der für mich einfach nur neidisch. Aber gerade die Bewohner der attraktiven Dreiflüßestadt hätten das doch am allerwenigsten nötig gehabt.
Für mich war es der Anlass, nach Schärding zu fahren. Damals ohne Tanktourismus, dafür aber mit Forstinger. Der tubablasende Wirt im Zentrum ging mit mir um, wie ein Cowboy mit einem Jungrind: Er drückte mir ein nie mehr zu löschendes Brandzeichen in den Hintern.
Die Zeiten gehen dahin.
Der Heini bläst auf Wolke acht, sein Sohn fischt mit Fliegen, der Pöttler in Haid macht in Immobilien und der schlitzohrige Wirt mit dem bildhübschen, niederbayerischen Töchterchen, der Antiquitätenverscherbler, gewann bei mir die Oberhand. Letzterer hockt aber herüben!
Überraschen bekam ich dann dort Lokalverbot, weil ich einmal kritisierte, und so trieb es mich wieder hinüber.
Der Musiker auf Wolke acht schickte mich ins Stögergassl von Schärding und das Wunder geschah.

Zeitsprung

Die Gaumen-Enttäuschungen der Jahreswechseltage 08/09 mussten getilgt werden. Das kann nur einer: Thomas Hager.
So saßen wir am Samstagabend bei minus zehn Grad außen in dem kuscheligen Restaurantchen drinnen und lasen mit Genuß die perfekte Karte. Das eigenwillige, unhandliche Format könnte sich das Haus eigentlich sparen, es widerspricht auch der sonstigen Bescheidenheit der Wirtsleute.
Den Tank hatten wir eben erst randvoll gefüllt und damit war das halbe Essen bereits bezahlt. Viele Worte zergingen uns auf der Zunge, denn Wirt und Koch Harder ist überzeugter Österreicher, liebt seine Regionalprodukte und deren originalen Bezeichnungen. Für die vielen Bäderdreieckler muss der Service so manches übersetzen, aber die zwei Weibsen machen das so charmant, dass sie die Gäste bereits gewonnen haben, bevor Thomas überhaupt in seiner Puppenküche eine Pfanne auf den Herd gestellt hat.
Nur so nebenbei: Das Bonsai-Herdchen ist ins Restaurant integriert, nichts geht mit doppeltem Boden. Der Duft der Wahrheit ist permanent riechbar! Und macht Hunger!!
Ich pack’ das Dreigangmenü, ohne Suppe und Fisch, für 35,00 €.
Carpaccio vom Jungrind mit Paprikavinaigrette und frischem Parmesan. Schlicht und ergreifend formuliert. Ansprechend angerichtet. Fantastischer Genuss. Bestes Fleisch, natürlich nicht kühlschrankkalt, hauchfein das Dressing mit wenig Balsamico gesüßt, sonst fruchtiger Paprika mit etwas knackfrischem Salat.
Auch im Hauptgang punktet der pfiffige Kerl ohne Einschränkungen ein glattes Halleluja. Rosa Kalbsrückensteak auf Steinpilzsauce mit feinen Nudeln und Zuckererbsenschoten kann man nicht besser zubereiten. Ein sehr großes Stück Fleisch mit köstlicher Grillkruste und knapp rohem Herzstück, das aber wundersam während des Essens fertiggart. Der Fleischsaft tritt nicht aus. Er hätte auch keine Chance gegen die Schwammerlsoße gehabt. Sie hatte nur ein Manko: zu wenig. Denn die wirklich »feinen« Bandnudeln soffen sie mir in Windeseile weg.
Bei der Nachspeis’ sind die Alpenrepublikaner, selbst wenn sie im Sinnviertel leben, unschlagbar. Wiederum klar und kurz beschrieben, keinerlei schriftlich-schwülstige Ausreden: Marzipanmousse mit Nespressoespumas und Orangensalat. Ich wußte es nicht, Espusmas ist ein Begriff aus der Molekulargastronomie für Mousse ohne Ei und Sahne. Da käme das Haupt-Produkt so richtig zur Geltung. Mir hat man gelernt, Fett sei der Geschmacksträger schlechthin. Doch was weiß ein Fremder? Ich war molekulartraurig, weil die Wirtin nach den anstrengenden Feiertagen endlich etwas Familienpflege treiben durfte und keine Zeit für Gäste hatte.
Außerdem hatte ich ja die Gattin dabei.
Für sie war es Premiere im Kupferpfandl. Beim Gehen drohte sie dem Wirt mit häufigen Heimsuchungen, wenn sie im Sommer nach Griesbach fährt. Dabei kennt sie noch gar nicht die geile Gassenterrasse mit abendlichem Damendefilee. Davor hatte sich Hager mit ihrer Leibspeise in ihr Herz gebrutzelt: Rosa Lammkoteletts auf Zucchini-Tomatengemüse dazu Rosmaringnocchi (18,20 €).
Selbstverständlich tauschte Sarah den Italienertouch ohne viel Federlesen in ein Erdäpfelgratin. Das ist so ein Wort. Da kann man sich doch glatt die Kocherei sparen, oder nicht?
Was für schöne, fleischige Koteletts! Um Schärding herum müssen Traumlämmer grasen, im machtigen, hochwasserverliebten Inn schwimmen die raren Alpenhummer herum und sinnviertler Bauern waschen, ähnlich wie im japanischen Kobe, ihre Kälber mit grünem Veltliner. Damit wird Kochen zur Nebensache.
Schmarrn.
Genau, den habe ich mir wieder nicht gegönnt, weil Hager keinen Kaiser aufgetrieben hatte. Braucht er auch nicht, denn er ist für mich feixenlos (kein Rechtschreibfehler) der

SinnviertelBäder3ecksKönig.

Halleluja!

J Thomas, ein herzliches Dankeschön. Bis zum nächsten Mahl, bitte aber ein paar Sekunden mit Erika J

mit Bildern: klicken

Januar 09

 

Niederbayern

Gasthof  Bimesmeier-Eichler
Oberer Markt 6
94149 Kößlarn
 
Wirt: Fam. Bimesmeier-Eichler
Küche: Karin Denk und Monika Bimesmeier-Eichler
Service: prima Weiber

tel:  08536-96000

Ruhetag: Montag

Leberspätzlesuppe


neujahrsansprache


Leicht angeschlagen vom eher kulinarrischen Jahreswechsel bei den Wasners kurvten wir aus dem Rottal in die verschwiegenen, südlichen Hügel, zu einem sehr schönen Kirchenwirt. Nach 84364 Asenham zum Wirtsstadl. Gehört noch zu Bad Birnbach. Die haben uns den vermurksten Wechsel eingebrockt, jetzt sollen sie ihn auch auslöffeln!
Denkste.
Die Wirtschaft ist geschlossen. Stand lapidar, kaum noch leserlich, auf der Schiefertafel. Hat der Wirt das Handtuch geworfen?

Hat er. Der neue Wirt kommt aus Asenham und heißt Meier!
(Januar 09)

Wurscht. Birnbach, du kannst uns Mahl am Abend besuchen.

Wir schlichen weiter über die Hügel nach Kößlarn, denn dort wussten wir eine sichere Bank. Sollte man in diesen Tagen nicht unbedingt in den Mund nehmen. Doch die schon. Ein Reinfall ist bei dieser Wirtin nicht möglich.
Und genau so ist es dann auch. An vier Tischen dreschen handgeformte und mit dem Munde gemalte Niederbayern ihre abgegriffenen Karten bis die Proben des Kirchenchores im Nebenzimmer beginnen.
Der Rest, wir auch, isst. Schlicht und ergreifend.
Ergreifend! Einfach nur gut. Und alle reden durcheinander, alle lachen kunterbunt. Mittendrin eine Bedienung zum Anlangen, mit beiden Herzen auf dem rechten Fleck. Wenn Evi lacht, dann meint sie das auch so. Stammgästen legt sie auch schon mal den Arm um die Schulter. Mir noch nie.

In der Küche schmeißt heute Tochter Monika alleine den Laden. Ab und an von ihrer Bilderbuchwirtinmama Margit unterstützt. Deren Schwester Karin hat frei. Sie wurde in den letzten Tagen arg durch die Mangel gedreht. Alle einheimischen Stamm- und klugen Auslands-Kurgäste (Rottal = Ausland) mussten verwöhnt werden. Wie immer, so auch an den Feiertagen.

Ende der Lobhudelei! Ender der Familienbeschreibung.

Kaum dass uns ein Gericht auf der ansprechenden Karte nicht anmacht. Aber ich weiß Bescheid. Die Leberspätzlesuppe (2,20 €) weckt einen Toten auf. Sogar eine Birnbachleiche. Rein damit.

Die Gattin geht erst Eine rauchen. Weiberpack. Begeistert, strahlende Augen, kommt sie zurück. Ein geiler Raucherplatz. Mit Heizung und einem Burschen, blank gezogene Bizeps. Niederbayerischer Bauarbeiter kennt keine Kälte. Erst ab minus dreißig. Er ist jünger. Sagte natürlich du zu ihr. Das wärmt. Sie schwärmt: vor dem Essen sollst du rauchen, oder …

Sie entscheidet sich dann doch für einen Grillteller mit feinem Gemüse, Rind- Schweine- und Putensteak, Röstitaler Pommes frites, Kräuterbutter und Salat vom Buffet (9,30 €). Sie wünscht sich Bratkartoffel. Kein Problem meint ServiceWeib Evi. Und kassiert dafür einen Euro. Das schmerzt etwas. Positiv: Fleisch in perfekter Manie. Reichlich. Kartoffeln gut.

Wieder runter vom Schmerz. Rein in den Wald. Junghirschbraten mit Preiselbeerbirne, Blaukraut, hausgemachte Spätzle und Salat vom artenreichen, ausgezeichneten Buffet. Die Rote Bete-Beilage ist beispielhaft gut, vollkommen egal, ob hausgemacht oder Glas. Die Spätzle, ohne Aufpreis(!), auf Semmelknödel gewechselt (10,50 €). Butterzartes Fleisch, sehr reichlich mit nachtschwarzer, vorsichtig säuerlicher Soße ohne Haut.

Birnbachs Wirtshausmekka Wasner macht mit seinem Hirschedelgulasch gegen die Kößlarner Kirchenwirtin Margit keinen Stich. Um bei den Kartlern zu bleiben …

Ehre, wem Ehre gebührt. Außerdem wäre der Weber Horst auf mich stinkesauer, wenn ich ihm Honig um den Bart schmieren würde. Wo er doch gar keinen nicht hat …

So soll es auch im neuen Jahr bei uns bleiben, dass man uns so richtig begeistern kann und wir dies dann gerne mit lockeren, herzlichen Sprüchen kundtun. Aber auch keine Scheu besitzen, wenn es nicht schmeckt, die richtigen, pfeffrigen Worte zu suchen, damit unsere Fans nicht reinfallen.
Das übernehmen wir.


J Wir wünschen:  Viel Glück im nigelnagelneuen 2009 J

Januar
09

 

Niederbayern

Gasthof
Wasner
Passauer Str. 9
84364 Bad Birnbach
 
Wirt: Hansi Weber
Köche: Otto Geier
Service: siehe Text

tel:  08563-871

Ruhetag: keiner

 

 
  schlichter start ins 2009

Wir geben es unumwunden zu, es hatte uns schon gereizt, nach dem doch über weite Strecken enttäuschenden Jahresausklang im Vorzeigetempel des Wasner-Weber-Clans, im Gutshof Sammareier, ins Stammhaus zu gehen. Voller Fleischeslust und Regionalgier.

Da wir nicht reserviert hatten, liefen wir einer machtigen, resoluten, landhausmodisch gewandeten Bedienung ins offene Messer. Recht barsch verwies sie uns in den ersten Stock. Für niederbayerische Verhältnisse war ihr Auftritt bestimmt herzwarm, doch für einen Oberbayern klang das eher wie »geh auffi oder schleich di!«

Da entdeckte ich eine Bedienung, die mich kannte.
Der Abend war gerettet. Zwei Plätze am Stammtisch neben dem Kachelofen und eine Hundertachtziggradkehrtwendung der … Ich verzichte jetzt lieber höflich und zahm auf eine nähere Erläuterung.
Unsere fränkischen, sympathischen Mittischler bestellten Wollwürscht, gibt es in Bayreuth nämlich nicht, Stinkkäs’ ohne Zwiebel und die Seniorenportion vom Hirschedelgulasch. Meine Gattin wechselte vom fest vorgenommenen »Wasner-Cordon-bleu-von-der-Sau« auf eben besagtes Wildschmankerl im Normalformat (12,50 €). Und ich, obwohl man es nicht sollte, zumindest nicht am Abend, konnte dem Pfaffenstückl einer Gans (16,90 €) nicht widerstehen.
Der Kas’ kam als erstes, dann der Seniorenhirsch, danach die Wollwürscht, das Hirschedelgulasch für die Gattin und meine Gans.

Die drei Bayreuther waren vollauf zufrieden. Sie sind Wasnerfans seit zwanzig Jahren, erfahren wir. Wohnen in einem Wasnerhaus (der zynische Volksmund sagt: Das einzige, was in Birnbach nicht dem Wasner gehört, ist die Kirch‘. Dafür gehört ihm der Pfarrer). Hat heutzutage natürlich keinerlei Gültigkeit mehr (den Ex-Pfarrer habe ich im Biergarten beim Wasner kennengelernt). Die Drei feierten beim Wasner im Saal den Jahreswechsel ausgiebig. Begeistert. Billig. Prima Musik. Live-Band.

Als meine Frau mich angiftete, weil wir im Sammareier gewesen sind, drohte ich ihr Schläge an.

Die Stimmung am massiven Holztisch war so richtig gut, als das Essen vor uns stand. Gleichzeitig!
Ein erster Gabelbissen durch die fest Soßenhaut, mich schüttelte es beim Hinsehen, dann erklärte meine Gattin lakonisch: Das Fleisch ist gut, die Soße auch, doch die Champignons (sie haben bei einem edlen Hirsch sowieso nichts zu suchen) sind Konserve. Mir hätte es fast die Schuhe ausgezogen. Eine Katastrophe, denn ich hatte keinen Schuhlöffel mitgenommen.

Meine Gans, etwas in die Tage gekommen, malträtierte ich mit einem Steakmesser. Gekonnt, so gab es genügend feste Brust des Pfaffen mit einer separat in der Sauciere gereichten, sämigen Soße. Auch über den Knödel und die Orangenscheibenunterlage meiner Preiselbeeren konnte ich nicht meckern. Ein dickes Sonderlob gebührte dem ebenso extra servierten Blaukraut: bissig, apfelig, feine Säure, no Zimt, knapp unter der Weltklasse.
Da ärgerte mich dann um so mehr eine »Kleinigkeit«: In den Preiselbeeren befand sich nicht eine Beere. Nur Zuckergelee. Wirklich. So wahr mir Gott helfe (PS: gehört nicht dem Wasner)!

Das Haus war proppenvoll an diesem ersten Januarabend. Ergo ist das Fazit sehr schmerzhaft für uns:

Im Grunde genommen haben wir vom Essen keine Ahnung.

Wirt Weber wird zustimmend nicken und denken: Leider nützt das bei dem Typen auch nichts mehr!

Januar 09

Niederbayern

Restaurant
Altbirnbach
im Hotel Sammareier

Pfarrkirchner Str. 20
84364 Bad Birnbach

Wirtin: Hansi Weber
Koch: Viktor Knaub
Chef: Gerhard Georgi

tel:  08563-2035
Ruhetag: keiner
www.sammareier.de

Bilder kommen vielleicht

nn

  rutschpartie gen 2009

Es dürften an die zehn Menüs gewesen sein, die wir uns angesehen hatten. Vom Fernseh-Schuhbeck über das Käfer-Schlosshotel in Hohenkammer, den überhaubteten Columbia-Feix, Lindner-Parkhotel-Töpfeguru Sesam-Hennerbichler bis hin zum Hansi-Weber-Sammareier. Letzteres las sich noch am spannendsten, am ehesten nachvollziehbar und in einer gerade noch erträglichen Eurodimension. Schließlich steht das Haus ja nicht in Seefeld oder Salzburg! Allerdings hat die edelgolflochdurchbohrte Roßtäuscherpampa seines Standortes inzwischen auch ihren Preis. Damit sind die 90 Eurolappen drin.
In den Tagen vorm großen Rutsch kamen mir immer mehr Bedenken, ob denn die junge, recht sympathische Crew um Arndtnachfolger Knaub in ihrer Puppenküche etwa fünfzig oder sechzig Feinesser auch zufrieden stellen kann.

