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| 07-03-10 10:46 |
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Der Wirtekreis Bayern-gastlich – zeitkritisch |
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ARCHIV der bisher veröffentlichten Kolumnen |
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Auf und nieder, immer wieder, ham mas erst gestern g’machd, mach mas heid a«. Wer kennt das meist auf Bänken oder gar Tischen gegrölte Trinklied – ist denn mein hirniges Gebiss schon genau so marode, wie die original Beißer eine Handbreit tiefer unten? – Sauflied, jawohl, wer also kennt dieses Sauflied nicht in- und auswendig? Mit Millionen »Die Krüge hoch!« schwappt es als stimmgewaltiger Ruf, gerade vom Oktoberfest, immer wieder um die ganze Welt. Gedankensprung: Vorbei sind die ruhigen Zeiten, in denen ein Tankwart mit einer Leiter zur Preistafel seiner Autotränke hinaufklettern musste, um die übergroßen Kunststoffzahlen, die da oben an kleinen Haken hingen, auszuwechseln,. Geschah dies vier mal im Jahr, so war das viel. Heute hätte er mit dieser Methode längst ein schweres Hüftleiden. Aber findige Spritbarone schufen rechtzeitig Abhilfe, indem sie unübersehbare, riesige Anzeigentürme installierten, von der Kasse aus fernbedienbar. Mit null Aufwand steigen die Preise und fallen – seltener –, praktisch im Sekundentakt. Wenn das jemand will. Rein theoretisch-technisch könnten befreundete Sprithahnstrategen ihre Türme zusammenschließen und von einem Zufallsgenerator steuern lassen. Dann entfiele das langsam langweilende Eintippen gänzlich. Doch da hat der Gesetzgeber ein Riegelchen vorgeschoben: Preisabsprachen sind bei uns verboten! Es kann also nicht vorkommen, dass Benzin an mehreren Tankstellen gleich viel kostet. Aber jetzt hakt es bei mir aus! Ich verstehe das nicht, denn in meinem Ort sind die Preise sogar firmenübergreifend einheitlich. Selbst die Freien sind brav mit von der Partie. Also gibt es mit Sicherheit ein ölderivates Tankstellenpreisanzeigegedankenübertragungssystem (abgek.: OeTaPrAZeGÜS), das selbst die heute oft nicht mehr verschlafene HirnMedizin ratlos staunen lässt. Leider besitze ich überhaupt kein Latinum, sodass ich nicht mit dem wissenschaftlichen Namen für dieses weltumspannende Phänomen dienen kann. Dafür jetzt weitere Eigenheiten. Wenn die Ölzuzler, ob mit oder ohne Turban, ihre Fördermengen drosseln, nach dem Motto: Willst du gelden, mach dich selten (es liegt kein Druckfehler vor), dann steigt der Benzinpreis. Klar, Marktgesetz! Dann rauchen die spritigen Multis mit besagten Ölzuzlern eine oder mehrere Wasserpfeifen, jammern sich einen Wolf und bekommen dafür eine satte Fördermengenerhöhung versprochen. Nun streut man in die Lenkradwelt via Presse das Gerücht, dass professionelle Wasserpfeifenzuzler es nicht so recht ernst mit ihren Versprechungen meinen und der Benzinpreis steigt. Nick Knatterton, legendärer Detektiv aus grauer Vorzeit würde daraus absolut treffend kombinieren: Ist das Öl über dem Erdboden knapp, steigt der Benzinpreis. Ist hingegen viel Öl über dem Erdboden, steigt der Benzinpreis. Sein Schluss: der Benzinpreis steigt immer! Und die letzten Jahre untermauern gnadenlos die Richtigkeit seiner Erkenntnis! Wir sind also ohnmächtig den Ölmächtigen ausgeliefert? An sich ja, theoretisch aber etwas nein, denn da gibt es ja noch die sogenannten Gesetze des Marktes (abgek.: GEDEMA). Eines davon heißt, für jedermann verständlich, »Auf dem Markt regelt die Nachfrage den Preis«. Sie ahnen schon, was jetzt kommt. Wenn wir weniger tanken täten, dann könnten die sich mit ihren Wasserpfeifen die Lippen wundzuzeln! Die Tankstellenpreisanzeigen rosten ein. Super! Die Sache hat leider Haken. Wir brauchen den verfluchten Stoff, um mobil zu bleiben und um unsere Potenz zu artikulieren. Die überforderte Regierung kann auch nur halbherzig helfen, denn sie verdient am meisten mit hohen Preisen. Vielleicht kriegt sie auch deshalb das mit dem Verbot der Preisabsprachen nicht so richtig gebacken. Könnte ja sein. Schaun wir doch einfach Karl Valentin über die Schulter, der für Probleme des Alltags nahezu immer eine pfundige Lösung wusste. Die sähe dann so aus: Am Sonntag tanken nur Geistliche, denn das ist ja ihr Tag. Am Montag fahren nur alle Frisösen zur Tanke (überdies eine Traumsituation für alle Spanner!), der Dienstag gehört den Gastwirten, denn die brauchen inzwischen mindestens zwei Ruhetage, um sich von ihren Einnahmen zu erholen usw. Damit würde die Benzinabnahme verknappt. Genial! Wer kümmert sich darum? Niemand! Der Gesetzgeber verbietet jeglichen Aufruf zum Boykott. Mit satten Strafen. Finito! Heute wollte ich auf nichts anderes hinaus, habe also noch Platz, um den Zusammenhang mit Anfang und Ende dieser Kolumne zu erklären. Man sagt, und ich glaube das sofort, dass alle Ölmultis weltweit, ohne jedwede Absprache, als Schlaflied singen: »Auf und nieder …« PS: Was halten Sie denn von meiner aberwitzigen Idee: der Weg zum Zigarettenautomaten nicht mehr mit dem Auto oder mit dem Rauchen aufhören und ohne Probleme die nächste Kneipe heimsuchen …
Autor: Helmut Kilian © 2007/08 by AfG Atelier für Gestaltung |