Es war so weit im Gutshof Sammareier. In dieser Gegend wimmelt es von »guten« Höfen, doch das nur nebenbei. Wir entschieden uns für‘s »Café Guglhupf«, weil licht und luftig, waren wunderbar gut drauf und lauschten zum Aperitif, sensationell aus Sekt und Orangensaft, im Foyer zwischen Toilettenabstieg und Mostrutschenstart den erlauchten Worten des jungen Hoteldirektors Gerhard Georgi.
Er freute sich mehrmals, dass wir da waren.
Journalistenneugierig fragte ich ihn leichtsinnig, wie viele Gäste denn heute Abend hier nach 2009 rutschen wollen. »Hundert« meinte er trocken und mir fiel erst mal das Herz in die Hosentasche und später die Kinnlade auf den Tisch. Nein, nicht ganz, denn die megahübsche, aufgeweckte Massiererineuse des Hotels, SammareierSabine, gehörte zu unserer Tischgesellschaft. Eine ihrer leichtesten Übungen, mich aufzufangen. Wo ihre Fingerfertigkeit nicht ausreicht, lacht sie glockenhell, fast filmreif, alles in Grund und Boden. Jeder, wirklich jeder, verspannte Muskel fällt vor ihr butterweich auf die Knie!


Es begann mit einem amuse gueule.

In Niederbayern.
An der Grenze zwischen 8 und 9.
PLZ-massig, Sie verstehen? Da wurde uns wieder bewusst, dass nicht raffinierte Regionalität, sondern weltoffene Wunderküche zelebriert werden soll.
Geräucherter Heilbutt mit Kaviar, dazu ein Wachtelei, halbiert. Mir ging das Herz auf, weil lauwarmes Jourgebäck mit frischem, köstlichen Kräuterquark bereits meinen Magen gewärmt und den Gaumen neugierig gemacht hatte.
Herrlicher Fisch, perfekt gegartes Ei.
Ei der Daus, nichts war’s mit waschechten Störeiern, von Beluga oder Freunden. Obwohl ich bei diesem Menüpreis todsicher damit gerechnet hatte.
Kommt schon noch!

Aber jetzt: Entenpastete auf Waldorfsalat an Rotweinbirne mit Entenlebermousse und Cumberlandsauce entspricht in etwa einem Schweineschnitzel Wiener Art auf einer drei Etagen höheren Ebene. Klug gewählt, da komplett präfabrizierbar. Ausgezeichnet die Mousse, vielleicht zu fest. Es soll ja auch ein Unterschied sein, zur Weltklasse einer Gänsestopfleber. Gegen die ich nun wirklich nichts gehabt hätte.
Kommt schon noch!
Später, denn die Birne war nicht genießbar und blieb liegen. Herrn Waldorf im Cumberland schildere ich nicht, liegt unter meiner Silvesterschreibschwelle.

Endlich. Begeisterung blitzte auf, Lob, Lob, Lob für die
Steinpilzconsommé mit Maronennockerl. Ich darf das ausnahmsweise ins Rottalerische übersetzen: klare Schwammerlsuppe von Steinpilzen mit Esskastaniennockerln.
Mit Blattgold!
Aber hallo, ein Birnbacher Goldwasser quasi. Echt nett. Echt sehr gut.

Bauchgrummeln. Fisch war nun angesagt. Wiederum vom Produkt nicht gerade umwerfend, trotz Kleinstkindmasche. Fisch, der mir beim Warten Angst und Bange machte. Hundert Mahl. Das geht schief.
Und es ging schief.
Nicht weil ich ein klugschwätzender Hellseher bin, nein weil das selbst ein ausgebuffter Profi kaum bei zehn Tellern richtig hinbekommt.
Babyzanderfilet und Scampi auf Safranrisotto in Noilly Prat. Es hat mir überhaupt nicht geschmeckt. Laukalt. Pappiges Risotto ohne Safranhauch. Laukalt. Noilly, wo warst du? Vielleicht war sie knallheiß in ihrer südfranzösischen Wermutheimat geblieben? In jedem guten Lokal geht bei mir so ein Teller zurück.
Nicht im »guten-Hof«-Café mit Sabine! Sie lachte glockenhell gurrend und schon mutierte das große Krustentierchen zum Pfarrkirchner Genussfischerl. Hokus pokus. Mein Tischnachbar strapazierte leicht wütend, murrend und meckernd den Salzstreuer. Keine Lösung.

Es war auch der Moment im Menü, in dem das Gedudel des Alleinunterhalters begann, einem gehörig auf den Keks zu gehen. Lauwarm.

Über den Trenner zum Fleisch muss die Mannschaft um Viktor Knaub lange gebrütet haben. Sonst wäre sie nie draufgekommen.
Granité vom Granatapfel. Gefrorener Obstsaft, zerbröselt bevor er zum Block gefriert, den dann kein Mensch mehr lutschen könnte. Was auch besser gewesen wäre.
Mir tat die klare Kühle gut, alles andere war mir wurscht. Wann kommt’s denn endlich?

Jetzt kam es: Jetzt punktete das Stammhaus, der Wasner-Metzger. Fleischeslust pur. Wie sich das schon las, wie himmlisches Manna:
Kalbsrückenmedaillon mit Trüffelhaube auf Madeirasauce an (wie ich es hasse, dieses depperte »an«) feinem Gemüse (ja vielleicht an unfeinem Grünzeug?) und Kartoffelstrudel.

Höchster Schwierigkeitsgrad.

Die schwebande Jungfrau.
 
Die Copperfieldnummer schlechthin.

Verflixt, nur fast!
Zu viel kam laukalt.
Das saftige Fleisch war stellenweise rosa im Kern, großartig gezaubert! Sensationell die Soße und auch der Strudel ließ Feines erahnen. Doch die semmelbröselige Fleisch-Zudecke, von Knaub Trüffelhaube genannt, ohne auch nur ein Flinserl Trüffel (wobei Trüffel zur zeit wirklich bezahlbar sind), schmeckte wie Sägespäne mit Knoblauchüberschuss und flog beiseite.

Die Jungfrau knallte hart auf die Bretter.

Ach, wären die nur heiß gewesen!
Der flinke, liebenswerte Service hatte theatralisch die Teller mit Servietten angefasst und herangebaggert. Warum? Hatte er Angst, sich zu verkühlen? Ich kannte das bislang nur bei heißen Tellern.
Wie meint der Volksmund so treffend: »Und wirst du alt,wie eine Kuh, beim Wasner lernst du noch dazu.«
Kleiner Silvesterscherz. Dringend nötig.


Total ernst dagegen der süße, opulente Roman fürs Finale.
Grand Marnier-Parfait im Schokoladentropfen mit Beeren im Zuckerkörbchen, an weißem Schokoladenmousse mit Stücken von der Macadamia Nuss und hausgemachter Vanille Trüffel. Nach so viel schriftstellerischem Theaterdonner fiel der, optisch voll überzeugende, pappsüße Vorhang und unser Soundkoch am Keyboard griff in die Mitsingtasten an Johannes-Hesters-Zeit.

Das Gröhlen begann.

Ich ging an die frische Luft, dachte an meine fränkische Tante, die mir in sehr jungen Jahren mit auf den Lebensweg gab, dass der wahre Gusto einer Frau erst dann zum Vorschein kommt, wenn sie keine kessen Klamotten mehr an hat.

Ich will das erklären. Mein Resümee, laukalt, im Sammareierjargon:

Service-Gerlinde, wirklich ganz gut, an Knaubs großartig titulierten Töpfen und Pfannen, aber real eher hausbacken und lauwarm in Richtung 2009 geschlittert.

PS: meine Neujahrsansprache, gibt es unter: klicken

Januar 09

 

Niederbayern

 

Restaurant  zum Heurigen
im Hotel König Ludwig
Am Kurwald 2
94086 Bad
Griesbach
 
Wirt: unbek
Koch: unbek
Service: Paul Schubert

tel:  08532-2990

Ruhetag: unbek

foto

service zum niederknien

Wäre Großmeister Paul Schubert und der Jochinger Veltliner nicht hier zu Hause, ich glaube, mir könnte die Bude gestohlen bleiben. Wobei ich im gleichen Atemzug betonen muss, dass man das Ambiente zusammen mit dem übrigen Personal vor Ort rundweg loben kann. So stellt man sich die weltberühmten Weinlokale in Wiens Rebengürtel vor, draußen in Grinzing, Nußdorf und der Wachau.

Der küchentechnische Hintergrund ist vehement angreifbar, immer noch. Was soll ich sonst dazu sagen, dass die Fleischpflanzl so steinhart sind, dass nur eine Art Thai-Chilisauce sie eßbar macht. Wobei dies, wienerisch, eine totale Verhunzung darstellt. Der Hans Moser würde sich im Grabe umdrehen. Dazu passt nur Meerrettich. Den hätte es auch gegeben, sogar gerieben, allerdings in einer miserabel vertrockneten Verfassung! Vom Buffet, seit Jahrtausenden immer gleich, bis auf die heißen Angebote, die etwa im Jahthundertturnus wechseln, konnte ich bei diesem Besuch einige schmackhafte Schmankerl holen. Wie die getrockneten Tomaten oder den Kürbis im Schafskäse, weiße Bohnen in Kräutern oder der Klassiker Thunfischsalat. Auch die eingelegten Schafs- und Ziegenkäse konnten glatt überzeugen. Dann floppte leider das süße Finale, ein Palatschinken mit Marmelade, Schoko- nebst Vanillesoße, so arg, dass ich nur die Hälfte verdrückte.

Trotzdem nicht so tragisch, denn der Jochinger Grüne Veltliner (0,25 l, 4,80 €) ist ein fruchtiger, typisch pfeffriger Genuß. Auch beim Liter Pellegrino mit 4,80 € fühlt man sich nicht abgezockt. Wiewohl ich da kleinlaut meckern möchte: warum kein Wasser aus Bayern?
Da wir zu zweit für die Gaben vom Buffet mit 12,05 € auch nicht geschröpft wurden, der zurückgegangene Palatschinken stand nicht auf der Rechnung, war der Heimweg bei eisigen acht Grad unter Null, deutlich über fröhlich-Null.
Hätte mein Traumweibengel Gertraud Danner gezithert und nicht ein leicht deplazierter, weil auch singender, Schifferklavierspieler die Weinseligen unter-halten, hätte ich sogar ein Zweibisdrei vergeben. Vielleicht beim nächsten Mahl.

J Paul, Sie sind ein Genuss. Wäre das schön, könnte ich das auch vom Buffet behaupten  J

Dezember
08

 

Niederbayern

 

Restaurant  Gutshof Sagmühle
Sagmühle 1
94086 Bad Griesbach
 
Wirt: Wolfgang Off
Koch: Günther Lechner
Service: eine Rottalerin

tel:  08532-96140

Ruhetag: unbek.

foto

ein wintergarten ist der halbe
 Sommer

Minus sechs Grad, knallblauer Himmel, silbrig glitzernde Rott mit eisigen Rändern.
Polarfeste Golfer, die nicht auf beraureifte Gräser treten dürfen, denn da gingen sie kaputt. Natürlich nicht die Putter.
Im Wintergarten nur zwei Damen. Nichts vom Eisigen aus Böhmen ist zu spüren, im Gegenteil, wir suchen einen halbschattigen Tisch, damit uns der Planet nicht zu sehr einheizen kann.
Sarah, einheimisch, aus Egglham, mit warmtonigem Niederbayrisch, aber kultiviert, bringt die Karte des Eurotoques Günther Lechner, der keine Convienience verwenden darf. Laut Statuten. Das läßt hoffen, musste ich doch nach meinen letzten Besuchen mit der Off-Manschaft arg ins Gericht gehen.

Die Gattin freut sich, wie schon seit hundert Jahren, auf Rosa gebratenes Roastbeef mit Bratkartoffeln und Remouladensauce (10,00 €) und trinkt dazu einen Schoppen Grüner Veltliner aus Krems (0,25 l, 4,90 €). Ein guter Tropfen, kein Schotter.
Für mich bringt Sarah, das Madl wie Milch und Honig, ein Adelholzener, gourmetblau, sprudelnd. Nix Milch und … Dazu Schweinefilet auf Schwammerlrahmsauce mit Käse überbacken, hausgemachte Nudeln, Salat vom Buffet (13,50 €). Den Salat habe ich vor lauter Sarah vergessen. Die hat aber auch nichts gesagt.
Der erste Kontakt der Gabel mit der Soße ist optisch entsetzlich: Eine widerlich kräftige Haut runzelt sich sofort auf Hestersalter und zeigt dabei gnadenlos, dass der Mann am Herd mit seinen gebundenen Soßen Schwierigkeiten hat.
Ich lenke mich ab, schaue in den Wintergarten und zerstochere brutal die schreckliche Soßendecke.
Der erste Bissen. Hervorragend. Ein geschmacklicher Orgasmus. Das zarte, saftige Fleisch besitzt sogar eine Spur von rosa Kern!

Selbst die Schwammerl haben einen herrlichen Biss. Ein etwas geschmacksintensiverer Bergkäse hätte das Gericht sogar geadelt. Aber der Kochmützenträger wollte nicht übertreiben. Ob die Bandnudeln nicht von Bernb … Piep sind, kann ich schlüssig nicht erschmecken. Ist auch egal, da die leicht wildelnde Soße selbst Bierfilzl essbar gemacht hätte. Ich bekomme einen Nachschlag, der alleine schon fünf Euro wert gewesen ist, aber ohne den wäre ich den Thermalwasser-Hartl-Hügel nicht hinauf gekommen.
Meine Gattin jammert über die Remouladensoße, die nicht so schmecke, wie in den letzten 99 Jahren.
Es wurde ja auch Zeit, dass ich einmal mit Schwärmen dran bin.

J Vielen Dank Herr Off. Ich komme wieder und verspreche hoch und heilig, den raugereiften Gräslein kein Haar zu krümmen J

Dezember
08

 

Oberbayern

kein Foto

Wirtschaft
Bräuhaus
Am Lohmühlbach 8
85356 Freising
 
Wirt: H. Gritz
Koch: wer weiß
Service: ein flinker Tölpel

tel:  lieber nicht!

Ruhetag: Montag

 

der reinfall von freising

 

Wir brauchen gar nicht lange herumschreiben, es genügt die Antwort des Wirts zu den Vorwürfen meiner Frau gegen die harte Hasenkeule:

Es ist die erste Reklamation. Alle anderen sieben oder acht waren zart und mürbe. Sie können sich davon in der Küche überzeugen, an den abgegessenen Knochen im Abfall.

Ich hätte fast auf den Tisch gekotzt.
November
08

 

Oberbayern

Restaurant + Hotel
Der Steinweidenhof
Steinweidenstr. 8
83259 Schleching
 
Wirt: Fam. Karner
Koch: Franz Karner
Service: Manuela Karner

tel:  08649-513

Ruhetag: Montag

steinweiden besternt

Von der Mosel über Frankfurt und Freising an den Geigelstein, vom Michelinstern in MusikGuruDrucker Günter Alt sein Ettenhausener Schmuckkastl, das muss einer erst mal bringen! Die beiden Karner-Profis, nicht verwandt und verschwägert mit Frasdorf, haben es gebracht. Nebst Lukas und Benedikt im Lausbubenalter. Früh übt sich, wer einen Lehrling braucht!

Hat man den »verzinkten« Absprung vom Schlechingblitzableiter B 305 bei Marquartstein geschafft, die Donau auf der 307 passiert, die Raitner Straßenklamm ohne Blechschaden gemeistert, Schlechings Zwiebelturmgotteshaus rechts liegen gelassen und rechtzeitig unweit der Grenze zu den Tirolern den Stachel reingehauen, salopp neuzeitlich ausgedrückt, dann ist man da.
Wirklich.
In Fritz Irlachers BlumenBiotopBergwelt. Das Urgestein ist zwar inzwischen BiR, doch steckt er in so vielen Ämtern, dass sein Nachfolger eigentlich unter Profilierungsneurosen leiden müsste. Es muss aber alles so sein, weil sonst ein großer Teil der hier heimischen Kräuter und Blumen nicht mehr wachsen würde. Rein aus Protest. Und ohne den BiR würden rührige Teerbatzler blitzschnell eine Schnellstraße auf den Geigelstein ziehen, damit ja ein jeder auf dem total verblumten Chiemgauachttausender die Bananenschnabel-Dohlen füttern und in die weite Welt hinausstarren kann. Wen es nicht gerade regnet.

In diese heile Landschaft zog das wackere Karnerhäuflein. Bereits nach wenigen Bissen wurde mir klar, dass der Frankfurter Notenscheibencoveredler Alt nicht nur bei seinem bildhübschen Weibsbild ein glückliches Händchen gezeigt hat. Sein filmreif gestyltes Hotelchen ist den Karners auf den Leib geschneidert.

Weil wir gerade beim Leib sind. Im dynamischen Alter der Mitdreißiger entdeckt man(n) hier nach einem vollendeten Menü bei Kerzenlicht in der Zirbelstube und ein paar flüssigen Tuner an der Kuschelbar anschließend im alpin-rotweiß karierten Heiabettchen des Steinweidenhofes das geliebte Leibchen im völlig neuem Licht. Ganz ohne Taschenlampe.

Sehr charmant von Heidi (Wirtin vom Klobenstein) begleitet, leider peterkontrolliert – ein sehr unhöflicher Akt des Hamburgers, hatte ich doch anständig persönlich um Leihgabe seiner Lebensabschnittsgefährtin gebeten –, genoss ich erst recht

Filet vom Ettenhauser Saibling im Schwarzbrotmantel
auf Apfelselleriesalat mit Rote Bete

ein fulminanter Auftakt.

Kalbsbries auf Kürbisrisotto mit Schalotten

fast französisch.

Herrlich urigfein:

Zanderfilet auf Gemüsegraupen und Paprikasauce

(mit gekonntem Chilidampf).

Als heimischen, kleinen Paukenschlag gab es eine

Consomme von Petersilienwurzeln mit Steinpilzravioli

Vollendeter Gipfel:

Kotelette und Haxerl vom Junghirsch auf Pfifferling-Polentaschmarrn und Holunderjus

Sicheres Wiedersehen

lauwarmer Käsekuchen auf Quittenkompott und Maroneneis

Menüpreis 49 €
November
08

 

Oberbayern

Kloster-Gasthof
Maria Eck
Maria Eck 1
83313 Siegsdorf
 
Wirt: Bruder Erich
Köche: NN
Service: Joseph Steiner

tel:  08662-9396

Ruhetag: Montag


Sauerbraten

 
maria eck ganz sauer?

Ein mustergültiger Novembertag mit Wolken bis auf die Leitpfosten der Straßen herunter, nässelnd und kalt. Da fährt kein Mensch in Siegsdorf den harmlosen Berg nach Maria Eck hinauf. Denn er sieht gar keine Kirche, kein Kloster und kein Wirtshaus. Irrtum! Da kommen dann die Profis. Die unglaubliche Aussicht von den Fenstertischen kennen sie im Schlaf. Ja, das geht sogar so weit, dass ihr braves Gehirn den Chiemseeblick flugs in die milchig weiße Suppe vor den großen Fensterscheiben hineinstanzen kann.

»Darf ich ihnen schon etwas zu trinken bringen?« Eine angenehm tiefe Stimme. Hier heroben haben Männer das Sagen. Ein perfekter Service, ohne jetzt die vielen Mädels aus der gleichen Berufszunft gleich zu verletzen. Es ist ja nicht mehr weit bis zu unseren alpenländischen Nachbarn und ihrem Serviceschmäh, den halt nur Kerle mit Überzeugung bringen können. Perfekt schon seit Jahren, Josef Steiner. Er kam aus der Schule des in schier göttlich-rustikale Fernsehsphären entschwebten Waging-Schuhbeck auf den Siegsdorf-Klosterberg. Eine reizende Frau, zwei Kinder und um Neun zu Hause. Immer. Oberherz, was willst du mehr?

Die Speisekarte ist nicht gerade üppig. Gut so, denn der soll sich der Sünden fürchten, der von hier weggeht, ohne die Patisserie strapaziert zu haben. Karin Lederer ist zwar nicht mehr da, doch Martin Rech lässt auch gekonnt den Zucker krachen, um etwas den Wagignger Guru nachzuäffen.

Mit beinahe lässig-müdem, aber verständig-charmanten Lächeln verwandelte Steiner den Schwäbischen Sauerbraten mit Blaukraut und Butterspätzle (10,80 €) in eine Münchner Ausgabe. Man nehme zwei köstliche, hausklostergegekugelte Knödel nebst Bröckerlherz, fertig. Kein schmutziger Beilagenwechselobulus wie bei vielen Kochkollegen üblich. Maria würde den ihren bestimmt sofort ein Bein stellen. Die drei großen Scheiben Fleisch sind sauber pariert und haben kernigen Biss. Nirgendwo die mehlig wirkende Bröselkonsistenz, die nach hammerhart-ewigem Beizen entsteht. Das muss man halt auch können. Wiewohl ich mit meinen maroden Beißerchen eigentlich diesbezüglich den Mund halten sollte. Tat ich natürlich nicht und leistete erheblichen Widerstand, als der Service mir unbedingt einen Topfenstrudel mit eingelegten Kirschen (schon wieder grüßt der Nachbar) aufdrängte. Wir einigten uns nach stundenlangem Kampf auf eine halbe Portion.
Mit dem Ergebnis, das ich bittersüß bemerkte, was ich für ein Depp bin. Die doppelte Portion hätte ich verdrückt, so herrlich schmeckte das Klosterdessert. Die gütige Maria hätt’ bei einem Stoßgebet den Kalorienüberfluss bestimmt wieder verdampft! Aber nein …
November 08

 

Oberbayern

Restaurant
Hofwirth zur Post
Alte Dorfstr. 5
83250 Marquartstein
 
Wirt: Familie Hartmann
Koch: der Wirt
Service: NN

tel:  08641-698000

Ruhetag: Mittwoch + Donnerstagmittag


Martini-Gans

 
martiniganserl zu lieben,
ist allzeit mein sinn

An Martini bin ich es inzwischen schon gewohnt herum zu telefonieren, um ein Pfaffenstückerl zu ergattern. Das ist inzwischen gar nicht mehr so einfach, weil unsere weißblaue Landschaft geradezu von Enten überschwemmt wird. Genau betrachtet besitzt dieses Federvieh natürlich auch ein Stück, das dem Herrn Pfarrer munden würde, aber ein waschechtes Pfaffenstück besitzt nur eine Gans. Da beißt die Maus keinen Faden ab! Halt, doch: die Watscheltiere haben zwei Bruststücke. Leicht zu erkennen. Da, wo die Flügel angewachsen sind, wohnt die Fleischeslust pur. Nicht nur für die Diener Gottes. Und genau dieses Teilchen – was heißt hier Teilchen, bei einer anständigen Gans mit sechs Kilo schwillt im Laufe eines Lebens schon etwas auf die Rippen – stellt die treu ergebene Haushälterin Hochwürden an Martini und am ersten Weihnachtsfeiertag auf den Tisch im Herrgottswinkel.

Wieso gerade an Martini? Das hat zwei Gründe. Um diese Zeit werden die schwerfälligen Flieger und ausgezeichneten Schwimmer schön langsam reif. Man spricht deshalb auch gern vom Martinsganserl. Gut sechs Wochen später heißt sie dann Weihnachtsgans. So sie den Ich-geh-mit-meiner-Laterne-Jahrestag des heiligen Mantelteilers überlebt hat. Der soll sich in einem Gänsestall versteckt haben. Seinerzeit. Alles klar? Mir nicht gans. Hauptsache sie stand auf einer Schiefertafel. Die wiederum hing an der malerisch behäbigen Eingangsfassade vom alteingesessenen Hofwirth in Altmarquartstein. Ich war gerettet!

Wirt Werner Hartmann war auch noch da. Gar nicht so selbstverständlich in unserer Merklzeit. Die Zapfhahnfluktuation lässt Schildermaler gans gut leben. Kaum werbeträchtig eröffnet, schon wieder klammheimlich verduftet. Siehe Hochplatte oder Künstler-Alpenhof. Gut, etwas derb betrachtet.

Wie beruhigend, dass Familie Hartmann das schöne Wirtshaus-Restaurant zwischenzeitlich kaufen konnte. So ist garantiert, dass der südlichen Chiemgauregion einer der zuverlässigsten und besten Wirte noch eine Zeit lang erhalten bleibt.

Ehrlich gestand Hartmann, dass ihn der Gansesskult gar nicht so begeistert, aber er ist es seinen Gästen schuldig. Und für die ist er da, meint der aufrechte Kerl. Die etwa fünfzehn Gäste am Martiniabend dankten es ihm. Ich auch: Ein Viertel Gans, mit rescher Haut und fast zartem Fleisch, dazu ein knackiges, apfelfruchtiges Blaukraut und zwei Kartoffelknödel mit Bröckerl im Herzen (16,00 €), ein wunderschönes Pfaffenstückl also, für einen eher unchristlichen Journalistenhaderlumpen.

Da reichte es gerne zu einem überzeugten Dankeschön. Auch nach oben in den dunklen Nachthimmel an der bayerischen Tiroler Ache.
November 08

 

Oberbayern

Berggasthof
Streichen
Streichen 1
83259 Schleching
 
Wirt: Franz Strohmeyer
Koch: der Wirt
Service: der Wirt

tel:  08649-265

Ruhetag: Montag


Schweinsbraten

 
urige weitsicht mit kircherl

Am Wochenende haben Wanderer, die mit mehr oder minder müden Füssen, dem Franz fast wieder die Haare vom Kopf gefressen, derb ausgedrückt. Dabei haben sie gerade mal einen Marsch von fünfzehn Minuten hinter sich, denn ihr poliertes Statussymbol parkt mitten im Wald vor dem Gesperrtschild an der Forststraßengabelung. Wäre das nicht so, würde das megaromantische Streichenkirchlein jeden Sonntag im Benzindunst ersaufen. Bevor ich noch weiter die Gehfaulen ans Kreuz nagle, packe ich mich an der eigenen Nase, denn in vierzig Jahren habe ich es nicht ein einziges Mal geschafft, den kurzweiligen Weg vom Klobenstein herauf zu steigen. Dafür bin ich öfter hier heroben und bettle den überlebensgroßen Christophorus an, damit er bei dem kleinen Burschen auf seiner Schulter ein gutes Wort für mich einlegt.

Er war oft nicht leicht, mein Zickzackkurs durch die inzwischen vielen Jahre und ohne meinen Regisseur über den Cumuluswolken würde ich ganz schön alt aussehen. Innerlich. Wahrscheinlich hatte der Kleine es eingefädelt, dass Kardinal Wetter höchst persönlich meinen letzten offiziellen Gottesdienst beim BR hier zelebrierte. Es regnete in Strömen. Ich hatte IHN verstanden.

Heute scheint eine schier kuschelwarme Novembersonne, weil Martin seinen Mantel mit einem Bettler teilt. Aus dem Kamin des ehemaligen Mesnerhauses kräuselt sich unschuldig weißer Rauch, es duftet nach Schweinsbraten und Wildgulasch. Die Sonnenstrahlen schaffen es gerade noch über die Ruchenköpfe bis zur Chiemseealm, die der Franz beispielhaft und bodenständig nur aus Holz gebaut hat. Nicht mit dünnen Baumarktbrettln. Kräftig und fesch steht sie da, schaut runter ins Tal und hinüber zum Geigelstein und zur felszackigen Kampenwand. Mein nicht minder malerischer Holzstoß der Neuzeit! Das war jetzt für meine Stammkunden.

Droben im Kircherl heiraten, heraussen mit Blick zum Kaisergebirge Busseln und dann in der Strohmeyerhüttn tafeln – wunderbar!

Weg von der Sentimentalität, wir zählen in der Realität des gemischten Salates dessen Zutaten: Kartoffel, Karotten, Kraut (vorbildlich gekümmelt), Rettich, Gurken und einige Blätter. Da kenne ich, weiß Gott, viele, viele armselige Gegenteile im flachen Land. Allerdings hätte ich mir auf »steiler« Bergeshöh' etwas Süße an der Salatsoße gewünscht. Die zwei Scheiben Schweinebraten, Blaukraut (9,50 €) sind mürbe und nirgendwo fett, dafür zwangsweise etwas trocken. Der Semmelknödel ist gut gewürzt. Alles hervorragend zubereitet von dem kloana Buam – hoffentlich lieb ausgedrückt!
November 08

 

Oberbayern

Restaurant
Zum Hopfn-Sepp
Ziegelstraße 4
85283 Wolnzach
 
Wirt: …
Koch: …
Service: Simon

tel:  0841-935150

Ruhetag: keiner, Küche von 11 - 11


Kalbsleber


Leberreste


Fischplatte

frühling im november

Die Sonne. Unvorstellbar. Wir saßen auf der Terrasse und mussten den Sonnenschirm aufspannen. Absolute Spitze.

Der Simon. Herzerfrischend ungekünstelt freundlich. Jung und trotzdem Spitze.

Die Speisenkarte. Überschaubar. Nicht ungewöhnlich. Zufriedenstellend.

Der Küchenchef. Er war da. Obwohl nichts los gewesen ist im Hopfn-Sepp des Hotels Hallertau. Seine Leistung war teilweise miserabel.

Jetzt der Reihe nach.

Ich finde es eine Unverschämtheit für so viel Geld seinen Gästen so lieblos und unprofessionell angerichtete Speisen vorzusetzen!

Mediterrane Fischplatte von dreierlei Fisch in Kräuterbutter gebraten auf Schwenkgemüse mit Knoblauchbaguette (13,80 €) hieß der erste Gang. Bei der Brotbeilage ist dem Topfrücker nicht gerade Umwerfendes eingefallen. Wenn er dann die geschmacklich akzeptablen Baguettes  wenigstens separat in einem kleinen Körbchen geliefert hätte. Nein, nur so gelang ihm ein unappetitlicher »Tellerhaufen«. Kennt der Mann den Unterschied zwischen Schmor- und Schwenkgemüse? Kennt er nicht! Gerade mal der Lachs hat etwas Geschmack, die beiden anderen Flossentiere und selbst das einsame Krustentierchen fallen schlicht und ergreifend durch. Fad, nur die Kräuterbutter konnt' es richten!

Nächste Katastrophe? Kalbsleber »Berliner Art« mit Apfelscheiben, Röstzwiebeln und Stampfkartoffeln (12,90 €) zählt zu den Spitzengerichten meiner Test-Reinfälle im letzten Jahr!
Gleich vorneweg: Simon bot an, dass die Küche die Schuhsohlen mit dem Kartoffelgips neu zubereitet. Die Küche hätte die Leber durchgebraten, weil das die meisten Gäste so wollen, meinte er.
Die sollten weniger meinen und dafür handwerklich sauber kochen, meinte ich und lehnte ab, verlustierte mich an den essbaren Fleischteilen und den matschigen Apfelscheiben. Nicht einmal die Zwiebel hatte die Küche »geröstet«, wie in der Karte angekündigt, es gab eine Frechheit aus der Fritteuse. In einem Schälchen bekam ich dann, als ich fertig gegessen hatte, wunschgemäß Bratkartoffel, die wenigstens ihre gestampften Kollegen in den Schatten stellten.

Lieblos oder unbedarft, das scheinen in diesem Haus geflügelte Worte zu sein (Service, noch einmal betont, ausgenommen). Das Pils, ein halber Liter, lobenswert, servierte Simon im Null-acht-fünfzehn-Bierglas. Entsetzlich. Weil man ja im Herzen des hübschen Hopfenlandes keine Ahnung von Bierkultur haben muss!

Doch die herrlich warme Novembersonne vergoldete gnädig jeden Schluck.

Den Entschädigungsespresso lehnten wir dankend ab.

Vom Gold der Holledau hatten wir im Hotel Hallertau nicht einen Hauch gespürt. Sehr schade. Nix wie weg.
November
08

 

Oberbayern

Gasthaus
Zur Lüft'n
Jetzendorfer Str. 2
85298 Scheyern/
Fernhag
 
Wirt: Familie Mattic
Köchin: Wirtin Christine
Service: Wirt Jakow

tel:  08441-4981503

Ruhetag: Montagmittag


Pola-Pola


Palatschinken


Tomatensuppe

 
fast original kroatisch

Jeder Fremde würde am Gasthaus neben dem Maibaum vorbeifahren. Sogar die Einheimischen haben die unspektakuläre Wirtschaft vergessen, seit es der menschelnde Einödshofer nicht mehr macht. Oft saß ich in seinem klitzekleinen Biergärtchen und verdrückte ein Schnitzel oder eine Bratensülz'. Da war die Welt richtig in Ordnung. Die Nachpächter konnten es mir alle nicht recht machen, leider.

Seit vier Wochen versucht sich nun die Familie Mattic und möchte das klitzekleine Häusl zu einem Geheimtipp ummodeln. Ein schwieriges Unterfangen, da im Pfaffenhofener Kastanienhof bereits ein guter Balkanese die Liebhaber von Pleskavica und »Hundsdremerln« (frei nach dem legendären Qualtinger) kassiert hat. Trotzdem gebe ich den beiden da oben eine kleine Chance. Jakow, zu deutsch Jakob, bediente viele Jahre im Zagreb in Bad Gögging an der Therme. Er ist also perfekt im Service. Und kochende Gastrofrauen überbieten meist ihre männliche Kollegen in vielen Details.

Konkret: Die Stube ist sehr gepflegt in weiß mit Stoff eingedeckt. Die Blumen am Tisch sind echt, leicht traurig einige. Die Menage ziert das Laferkonterfei, also taugen das Öl und der Balsamicoessig etwas. Die Speisenkarte könnte aus Zagreb stammen, mit einigen jugoslawischen Klassikern. ♦ Absolut stilgerecht sind in der Tomatensuppe (3,00 €) ein paar Reiskörner. Ein Klacks frischer Sahne und ein Basilikumblättchen runden ab. Sehr erfreulich. Dann pack' ich Pola-Pola 1 Raznijici, 4 Cevapcici, Pommes Fites, Diuwecreis und gemischter Salat (9,20 €). Es ist nicht billig. Für Fernhag! Doch es ist preiswert. Die Hackfleischröllchen gehören sich fetter, dann werden sie saftiger. Sicher findet Christine noch Metzger, den Fuchs in Reichertshausen zum Beispiel, die ihr bessere Ware anbieten können. Ich verstehe so wie so immer weniger die Euphorie auf die Klostermetzgerei von Scheyern (vom heiligen Benedikt kann man nämlich nicht herunterbeißen). So, wie gehabt, fällt der Klerikalfleischspieß komplett durch. Köstlich hingegen die Nationalbeilage Diuwec, sehr gute Pommes, obwohl ich auf die beim nächsten Mahl verzichte. Das Dressing im knackig-frischen Jugo-Salat ist zu schlicht. Da rate ich: im Kastanienhof abkucken! Der Hauptgang also insgesamt: Note drei mit viel Steigerungsmöglichkeit. Finale mit »Palatschinke za schokoladom« (5,00 €). Zwei absolut perfekt zubereitete Kroatenomeletts, dünn, festteigig mit tonnenweise Schokosoße und zwei großen Kugeln Eis. Eins mit Stern.

Auch einen Stern gibt es für die Getränke: 0,5 l Mineralwasser in der Flasche serviert (!) kosten 2,40 €, den eigeng'schmackigen Malvazija, 0,2 l, serviert Jakow im Krügerl mit 0,25 l.

Ich saß alleine in der Wirtschaft. Das ist der Wermutstropfen. Werben ist zu teuer, werben mit garantiertem Erfolg geht nur über den Gaumen, den Preis und dem Mund, der das weiter erzählt. Da muss Familie Mattic schnell etwas tun, damit die Pfaffenhofener Spaghettilutscher, Chinastaberlfresser und Zazikitänzer ihre Begeisterung für kroatische Schmankerl entdecken können.

♣ Ich komme wieder
Oktober 08

 

Oberbayern

Gasthof + Hotel Müllerbräu
Hauptplatz 2
85276 Pfaffenhofen
a.d. Ilm
 
Wirt: Fam. Keller
Koch: Wirt Karl
Service: NN

tel:  08441-49370

Ruhetag: k A


Spanferkel

im keller mit den kellers

Oh mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Dieser Satz ist mir erlaubt, denn ich habe in diesem Haus geheiratet.

Wechselvoll waren die Jahre, nicht nur in meiner Ehe.

Als die einzig wahren Pächter vor gut 20 Jahren gingen, fuhren wir im Müllerbräu Achterbahn. Wobei die Fahrten unter Bernd Weinhart ausgezeichnet gewesen sind. Damit dann die Täler für einen Zehnerlooping gereicht hätten.

Dann wurde renoviert, Toilettenbackup gemacht und ein Neuer gewonnen. Ein Haudegen, mit allen Wassern gewaschen. Inklusive Gattin Barbara. Gott sei Dank.

Ich tigerte mittags hin und freute mich auf handfeste, gute, bayerische Kost. Drei Tage nach der Eröffnung. Darf man das? Warum denn nicht? Familie Keller ist ja Profi und Brauereichef Fritz Müller ist ja auch kein Haubentaucher. Der wird schon wissen, was in sein Jugendstilschlösschen mit der »Bilderbuchschwemme« passt!

Die Karte ist klein. Keine große Auswahl. Wird schon noch kommen.
♦ Lacht mich an: Lebernockerl und Brätnockerl in würziger Bouillon (3,90 €), ein stolzer Preis, knapp acht Mark. Was stellt die freundliche Bedienung vor mich hin? Eine Pfannkuchensuppe mit Leberknödel. Ich mag keine Pfannkuchensuppe. Sie geht zurück. Dafür kommt der Leberknödel, wohl gemerkt KNÖDEL, mit sieben kleinen weißen Nockerln, die so grässlich langweilig schmecken, dass ich sie nicht esse. Der Knödel geht. Die Suppe ist von würzig so weit entfernt, wie dem Müller seine Hopfenstoffe von einem Pilsener oder Budweiser.

Warum habe ich die Frechheit des Koches, mir irgend etwas vorzusetzen, nicht damit geahndet, dass ich ihm den Teller über den Kopf gestülpt habe? Fällt unter Körperverletzung.

♦ Karl Keller steigerte sich: »Spanferkelbraten frisch aus dem Ofen« mit hausgemachten Semmelknödeln und warmem Krautsalat (9,80 €) war an Widerlichkeit, den köstlichen Salat ausgenommen, nicht zu überbieten. So etwas habe ich noch nie gegessen. Ich habe es auch nicht gegessen. Die Knödel waren bestimmt hausgemacht, denn solche Pappkugeln könnte keine Firma verkaufen. Über das Fleisch, die Haut und die Soße kann ich nichts schreiben, es würde mir schlecht werden. Wenn schon einer so ein bayerisches Schmankerl mit Orangenscheiben dekoriert, fällt mir nichts mehr ein.

Eines schönen (hoffentlich) Tages gehe ich wieder in meine heimlich geliebte Hochzeitswirtschaft. Und Gnade Ihm Gott, dem Herrn Karl Keller, ich lasse es ihn so lange zubereiten, bis es mir schmeckt!

Ich warne Sie auch, mit dem Gedanken des Lokalverbots zu spielen, dann können Sie gleich die Koffer packen.

Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?
Ich bin mir sicher, er wird mir antworten. ▼

Ich werde seine Antwort veröffentlichen.
Oktober
08

 

Oberbayern

Restaurant im Stadttheater
Schlosslände 1
85049 Ingolstadt
 
Wirt: Manfred Enzersberger
Koch: Michael Wittmann
Service: Kellnerin 1

tel:  0841-935150

Ruhetag: Montag + Di-Fr-Mittag


Hirschragout

kein kulinarisches theater

Alle oberirdischen Parkplätze waren an diesem Sonntagmittag von der aufwindigen FDP belegt, die sich optimistisch in ihre bayerische Politzukunft hineintagte. Also stocherten wir uns durch die Tiefgarage in Richtung Restaurant, gar nicht so leicht zu finden.

Unser letzter Besuch lag ewige Zeiten zurück, inzwischen hatte der Pächter gewechselt und etwas die Einrichtung. Die Toiletten wurden dabei übersehen. Einen Stock tiefer, in jeder Hinsicht.

Es stand nicht all zu viel auf der Karte, vielleicht war Koch Wittmann auch recht heftig mit den Gelben beschäftigt, nicht den chinesischen, sondern den liberalen?

Keine der fünf Vorspeisen machte uns an, auch waren sieben Hauptgänge nicht gerade der Auswahlhit. Allerdings fiel uns wegen des schmalen Angebots auf, dass der Pfannenschwinger Chili entdeckt hatte. Beim Dessert, im Kartoffelbrei und??

Zur Sache Schätzchen. Das stimmte so nicht ganz, der Service war geübt, bemüht und bei den wenigen Gästen nicht ganz aufmerksam. Wie sonst hätte sie das erbetene Püree ohne Chili dann doch mit dem feurigen Gewürz gebracht – für einen darmkranken Menschen eine Horrorbeilage!
♦ Bleiben wir gleich bei der Gebratenen Kalbsleber auf Rotweinschalotten mit Feigen Kartoffel-Chili-Püree, Rote-Betechips (17,50 €). Das Beste waren die Chips, dann die Schalotten, dann erst kommt die üppige Innerei. Die hatte allerdings und leider ein unaufmerksamer Pfannenschwenker einem Härtetest unterzogen! Die batzigen Feigen als Beilage muss man mögen, wir mögen nicht. Jeder Apfelring schmeckt uns tausendmal besser.
♦ Ein »kritisches« Gericht: Edelhirschragout mit hausgemachten Spätzle Speckrosenkohl glacierte Maronen (16,50 €). Wieso kritisch? Weil ich schon zu oft nicht gerade die besten Stückchen vom König des Waldes bekommen habe. So auch hier, von elf Fleischwürfeln waren vier flaxig! Außerdem ist Edelhirschragout ein Schmarrn, denn nicht der Hirsch war edel, sondern das Fleisch hätte es sein sollen. Lobenswert, dass ich das Gemüse gegen einen guten gemischten Salat tauschen durfte – ohne Aufpreis.

Generell hat uns gestört, dass in dieser Preiskategorie Herr Wittmann alles gnadenlos auf den Teller packte, egal wie das dann aussah! Die Preiselbeeren in der Birne (Büchse?) waren Konserve. In diesem Haus!?

Das dicke Ende kommt zum Schluss:
Als Aperitif trank ich ein Pils vom Fass, 0,33 l für 2,70 €. Das stand dann auch so auf der Rechnung. Nur bekommen hatte ich 0,3 l, laut Eichstrich auf dem Glas. Natürlich habe ich reklamiert. Die Ruderei der Servicedame zu diesem altbekannten »Negertrick« war beinahe grotesk. »In der Weinkaraffe sei dafür gut eingeschenkt gewesen, das gleicht das wieder aus« meinte schlussendlich das, jetzt schon eher, Schätzchen.
Wenn ich für einen Grünen Veltliner vom Österreicher Moser für 0,2 l fünf Euro berappen muss, dann sollte ich auch sehen, aus welcher Flasche der Tropfen kommt. Oder wurden wir auch da beschummelt, wie beim Bier? Ich weiß, was Moser in der Metro kostet. Dort gibt es aber auch noch viel billigere Veltliner!!

Noch zu einer weitern »Mogelpackung« in diesem Theater: Es war kein Ragout, sondern ein Gulasch. Willi Haider, erster steirischer Kochkurspapst und Doppel-Haubenkoch bringt es auf den Punkt: beim Ragout werden die Fleischwürfel scharf angebraten und kommen dann zur Soße, beim Gulasch aber kommen sie eher roh hinein und schmoren etwa zwei bis drei Stunden still blubbernd vor sich hin.

Das Beste am kulinarischen Theaterbesuch ist die Ragout-Gulasch-Erkenntnis.
Oktober
08

 

Oberbayern

Restaurant Klosterstub'n
Schyrenplatz 1
85298 Scheyern
 
Wirt: die Benediktiner unter dem Cellerar Pater Lukas Wirth
Geschäftsführer
: Thomas Eder
Koch: Frank Hennig
Service: Karin

tel:  08441-27890

Ruhetag: Montag + Dienstag

 

♦ Nachtarock am 12.10.08 Sonntag ♦

Naturtrübes Klosterbier (0,5 l, 2,50 €): fantastisch
Grüner Veltliner (0,25 l, 5,00 €): über den Tisch gezogen
♦ Züricher Geschnetzeltes mit gem. Salat (10,50 €): Salat vergessen + Fleisch nicht erstklassig + nicht gerade umfangreich + Reiberdatschi fertig?
♦ Böhmischer Sauerbraten mit Preiselbeeren, Serviettenknödel und gem. Salat (9,50 €): Salat vergessen + Preiselbeeren vergessen + Fleisch nur zufriedenstellend pariert + Knödel eher langweilig (beispielhaft im Rabenkopf in Kochel/Ried).

Roberto bediente souverän, leicht verhuschte junge Mädchen irrten mitunter durch den sommerwarmen Muster-Biergarten. Schon wieder ein dickes Lob an Herrn Eder, der uns einen Platz an der Mauer reserviert hatte.

Note: 3 -

Bei dieser Gelegenheit nochmals gesagt: mit dem Weinmaß 0,125 l verstößt der Betrieb gegen geltendes Gesetz. Bitte, bitte ändern Sie das umgehend, sonst bekommen Sie Probleme. Ich auch.


schöner montag

Da bin ich doch breitseitig gegen den Österreicher in Scheyern losgedonnert, weil mir so Vieles gar nicht gepasst hatte. Da aber mein Biergartenherz auch vom Wirtevorgänger Vogt nicht getötet werden konnte, wollte es sich erst recht nicht von einem Thomas Eder unterkriegen lassen.

Also, nauf auf den Berg an einem herrlich warmen Montagmittag. Etwa 25 Tische waren eingedeckt zum Gastgarten. Mitgebrachtes darf nicht verzehrt werden, also nix Biergarten. Trotz der malerischen Kastanien und der knochenharten Bestuhlung. Sitzkissen gibt es nicht, man hockt also die kleinen Sünden weg und spart sich den Kirchgang. Was wiederum ein Fehler ist, so man die Basilika nicht kennt. In der unser Papst viele Jahre gebetet hat, wenn er zu seinen Exerzitien nach Scheyern gefahren ist, um im nahen Forst zu wandern. Man hat, geschäftstüchtig, seinen Spazierweg sogar auf einer Schautafel dargestellt. Dann ist der Appetit gewissermaßen abgesegnet, wenn man die päpstliche Runde gedreht hat.

Ich kam nicht mit dem Papamobil sondern dem Kilicabrio. Auch recht reizvoll, und staunte über die megagute Besitzung mit Gästen, die Geld haben, denn das müssen sie, weil Eder zusammen mit Braupater Wirth die Preise gewaltig angehoben hat. Unter zehn Euro ist wenig Warmes, auch noch ansprechend, zu finden. Dreißig Märker sind leicht zu verfuttern – Beispiel: • Gegrillte Perlhuhnbrust auf Rahmpfifferlingen mit Bandnudeln (14,50 €) oder • Medaillons vom Schweinefilet auf Rahmpfifferlingen mit hausgemachten Eierspätzle (12,50 €).

Weil mir das nötige Portogeld fehlt, gab es für mich eine
• Tomatencremsuppe mit Croutons für 3,20 €, die hält sich da noch im Rahmen, ebenso die • 1/4 gefüllte Bauernente mit Kartoffelknödel und Birnenblaukraut für 7,40 €, oder • Käsespätzle mit Bergkäse, Röstzwiebeln und gemischtem Blattsalat (7,50 €), »leider aber aus« meinte Karin, eine richtig sympathische, flinke Bedienung. Schnell kam die Radlerhalbe (0,5 l, 2,40 €), die auch nach Bier schmeckte und die Suppe, die nach »fertig« schmeckte und auch so aussah. Brav bekam ich auf Wunsch die Croûtons separat, damit sie nicht auf dem Weg vom Pass in den Garten voreilig aufweichen konnten. Ich war zufrieden und aß auf! Dass ich nicht ein Pfaffenstückl, also das Ententeil mit dem Flügel und der Brust erhielt, versteht sich von selbst: der Meckerer sitzt draußen! Die Haut war gut, das Fleisch saftig, die Füllung ansprechend. Wäre der Edelflatterer sauber gerupft gewesen, nicht auszudenken. Köstlich im Biss und am Gaumen das leider laukalte, üppige Blaukraut. Der handgekugelt schmeckende Knödel hatte im Herzen keine Bröckerl. War er fertig? Wenn ja, macht nix, denn er schmeckte gut.

Nun ein ganz dickes Lob für den Wiener Geschäftsführer: die werbefreien Schirme und eine ansprechende Tischdekoration machen den Restaurantgarten zu einem richtigen Kleinod für etwa hundert durstige Kehlen. Die hier an einem fast heiligen Hopfenplatz sitzen, denn das Bier der Benediktiner mit dem blutjungen, überragenden Braumeister Tobias Huber ist über jede Kritik erhaben. Und das ganz ohne Weihwasser, sondern sicher mit ausgezeichnetem Brauwasser.
März
08

♦ Damit bin ich in meinen Lieblingsrestaurantbiergarten zurückgekehrt ♦

 

Oberbayern

Hotel Moosburger Hof
Moosburger Straße 3
85276 Pfaffenhofen a.d.Ilm
 
Wirt: Familie Tweer
Koch: Wirt Sven
Service: Wirtin Anke

tel:  08441-2770080
www.moosburgerhof.de

Ruhetag: ??
 


Nudeln

Braten

neue besen fahren gut?


Der nächste Zug ging in einer guten Stunde. Nach Moosburg. Das reicht allemal zu einem kleinen Abendessen, war unser gemeinsamer Gedanke.

Was fasel ich denn für einen Schwachsinn? Ich hatte nichts getrunken. Was für Züge denn?
Nach einer Halben Edelstoff aus München wusste ich es: Das Restaurant im Moosburger Hof kam mir vor, wie ein gehobenes Bahnhofsrestaurant. Nichts für einfache Personenzüge, aber auch nichts für ICE’s.

Es erinnerte mich an eine Zeit, in der man nur mit dem 1.Klasse-Ticket in Augsburg, München oder Nürnberg in diese Art edler Bahnhofswirtschaften durfte. Eingedeckt, Stoffservietten, feine Karte. Huschendes Personal. Lautlos. Gäste murmelten. Handys noch nicht erfunden. Lautsprecherdurchsagen vom Bahnsteig. Kaum Gäste.

Zurück ins Heute: Gediegen, ansprechend, seriös die Karte, nicht gerade alltäglich, aber auch nicht spannend. Viele Gäste, wenig Auswahl, für Pfaffenhofen teuer. Beim hilflosen Herumblättern lösten sich die Blätter teilweise. Ich schämte mich über meine Tapsigkeit.

Ein elektronisches Fräulein meinte bei meinem Reservierungsanruf, es gäbe hier, sinngemäß, regional-mediterrane Köstlichkeiten.

Meine Frau entschloss sich deshalb, nach einigem Hin und Her, für ein Zwischengericht: • Hausgemachte Teigwaren mit Frischkäse, Tomaten und Basilikum (8,80 €).

Ehepaar Tweer hat eigenständig die Messlatte, bestimmt wohlüberlegt, recht hoch gelegt. Entsprechend pennibel (Schreibweise doppeldeutig) die Kritik: Die Tomaten sind nicht gehäutet. Gut, damit war die Gattin beschäftigt. Basilikum konnten wir nicht ausmachen, auch den Frischkäse fanden wir nicht, dafür zufriedene Miene bei meiner Frau. Na bitte! Die Füllung der Ravioli mit Steinpilzen konnte ich nicht erschmecken, Trüffel gar zweimal nicht. Immer besser noch als synthetisches Trüffelöl!

• Braten vom Colmarer Landschwein mit Krautfleckerl und Kräuterknödeln (10,20 €).
Ich hatte einen Güterzug erwischt! Verflixt und zugenäht.
Das Elsässer Fleisch der beiden nicht gerade anspruchsvoll geschnittenen und drapierten Scheiben war faserig, zäh, trocken und nicht besonders schweinisch. Die golfballkleinen Knöderl schmeckten wie laukalte Semmelknödel im Westentaschenformat. Da ich das Bayrischkraut von Ex-Platzhirsch Weinhart kenne – er war mal als Wirt für den Moosburger Hof deutlich im Gespräch – war diese Beilage für mich ungenießbar. Rustikalität hin oder her, ich mag nur Dinge, die mir schmecken. Noch einen Waggon zum Schwein: Wenn ich an das Holledauer Dorfschwein © 2008 (Name gerade kreiert, copyright bei mir!) des Eschelbacher Adi Trägler denke, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Gibt es auch Stadtschweine? Oder ist es einmal mehr die Masche »vom Hof des Bauern Schorsch Gummistiefel in Ackerdorf«. Es ist mir piepegal, wo es herkommt, gut muss es sein! Fertig. Ich brauche diese überhandnehmenden Bonsairomane der Gerichtebeschreibungen nicht.

Noch ein paar Fahrkarten zu den feuchten Gebieten:
♦ In der Karte stehen die offenen Weine als 0,125 l
♦ Auf dem Tisch stehen die offenen Weine ohne Eichmarke

Ich habe das alles auch der Wirtin gesagt und sie gebeten, dies abzustellen. Sie wird es sicher tun.
Wir werden Sie sicher davon unterrichten.

Saudumm, jetzt ist für uns der Zug abgefahren.

Halb so schlimm, ich gehe zur Rubens-Uschi Handerl-Halten und werf’ die Fahrkarte in die Ilm.

♦ Vorerst wenigstens – und nicht wirklich ♦
Oktober 08

 

Oberbayern

Landgasthof Deutsche Eiche
Ranertstraße 1
81249 Lochhausen
 
Wirt: Familie Mendel-Conrad
Koch: nn
Service: Petra

tel:  089-8649000
www.deutsche-eiche-mendel.de

Ruhetag: keiner
Besonderheit: ausgesprochen schöner Biergarten


amuse gueule

Ente

münchner vororttradition

Was für ein wunderschönes, urgemütliches Wirtshaus!

Was für ein mustergültiger, kuscheliger, gepflegter Biergarten!

Was für ein herzlicher, kompetenter Service!

Welch eine anmachende Speisenkarte!

Und dann zwei so ungute Knödel, so, dass ich sie, trotz argem Hunger, nicht essen mag!

Ich traf mich mit dem, nur Eingeweihten bekannten, weiblichen Urgestein der bayerischen Bergsteigerei, mit Erika Heimrath. Sie hatte das Lokal vorgeschlagen und war mit ihrem ♦ Salat Eiche (10,90 €) richtig zufrieden.

Ich auch. Aber nur mit dem netten kleinen Gruß aus der Küche, einem Sülzerl im Glas mit rohen Zwiebeln. Köstlich auch die ♦ Apfelschorle (0,5l, 3,00 €), weil mit naturtrübem Apfelsaft aus dem Rottal gemixt. Schon bekam ich wieder Heimweh nach dem niederbayerischen Bäderdreieck …

♦ Das Brot zu Erikas Salatberg, natürlich ohne Eiche, servierte Petra ansprechend in einem kleinen Körbchen. Bei diesem Preis hätte mich eine Variation unterschiedlicher Sorten mehr angemacht. Wie das in Österreich oft üblich ist. Dazu noch ein arg kritisches Wort: mich verärgert immer mehr eine klammheimliche Abzock bauernschlauer Wirte mit der schlankheitswahnsinnigen, um sich greifenden Unart unserer Frauenwelt, des Abends Salat zu essen. Es ist den Damen selbstverständlich piepegal, dass ihr nächtliches Gedärm dann ungesund herumrumort, wie bei einer professionell Grünzeug verdauenden Allgäuer Resi. Die Kochmützenträger haben das erkannt und erhöhen das Kuhfutter mit Streifen von der Wasweißichwas und schon kostet das Tellerchen zwanzig Mark. Noch vor fünf Jahren hätte der Pfannenrücker damit seine Küche tapezieren können. Damit ich ja nicht falsch verstanden werde, das gilt nicht nur für dieses Haus. Da sind sich alle Wirte einig, wie die Tankstellen beim Benzinpreis. Eigenartig!

♦ Petra brachte das Blaukraut zu meiner – 1/2 bayerische Bauernente –knusprig aus dem Ofen, dazu zweierlei Knödel und Apfelblaukraut (13,80 €) in einem knallheißen Schälchen. Mit laukaltem Kraut. Aber mit Preiselbeeren. Habe ich mich gefreut. Es fehlte ihm dann leider doch der große Kick, wie dereinst beim Kreuzeder in Erding, der mit Gänseschmalz feinste Rohware tunte – und damit voll überzeugte. Gewusst wie! Der Ex-Edel-Flatterer (Ente, was ist das heute schon? Kommt immer vom Bauern?) war ordentlich geputzt, das Fleisch war weich und beinahe saftig. Die Haut war nicht kross. Also gelogen! Wie das aber richtig funktioniert kann man bei Kochlöffelguru Schuhbeck erfragen. Die zwei eher kleinen, buzeligen (Erika lacht jetzt) Knödel, Semmel und Kartoffel, haben mir überhaupt nicht geschmeckt. Solche Teige habe ich auch noch nie gegessen. Hoffentlich waren die Kugerl nicht auch noch hausgemacht. Sie gingen zurück, was aber den Wirt nicht weiter störte. War ja auch mein Problem. Wenn ich die Kosten für die Beilagen abziehe, dann war der Vogel glatt zwanzig Mark wert. Das war er aber wirklich nicht wert.

Aber ich komme ja sicher wieder, um Erika anzuhimmeln und mit ihr Fernsehsendungen auszuschnapsen. Wenn dann am Essen wieder etwas nicht passt, werde ich etwas ernster reagieren. Dies als Drohung und als Ansporn.

Denn sonst kriegt ihre deutsche Eiche ein Problem
September 08

 

Oberbayern

Restaurant + Bar Rubens
Hauptplatz 12
85276 Pfaffenhofen
/Ilm
 
Wirtin: Uschi Huber
Koch: René Richter
Service: die Wirtin und Alexander

tel:  08441-7973099

Ruhetag: Samstagmittag


amuse gueule

Entenstopfleber
Nudeln mit Paremsansauce

Nachtarrock

♦ Barerlebnis 2 ♦
23.30 Uhr am Donnerstag (auf bis 3 Uhr!). 4 Gäste. Frisch aus dem Schneideraum. Durstig.
Ein Weizen vom Fass. Ich saß am Tresen. Verlustierte mich mit GläserspülenKucken. Trostlos. Es herrschte irgendwie Aufbruchstimmung.
Die Spiegelkugel rotierte einsam und hilflos verlassen. Wieder Erdnüsse mit Wasabihülle. Langweilig. Es interessiert niemanden, dass ich vielleicht Hunger gehabt hätte. Klar, der Koch ist weg.
Die Musik gefiel mir nicht. Ich ging kurz nach Zwölf.

Meine Frau meinte: Du bist ein unzufriedener Nörgler.
Sie hatte recht, denn der flämische Pinselschwinger hatte mich unzufrieden gemacht.

O.k., ich probiere es noch einmal. Dann ist Sense.
Oktober 08

♦ Barerlebnis 1 ♦
Gegen 23 Uhr am Samstag. Voll.
Ein Schoppen Grüner Veltliner (3,20 €), ein Pils 0,3 oder 0,33, da habe ich nicht richtig aufgepasst, und ein Drink »Pina Colada« für 13,80 €. Dazu kaum erkennbare Musik aus einer nicht optimalen Beschallung. Die Stühle mit dem begrenzten Fuß-Reif sind für mich unbequem. Die Erdnüsse, teilweise in Wasabihülle, sind einfallslos und unterste Ebene bei diesen Preisen.
Der Service ist flott.
Den Rum im Drink habe ich nicht erkannt.
Es ist gut hier, um gesehen zu werden.
Oktober 08


mein maler

Gleich vorneweg: mit der Antwerpener Kreuzaufrichtung habe ich es nicht so sehr, schon eher mit dem Liebesgarten oder vielen seiner lebenswuchtigen Frauen, die in zahllosen Männern unstillbare Sehnsüchte wecken. Auch in mir. Seine Darstellung des Nackten, die leuchtenden Fleischfarben sind unübertroffen (Urteil stammt nicht von mir!).

Halleluja sog I!

Peter Paul Rubens, dieses flämische Malergenie wurde 1577 geboren und hat nun ein Restaurant in Pfaffenhofen an der Ilm eröffnet.

Das hat niemand hier erwartet!
Am allerwenigsten unsere Stockers und Weinharts, unsere eher langweilenden Stiefelsieder und zazickiden Helenen, die nicht einmal mehr wissen, wo Athen genau liegt, geschweige denn, was die Sirtakitänzer um Alexis Sorbas herum gerne essen. Da hocken die »Pfoahofner« doch lieber beim Chinesen oder Thailänder und haun sich die Bäuche mit Bambus und Glutamat voll, jauchzen, wenn der Löffel von alleine senkrecht steht und sie für Fleischspuren und Flüssigkeiten einen Haufen Geld berappen müssen. Ja, ja, ich weiß, dafür gibt es Reis in Hülle – und meist kalter Fülle. Ich darf mich in diesem Reigen leider auch nicht ausnehmen. Weil ich oft keine andere Wahl habe.

Und diese Volk, nebst meiner Löffelklugheit, bekam jetzt Rubens.

Unbemerkt und über Nacht. Apropos Nacht: Rubens malt lange: Donnerstag – Samstag bis drei Uhr. Da bin ich gespannt, wer da an der Bar hockt? Mit Pinsel und Farbe … Mein Weib natürlich. Recht hat sie. Wer noch? Die Raiffeisenbanker wahrscheinlich eher nicht, weil das Bambusvernichterpublikum sonst überhaupt nicht mehr an deren Kreditgebefähigkeiten glaubt.

Ich gehe da auch mal mitternächstens hin, denn das schaue ich mir unbedingt an.

Gegessen haben wir schon. Am Sonntagmittag. Volles Lokal.
Die Wirtin ist zum Anfassen. Für jedes Foodfoto, das ich schoss, wollte sie »'nen Euro«. Für das, was der sehr sympathische, blutjunge und deshalb noch etwas unerfahrene René Richter aus der Puppenküche zaubert, will Uschi Huber, die knubbelige Geisenhauserin, schon deutlich mehr. Sie beschreibt ihren Malerfürsten als »gehobene Gastronomie«. Da kostet das Viergangmenü zwar nur 38 €, aber für Hauptgänge legt man auch fünfzig Märker auf die recht schönen Restauranttische.
Die Frau hat Geschmack, das zeigt sich auch bei der Möblierung des glaspyramidengedeckten Innenhofes. Da muss Uschi für's kommende Outdorhocking nur die umliegenden Fenster mit viel Grün wegdekorieren. Dann hocke ich mich sogar im Wintermantel zum Businesslunch in den Hof.

Einst bekamen wir hier, an diesem wirklich schönen Platz vom Spaghettivorgänger unser erstes Lokalverbot, nur weil wir die Wahrheit schrieben. Es tat richtig weh damals.

Trotzdem blieben und bleiben wir bei unserer riskanten Eigenart und schildern unverblümt, wie die kulinarischen Ölfarben auf uns wirkten:

• Der Gruß aus der Küche, nach lauwarmen Brötchen mit Butter, anständig, aber nicht aufregend einfallsreich, kam auf rautigem Glasteller krosses Bonsaiwantan mit köstlichen Linselchen. Schon witziger.

• Messlatte ganz hoch: Gebratene Entenstopfleber an (verflixt deppertes »an«, es ist nicht auszurotten) Apfelchutney und Bittersalaten (15,50 €). Obwohl nix bitter, dafür perfekte Leber: Halleluja.

Hausgemachte Tagliatelle mit Parmesan - Trüffelschaum (8,90 €) riechen um diese Jahreszeit verdächtig nach Trüffelöl. Nachgefragt mein Service-Alexander, der bemüht agiert, ja Öl sei dabei und etwas Trüffel. So agierte Richter natürlich nicht, nix Tuber, da hat der Service, vielleicht verunsichert, geflunkert. Auch so waren die Nudeln mit der köstlichen Parmesansoße ein echter Genuss, nur halt wirklich arg teuer. Das chemische Trüffelaroma kostet vergleichsweise zum Luxuspilz überhaupt nichts, rechtfertigt also die achtzehn Mark auch nicht. Frau Wirtin, bitte Obacht geben!

• Nun zum fleischigen Hauptgang, zu Perlhuhnbrust mit Belugalinsen (schon wieder, siehe amuse gueule) und Hokkaidokürbis (bitte was ist denn an der Gemüsekugel schon dran, außer der weiten Reise von Japan hierher?) (18,60 €), da soll sich der lesende Feinschmecker wahrscheinlich erfreuen. Die an den berühmten Kaviar erinnernden Hülsenfrüchtlein zusammen mit dem schier köstlichen Bonsaiedelhendl hätten ein Halleluja verdient, wäre da nicht der »Japaner« geschmacklich total abgestürzt. Er ging ungegessen zurück, weil er grässlich bitter-fasrig schmeckte. Trotz essbarer Schale. Rubens reagierte nicht und kassierte gnadenlos den vollen Preis. Gar nicht gut.

Bei allem, was hier geschrieben ist, bedenken, dass die Farb-Palette gerade mahl zwei Tage alt war. Deshalb die Bitte an Frau Wirtin und ihre Gäste: Alles tun, damit wir im kommenden Sommer bei einem warmen, gewaltigen Regenguss mit Blitz und Donner total trocken rubensmäßig die Uschi und den René verspachteln können.

Wir etwas weniger betuchten Landkreisbürger gehen dafür dreimal nicht zu den anfangs genannten Pfannenrückern, passieren das Wasserschloss und den Langwaider Kollegen und kuscheln kulinarisch bei der jungen, sympathischen Malercrew am neuen Hauptplatz. Dabei helfen in höchst erfreulichem Maße seine sehr moderaten Weinpreise.

♦ Pfoahofner Rubens fast-Halleluja! ♦

September 08

Nachtarrock

♦ Barerlebnis ♦ Gegen 23 Uhr am Samstag. Voll.
Ein Schoppen Grüner Veltliner, ein Pils 0,3 oder 0,33, da habe ich nicht richtig aufgepasst, und ein Drink »Pina Colada« für 13,80 €. Dazu kaum erkennbare Musik aus einer nicht optimalen Beschallung. Die Stühle mit dem begrenzten Fuß-Reif sind für mich unbequem. Die Erdnüsse, teilweise in Wasabihülle, sind einfallslos und unterste Ebene bei diesen Preisen.
Der Service ist flott. Es ist gut, um gesehen zu werden.
Den Rum im Drink habe ich nicht erkannt.
Oktober 08

 

Oberbayern

Restaurant + Hotel Rabenkopf
Kocheler Straße 23
82431 Ried
GT von Kochel
 
Wirt: Familie Slaschek
Köche: der Wirt + die Wirtin
Service: der Wirt

tel:  08857-208

Ruhetag: Donnerstag


Weltirrsins-
sauerbraten

Saibling

alarm

Das darf doch nicht wahr sein. Jetzt haben wir Feinesser und Liebhaber des Budweiser Bieres und des grau melierten Wadelstrümpfeträgers Jörg über Jahre hinweg ständig die Treue gehalten – und jetzt droht er ernsthaft mit Aufhören.
Ja, was denkt er sich denn?
Es mag ja sein, dass er oft wie ein Geisteskranker geschuftet hat und dabei in die Jahre und ins Geld gekommen ist, wir aber auch! Wo sollen wir bitte denn in Zukunft diesen Weltirrsinnssauerbraten schlabbern, mit dieser Weltirrsinnssoße, gepaart mit den überirdisch originalen Serviettenknödeln, diesen baggergleichen Soßenschlürfern, und mit diesen Preiselbeeren, gestaltet von Deinen eigenen Händen, Beere für Beere – und mit den Händen Deiner geduldigen, unermüdlichen Kochfrau Theresia? Mann, willst Du uns denn alle ruinieren?

Sollen vielleicht in düsterer Zukunft Tellerbanausen in Deinem sonnigen Garten hocken und über Pommeskätschabbberge hinweg zum Heimgarten hinaufglotzen? Ohne Erfurcht – oder Siefurcht. Redbullern sogar. Jörg Slascheck, Du Urgestein, bist Du plötzlich ein Kind des Wahnsinns?

Nein, nein, so leicht werden wir Dir das Verduften nicht machen! Und wenn wir heulend in Deinen gemütlichen Stuben hocken, mit bittersten Tränen den krossen Saibling verwässern und die Rotznasen in die Servietten … aber das geht jetzt zu weit.

Ist Dir eigentlich bewusst, dass unzählige Kaiserschmarrn rund um Dich, nah und fern, nichts anderes sind, als die zweite Worthälfte? Ein riesiger Schmarrn nämlich!
Der Alfons Schuhbeck musste den geeisten Kaiserschmarrn erfinden, damit er gegen Dich wenigstens den Hauch einer Chance hatte. Hast Du das jemals an Deinen Pfannen überrissen?

Hast Du eben nicht!
Bitte zeige mir doch nur eine Speisenkarte, die so viel Freude macht, nur beim Lesen, wie die vom Rabenkopf. Da brauche ich doch gar nichts zu essen! Spare Geld ohne Ende! Und wehe, ich tat es. Ich fuhr immer nach Hause und wollte Asket werden, den Wirtshaustischen für immer ade sagen, weil Du Hammelhund die Kochlöffelmesslatte so hoch gelegt hattest. Und dann abzwitschern wollen. Vielen Dank.

Du wartest gefällig, bis der oberste Zampano, der über den Wolken, nicht der aus dem Kultstreifen »La Strada«, dir das Hölzchen aus dem Händchen nimmt. Und nicht Du hast das zu bestimmen. Sonst gibt es keinen Kranz und kein Weihwasser nicht. Kapiert?

Immer noch nicht? Fast habe ich es erwartet. Gut, dann lies die folgenden Zeilen am besten so lange, bist Du es begriffen hast.

Ich habe immer gelaubt, dass ich Dich nicht richtig leiden kann.

♦ Ich habe mich gewaltig getäuscht ♦


September 08

 

Oberbayern

Foto kommt

Wirtshaus Wirtshaus zum Kreuzhof
Kreuzstraße 1
85764 Oberschleiß-
heim
 
Wirt: nn
Koch: nn
Service: recht flink

tel:  089-3105289
www.wirtshaus-zum-kreuzhof.de

Ruhetag: keiner
Besonderheit: Kapelle im Garten


Leberknödelsuppe

Fleischpflanzl

bayerisch mit muttergottes

Wo gibt es das, dass mitten im Biergarten eine kleine Kapelle mit einer Marien-Grotte steht? Selten. Ich glaube noch in Mariabrunn, bin mir aber nicht sicher. Zurück an die B13, noch im Bannkreis von München-Nord. Hundert Mal bin ich schon vorbei gefahren. Schnell nach Hause, weil die A9 wieder einmal dicht gewesen ist. Gestern hat es gepasst. Erfolg in Freimann und sechsundzwanzig Grad im mittäglichen Biergarten.

Die Speisekarte und zahlreiche Schiefertafeln regen an. Zu tiefst im bayerischen Sprachbodensatz erklärt der Wirt seine Schmankerl:

• Hausg'machte Lewakenddlsupp'n in Ox'nkraftbriah (3,40 €) braucht unbedingt eine englische Übersetzung, denn sonst hätte selbst ein Ingolstädter wenig Chancen, es zu entziffern.

Ist man hinter den Inhalt des Hauptganges gestiegen, stell sich die Frage: Das klingt doch nach »Königsberger Klopse«, was so weit von München entfernt ist, wie der Franz Müntefering von König Ludwig, oder nicht?

Meine masochistische Ader bestellte knallhart:
• Fleischpflanz'erl in Kapern-Dillsoße mit pfannenfrischen Speckbratkartoffeln
(8,90 €). Der Gaumen juchzte bei der Beilage im Dreieck.

Das war das Vorwort.
Nun in die handwarme Wirklichkeit.

Die Suppe kommt schnell, viel, eine wirklich gute, kräftige Brühe mit reichlich Schnittlauch. Der Knödel passt ebenso, präzise in der Konsistenz, etwas zu wenig lebrig, aber auch nicht semmelig.

Dann steht Müntefering vor mir. Klar, dass die Soße eine Haut zieht. Aber wo sind die Kapern, wo ist der Speck. Fast zitternd treibe ich die Gabel ins Herz des einen Pllanz'erls (was hier der Apostroph zu suchen hat, kapiere ich nicht) und bin maßlos enttäuscht, denn das Herz ist eiskalt. Also war es vorher im Kühlschrank und wurde nicht richtig aufgewärmt. Punktum aus. Ich schickte das andere Planz'erl in die Küche zurück, zum Heißmachen. Da ich auch vorher um Besteck bitten musste, war ich nun echt angestochen. Was soll denn das ganze Sprache-Schi Schi, wenn es hinten und vorne an der Sorgfalt hapert? Ein urbayerisches Fleischpflanzerl bekommt seine zeitgemäßen Feuchtgebiete von einem anständigen Kartoffelsalat. Aus. Wir brauchen keinen Müntefering. Mir san Baiern, hörst Wirt?

Die Radler (0,5l, 3,00 €) ist ja auch nicht gerade geschenkt und für 3 Mark vierzig gab es vor nicht allzu langer Zeit eine respektable Leberknödelsuppe, allerdings ohne Apostroph. Für knapp sieben Mark hät' kein Mensch dafür einen Löffel in die Hand genommen. Mehr sog i ned! Doch:

♦ Oh Maria hilf! ♦

September 08

 

Oberbayern

 

Restaurant + Bar Mongo's
Am Westpark 2
85057 Ingolstadt
 
Wirt: nn
Koch: Linus
Service:
Steffi

tel:  0841-3709493
www.mongos.de

Ruhetag: keiner
Besonderheit: Konzept


nn

nn

erfolgskonzept

Hätten die gefürchteten Reiterkrieger, die die Restaurantkette zu ihrem Namen inspirierte, so gegessen, wie ich am Mittag im Ingolstädter Etablissement, wären sie immer von ihren Gegnern mit Stumpf und Stiel verputzt worden.

Ich war zum ersten Mahl in einem Mongo's. Mein Sohn war schon öfters und hatte mich neugierig gemacht. Bedient wurde ich von  einer blutjungen Ingolstädter »Mongolin« mit Halsweh. Auszubildende, freundlich herzlich von Innen heraus und unermesslich hübsch. Sie heißt Steffi. Schwarz stand ihr ausgezeichnet. Der Griller sah eher aus, wie von einer Kaminkehrerbrigade entlaufen. Konnte aber nicht sein, denn deren schwarze Männer bringen Glück. Er heißt Linus, er brachte mir vorerst gar nichts. Denn er ist eine sensationelle mongolische, ja beinahe geschäftsschädigende Schlaftablette.
Doch der Reihe nach. Ich wählte • Mongo's Quick Lunch (9,50 €) mit Chilli-Knoblauch Marinade. Es hätte noch sieben andere Marinaden gegeben.
Mit meinem Lochbrett ging ich zum Buffet, um in meinem Loch eine Porzellanschale zu platzieren in die ich alles hineinzuschaufeln hatte, was ich wollte. Was da in Schüsseln herumlag, hat jeder Nonamechinese auch. Beim Fleisch, geschnetzelt, ist es anders. Allerdings waren zwei Angebote fast zu Ende, Rinderfilet war gänzlich alle. Wurde auch nicht aufgefüllt. Ich pickte den Schweinefleisch- und Huhnrest heraus. Und lieferte bei Linus ab.

Steffi brachte den • Spezi (0,5 l, 3,30 €) und ein Körbchen mit Weißbrot und Currybaguett nebst einem Dipp. Einem sensationellen Dipp. Der alleine, mit Currybrot nebst Steffi ohne Halsweh, mehr braucht man nicht zur Glückseligket.
Nach 44 Minuten hatte der Junge am Mongolian BBQ, bei etwa zehn Gästen im Lokal wohlgemerkt, nach einer handfesten Drohung zu gehen, blitzschnell seine gewaltige Garleistung vollbracht. Ein Schälchen mit Reis als Sättigungsbeilage. Und meine Schale.

Das Schweinefleisch war als solches nicht zu erkennen: total trocken niedergegrillt und extrem zäh. Das hatte Linus bei den paar Hühnerfleischfleckerl nicht geschafft. Selbst jeder drittklassige Chinese kann so einen »Fraß« seinen Gästen nicht zweimal vorsetzen. Denn die kommen kein zweites Mahl.

Ich zahlte schnell, noch ein Spezi (0,3 l, 2,20 €), und 15 Euro, also 30 Mark waren fällig. Zum Mitrechnen: Essen 9,50 € + Spezi groß 3,30 € + Spezi klein 2,20 €. Für dieses Ergebnis! Dazu fällt mir nichts mehr ein.

Meinem Sohn schon, er meinte, Du musst abends hingehen. Da brummt der Bär, da geht alles ratzfatz – und für läppische drei Euro Aufschlag. Wehe, es ist dann nicht alles im Überfluss vorhanden.


♦ Aber ich komme nur, wenn mich Steffi bedient und die Schlaftablette Linus frei hat ♦

September 08

 

Oberbayern

Bistro & Café Wintergarten
Bürgermeister-Neumeyer-Str. 4
85391 Allershausen
 
Wirtin: Petra Cejnar
Köchin: die Wirtin
Service: heute Sabrina

tel:  08441-998404
www.bistro-wintergarten.de

Ruhetag: keiner
Besonderheit: kostenfreies W-Lan im Lokal


Salat

Schweinerücken
Tomaten-
cremesuppe

Reiberdatschi

wer im glashaus sitzt …

… sollte nicht mit Steinen schmeissen, könnte aber zufrieden speisen. Ich gebe es zu, ein etwas gehakelter Einstige für die Nachfolgerin im einstigen Thailänderinnen-Kiwi am Parkplatz des autobahnnahen Gewerbegebietes von Allershausen. Aber ist es nicht etwas kühn, in solch einem Umfeld gute Gastronomie auf die Beine stellen zu wollen? Die bildhübschen Asiatinnen mit ihrer begabten deutschen Kochtopfstrategin scheiterten auf jeden Fall. Allerdings konnte ich mir nicht erklären, warum.

Sei's drum, heute kocht die Christl, weil die Chefin, die sonst kocht, endlich Urlaub macht! Weiß ich alles von Sabrina – auch nicht gerade das, was man unter einer Servicemaus versteht. Nett, liebenswert frech, nicht auf den Mund gefallen, setzt sich auch zu dir an den Tisch und behauptet frischfröhlichfrei, dass sie auch Dinge für den Gast auf die Beine stellen, die nicht in der Karte stehen. »Nach was ist ihnen denn?« wir man nicht jeden Tag charmant gefragt. Eben schließen die Großmärkte und die vierrädrigen Blechbüchsen verdünnisieren sich in Windeseile. Ruhe kehrt ein und der Freisitz wird richtig akzeptabel. Das Drinnen ist es ja sowieso.

Eine Suppe. Steht keine auf der Karte, aber Brokkoli hätt' sie in der Hinterhand. Ungewöhnlich. Nein, ein kleiner Salat tut es auch. Dressing nach Wahl. Ich nehme sicherheitshalber und misstrauisch Balsamico. Der ansprechende Teller und die knackigen Vitamine bekommen die Note zweibisdrei.

• Das Schweinerückendteak mit gebratenen Champignons Folienkartoffel und Sour Creme (10,50 €), von der Wochenkarte, ist ein verdammt heikler Testkandidat. Wie gut, dass Sabrina nicht weiß, warum ich hier hocke. Nicht nur, weil ich Hunger habe!

Es gibt sehr viel Fleisch, zwei Scheiben, und zwei Kartoffel mit sparsam Creme.

Das Beste sind die frischen Champignons, die bestimmt Egerlinge heißen. Von nun an geht's bergab. Die Kartoffel sind Mittelmaß, die Sauercreme ähnelt nicht im Geringsten dem weltweit erprobten, amerikanischen Vorbild, sie ist zu fettig, es fehlt ihr die deutliche Säure. Aber ich kann mich anfreunden und erbitte Nachschub, sonst hätte ich die Knollen nicht hinunter gebracht. Dem knochentrockenen Fleisch helfe ich in meiner Verzweiflung mit Thai-Chili-Sauce. Mein marodes Gebiss stelle ich leichtsinnig auf eine harte Bewährungsprobe.
Aber ich habe Hunger. Der Salat konnte ihn nicht im Geringste stillen! Die ansprechende Würze, die Schwammerl und kleinste Bissen helfen mir über den Berg und retten mich vorm Zahnarzt.

Man verzeihe mir das Fazit: Christl, geh' lieber zur Post Liebesbriefe stempeln oder lerne besser kaufen und kochen!

♦ Die Benotung ist vorübergehend. Endgültig wird es, wenn die Wirtin wieder am Herd steht. Erholt vom Urlaub. Das muss dann ja göttlich schmecken ♦
August 08


♦ ♦ … und schon ist der Nachtest da:

croûton-nuggets

Mittag. Es nebelte düster. Doch das Wintergartenrestaurant ist luftig hell. Außer mir drei Gäste in diesem Teil des Bistros.
Blitzschnell steht Daniela an meinem Tisch, 12 Uhr, und schaut mich an. Ich sie auch. Dann meinte ich: Haben sie eine Speisenkarte? Ihre Antwort: Wir haben ♦ Kartoffelsuppe mit Würstchen (4,90 €) ♦
Was müssen das für irre Würstchen sein, dass sie die 10 Mark für die Mittagssuppe rechtfertigen.
Der Spezi (0,5 l, 2,90 €) kommt schnell und ist gut gekühlt. Inzwischen wußte ich auch, was ich wollte:
Tomatencremesuppe mit Croutons (3,90 €) ♦ Das muss man sich erst auf der Zunge zergehen lassen: knapp 8 Mark!

Daniela serviert in einem ansprechenden, weißen Geschirr. Reichlich, dazu drei Scheiben Baguette im kleinen Körbchen. Die Suppe schmeckte fruchtig, die Croûtons sind weitgehend aufgeweicht. Sie ist sehr chilischarf. In der Karte stand nichts davon. Nun bin ich scharf essen gewohnt, nur das war eine ganze Schuhnummer zu heftig. Am Herd stand dieses mal die Wirtin! Wollte sie, dass ich ihre feuchte, rote Kreation zweimal spüre?

Reiberdatschi mit Schinken und Käse gefüllt dazu Salatbuquet (5,90 €) ♦ Das reizte mich. Man nehme einen Reiberdatschi, darauf zwei Scheiben runden Pressschinken, inkl. teilweise festem Altersrand, darauf einen Reiberdatschidoppeldecker mit Spuren von Käse dazwischen. Das machte aber nichts, denn der Käse war vollkommen geschmacklos. Auch der Salat war schlicht schwach gedresst. Unter Buquet verstehe ich etwas anderes. So schlecht hatte ich schon lange nicht mehr gegessen. Daniela wollte wissen, warum es mir nicht geschmeckt hat. Ich hatte aber keine Lust, ihr es zu erklären.

Das helle, luftige Innen-Ambiente verbessert die Note von 6 auf 4 minus!

Ich ging. Ein für alle mal

September 08

 

Oberbayern

Restaurant othello
Hauptplatz 2
85276 Pfaffenhofen
 
Wirt: Othello GmbH & Co. KG; GF Christine Breitsameter
Koch: nn
Service: Mädels

tel:  08441-8796345

Ruhetag: keiner


gelbe Paprikacremesuppe

Putenbruststreifen mit gebratenen Nudeln

othello und oh tell oh

In meiner von viel Blödsinn geprägten schulischen Pubertät kam natürlich auch der schweizer-Shakespeare-Kalauer vor:
Als der wackere Eidgenosse zu seiner üppigen Holden ins Bett kroch und absichtlich mit seinem Arm ihre Brust touchierte (so nebenbei entstand der Begriff »Armbrust«), hauchte diese: »oh Tell oh«.
Was Sie jetzt hoffentlich überlebt haben und dereinst den britischen Literaten zu seinem mohrigen »Othello« inspirierte.

Und was hat das Ganze mit der gleichnamigen Restaurantkette (auch Markt Indersdorf und Aichach) zu tun?

Fast nix!

Früher gab es an gleicher Stelle die »Neue Liebe« mit einer bisweilen grässlichen Küche. Dann verblüffte im »othello« ein Mike mit seinen beachtlichen Zaubereien aus der Puppenküche. Der ging dann, um zwei Tage lang beim Schuhbeck das Fürchten zu lernen und landete in Geisenfeld (Café Maximilians?).

Sein Nachfolger änderte kaum am Speisenkonzept. Es kehrten überdies etwas ruhigere Zeiten in dem jung gestylten Betrieb ein, in dem auch ältere Semester gerne hocken (Junge kucken?). Die Tageskarte verspricht oft Frische, die die Küche dann auch hält.
• Gelbe Paprikacremesuppe mit Feta (3,10 €) gibt es zum Auftakt. Drei Scheiben Baguette, zwei Sorten, viel Suppe und reichlich griechischer Würferlkäse. Ist meist aus Schafs-, manchmal auch aus Ziegenmilch, in Salzlake gereift. Er passt gut in die Suppe, obwohl ich ihn nicht mag. Der Hauptgang klingt anspruchsvoll:
• Glasierte Sherry-Putenbruststreifen mit gebratenen Nudeln
(8,80 €). Die Wirklichkeit ist schon arg trocken, auch die Brust (siehe oben). Ich helfe mit Sojasoße nach, was sich aber als Quatsch herausstellt. Den Sherry finde ich überhaupt nicht. Es schmeckt zwar gut, bleibt aber hinter den Erwartungen aus der eindeutigen Speisenkartenformulierung zurück. Als Zwischengang bekomme ich einen
• kleinen Tomatensalat mit roten Zwiebeln und Balsamicodressing
(2,90 €), der zwar angenehm frisch gekühlt auf dem Bistrotisch auftaucht, dessen Edelessig aber nicht zu den Besonderen seiner Zunft gehört, und das für doch viel Geld. Zum Finale versuche ich ein
• Crêpe Natur mit Apfelmus
(2,80 €). Hätte das Apfelmus irgend einen geschmacklichen Pfiff, halt, jetzt habe ich's: der Apfel, der Tell, und wenn jetzt die blonde Schöne am Nebentisch auch noch Desdemona hieße, die mit dem dunkelhäutigen Schönling die ganze Zeit Händchenknutschen spielt, dann wäre der Bogen zum Anfang doch gegeben.

Natürlich nicht. Es wäre wirklich zu viel verlangt. So bleibt es bei der Feststellung, dass man im Pfaffenhofener Mohren recht ordentlich, reichlich und jung schmausen kann. Zwar nicht gerade billig, aber egal, der Laden hat was, ob mit oder ohne tragischem Mohr namens Othello aus Venedig.

August 08

Fotos in groß? Einfach bitte auf die Bilder klicken!

 

Oberbayern

Restaurant Zeidlmaier
Bahnhofstraße 55
85296 Rohrbach
 
Wirt: Karl Zeidlmaier
Koch: Christian Kroiß
Service: Christina

tel:  08442-8428

Ruhetag: Montag + Dienstag


Leberspätzlesuppe

Rehschulter

ums haar halleluja

Schon eine ganze Zeit lang wollte ich wieder einmal nach Rohrbach zum Zeidlmaier, doch es klappte irgendwie nicht. Eigentlich schade, wird schon seinen Grund haben. Vielleicht gibt es ihn gar nicht mehr?

Keine Bange, das Haus steht unversehrt und an den Pfannen schwingt der Christian Kroiß. Wahrscheinlich über ein paar Ecken mit dem Urgestein verwandt oder verschwägert. Egal. Denn wie der schwingt, das ist ein Genuss, da braucht sich der Karl überhaupt nicht zu schämen. Der Auftakt, eine Leberspätzlesuppe (2,80 €) machte mich schon leicht stutzig. Richtig handgemachte Spätzle, vielleicht etwas zu »trocken«, etwas zu wenig »lebrig«. Ich mag halt solche Suppen fetter, bei Fleischkatzen ist das so.

Problemlos darf ich den gemischten Salat gegen Gurken solo eintauschen. Die blutjunge Christina hat alles im Griff. Als ich eine Getränkekarte will, meint sie absolut selbstsicher: »Haben wir nicht, nur eine Weinkarte. Die Getränke sind ein Bestandteil des Hauses. Die kennt jeder.« Kili, da schaugst etwas deppert aus der Wäsche!

Noch depperter muss ich geklotzt haben, als die
• Rehschulter geschmort (aus heimischer Jagd) mit Topfenspätzle, Preiselbeeren und gemischtem Salat
(12,00€) kam. Gurkensalat, Preiselbeeren, Spätzle separiert. Auf einem schönen weißen Ovalporzellan lag das Schulterblatt eines finnischen Elchs mit 500 kg Lebendgewicht. Umringt von teils knackigen Schwammerln der Extraklasse. Und das saftige, mürbe Fleisch, der Wahnsinn. Da kann ich doch glatt auf den Rücken verzichten. Bei diesen Schultern! Ja, und dann noch das kleine Wunder: die Preiselbeeren. Nix Marmelade, nix Konserve, nix Büchse oder Glasl, nein, der pure Wald!! Da muss ich mich einfach bedanken. Mit vielleicht anderen Spätzle, die Topfenausgabe ist mir zu langweilig, bekäme dieser Gang ein Halleluja.

Nach dem nicht ganz so hopfenherben Pils aus München (0,4 l; 2,70 €), da kann man wenigstens ein paar Mal schlucken, genoss ich den hausgemachten Spezi (0,5 l; 2,70 €). An seiner Qualität hat sich offensichtlich in den letzten hundert Jahren gar nix geändert.

Bei den herbstlichen 13 Grad jetzt um Zehn auf d'Nacht muss ich mich sputen, um in den nächsten Tagen noch ein Mahl im Biergarten zu erwischen. Da bin ich dann richtig gespannt ob der Christian Kroiß vielleicht das Halleluja schafft.

♦ Ich würde mich richtig freuen ♦

August 08

 

Oberbayern

Bräustüberl
Schyrenplatz 1
85298 Scheyern
 
Wirt: die Benediktiner unter dem Cellerar Pater Lukas Wirth
Geschäftsführer
: Thomas Eder
Koch: Frank Hennig
Service: Selma

tel:  08441-27890

Ruhetag: keiner


Leberknödelsuppe
Ente mit Blaukraut

nachtarok als seitensprung

Maria weinte dicke Tränen, als sie heute in den Himmel hinauf fuhr. Die Fieranten auf dem Jetzendorfer Frautag weinten sicher noch viel dickere Tränen, als sie heute Kasse machten. Selbst die Wespen waren stinksauer, weil es nichts Gescheites zum Stechen gab. Schlicht und ergreifend ein total dauerverregneter fünfzehnter August.

Für mich eine sehr gute Gelegenheit mittags in Scheyern endlich die zweite Stufe der geedlten Klostergastronomie des agilen Paters Lukas und seines pfiffigen Geschäftsführers Eder zu testen. Und die beiden kamen mir sehr entgegen, denn auf der Schiefertafel stand
• Ente mit Blaukraut und Kartoffelknödel
(7,40 €). Dieses Teilchen aß ich doch in der exakt genauen Machart erst vor ein paar Tagen im Biergarten der Klosterstuben. Der gleiche Preis, mit einem jedoch recht bedeutenden Unterschied: von der beispielhaft freundlich bedienenden Azubine Selma erbat ich mir ein Pfaffenstückl. Sie wollte wissen, was das ist. Ich formulierte es in den halbgeheiligten Kreuzgewölben nicht gerade fein: Was der Herr Pfarrer am liebsten mochte, die Brust. Sie verstand, hatte eine und brachte eine. Drittes Lehrjahr, Hut ab.

Hut wieder auf, denn vorher löffelte ich noch einen Testklassiker weg, eine • Rindssuppe mit Leberknödel (3,20 €). Obwohl die Brühe (wirklich reichlich) ungewöhnlich säuerlich daherkam, hat sie mir geschmeckt. Das ist doch die Hauptsache. Auch der halbfeste Knödel war wie handgekugelt. Na bitte.

Hut wieder runter, leider kam das Blaukraut laukalt auf den Tisch, ich bekam dann aber eine Schale der verdauungswichtigen Beilage in heiß und siehe da, schier köstlich gewürzt und wundervoll knackig. Musterbeispiel! Der edle Flatterer selbst war wieder oberflächlich gerupft, jedoch das Fleisch kann nicht mürber sein. Auch den herzlosen Knödel verdrückte ich ohne Murren. Der ArmeLeuteFesttagsbraten bekommt die Note gut.

Was ich sehr bedauere, dass die vollautomatische Schankanlage, wahrscheinlich fehlt der Internetanschluss nach ganz oben, keine Radlerhalbe (0,5 l; 2,50 €) mit dem hauseignen, kellertrüben Bier zusammenbringt. Der Augenaufschlag von Selma fetzte allerdings das arg frustrierende Manko mit Links vom Tisch (mein Gott, was bin ich korrupt?).

Eder schoss auch nur kurz vorbei. Wenn das so weiter geht, muss ich mich eines Tages noch bei ihm entschuldigen.

♦ Lieber Gott der Benediktiner, muss ich das wirklich? ♦

August 08

 


war einmal drei

Oberbayern

Ristorante Pizzeria
Da Giovanni
Aichacher Str. 4
85305 Jetzendorf
 
Wirt: Fam. Cipolla
Koch: der Wirt
Service: meist der Wirt

tel:  08137-92102

Ruhetag: keiner

 

Tomatensalat

mitleid?

Wirt Cipolla wirkt auf mich, als könne er keiner Fliege etwas zu Leide tun. Selbst wenn er nicht kochen könnte, ich wäre ihm nicht böse. An normalen Tagen, wenn nichts los ist im Jetzendorfer Hinterhof, macht er alles. Und er macht es gar nicht schlecht. Sein Pizzaboden ist kross, handmade, man sieht es. Und er belegt geschmackvoll und reichlich. Für Knoblauch und scharf verlangt er nix, sonst kosten Wünsche 0,50 €, auf den Fisch-Teig-Radln 1 € und Scampis schlagen mit 1,50 € das Stück zu Buche. Ein paar Gerichte gibt es mit hausgemachten Nudeln, sonst alles normal, schlicht und, na ja, wenig ergreifend.

Vor dem weltberühmten Frautag, wenn Abertausende durch die Hauptstraße von Jetzendorf ziehen um Socken, Bürsten und Fischsemmeln günstig zu kaufen (welche ein hanebüchener Irrglaube!), verfolgt von einer Wespenarmada, die aus ganz Deutschland für einen Tag in das abgelegene Kaff fliegt, holt er sich für den Service Verstärkung. Sabrina bediente bereits am Abend davor. Eine heiße Junge mit sündigem Schwarz, schönem Busen und auf ziemlich hohen Pumps. Morgen um Mitternacht kann sie ihr Fahrgestell wegwerfen, wenn sie so weitermacht.

Der • Insalata Pomodore et Cipolla (Tomatensalat mit Zwiebeln) (3,50 €) ist reichlich, zimmerwarm und mit langweiligem Dressing. Oh Maria hilf, bevor du morgen in den Himmel entschwebst: Pfeffermühle und mein Aceto aus dem Kofferraum wirken Wunder. Für die Wunschzugabe Thunfisch muss ich nicht extra löhnen. Oder die Sandra hat es verpennt, weil am Nebentisch ein handfester Jungkerl …

• Spaghetti Aglio et Olio (4,50 €) steht »scharf« in der Karte. Man nehme es tunlichst sehr ernst. An Sandras Stöckelschuhen gemessen, wären ihre Absätze zwanzig Zentimeter hoch. Darauf kann kein Mensch laufen, nicht einmal nackert. Das gute Öl kann auch kein Mensch mehr schmecken, wenn gerade die Mandeln abfackeln.

Das richtige Mass nur bringt Genuss, großer, netter Meister »Zwiebel«!

Bringen wir es auf einen Jahrmarktnenner: Der italienische Hinterhof ist etwas für Liebhaber neapolitanisch angehauchter Abenteurer, kulinarischer, denn die Sandra ist ja wieder fudschigago. Zwengs Kerl und so. Dinstag ist Pizzatag, da kostet jede, mit Ausnahmen, 4,80 €. Dinstag ist auch neapolitanisch! Angina kann man ohne Rezept wegsengen lassen und sonst. Ach was, es gibt kein »sonst«.
August
08

Nachtarock: Die Tomaten im Salat sind diesmal sogar teilweise lätschert und wieder zimmerwarm, der Thunfisch ist zwar reichlich, das Dressing kann man einfach vergessen. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen: Dieses Mahl sehr negativ: der Fisch kostet zusätzlich 2,50 €. In Worten also, der total verunglückte Salat kostet zwölf Mark, ergo Note 6. Die Spaghetti alla Amatriciana sind wirklich nicht mehr als Note vier. Für die Wartezeit an einem Familientisch bei null Betrieb im Lokal gibt es sogar die Sechs. Es ist halt so. Leider. Aus mit der guten Meinung vom Artikelbeginn: Note 5! (nur wegen der guten Pizza steht er nicht in den Enttäuschungen)
August
08

 

Oberbayern


Innenhof

Trattoria Pizzeria
Da Flavio
Moosburger Str. 6
85276 Pfaffenhofen
a.d. Ilm
 
Wirt: Fam. Pilla
Koch: Wirt Flavio
Service: Wirtin Frances und Morena

tel:  08441-789600

Ruhetag: Montag

 


pizza-pane mit Oliven

Spaghetti Bolognese

 

echt italienisch im hinterhof

Ich kannte Sie natürlich nicht. Eine späte Schönheit mit funkelnd weißen Zähnen im weißen, schulterfreien hautengen Kleid. Die Haar streng nach hinten zum Knoten gebunden. Wehe, wenn sie losgelassen. Tischweib, alleiniges, für zehn Herren. Sie balzte reihum. Mit viel Genuss Kabarett am Mittagstisch im verschwiegenen, verschmusten Minigärtchen der Familie Pilla. Der eine Dreiertisch ganz hinten im Eck, der bringt's. Ein gutes Glas Rotwein, Händchenhalten und …

Ich wartete auf die Neue. Sie heißt Prenne und soll mit der Sauce Bologna kommen, picante, wie es sich für 25 Grad gehört. Doch vorerst gibt es das schier köstliche, kammartig eingeschnittene Pizzabrot mit dem herrlichen Rosmaringusto und ein paar Superoliven, pflaumengroß. Das verkürzt jede Wartezeit.
Sie kennen Prenne auch nicht? Nicht traurig sein, auch Google weiß nicht weiter und flüchtet ins Französische. Irgend etwas mit »nehmen«. Frances, die agile Wirtin sagt, das sind Penne im Dreikantröhrenformat, schräg abgeschnitten. Sie meint, sehr nudelintensiv.

Sie hat die Teile genau richtig beschrieben. Der Sugo ist natürlich perfekt mit der gewünschten Peperoncinischärfe. Unterm Strich, oder im Antlitz des leeren Tellers, resümiere ich: Spaghetti oder gar Spaghettini passen besser zu der dicklichen Soße.

Doch wer nichts ausprobiert, kann nicht mitreden. So tröste ich mich kulinarisch, bis der Firmentisch vertiggeschlabbert hat und besagte Dame sich zu voller Größe und Halbdurchsichtigkeit auf den ebenfalls weißen, aber konturenstarken Tanga, erhebt. Es wäre fast mein Tod gewesen: erstickt an einer dreikantigen Nudel, schräg abgeschnitten.

Sie wertete mein Husten als Kompliment und drehte ihre bestimmt naturbelassene Oberweite noch etwas mehr in ein scharfes Profil. Hab ich ein Glück, dass ich nicht in dieser Firma arbeiten muss.

Ein letzter Schluck Mineral und ab ins Mittagsheia. Solo, natürlich.
August 08

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Oberbayern

Landgasthaus
Oberwirt

Sternstraße 20
85514 Kirchdorf
an der Glonn

Wirt: Fam. Schuhbauer
Koch: Benedikt S. jun
Service: stark

tel:  08166-7366
Ruhetag: Dienstag

Schweinshaxe

  junge besen kehren gut

Wenn einen Lotte, das wahnsinnige, wuchtige Urvollblutweib, die kontrastierend zartzierliche, leider ledergebremste Stopsellocke Maryla oder die grundsolide Conny aus dem Hohenkammerstall des Guido Stocker bedienen, kann man getrost geröstete Bierdeckel bestellen: alles wird gut!

Bernd und ich genossen die drei Servicedamen an diesem geschenkten Sommersonntagmittag in vollen Zügen. Dazu ein riesiges, saftiges • Wiener Schnitzel vom Schwein mit Kartoffel-Gurkensalat (8,20 €) nebst Zitronenachterl, das man auch über dem Schnitzel ausdrücken kann – und keine hirnlos drauf gelegte, depperte Zitronenscheibe, mit der das eben nicht funktioniert – weiter ein • Schweinebraten (was der Vater nicht lernt, lernt Junior Benedikt nimmermehr: es heißt Schweinsbraten, verdammt nochmal!) mit Kartoffelknödel und gemischtem Salat (8,20 €). Ich kann mich nicht erinnern, wann ich in letzter Zeit eine so vorzügliche Ausgabe des bayerischen Nationalgerichtes bekommen habe, ja wirklich, liebe Christine! Groß, saftig, wohlschmeckend, würzige Soße, zwei prima Knödel mit Bröckerl im Herzen und ein Top-gemsichter-Salat. Das rotweinige Dressing eine Wucht, vielerlei Vitaminspender. Einen riesigen Strohhut ab vor dem hünenhaften Schuhbauer Junior. Und: der Apfel fällt nicht weit von Wirtin Christine, die mich über Jahre hinweg immer gut bekocht hatte.Mit dem Senior kam ich persönlich nicht zu Rande, bei ihm lag das »Nehmen und nix geben« zu deutlich auf der Hand.
Hätte ich Lotte als Nachtisch für immer und ewig bekommen, hätte mein Sohn ohne mich nach Hause fahren müssen.

Aber so …

Wir freuen uns auf den nächsten Junior!

Und die Lotte. (Ich kann es nicht lassen)
August 08

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Oberbayern

Landgasthof
Lindermeir

Münchener Str. 4
85293 Reicherts-
hausen

Wirt: Fam. Lindermeir
Köchin: die Wirtin
Service:
eigentlich gut

tel:  08841-9868
Ruhetag: Mon- und Dienstag

♦ Nachtarock ♦ Die beschriebene Bedienung wurde wegen zu vieler Beschwerden entlassen.
August 08

♦ Nachtarock ♦ Die Roulade war ein Genuss, ebenso das Filet Stroganoff. Wenigstens etwas.
September 08


beinahe feucht 
über den tisch gezogen

Ein trockener, heißer Mittag – und ein fast bitterer. Nur das wussten wir anfangs noch nicht. Als uns allerdings im Garten (ein Biergarten ist das nicht wirklich) die auf uns etwas trampelig wirkende Bedienung fragte, ob wir, um 13 Uhr(!), die Speisenkarte wollen, hätten wir eigentlich gehen sollen. Nur unser Enkel ist auf Lindermeir's Spätzle mit Wildsoße (2,40 €) so versessen, dass wir sitzen blieben.

Die Bestellung weiter: eine • Apfelschorle klein (0,25 l, 2,20 €!!!), einen • Grünen Veltliner (0,25 l, 4,10 €), eine Mineralwasser groß, einmal • Matjesfilet Hausfrauenart mit Kartoffel (7,50 €) und einen • Schweinebraten mit Knödel und Salat (8,20 €). Den Salat durfte ich ohne Aufpreis(!) auf Gurkensalat wechseln.
Als Getränke brachte mir die begabte Servicekraft ein Fläschchen Mineralwasser, 0,25 l. Als halben Liter gibt es nur Tafelwasser (0,5 l; 2,50 €!!!!), meinte sie jetzt. Also ging das putzige Fläschchen zurück! Dann kamen die Spätzle, aber ohne Wildsoße, sondern mit einer fast ungenießbaren, dunklen Soße, die nur nach Plastikeimer schmeckte. Mein Enkel stocherte enttäuscht. Dann kam mein Gurkensalat mit viel Dill und offensichtlich Essigessenz. Ich stocherte ebenso und meine Frau holte mir liebenswerter Weise meinen guten Balsamico, im zweckentfremdeten Flachmann, aus dem Auto. Jetzt war das Grünzeug genießbar.

Ich wollte es nun wissen und erbat um etwas Wildsoße. Es kam die gleiche, unwilde Pampe wie schon bei meinem Enkel. Meine Bewertung: eine Sauerei, Gäste für so dumm zu verkaufen.
Der Schweinsbraten, so heißt das Gericht richtig, kam mit einer ebenso fürchterlichen Soße und mit einem Fleisch, das ein unanständig raffinierter Küchenchef durch den Wolf dreht, damit sein Kunde nicht merkt, wie grässlich es schmeckt. Die beiden kleinen Kartoffelknödel waren in Ordnung. Meine Frau war mit den sehr salzigen Fischen sonst aber recht zufrieden, da die Kartoffel ausgesprochen gut schmeckten.
Damit waren die Lindermeirs runter von der Note 6 und gerade noch aus den Enttäuschungen draußen.

Unglaubliches Finale: Misstrauisch überprüfe ich die Rechnung: es stehen zwei Fläschchen Mineralwasser drauf: 3,80 €!!! Klar dass die Bedienerin auf die Kasse schimpfte, weil sie nicht in der Lage ist, es selbst zu kontrollieren. Man sollte sich allerdings den Preis für Tafel-Wasser beim Metzgerwirt Lindermeir (angeblich »scherzen« manche Metzger gerne: So lange die Leute das Wasser mit Messer und Gabel essen, kann es uns nicht schlecht gehen) auf der Zunge zergehen lassen: ein Liter kostet demnach 10 Mark. Erkenntnis: Da ist ja das Bier auf dem Oktoberfest fast preiswert!

Vornehm geht die Welt zu Grunde – und wir nur mehr mit Herzklopfen zur Metzgerwirtschaft mit dem Wirt, der seine Gäste fast feucht über den Tisch ziehen muss, damit er selber nicht verhungert oder gar vertrocknet.

♦ Metzgers-Mahlzeit!
August 08

Niederbayern

Niederbayern

Waldpension
Jägerstüberl

Steinkart 1
94086 Bad Griesbach

Wirt:  Fam. Haslinger
Koch: der Junior
Service: der Senior

tel: 08532-972660
Ruhetag: Mittwoch
www.waldpension-griesbach.de

Hirschkeule


 

 

▼ Nachtarock ▼
Ein warmer Sommerabend. Es ist die Hölle los. Die Bedienerin, die sonst in der Küche steht, warnt vor einer langen Wartezeit. Wenn er kocht, wie der Teufel, soll uns das recht sein. Tut er nicht, die Ente ist teilweise ungenießbar zäh, in einer braunen, geschmacklosen Soße dümpeln Sauerkirschen aus dem Glas. Insgesamt Note 5. Was jetzt?

Mir fällt zu dieser Achterbahn nichts mehr ein!

August 08

meine kehrtwendung

In letzter Zeit bin ich mit der Leistung von Familie Haslinger ganz schön zusammengerumpelt, vor allen Dingen mit der des Jungkochs. Doch unumstritten kann man im Thermalgäu kaum schöner im Freien unter Obstbäumen sitzen und den Äpfeln beim Wachsen zusehen, als hier im Wald bei Griesbach, im Steinkart.

Also bin ich wieder hoffnungsschwanger eingekehrt und es war nirgendwo verkehrt. Ganz im Gegenteil. Es hat ausgezeichnet geschmeckt und das zu sehr anständigen Preisen, selbst mein neuentdeckter Geheimtipp im gottverlassenen Asenham kann nicht mithalten.

• Paprikacremesuppe mit Shrimps (2,50 €; Sie haben sich nicht verlesen) verdiente, ohne lange Herumzureden, die Bezeichnung Halleluja.
Wenn schon im Wald, dann muss bei mir der Hauptgang wild sein: • Geschmorte Hirschkeule in einer Preiselbeersauce, dazu Blaukraut und Spätzle (10,10 €; Sie haben sich wieder nicht verlesen). Es sind zwei große, dicke Fleischstücke, blitzsauber pariert, herrlich mild. Feinessern vielleicht ein wenig zu trocken, deshalb wird es gern gespickt. Ich allerdings war begeistert und bereue es aufrichtig, dass ich dem Koch schon so heftig an den Karren gefahren bin. Die Sauce, schade keine Soße, steht dem Fleisch in nichts nach und beinahe hätte ich um ein paar zusätzliche Preiselbeeren gebettelt. Auch die knopfigen, genau richtig festen Spätzle lobe ich. Das Blaukraut finde ich gut, das einzig Schwache, aber harmlos, an dem Sommermittag. Auf das Gemüse habe ich verzichtet. Es hat mir nur nicht in meinen geschmacklichen Kram gepasst.

Verdammt schwer fiel es mir, zu einem Dessert nein zu sagen, da am Abend noch ein Test anstand. Meine Wahl wäre gewesen: • Mousse au chocolat mit Sauerkirsche und Chilly mariniert mit frischen Früchten (3,90 €; Sie haben sich wieder nicht verlesen). Das sind Versuchungen! Ich bin stolz auf mich.

Machen wir nicht viel Federlesen, der Löwe ist zurückgekehrt. Und jetzt bleibt er im Steinkart bis er alt und grau wird. So wie ich es bereits bin. Schluchz!

Ein Wort in eigener Sache: Iris hau bitte ab aus meinen nassen Träumen. Blödes Thermalwasser, feuchtes! 
Juli 08

Niederbayern

Restaurant
Steigers
Hacienda Mexikana

Füssinger Str. 14
94060 Pocking

Wirt:  Steiger
Koch: der Wirt
Service: die Wirtin

tel:  08531-310622
Ruhetag: keiner; mittags
www.steigers-hacienda.de

Chili con carne

  wo der bär tobt

Über hundert Umleitungen fand ich endlich, von Obernberg kommend, den Obi und den Steiger. Die Pockinger feiern ihr Stadtfest. Und zwar alle. Dazu haben sie das Zentrum abgeriegelt und ortsfremde Karossendirigenten das Fürchten gelehrt. Meine Navi-Tante muss eine begeisterte Pockingstadtfestanhängerin sein, weil sie mich mit ihrem depperten »bitte wenden sie jetzt« penetrant ins Herz des niederbayerischen Vergnügens hetzen wollte. Ich habe ihr Leukoplast über die Goschn gepappt und den Steiger bei Tageslicht gefunden. Aber: es war letztendlich bei winterlicher Dunkelheit spannender.

Jetzt saß ich also wieder beim Mexikaner. Die attraktive Wirtin Emilia aus dem Prager Landl konnte mich nicht bei meinem Händchen packen und zum Tisch geleiten, weil es ja noch glockenhell war. Die verdammt gute Musik hatte mich aber sofort positiv gepolt und die Einsamkeit vergessen lassen. Denn die Pockinger trieben sich ja im autofreien Zentrum mit Zuckerwatte und üppigen Dirndldécolletés herum. Hoffentlich kommt bald der mexikanische Schweinsbraten, sonst kollaboriere ich an meiner Fantasie. Im Strudel meiner Gedanken fiel mir auf, dass der Steiger genau so viel mexikanisch ist, wie ich heilig. Ich werde  dem sympathischen, heute stressfreien Grizzly einmal deutlich auf den mittelamerikanischen Zahn fühlen. Koste es, was es wolle!

Die • Apfelsaftschorle (0,4 l, 2,50 €) hatte ein zartes Apfelaroma! Dabei gibt es hier wirklich wuchtige Obstsäfte, die nach ihrem Namen schmecken.

Für sein Allerweltsmittalamerikabohnenundfleischschmankerl lohnt sich ein Umweg von 20 Kilometer. Das Baguette ließ ich unangetastet und sah dafür der Wirtin 1,4 Sekunden in die Augen, als ich wissen wollte, wie lange sie schon mit dem Grizzly verheiratet ist. • Chili con carne Mit natürlicher Schärfe von Jalapenos, dazu Baguette, reines Rindfleisch (8,80 €; vor einem halben Jahr noch 7,40 €!*), so stand es noch in der Karte, doch demnächst wird sich die Hacienda in eine Daschaugstcienda verwandeln, voll mexikanisch. Mit neuer Karte.       *Mir wird schon Angst!
Mitten in Pockio de Méjico.
• Am Freitag (dia libre; frei übersetzt) gibt es den Sombrero-Staat und in Pocking Spare rips (Rippen von der Sparkasse; frei übersetzt) für 4,90 €. Allerdings ließ der Steiger bei diesem Dumpingpreis den Bienenbatz von der würzigen Honig-Salsa-Kruste weg. Eindeutig schade. Kruste ist auch etwas anderes, aber die ribberlios waren frischfleischig, waren saftig und gut. Nochmal Baguette tauschte ich  gegen • Ofenkartoffel mit Sauerrahm (unberechnete 1,70 €). Das war ein grande mierda: der schmackhafte Sauerrahm hatte keine Chance gegen die miserablen Kartoffel. Die Benotung rutscht wegen deren Schweinefuttergusto und dem satten Eurolifting auf den WackelDreier, damit der Grizzly (amigo haderlumpo; frei übersetzt) in Zukunft sorgfältiger einkauft und güstiger rechnet.
Alle guten Dinge sind drei: • Enchilada Pavo Gefüllt mit Pute (trocken), Gemüse, dazu Salsa, Mole, Sauer cream (8,90 €) (Pfannakuacha auf Opernsänga-Art; frei übersetzt). Das Sprichwort haute heute nicht hin, denn bis auf die erstklassigen Dips blieb der erste Gang einsamer Sieger.

El resultado: amigo steiger, steiger dich bitte wieder, nur nicht bei den Preisen, wenn die neuen Tische und Stühle kommen. Sonst hast Du immer una fiesta árida (keiner hockt bei Dir; frei übersetzt), das ganze Jahr über, nicht nur beim Stadtfest!

Und ich meine es wirklich gut.

♦ No decir ni más ♦ (mehr sog i ned; frei übersetzt)

Juli 08

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